Frage von Danialee, 260

Physik Studium wie schwer/Erfahrungen?

Hallo liebe Community ich überlege mir ein Physik Studium nach dem Abitur zu beginnen, jedoch habe ich von Familiärer Seite nicht besonders viel Zustimmung und bin selbst am Zweifeln ob ich denn für ein solches Studium intelligent genug bzw geeignet bin.Könnte jmd der damit Erfahrungen hat ehrlich Bericht erstatten und die Fakten auf den Tisch legen. Vielen dank

Antwort
von LuciusSulla, 178

Ein Physikstudium ist verdammt schwer. Wesentlich schwerer als beispielsweise ein Ingenieursstudium oder ein Informatikstudium. Es geht vom ersten Semester an sofort hammerhart zur Sache. Entgegen der Darstellungen auf den Internetseiten der Universitäten ist meiner Meinung nach Mathe LK pflicht (Physik LK weniger). Zusätzlich zu der Mathematik in den Physikmodulen gibt es noch das Modul "Mathematik für Physiker", das mit der Mathematik, wie du Sie kennst, nur noch sehr wenig zu tun hat und das größte Problem im Studium darstellt. Es geht auch grundsätzlich im Studium nicht um das rechnen mit Zahlen. Beispiel dazu aus der Vorlesung "Ergänzung zur Theoretischen Physik": Student zum Dozent:"Könnten Sie bitte ein Beispiel mit Zahlen machen?", Dozent:"Wie? r ist doch eine Zahl?!". Ein Taschenrechner ist in den meisten Klausuren verboten (dementsprechend schwierig sind dann die Rechenaufgaben, da Physiker/Mathematiker nicht Kopfrechnen können, bewegt sich das dann auf dem Niveu von 1+1)

Weniger schlimm als die reine Schwierigkeit (da kann man für lernen) ist der Zeitliche Aufwand (man hat bei all den Übungszetteln und Veruchsprotokollen keine Zeit zum lernen). Der ist wesentlich größer, als z.B. in einem BWL-Studium (nach Bio wohl das harmloseste, was ich so aus Erzählungen gehört hab). Ich hab mich mal gefreut mir einen Tag frei in den Studenplan zu schaufeln (genereller Tipp für Studierende ist, sich Freitag oder Montag frei zu halten, im Physikstudium nur mit Glück zu erreichen), dafür hatte ich dann fast jeden Tag von 8.00 bis 16.00 Vorlesungen bzw. Tutorien. Mein Tipp: Studiere geplant ein Jahr (also zwei Semester) länger, das heißt wiederum kein Bafög die ganze Zeit, macht aber wesentlich weniger Stress. 

Wie kann man meine Meinung einordnen? Ich bin kein verwöhnter Schüler, der direkt von der Schule in das wahre Leben Studium gerutscht ist. Ich komme von der Hauptschule, habe eine Lehre gemacht, etwas gearbeitet (verschiedenes auch auf Akkord), dann Abitur nachgemacht und, auf Grund von Interesse und vor allen Dingen späteren Berufsaussichten, dann das Studium in Physik angefangen. Weiß also wie z.B. das Arbeitsleben aussieht. Ich rede viel mit Leuten die BWL studiert haben oder noch studieren, gerade Informatik oder Biologie studieren und die habens alle einfacher (gehabt).

Vorzüge vom Physikstudium: es gibt nahezu keine Arbeitslosen Physiker (auch wenn davon nur sehr wenige als tatsächliche Physiker arbeiten, z.B. als Mathematiker in Banken oder Versicherungen, Unternehmensberatung und vieles mehr), relativ hohes Einstiegsgehalt (nicht in der Forschung), breites Einsatzfeld (kann man als nachteil sehen, wenn man unbedingt etwas ganz bestimmtes machen will)

Würde ich es heute nochmal machen? Ich weiß es nicht^^. Ich würde als alternative vielleicht auf Lehramt Physik/Mathe/Informatik gehen, das ist wesentlich leichter (und das machen auch einige denen das Physikstudium in den ersten Semestern zu schwer war) ein anderer Kommilitone hat auf Informatik umgeschwänkt. Es ist aber, wenn man endlich zu den Wahlpflichtfächern kommt, doch sehr lohnend (wenn welche angeboten werden, die einen interessieren) dort sind die Dozenten dann meist was lockerer, es ist auch (bei uns an der Uni) relativ leicht, an eine Bachelorarbeit zu kommen, an der man wirklich Spaß hat und die einem vom Thema liegt.

Meine ganz persönliche Meinung: das Physikstudium ist zu schwer (teilweise unnötigerweise) und von der Regelstudienzeit mindestens ein Semester zu Kurz (man hat kein Praxissemester, die Praktika laufen an der Uni neben den Vorlesungen und Tutorien) verglichen mit anderen Studiengängen. 

Ach und man wird zwangsläufig etwas überheblich und macht sich besonders gerne über z.B. Biologen lustig.

Etwas was man nicht außer acht lassen sollte ist, dass Physiker an sich ziemlich wenig von Party machen halten. Man hat auch nicht wirklich die Zeit dazu. Das ist in anderen Studiengängen deutlich anders. Dagegen gibt es (wie Beispielsweise einige Gerüchte über die Chemiker sagen) kein ausgeprägtes Konkurenzdenken, man hilft sich eher gegenseitig (jedenfalls war es bei mir so).

Kommentar von Danialee ,

Danke für die ausführliche Antwort. Man liest selten eine so gute Beschreibung auf dieser Plattform. Auch dass Sie ihre Erfahrungen aus der Welt außerhalb des Studiums einbringen konnten war sehr hilfreich. Vielen Dank dass sie sich für mein Anliegen Zeit genommen haben. :)

Kommentar von LuciusSulla ,

Gerne doch! :D

Antwort
von Rubezahl2000, 155

Sehr schwer und sehr arbeitsintensiv.
Die Abbrecherquote ist sehr hoch.
Aber wenn man die richtige Begeisterung für das Fach mitbringt und bereit ist, Hobbies zurückzustellen und stattdessen die erforderliche Zeit ins Studium zu investieren, dann läuft's :-)

Kommentar von Danialee ,

Okay das klingt ja ganz gut vielen Dank.

Antwort
von PhotonX, 177

Nun, ich denke, ein Bericht eines Physikstudenten wird dir nicht viel weiterhelfen, denn offenbar gibt es Menschen, die ein Physikstudium schaffen und Menschen, die es nicht schaffen. :) Wie es bei dir aussehen wird, kann man kaum vorhersagen, schon gar nicht ohne irgendwas über dich zu wissen.

Allgemein ist ein Physikstudium sehr mathelastig, man sollte also keine größeren Probleme mit der Oberstufenmathematik haben und zum Beispiel beim Ableiten von Funktionen oder bei einfachen Integralen nicht mehr viel nachdenken müssen.

Und was sehr wichtig ist, dass man motiviert da drangeht, denn früher oder später kommt der Zeitpunkt, an dem man nur noch Bahnhof versteht, das ist normal und man muss motiviert genug sein, da irgendwie wieder rauszukommen.

Antwort
von LC2015, 157

Was für Fakten willst du haben? Das Studium ist im Vergleich zu anderen Studiengängen nicht soo schwer, dürfte ca. 20kg wiegen. Ob du das packst kannst du nur durch ausprobieren rausfinden.

Kommentar von Danialee ,

Nur 20kg dann ist ja gut hatte schon sorge dass ich mir einen Bruch hebe

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