Frage von ShimizuChan, 66

Hund plötzlich aggressiv gegenüber mir und Besuchern?

Mein Hund (Jack Russel Terrier, 5 Jahre, Rüde, nicht kastriert) legt ab und zu ein sehr aggressives Verhalten an den Tag, und zwar in folgenden Situationen:

  • Bestimmten Besuchern gegenüber. Manche Leute mag er gern und ist ihnen scheinbar freundlich gegenüber (streicheln sollten diese Leute ihn trotzdem lieber nicht), und andere knurrt er an, schnappt oder beißt sogar richtig, so dass schon Besucher geblutet haben. Das Verhalten ist vom Geschlecht oder "fremdheit" der Besucher unabhängig. Sobald er sich "abregiert" hat, liegt er ruhig in seinem Körbchen und macht nichts mehr.
  • Wenn ich in der Küche bin, während meine Mutter kocht. Vor allem wenn Fleisch im spiel ist, kommt er sofort in die Küche gelaufen wenn ich dort bin, knurrt mich an, und schnappt teilweise auch zu (ich bin 16, und ich scheine in seinem Kopf im Rudel unter ihm zu stehen). Das gleiche gilt, wenn ich in die nähe seiner Lieblingsplätze komme. Wenn es um sein eigenes Essen oder Körbchen geht, ist er nicht so.
  • Wenn er von unserem Grundstück aus Menschen hört oder sieht. Das kann z.B. Hupen, Autotüren zuschlagen oder gerede sein, sowie wenn er jegliche Menschen sehen kann. Er bellt und knurrt teilweise extrem aggressiv, vor allem im Garten, und kann sich ewig nicht mehr beruhigen.
  • Wenn Jogger, Fahrradfahrer oder normale Fußgänger an uns vorbei kommen. Meistens bleibt er ruhig, manchmal möchte er sie am liebsten zerfleischen.... bei fremden Hunden ist er nicht sehr sehr selten aggressiv, meistens ist er eher freundlich und ruhig, teilweise auch ängstlich.

Wenn wir mit ihm schimpfen oder ihm Befehle geben, ignoriert er uns meistens und tut nichts.

Ich bin mir sicher, dass wir in der Erziehung, trotz Hundeschule, wohl einiges verkackt haben. Meine Frage: Wie kann man das am besten richten, so dass wenigstens Besuch das Haus betreten kann und er mehr Respekt vor uns hat?

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von jww28, Community-Experte für Hund, 19

Hi,

da es ja ein Terrier ist, was bekommt er für ein Wochenprogramm? Die sind zwar klein aber oho, nicht selten hat man äußerst intelligente, aktive Arbeiter denen man erstmal helfen muss diese Power auch irgendwo loszulassen. Wenn diese Burschen gelernt haben wie toll die Zusammenarbeit mit den Mensch ist, sind es tolle Hunde denen man echt viel beibringen kann. 

Da du schreibst das er euch ignoriert, hat er es nicht gelernt mit euch zu arbeiten. Es macht für ihn quasi kein Sinn euch Aufmerksamkeit zu geben, es hat sich für ihn bisher nicht gelohnt. 

Daraus resultiert leider dann unerwünschtes Verhalten, der Hund fängt an sich selber zu beschäftigen, eurer scheint dabei das Modell Kontrollfreak zu bevorzugen. Das macht ihm zum Fall für eine Verhaltenstherapie oder einer echt guten Hundeschule, da spielt oft nicht nur Stress durch Unterforderung rein, sondern große Unsicherheiten evtl bedingt durch eine verpasste Sozialisierung oder auch falscher Verknüpfungen durch Unfälle, falscher Erziehung und Co. Da er auch sich ja anscheinend nicht wirklich anfassen lässt hat er evtl das Kapitel Selbstbeherrschung und Ertragen auch nicht gelernt. 

Was ihr nun erstmal machen könnt ist für geistige und körperliche Auslastung zu sorgen, wichtig ist dabei das mit Ruhe zu machen, er darf dabei nicht komplett hochdrehen. Gut wären zu Anfang evtl der Futterbeutel, bringt er ihn zurück öffnet man ihn und er kann es fressen. Für den Kopf, Leckerchen suchen lassen, um die Zusammenarbeit zu fördern wäre es gut mit der Hand auf das Leckerchen zu zeigen, irgendwann hat er es raus auf deiné Hand achten, weil da immer was leckeres zu finden is. Wenn der Hund fit ist, wäre joggen auch eine tolle Sache.

Für die Hundeschule wäre es gut wenn er ein Maulkorb erträgt, daher zuhause mit den Maulkobtraining beginnen, Tipps dazu gibt es hier:

http://angsthund.de/content/aggression/maulkorb/

Bedenkt das de Hund womöglich noch 10 Jahre lebt, versucht das beste rauszuholen was geht, damit ihr bald alle friedlich zusammenleben könnt ;)

Kommentar von ShimizuChan ,

Also wir spielen und toben viel mit den Hund und gehen natürlich täglich zwei meist große Runden spazieren und er kommt regelmäßig mit in den Garten. Er ignoriert uns auch nicht generell oder holt sich seine Beschäftigung selbst sondern ist eher anhänglich, ich meinte mit dem ignorieren dass er eben nicht auf die Befehle reagiert die wir ihm geben.

Aber das mit den Leckerlies ist eine gute Idee, werde ich mal ausprobieren c: Obwohl wir Dinge in diese Richtung schon viel gemacht haben

Expertenantwort
von dsupper, Community-Experte für Hund, 27

Hallo,

Einsicht ist der erste Weg zu Besserung - das trifft wohl auch bei euch zu. Ihr habt in der Hundeerziehung wohl tatsächlich eine Menge Fehler gemacht.

Alle diese Verhaltensweisen dürfte ein erzogener Hund niemals zeigen. Es ist immer sehr schwierig Ferndiagnosen zu stellen, aber für mich deutet das ganze Verhalten auf einen sehr unsicheren, sich nicht von euch beschützt gefühlten Hund hin. Außerdem seit ihr für ihn auch keine "Rudelführer" (sonst würde er sich auch beschützt fühlen) ....

Um ein solches Verhalten tatsächlich analysieren zu lassen und einen Weg zu finden, dieses unmögliche und gefährliche Verhalten zu ändern, solltet ihr euch mit dem Hund wirklich mal in eine gute Hundeschule begeben - auch, wenn das einiges an Geld und Zeit kostet. Aber alleine werdet ihr dieses "Rudelproblem" nicht in den Griff bekommen.

Gutes Gelingen

Daniela

Kommentar von ShimizuChan ,

Ich glaube nicht, dass meine Eltern das machen würden, wir waren schließlich schon zwei mal bei einer Hundeschule, einmal genau mit dem Problem (und mehr als die eine gibt es hier nicht) und gebracht hat es nichts....

Kommentar von dsupper ,

Der Besuch einer Hundeschule sagt ja noch gar nichts aus. Damit eine Hundeschule wirklich etwas bringt, muss man dort eine lange Zeit trainieren - bei uns dauern allein die Grundkurse zum "Familienhund" mind. 12 Monate. Außerdem nutzt es nichts, nur die Hundeschule zu besuchen - und dann daheim die erlernten Dinge nicht weiter zu üben und durchzusetzen.

Und wenn euer Hund eure Kommandos meist ignoriert - dann liegt der Fehler in fehlendem Training, fehlender Konsequenz, fehlender Geduld ....

Leider wird sich so nichts, aber auch gar nicht am Fehlverhalten eures Hundes ändern - oder höchstens noch weiter ins Negative, denn der Hund lernt immer mehr, wer daheim "das Sagen" hat. Da stehen euch böse Zeiten bevor ....

Kommentar von ShimizuChan ,

Wir haben die Hundeschulen nicht "besucht" sondern auch wir waren dort einige Monate, und sie absolut nichts gebracht, außer weniger Geld auf dem Konto und ein paar Grundkommandos, die wir auch ohne Schule lernen könnten. Beim zweiten mal hat diese Schule versucht uns zu helfen, und wie? Mit einem Elektrohalsband, das kann es nun wirklich nicht sein, ich verstehe meine Mutter bis Heute nicht dass sie das mitgemacht hat. Wir schmeißen doch nicht unser Geld und unsere Zeit für so einen firlefanz aus dem Fenster.... und hier auf dem Land ist kein großen Angebot an Schulen in die man erreichen kann.

Kommentar von dsupper ,

außer weniger Geld auf dem Konto und ein paar Grundkommandos, die wir auch ohne Schule lernen könnten.

Aber scheinbar habt ihr ja noch nicht einmal das geschafft, denn du schreibst ja, dass der Hund auch eure Kommandos meist ignoriert.

die Tipps, die man übers Internet bekommen kann, werden in so einer problematischen Situation nicht helfen können, das kann nur ein guter und kompetenter Trainer, der sich den Hund und euch und das Miteinander anschaut und dann helfend eingreifen kann.

Auch, wenn solche Trainer teuer sind und ihr dazu u.U. weiter fahren müsst, wenn es in der Nähe nichts gibt - wird euch keine andere Wahl bleiben, denn die Situation scheint derart verfahren, dass ihr das alleine nicht mehr in den Griff bekommt.

Und ein Hund, der das Kommando innerhalb der Familie übernimmt, weil er keinen kompetenten "Chef" erkennen kann, wird schnell zur Gefahr für alle.

Antwort
von Fuchssprung, 17

Ich lese hier immer wieder, dass du mit deinem Hund in die Hundeschule gehen sollst. Meiner Meinung nach wird das nur wenig bringen. Du weißt ja selbst wie es dort zugeht. Dort lernt der Hund "Sitz", "Platz", "bei Fuß" usw, aber du lernst nicht was du machen sollst wenn er seinen Schlafplatz beschützt oder wenn er Leute anknurrt und nach ihnen schnappt. Auf derartiges Verhalten haben die meisten Hundeschulen keine Antwort. 

Das Gute ist, dass du einen Jack Russel hast. Diese Hunde sind sehr intelligent und man kein sie recht gut "lesen". Damit will ich sagen, du kannst an seiner Körpersprache sehr gut ablesen was in ihm vorgeht. Dein Hund ist ganz sicher kein Psychopath. Er wird ganz sicher nicht von Null auf Hundert sein und ohne Vorwarnung nach den Leuten schnappen. 

Genau an dieser Stelle kommst du ins Spiel! Du musst deinen Hund lesen und beim ersten Anzeichen eingreifen. Wenn dein Hund also jemanden anknurrt, ist es bereits zu spät. Denn vorher wird er dir viele andere Signale senden. 

Achte auf seinen Blick, auf seine Ohren, Rute, Nackenfell, Körperspannung. Achte darauf ob der die Lefzen kurz hoch zieht, einfach auf alle Signale die er dir vor dem Knurren sendet. Wenn du auch nur eines dieser Signale entdeckst, musst du sofort eingreifen und deinen Hund korrigieren. Denn er hat nicht das Recht andere Leute anzuknurren, nach ihnen zu schnappen oder gar dich selbst anzuknurren. Das geht zu weit! Da musst du eingreifen! 

Wenn dein Hund dir zeigt, dass er mit einer Situation überfordert ist und daraus die falschen Schlussfolgerungen zieht und vielleicht die Lefzen hoch zieht oder dir ein anderes Signal sendet, dann musst du schnell sein. Du hast nur EINE oder maximal ZWEI Sekunden Zeit. In dieser Zeit solltest du deinen Hund am Körper mit den Fingerspitzen berühren. Der Stoß muss nicht besonders heftig sein. Du willst deinen Hund ja nicht strafen oder gar verletzen! Du brauchst in diesem Moment aber seine volle Aufmerksamkeit und dafür ist diese Berührung gedacht. Sie sollte nur leicht sein, aber sehr schnell erfolgen und deinen Hund überraschen. 

Denn er soll nicht die Lefzen hoch ziehen, er soll sich auf dich konzentrieren! Das machst du ihm mit dieser Berührung klar. Es ist nicht seine Aufgabe, den Besuch anzuknurren. Allein du kümmerst dich um den Besuch und nicht der Hund.

Damit zeigst du ihm auch sofort, wo sein Platz im "Rudel" ist. Es kann durchaus sein, dass du die Korrektur nur wenige Male anwenden musst. Denn wie ich schon sagte, dein Hund ist intelligent und kein Psychopath. Er wird schnell begreifen und sich dir unterordnen. Lieben wird er dich trotzdem, auch wenn du ihn korrigierst.

  

Kommentar von ShimizuChan ,

Ich verstehe irgendwie nicht, was ein stupsen so dass er mich kurz anschaut im Endeffekt bringen soll ._. Denn ich bezweifle sehr stark, dass eine kurze Berührung ihn in so einer Situation dazu bringt, sich voll auf mich zu konzentrieren bzw. dass ihn das überhaupt großartig interessiert.

Und in Situationen wie z.B. wenn er auf seinem Lieblingsplatz liegt würde ich es nicht wagen meine Hand in die Nähe zu strecken, das würde blutig enden

Kommentar von Fuchssprung ,

Du musst du eingreifen, noch bevor es zur Eskalation kommt. Die Stärke mit der du ihn berührst, bestimmt ob dein Hund dich wahr nimmt oder nicht. Natürlich kannst du seine Aufmerksamkeit nicht erringen, wenn er bereits auf Stufe 12 ist und du ihn mit Stufe 2 berührst. Du musst deine Berührung an seine Aufregung anpassen und so früh wie möglich eingreifen. Dann reicht auch eine ganz leichte Berührung. Dann hast du Erfolg auch mit einem ganz kleinen Stupser. 

Nach dem Stupser schaut dein Hund dich verwundert an. Dann musst du einen Schritt auf den Hund zu gehen und ihm so klar machen, dass du mit seinem Verhalten nicht einverstanden bist. Du kannst deine Hand, mit der du ihn gerade berührt hast, über seinem Maul halten bis er den Kopf weg dreht. Das ist seine eigene Sprache, die versteht er ganz genau, denn so machen es Hunde auch untereinander. Erst wenn er den Kopf weg dreht weißt du dass dein Hund nicht länger aggressiv ist. Brichst du zu früh ab, kann es sein, dass er genau da weiter macht wo du ihn unterbrochen hast. 

Kommentar von Fuchssprung ,

Wenn er auf seinem Lieblingsplatz liegt, solltest du ihn liegen lassen und ihm nicht zu nah kommen. Denn er zeigt dir ja deutlich, dass er das nicht will. Nur wenn er auf deinem Bett, deinem Sessel, deiner Couch sitzt, solltest du ihn konsequent runter schicken und dich nicht davon beeindrucken lassen, wenn er dich beißt. Dafür gibt es Maulkörbe, Lederhandschuhe und ähnliche Hilfsmittel. 

Antwort
von Achwasweissich, 24

Da habt ihr aber allesamt gründlich den Hund verzogen. Sucht euch einen kompetenten! Trainer und wechselt auf jeden Fall die Hundeschule, in der jetzigen habt ihr ja offensichtlich nichts gelernt.

ich möchte dir hier keine Tipps geben, das ist immer schwierig wenn man nicht "life dabei" ist und kann /noch) mehr kaputtmachen.

Aus der Ferne würd ich sagen euer Hund hält sich für den Boss (einer muss den Job ja machen...), er hat die Verantwortung also entscheidet er wer was darf und natürlich gehört ihm dafür auch immer der beste Anteil der "Beute". Wenn du so dreist bist ihm die weg zu essen hast du - aus Hundesicht eine Abmahnung verdient. Euer Grundstück und die üblichen Spazierrunden sind alles sein Revier. Ihr dürft rein, seid ja seine Menschen aber jeder ander ist ein fieser Eindringling. Diese Rolle muss einer von euch oder besser ihr alle übernehmen statt dem Hund, der kann sich dann entspannt zurücklehnen und euch die schwierigen Entscheidungen überlassen.


Antwort
von Wiesel1978, 32

Verkackt ist die wohl beste Bezeichnung für euer Verhalten. Ja er sieht Dich in der Rangfolge unter ihm.
Probier es mit Futterbeuteln in denen seine Lieblingsleckerlies sind (oder kleine Fleischwurststücke). Wenn ihr aber schon trotz der Hundeschule so inkompetent ward, solltet ihr auf jeden Fall professionelle Hilfe in Anspruch nehmen. Werdet konsequent!!! Entscheidet der Hund gibt es keine Belohnung (kein streicheln, kein Futter, nothing) entscheidest Du bzw Deine Fam und Hund tut was ihr sagt, wie ihr es sagt, gibt es Belohnung (ein Sitz ist kein Platz Befehl)

Antwort
von DreiBesen, 20

Hm, da müsst ihr wohl oder übel noch mal in die Hundeschule... am besten in eine kleine Gruppe, oder noch besser in Einzeltraining.

Alleine werdet er dieses gravierende Fehlverhalten nicht wieder ausbügeln können.

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