Frage von Sockendiebin94, 75

Studium als Religionslehrer rk. sinnvoll?

Kleine Runde zum Diskutieren: Was haltet Ihr davon aus heutiger Sicht Lehramt Religion rk. zu studieren? Sinnvoll ja oder nein?

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von oelbart, 31

Wenn man hauptberuflich Lehrer wird, hat man in aller Regel ja mindestens zwei Fächer. Wenn eines davon Religionslehre ist und das andere etwas "stabiles" sehe ich da wenig Probleme.

Allerdings: Der Religionsunterricht ist in einigen Bundesländern bereits abgeschafft und beim aktuellen Trend würde ich meine Hand nicht ins Feuer legen, dass das in den nächsten 40 Jahren nicht auch in anderen Ländern passiert. Was dann mit den Religionslehrern passiert - ob sie zb zu "Werte und Normen"-Lehrern "umgeschult" werden, kann niemand vorhersehen.

Wenn man mal davon ausgeht, dass die "großen politischen Verhältnisse" stabil bleiben, kommt die persönliche Abhängigkeit von der "Missio" der Kirche hinzu. Das bedeutet: Wenn irgendwann im Berufsleben Entscheidungen fallen, die mit der kirchlichen Lehre nicht vereinbar sind, kann das zum Verlust der Lehrerlaubnis führen.

Was vielleicht ganz interessant ist, ist der Fernkurs Theologie aus Würzburg: Mit ihm ist es auch möglich, Religionslehrer zu werden (soweit ich weiß ist das weitgehend anerkannt, allerdings nicht fürs Gymnasiallehramt): Das sollte man einerseits für die eigene Ausbildung im Hinterkopf behalten, andererseits aber auch im Hinblick auf die "Konkurrenz", die einem durch solche Absolventen vielleicht entsteht.

Das sind die drei Punkte, die ich bedenken würde. (Wie gesagt: Der dritte ist nur zum Teil ein Gegenpunkt, zum Teil aber auch eine mögliche Alternative.) Für die persönliche Reifung ist ein Theologiestudium mit seinen sprachlichen, philosophischen, geschichtlichen, soziologischen etc Anteilen sicher sehr wertvoll und kann für den eigenen Glauben sicherlich harte Prüfungen bereithalten, an denen dieser wachsen und reifen kann.

Kommentar von Sockendiebin94 ,

Danke für die Zeit, ich kann alles gut nachvollziehen. 

Bundesland ist übrigens Bayern (wahrscheinlich noch das unkritischste Bundesland)
Erstfach ist Pflege und Gesundheitswissenschaften. :)

Kommentar von oelbart ,

Auch für Bayern würde ich keine 40jährige Prognose abgeben (immerhin ist die "grüne Gefahr" schon beim Nachbarn angekommen ;) ), aber es stimmt schon, dass es da noch relativ unkritisch ist. Dafür ist halt die Verstrickung mit der Missio dort noch stärker (bei anderen Bundesländern könnte ich mir durchaus vorstellen, dass die den Kirchen schneller das Mitspracherecht bei der Auswahl der Lehrer entziehen.

Ich hoffe, in meinem letzten Absatz ist klargeworden, dass ich niemandem vom Theologiestudium abraten würde. Es sollte nur wirtschaftlich nicht das einzige Pferd sein, auf das man setzt. Gerade durch die wissenschaftliche Auseinandersetzung können die eigenen Glaubensansichten auch so infrage gestellt werden, dass sie mit den kirchlichen Aussagen kollidieren oder auch das chrisltiche Weltbild als Ganzes ins Wanken gerät. Und wenn das passiert, ist es besser, wenn man nicht davon abhängig ist ;)

Antwort
von Joshua18, 9

Das ist z.B. in NRW kein Mangelfach ! Dürfte aber wohl eines der stressfreiesten Fächer überhaupt sein und das Salär der Beamten im Höheren Dienst ist auch nicht zu verachten + Schulfereien. Was will man mehr, werden sich viele sagen.

Also dann, Ostern und Herbst stets in die Karibik ! Lass die andern doch das Bruttosozialprodukt erwirtschaften !

Antwort
von Giustolisi, 13

Welchen Sinn soll es machen, antiken Aberglauben zu unterrichten?

Die Menschheit löst sich (zumindest hierzulande) zunehmend von den Religionen, was so einen Beruf wie Religionslehrer in Zukunft noch überflüssiger machen könnte, als er eh schon ist.

Ich würde mir außerdem mit der Motivation schwer tun ein Fach zu unterrichten, das für fast alle Schüler mehr eine Ruhepause ist, weil eh nichts Wichtiges erzählt wird.

Ethik wäre die interessantere Alternative, da man in diesem Fach nicht an den imaginären Freund der Christen gebunden ist.

Antwort
von Baoshan, 31

Nicht sinnvoll. Es gibt kaum noch wirklich religiöse menschen in Deutschland, daher ist es nur eine Frage der Zeit bis es einen einheitlichenEthik  Unterricht geben wird.

Kommentar von Sockendiebin94 ,

Was aber, wenn "Ethik" nicht in meiner Uni angeboten wird... :( :/

Kommentar von Baoshan ,

Naja, andere Uni suchen, oder andere Fächer wählen.

Kommentar von oelbart ,

Das nennt sich in aller Regel "Religonswissenschaften" oder so...

Antwort
von comhb3mpqy, 13

Ich finde das sinnvoll. Ich glaube an Gott. Wenn Du einiges wissen möchtest, was mich überzeugt, dass es Gott gibt, dann kannst Du mich z.b. fragen oder auf mein Profil gehen.

Ich weiß aber nicht, ob und wo gerade Lehrer gesucht werden.

Antwort
von gottesanbeterin, 10

Ich halts nicht für sinnvoll; aber ich beobachte, dass Religionslehrer so ziemlich tun und lassen können, was sie wollen und wenn sie schlau sind auf diese Weise ein recht bequemes Leben führen können. Wenn du so etwas anstrebst, dann wäre es für dich vielleicht sinnvoll.

Antwort
von Kirschkerze, 47

Ich bin konfessionslos und verstehe den Sinn von Religionen in der heutigen Gesellschaft sowieso nicht. Auch statistisch lässt sich nachweisen dass immer mehr Leute aus der Kirche austreten und kirchliche Institutionen immer mehr an "Macht" verlieren. Ich persönlich denke dass Fach hat auf lange Sicht gesehen keine Zukunft

Kommentar von HeyichbinLea ,

Da stimme ich als Atheist vollkommen zu.

Kommentar von Sockendiebin94 ,

Finde ich selbst aus überzeugte Christin nachvollziehbar. (also nicht der "Sinn von Religion"-Teil) aber vielmehr, dass Religion als solches abnimmt, bzw. auch die Wichtigkeit von dem Fach "Ethik" immer mehr steigt. 

Kommentar von oelbart ,

Interessant...ich tu mir auch als Gläubiger Mensch ehrlich gesagt schwer, den "Sinn der Religionen in der heutigen Gesellschaft" zu benennen...

Finde ich aber aus theologischer Sicht auch nicht problematisch, im Gegenteil: Wenn eine Gesellschaft nur durch Religion funktionieren könnte, wäre das doch ein Hinweis, dass die Religion evolutionär entstanden ist und keinen (göttlichen) Hintergrund hat.

Antwort
von AriZona04, 50

Du musst es zu Deinem Lebensinhalt machen. Stehst Du dazu?

Kommentar von Sockendiebin94 ,

Das wollte ich außen vor lassen. Denn die Frage ist, ob es in der Zukunft überhaupt noch gefragt ist auf dem Arbeitsmarkt bzw. ob es nicht einfach als solches ersetzt wird. Da bringt einem die Überzeugung und Religion als Lebensinhalt herzlich wenig... ;)

Kommentar von AriZona04 ,

Ich muss doch ... schmunzeln ... mich wundern: Religion studieren und nicht dazu stehen?? O.K. Religion IST eine Lebenseinstellung. Alles andere ist tatsächlich Blasphemie. Oder nicht? Ich bin nicht gläubig in DEM Sinne - ich unterwerfe mich keiner Religion. Aber wer das studiert ... Nunja.

Kommentar von Sockendiebin94 ,

Ich stehe zu meiner Religion. Aber man macht als Lehrer sein Glaube zum Beruf. Also bringt einem das Studium aus beruflicher Sicht nichts, wenn man nachher keine Anstellung findet. 

Kommentar von AriZona04 ,

Ich meine, Religion stirbt aus. Aber ich kann mich irren.

Kommentar von oelbart ,

Grundsätzlich KANN man Theologie auch studieren, ohne gläubig zu sein: Die Theologie hat als Wissenschaft ja sogar den Anspruch, vom persönlichen Glauben neutral zu sein. In manchen Fällen weicht auch das, was an den Universitäten gelehrt wird, von dem ab, was das kirchliche Lehramt sagt.

Wirtschaftlich sinnvoll wäre es vermutlich nicht, als bekennender Atheis Theologie zu studieren, da die meisten Berufe doch irgendwie im Einflussbereich der Kirche liegen. Und ob die Zeit an der Uni dann so angenehm wird, ist auch fraglich ;)

Aber zu dem "stehst Du dazu": Alle Theologen, sowohl angehende als auch "fertige", die ich persönlich näher kenne, haben irgendwo ihre Differenzen mit der kirchlichen Lehre. Ich kann mir nicht vorstellen, dass es irgendwo einen Menschen gibt, der 100% der kirchlichen Dogmen kennt, versteht und so fest glaubt, dass er wirklich "dahintersteht" (dh: Ihnen nicht nur nicht aktiv widerspricht, sondern sie auch mit ganzem Herzen vertritt und glaubt)

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