Tipps gegen Stottern?

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6 Antworten

Dieser Ratschlag kommt von jemandem, der beide Kriterien erfüllt. Ich habe bis zu meinem 29. Lj. schwer gestottert und bin Logopäde, in den USA ausgebildet und hochgradig auf die Behandlung von Stottern spezialisiert.

Dass Du momentan in Therapie bei einem Logopäden / einer Logopädin bist und "kaum eine Besserung" erzielst, lässt natürlich meinen Ratschlag, einen weiteren Therapieversuch zu machen, in einem fragwürdigen Licht erscheinen. Er ist aber dennoch gut. Die meisten Leute denken, dass alle Logopäden wissen, wie man Stottern behandelt und es auch können. Das ist leider nicht der Fall, in Deutschland nicht und in den USA auch nicht. Stottern ist unter den Sprach- und Sprechstörungen eine Besonderheit. Alle Kollegen und Kolleginnen, die Stottern wirksam therapieren, haben ein besonderes Interesse an dieser Störung und Erfahrung in der Behandlung. Das ist meine Faustregel: Akzeptiere nur einen Therapeuten / eine Therapeutin, die besonderes Interesse am Stottern hat und Erfahrung in der Behandlung. Das kann man vorher abfragen.

Suche gezielt nach Gruppentherapien, nach meiner Erfahrung wesentlich effektiver als Einzeltherapien, und da entweder nach "Fluency Shaping" oder "Stottermodifikation". Für die letztere Variante kannst Du auch gleich nach "Viermalfuenf" suchen.

Ach ja, mit "Tipps gegen Stottern" wirst Du wahrscheinlich nichts erreichen. Der Tipp immer zu singen, wenn Du mündlich kommunizieren willst, ist nichts wert. Ich habe noch nie jemanden getroffen, der das macht, obwohl ich schätzungsweise 2.000 Menschen, die stottern, kenne und etwa 700 von diesen behandelt habe.

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Kommentar von BVSS - Stottern & Selbsthilfe
16.09.2016, 11:45

Dem können wir nur zustimmen.

"Wir", das ist die Bundesvereinigung Stottern & Selbsthilfe (BVSS). Ein gemeinnütziger Verein, gegründet von stotternden Menschen für stotternde Menschen und ihre Angehörigen.

Wenn du dich über die Therapiemethoden (z.B. Fuency Shaping, Stottermodifikation) und Formen (ambulant, stationär, intensiv etc.) informieren möchtest, dann ruf mal bei uns an:

Kostenlose, unabhängige Fachberatung zu Stotter-Therapie & Selbsthilfe:

Durchwahl 0221 139 1108,
immer donnerstags von 17-20 Uhr und freitags von 12-14 Uhr.

Außerdem haben wir auf unserer Homepage eine PDF-Broschüre zu Intensiv- und Intensiv-Intervall-Therapien veröffentlicht. Sie wird derzeit aktualisiert, bietet dir aber auch in der jetztigen Form natürlich eine gute Ausgangsbasis zur Information:

www.bvss.de/therapieadressen

Dort bitte auf den Link im Textabschnitt "Stottertherapie intensiv und stationär" klicken.

Alles Gute!

Deine BVSS

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Kommentar von bruderewald
16.09.2016, 11:56

Vielen Dank für die Antwort. Die momentane Behandlung ziehlt darauf ab das Pseudostottern zu trainieren und dieses so selbst in die Hand zu nehmen. Also die Kontrolle des Stotterns zu übernehmen. Viel gebracht hat es noch nicht. Was halten Sie von dieser Methode ?
Gruß Thomas

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Warst auch mal bei einem Neurologen/Psychiater diesbezüglich?

Kennst du die Ursache für dein Stottern?

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Kommentar von bruderewald
15.09.2016, 23:24

Nein ich war bis jetzt noch nicht beim Psychater/Neurologen.
Habe aber bisher auch nicht daran gedacht, dass das etwas helfen können

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Kommentar von piobar
15.09.2016, 23:59

Nun, dass Stottern hat einen Ursprung bzw. eine Ursache. Es ist sehr wichtig herauszufinden weswegen du erst seit zehn Jahren stotterst. Ist das ein Neurologisches Problem, dass dein Sprachzentrum durch irgend etwas angegriffen wurde oder gar eine Schädigung der Nervenbahnen. Ich kenne einen Stotterer der jedoch mit dem Stottern angefangen hat als er massiv Drogen zu sich nahm und diese bleibende Schäden im Sprachzentrum verursacht haben. Suche einen Neurologen der zugleich ein Psychiater ist auf und lasse dich von ihm beraten und Untersuchung lassen.

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Kommentar von piobar
16.09.2016, 12:43

Zwingend ist es nicht jedoch kann die Untersuchung aufklären. Auch wenn die Ursache bekannt ist, jedoch kein Heilmittel existiert, dann weiß wenigstens der Betroffene das Warum... Ein Warum kann oft Seelenheil bescheren. Der Fragesteller bat auch um hilfreiche Tipps, da er sein Stottern los werden möchte. Das bedeutet auch eine neurologische Untersuchung, wie ich vorgeschlagen habe...

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Ich kenne ein paar Stotterer denen es sehr hilft zu singen. Da stottern sie gar nicht. Ist anfangs auch etwas komisch, wenn man alles was man zu sagen hat dahersingt, aber mit der Zeit verschwindet das Stottern weitestgehend.

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Kommentar von bruderewald
15.09.2016, 23:23

Naja ich singe in der Freizeit in einem Gesangsverein. Während dem Singen stottere ich nicht aber unmittelbar danach in Gesprächen schon

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Hmmm logopädie sollte schon helfen bzw. beraten!

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Hallo, Thomas,

ich habe früher auch sehr stark gestottert und alles mögliche versucht, um es los zu werden bzw. es in den Griff zu kriegen. Das hier hat mir dabei gut geholfen: http://www.stop-stottern.de/sofort-besser-sprechen.html

Probier es einfach aus. Viel Erfolg!

Liebe Grüße

Hans

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"Der Graf" ( Unheilig) hat das Stottern über das Singen und die Arbeit in der Öffentlichkeit weg bekommen. Vielleicht ist sine Biografie hilfreich zu lesen?

Ich kenne auch jemand anderenn nicht berühmten, der kaum einen Satz zuende rechen kann. Aber beim Singen stottert er nie.

Vielleicht wäre eine Art melodisches Sprechen eine Möglichkeit?

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Kommentar von BVSS - Stottern & Selbsthilfe
06.04.2017, 10:07

Zum Thema "Singen" noch die Anmerkung, dass niemand beim Singen stottert. Das liegt daran, dass beim Singen die Gehirnareale anders miteinander "arbeiten" als beim Sprechen. Es gab mal einen tollen TV-Beitrag dazu, bei dem dies mittels MRT-Aufnahmen verdeutlicht wurde. Leider ist der online nicht mehr verfügbar (war aus der Sendung Galileo).

"Der Graf" hat sein Stottern übrigens nicht in dem Sinne "weg bekommen". Er hat durch seine künstlerische Tätigkeit einen anderen Umgang damit erlernt und eine andere Haltung seinem Stottern gegenüber eingenommen. Inzwischen ist sein Stottern (zumindest in der Öffentlichkeit, privat weiß man es natürlich nicht) meist kaum hörbar, für die meisten Menschen sogar gar nicht. So entsteht der Eindruck von "weg".

Darüber hinaus stellt sich die Frage, ob "weg" denn immer die Lösung sein muss... Wichtig ist, dass man seinen persönlichen Weg mit Stottern findet - ohne sich deswegen selbst auszugrenzen, ohne von anderen deswegen benachteiligt zu werden. Das ist auf jeden Fall immer ein gutes Stück Arbeit, aber es lohnt sich und, vor allem, ist es machbar, auch im Erwachsenenalter. Und in diesem Sinne hat sich "Der Graf" wohl tatsächlich davon "befreit".

Wer Infos und Beratung sucht, für den sind wir natürlich gerne da: www.bvss.de (Bundesvereinigung Stottern & Selbsthilfe e.V.)

Alles Gute!

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