Frage von ellalea, 136

Hund geht nicht von alleine aus Räumen raus (Angst)?

Hallo Meine Familie und ich haben vor ca. 1 1/2 Wochen einen Hund über einen Tierschutzverein aus Rumänien adoptiert (nachdem unsere alter Hund vor einigen Monaten verstorben ist ). Sie ist ca. 10 Monate alt und lebte seit sie ein Welpe war in Rumänien in einem Zwinger einer dortigen Auffangstation. Laut dem Tierschutzverein habe sie weder gute Dinge aber auch keine schlechten oder traumatischen Dinge erlebt. Sie hatte lediglich ein Dach über dem Kopf so wie täglich eine Mahlzeit. Hier in Deutschland ist sie seit dem 20. Dezember 2015. Kennt jedoch erst seit sie in Deutschland ist Sachen wie Autos, fremde Menschen (vor beidem hat sie noch ein wenig angst) oder aber auch streicheln (genießt sie sobald sie einem vertraut). Jetzt zu meiner Frage.. Da sie natürlich noch große Angst vor unbekannten Dingen hat, hat sie sich an ihrem ersten tag eine Ecke in meinem zimmer gesucht, in welcher sie nun ständig sitzt (natürlich mit Körbchen). Anfangs ging sie nicht einmal freiwillig zum Futter oder Wasser was sie mitlerweile tut. Wenn sie jedoch raus muss (Spaziergang) muss man sie aus meinem zimmer raus setzen. Von dort läuft sie dann freiwillig raus. In andere Bereiche unseres Hauses läuft sie jedoch nicht freiwillig . Was meint ihr sollten wir sie auf ihrem Platz im zimmer alleine sitzen lassen und warten ob sie irgendwann von alleine kommt oder sollten wir sie aus dem Zimmer raus setzen um sie auch an die anderen Räumlichkeiten und Familienmitglieder zu gewöhnen?

Über antworten oder Tips von euch würde ich mich sehr freuen :)

Expertenantwort
von Einafets2808, Community-Experte für Hund, 75

Erstmal schön das ihr so einen Wurm aus dem Tierschutz adoptiert habt.

Zu deinem Problem, was auch immer der Welpe vorher erlebt hat, warum er sich nicht von einen Raum in den anderen traut, kann dir niemand sagen.

Ich würde das folgender Maßen angehen. Egal was dein Hund an Futter bekommt, nass oder trocken.

Bei nass würde ich den Hund täglich in anderen Räumen füttern und aus der Hand. Wenn Sie nichts von der Hand nimmt, ist auch nicht so schlimm. Gib dem Zwerg etwas Zeit sich mehr einzugewöhnen.

Stell einfach den Napf zwischen den Räumen. Und gucke dir das aus weiter Entfernung an. Futter sichert das überleben, und ich vermute der Hund wird instinktiv fressen, oder es wird ihn hin locken. Einfach nur beobachten. Frisst der Hund ok. Noch besser ist es wenn er aus der Hand frisst, so kannst du ihn Stück für Stück aus den Raum locken.

Bei Trockenfutter würde ich die Kroketten, alle beim Ausgang platzieren und hundi darf fröhlich vor sich hin knabbern. Mal ein paar Tage den Raum, dann im Flur, Küche usw.

So verknüpft der Hund positives mit den Verschiedenen Räumen. Sowas brauch Geduld und viel Einfühlungsvermögen, garnicht so viel quatschten oder tam tam machen. Bleib ruhig und versuche das mal übers Futter zu managen.

Ansonsten noch Spielzeug.
Besuch würde ich die ersten Wochen nicht empfangen. Trefft ihr draußen aufdringliche Welpenknuddler, sie fragen zwecks streicheln, ebenso wenig zulassen. Oder zumindestens die Lage erklären und wie sich dem Hund nähern sollten.

nicht angucken oder von oben herab schauen. Sondern seitlich nähern, Hand hinhalten, runter beugen. nähert sich der Hund dem Menschen von alleine, alles prima. Möchte sie keinen Kontakt auch ok. Ebenso solltest du da ruhig bleiben, und den Hund zu nichts zwingen.
Dann geh aus der Situation. Dein Welpe muss lernen, das ab sofort, Menschen nichts schlimmes bedeuten. Führe deinen Hund, gib ihm Sicherheit.  Wenn Zeit ist Besuch zu empfangen Druck den Besuchern mal ein Leckerlie in die Hand, so merkt er auch Fremde haben auch was positives an sich.

Nur Geduld das wird schon.

Kommentar von ellalea ,

Also Leckerlie frisst sie mitlerweile ohne Probleme aus der Hand, nur in ungewohnter Umgebung noch nicht. 

Ich werde deine Tips mit dem Futter auf jeden Fall ausprobieren.

Vielen Dank für deine Ratschläge! :)

Kommentar von Einafets2808 ,

Der kleine wurm wird doch bestimmt 3-4x am Tag Futter bekommen. So kannst du das prima positiv verknüpfen.

Seine Futter Portion gibt's ab sofort aus der Hand und zwischen den einzelnen Räumen.

Das würde ich ruhig mal 1-2 Wochen so durchziehen.

Antwort
von dickefettepony, 68

da ihr sie auch nicht so lange habt wurde ich mir da nicht so die sorgen machen. Tiere brauchen immer eine weile bis sie sich sicher fühlen in einer neuen Umgebung - bei einem Hund wie diesem, der noch nicht so viel kennt, ist es nicht verwunderlich dass sie etwas länger braucht. ich würde einfach darauf achten dass du, oder wer auch immer die hauptbezugsperson für sie sein soll, eine solide Vertrauensbasis aufbaut. andere Familienmitglieder sollen natürlich auch involviert werden, aber oft sieht ein Hund eine spezifische person als "seinen" Menschen.
ich würde ihr einfach etwas zeit lassen und sehen dass sie vertrauen fasst. ich bin mir recht sicher dass sie mit der zeit einfach neugierig sein wird und von selber auf "entdeckungstour" gehen wird :)

Antwort
von Weisefrau, 41

Hallo, ich sehe das Problem etwas anders. Hattet ihr schon mal einen Hund mir so einer Vorgeschichte? Das kann sehr, sehr schwierig werden Tierliebe allein wird nicht Helfen. 

Diese Hund die so aufgewachsen sind, ziehen sich manchmal mehr und mehr zurück. Obwohl der Mensch denkt, der Hund müsste sich wohlfühlen und öffnen. Es ist einfacher wenn ein anderer Hund im Haus leben würde, da sich der Neuling an ihm orientieren würde.

Du musst mehrmals täglich mit dem Hund an der Leine in der ganzen Wohnung rumlaufen. Dabei nicht mit dem Hund sprechen und du musst in der Lage sein leichten Druck auszuüben wenn der Hund nicht will.

Das Streicheln und Kuscheln ist nicht das wichtigste aus Hundesicht! Stabile Führung das ist es, was dieser Hund braucht.

Expertenantwort
von YarlungTsangpo, Community-Experte für Hund, 18

Hallo ellalea,

es ist schön, dass ihr einem heimatlosem Hundewesen ein Zuhause geben wollt.

Allerdings darfst Du anfangs nicht zuviel von so einem verunsichertem Hund erwarten. Wenn Hunde in Tötungsstationen sitzen oder in Auffangstationen wie diese Einrichtungen auch genannt werden so werden sie depressiv und verunsichert.

Deine Hündin braucht jetzt zum Anfang vor allen Dingen Eines:

- Ruhe

- Schlafen, schlafen, schlafen

- Stress abbauen

- Einfühlungsvermögen

- Vertrauensaufbau

So in etwa in dieser Reihenfolge läuft das ab. Biete ihr einen Rückzugsraum in dem sie sich sicher fühlt. Arbeite in der Wohnung mit ihr - aber bedränge sie dabei niemals. Hilfsmittel sind:

- ruhiges dort sitzen und Hund nicht anschauen

- ruhiges Sprechen mit dem Hund

- Abgewandtes Gesicht und mit ausgestrecktem Arm Futter anbieten.

- Futterjackpot, das kann Kuchen sein, Essen welches Du isst, Handfütterung ohne jedes Fordern.

- Mit positiver Futterverstärkung aus dem Bereich heraus locken

- Ein Tipp - streiche auf Deine Hand Kalbsleberwurst und lasse diese abschlecken. Die Geschmacksexplosion auf der Zunge hilft dem Hund dieses längere Verweilen bei Dir auszuhalten.

- Spazieren laufen nur dreifach gesichert !!!! 

http://entlaufenehundeberlinbran.jimdo.com/der-umgang-mit-einem-angsthund/

Hierzu ein Link! Die Leine am eigenen Körper befestigen - noch zusätzlich. 

Viele Hunde aus Auffangstationen müssen die erste Zeit bei ihrer Familie zum Gassi gehen getragen werden! Gib nicht auf, denn es lohnt sich. Der Erfolg wird Euch zusammen schweißen.

Nach der ersten Eingewöhnungszeit - in der Du sie niemals überfluten  solltest mit neuen Reizen - wäre eine mit Süden/Rumänienhunden erfahrene Hundeschule durchaus vorteilhaft. Zum Nachsozialisieren an Hunde und verschiedene Menschen.

Hierzu in die Suchmaschine eingeben: IBH-hundeschulen und Eure Postleitzahl.

Buchtipp: Einwanderer auf vier Pfoten, Autor: Christiane Liebold-Eich 

...ich wünsche Dir und Deiner Fellnase alles Glück und viel Freude miteinander.

Kommentar von YarlungTsangpo ,

Noch angefügt:

Hunde brauchen, genauso wie Kinder und Menschen - Rituale um Sicherheit zu empfinden.

Deswegen ist es wichtig ein festes Tagesgerüst mit festen Tagesabläufen zu haben, denn danach kann der Hund dann beginnen sich zu richten.

Es gibt ihm Sicherheit wenn er immer zu einer bestimmten Zeit sein Futter bekommt und notfalls auch damit alleine gelassen wird.

Bitte acht geben, daß Ihr nun nicht zuviel Brimbrorium um das Futter macht, das kann einen Hund völlig verunsichern. Die Ressource Futter wird sicher gegeben und niemals der Anschein erweckt er würde wieder weg genommen!

Sie kennt soviel Aufmerksamkeit nicht, das könnte sie überfordern. Nicht komplett "auf sich gestellt" alles von ihr alleine lösen lassen, durchaus helfen aber behutsam und niemals dabei bedrängen oder zu viel erwarten.

Rituale beim Füttern, sind enorm wichtig es ist die Grundsubstanz zum Überlebenswillen, das Futter. Rituale vor dem Gassi gehen usw. Ruhige Löseecke aufsuchen und gar nicht so viel umherlaufen. Alles von sicher Entfernung begucken lassen.

Geht sie an der Leine zurück - habt ihr dem Hund zuviel zugemutet.

Viel Glück

Antwort
von stey1954, 44

@ellalea,

ich habe eine sehr mitteilsame, Rauhaardackel - Mix- Dame, 8J & 8M alt, die beim Tierschutzverein als unvermittelbar galt und zum Einschläfern vorgesehen war. Ich kenne sie ziemlich gut, da wir einen 24-stündigen, verschiedenartigen Kontakt haben. Solches Problem bei ihr, würde ich versuchen, so zu lösen:

Als erstes, ihr helfen sich zu verstecken, wenn sie das will. Hast Du so ein schwarzes, durchsichtiges Pareo um ihre jetzige Liegefläche, quasi zu "verhüllen"? Sie muß das auch beobachten!

Wenn Du was sehr Leckeres und Gutriechendes, essen tust, gib ihr, nur jetzt am Anfang, Reststückchen, wo Du schon was abgebissen hattest, aber so, daß sie sieht, daß das Stückchen quasi "aus Deinem Mund kommt", Du es aber nicht aufgegessen hattest, sondern ihr gabst. Dies signalisiert Deiner Hünin, daß Du dein "Fresschen" freiwillig mit ihr teilst. Also, kein Kampf um Rangordnung, oä. sonder Frieden!

In dieses eine Körbchen, was sie benutzt, lege abwechselnd 2-3 für sie gedachte Kissen, Kolder, usw. Wenn sie da alleine im Körbchen ist, nimm dann eins von den Kisschen/Koldern, auf dem sie bereits lag und lege es 1-2m weiter, Richting Wohnzimmer (oder dahin, wo sie sich eingewöhnen soll) und zwischen Körbchen und Kisschen eine Spur aus einpaar Leckerlies und auf dem Kisschen, einpaar mehr. Morgen oder Übermorgen erneut, aber dieses Mal, wenn sie beim Kissen ist und sich alles schmecken ließ, lege von Dir aus in ihre Richtung wieder punktweise Leckerlies aus, so weit Du kannst, ohne daß sie zurück weicht!!! Wenn sie anfängt quasi zu zappeln, ziehst Du dich zurück und wartest ab, bis sie ruhiger wird. Wenn Du merkst, daß sie Angst hat um weiter in den Raum zu kommen, tausche Kisschen im Korb aus, nehm das frischparfümierte und setzt es wieder 1-2m näher und wieder so eine punktuelle Spur, aber aus anderen Leckerlies. Kannst auch beim Vorbeigehen mit dem Fuß, ohne daß sie was mitkriegt, wieder hin schuppsen, wo sie hin soll.

Sie darf nicht merken, daß Du sie beobachtest. Nimm einen kleinen Spiegel oä. sonst weiß Du nicht, wann die Spur "aufgefressen wurde". Nach einpaar Tagen, kannst Du ihre Kisschen, Kolder usw. da hinlegen, wo sie auch liegen bleiben kann. Eins davon kommt so nah an die Ausgangstür, daß sie Geräusche von außen nicht sonderlich stören, aber auch so tief drin, daß sie den ganzen Ausgang im Auge behalten kann. Erst viel später kommt dann Körbchen unten drunter.

Wie gesagt, ich kenne meine Pippa, ich weiß, daß ich sie mit so was, wenn sie mir nicht trauen würde, dahin bekäme, wo ich sie haben will. 

Euch beiden wünsche ich viel Erfolg. Vergiss bitte nicht, so wie Du sie jetzt prägst, sollte sie auch geprägt bleiben, da sonst Gefahr droht, daß sie anfängt Dir zu misstrauen. 

Liebe Grüße  <(●_●)>  Pippa &  Rozina. 

Antwort
von wolfram0815, 43

Nur Geduld! In "ihrer" Ecke in deinem Zimmer fühlt sie sich wohl und sicher. Hast du ein paar Leckerlies? Wenn sie kommt, ruhig mit ihr reden, loben und ein Leckerlie geben. So gewinnst du mit der Zeit ihr Vertrauen! Tiere sind auch nur Menschen ;-) . Manche brauchen einfach länger! 

Antwort
von Jerne79, 47

Sie hat in der prägenden Phase all die Dinge, die mit einem Hundeleben in Deutschland zu tun haben, nicht kennengelernt. Das läßt sich jetzt kaum noch nachholen. Du kannst nur daran arbeiten, dem Hund durch konsequente Stärke Ruhe zu geben, du mußt die Bezugsperson sein, an der sie sich orientieren kann. Die Wahrscheinlichkeit ist hoch, daß ein so aufgewachsener Hund nie mit der gleichen Ruhe den Umweltreizen begegnet, die er als Welpe in reizarmer Umgebung einfach nicht kennengelernt hat. Dessen sollte man sich eigentlich bewußt sein, wenn man so einen Hund aufnimmt.

Gebt dem Hund Zeit, bleibt ruhig, konsequent und überfordert ihn nicht. Versucht rechtzeitig zu erkennen, wenn aus der Angst und dem Rückzug evtl. Aggression aus Unsicherheit wird. Gebt ihr positives Feedback, wenn sie von selbst rauskommt, achtet darauf, ihre Unsicherheit nicht zu verstärken. Es ist auch die Frage, wie sie auf die fremden Reize reagiert. Auf Rückzug ist letztlich "leichter" zu reagieren als auf aus Angst resultierender Aggression.

Ich würde generell dazu raten, einen guten, d.h. gewaltfrei arbeitenden Trainer dazuzuholen.


Kommentar von ellalea ,

Natürlich waren wir uns bewusst, dass es nicht einfach sein wird wenn wir uns für Sie entscheiden :) 

Wenn sie Angst oder ähnliches empfindet reagiert sie jedoch keines falls mit aggression, sondern mit Rückzug. Mir vertraut sie mitlerweile uns wedelt sogar ab uns zu schon mal mit dem Schwanz wenn ich komme.

Danke für deine Tips. Ih werde versuche  sie umzusetzen :)

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