Frage von Primeeri, 50

Hilfe! Festplatten Format RAW. Daten noch zu retten?

Ich habe ungewollt eine sehr wichtige Festplatte formatiert den Vorgang jedoch schnell Abgebrochen. Nun ist die Festplatte nicht mehr NTFS sondern RAW und ist weder lesbar noch schreibbar. Mit WinHex konnte ich herausfinden das dich die NTFS Partition immer noch auf dem Datenträger befindet. Ich habe versucht mit Testdisk die Partitionstabelle wiederherzustellen. Ohne Erfolg. Die Daten sind extrem wichtig. Hat jemand eine Idee?

Antwort
von Acronis2000, 33

Mit Testdisk sollte es eigentlich gehen.

Es gibt auch gute Tools von ontrack.

Allerdings empfehle ich Dir, erst mal ein Image-Backup zu machen, BEVOR Du irgendwelche Experimente mit der Festplatte machst.

Ich kann jetzt natürlich nicht beurteilen, wie fit Du im Bereich Datenrettung bist.
Aber wenn die Daten wirklich sehr wichtig sind, würde ich an Deiner Stelle lieber keine Experimente machen, wenn Du Dich nicht 100-% damit auskennst. Denn wenn Du jetzt noch mehr "zerlegst", wird es für einen Fachmann immer schwerer oder sogar unmöglich, Deine Daten zu retten.

Antwort
von NoHumanBeing, 30

Ich hätte jetzt auch TestDisk empfohlen.

Ansonsten, wenn Du weißt, bei welchem Offset die NTFS-Partition beginnt, kannst Du versuchen, sie unter Linux (Live-System) mit der Option "-o offset=..." zu mounten.

mount -t ntfs-3g -o ro,offset=[Offset] [Device] [Mountpunkt]

Aber wenn TestDisk es schon nicht kann, dann wird der "normale" Dateisystemtreiber vermutlich auch fehlschlagen. Außerdem, wie solltest Du den Offset herausfinden?

Kommentar von Primeeri ,

Was ist mit Offset gemeint ?

Kommentar von NoHumanBeing ,

Nunja, die Information in der Partitionstabelle scheint ja nicht mehr zu stimmen, da diese wohl überschrieben wurde, als das Laufwerk formatiert wurde.

In der Partitionstabelle steht, wo eine Partition beginnt, also bei welcher Sektornummer, und wie groß sie ist, also wie viele Sektoren sie umfasst. Dann noch Typinformation (in diesem Fall "NTFS"). Mehr ist es ja nicht.

Diese Information ist nun offensichtlich futsch und TestDisk kann sie auch nicht wiederherstellen (wovon ich eigentlich ausgegangen wäre, dass es dazu in der Lage ist). Wenn Du aber weißt, an welcher Stelle die Partition beginnt, kannst Du Linux das sagen und dann die Partition durch Angabe von Laufwerk (z. B. "/dev/sda") und Offset einbinden ("mounten"), auch wenn die Partitionstabelle keinen entsprechenden Eintrag für die Partition (z. B. "/dev/sda1") mehr enthält.

Der Offset sagt im Grunde "nach so vielen Bytes geht die Partition los". Alles davor gehört dann eben zu Partitionstabelle, Bootsektor oder anderen Partitionen. Im Grunde ist aber egal, wozu es gehört. Du sagst dem Dateisystemsektor nur, dass er alles vor dieser Stelle ignorieren soll und der gegebene Offset quasi für seine Zwecke der neue "Sektor null" sein soll.

Antwort
von dan030, 35

Bootsektor und Zuordnungstabellen werden überschrieben worden sein.

Das klingt nach sehr veil Handarbeit. Man kann sicherlich noch Informationsfetzen auslesen und vermutlich auch einige Dateien wiederherstellen. Aber rein durch Aufruf eines Programmes wird da wahrscheinlich nicht allzu viel zu machen sein.

Antwort
von Roderic, 12

Acronis hat den eigentlich wichtigen Punkt genannt.

Zuerst klonst du die gesamte Platte 1:1 auf eine andere gleich große oder größere. Sämtliche Rettungsversuche machst du mit dem Klon - und nicht mit der Originalplatte.

Antwort
von quadratlatschen, 35

Easeus Data Recovery Wizard
kann gelöschte Partitionen wiederherstellen zum Beispiel.

Weiß aber nicht ob das mit der Testversion auch geht 😕

Antwort
von ramiro15, 29

Google mal nach "GetDataBack for NTFS"

Beim Schnellformatieren werden in der Regel keine Daten gelöscht.

Antwort
von Wolle1305, 31

Vielleicht hast du Glück und es funktioniert:

http://praxistipps.chip.de/raw-in-ntfs-umwandeln-so-gehts_39090

Antwort
von Shino202, 32

Ich sage es nur ungern aber die Daten kannste vergessen sry alter aber die Daten sind weg

Kommentar von ramiro15 ,

Quark

Kommentar von Acronis2000 ,

Blödsinn!
Beim einfachen Formatieren sind die Daten noch lange nicht weg!
Allerdings muss man schon wissen, wie man die Daten wieder sichtbar machen kann.

Nur kurz zur Info:
Es gibt eine Art "Inhaltsverzeichnis".
Dort steht drin, wo die Daten auf der Festplatte liegen.
Beim einfachen Formatieren wird, einfach gesagt, nur das "Inhaltsverzeichnis" verändert. Wenn nun das Inhaltsverzeichnis beschädigt oder verändert worden ist, findet das Betriebssystem die Daten zwar nicht mehr, trotzdem sind die Daten aber noch da!

Stell Dir das jetzt mal bei einem normalen Buch vor:
Du reißt die Seiten mit dem Inhaltsverzeichnis aus dem Buch raus.
Sind jetzt die restlichen Seiten dadurch alle leer? Nein!

Das heißt somit, Du kannst das Buch trotzdem noch lesen, auch wenn das Inhaltsverzeichnis fehlt. Genau so funktioniert das auch mit einer Festplatte. Mit bestimmten Tools kann man die Daten alle wieder sichtbar machen.

Kommentar von NoHumanBeing ,

Wenn das Dateisystem wirklich komplett überschrieben wurde, wird es aber wirklich schwierig werden. Dann hilft nur noch "file carving" und das ist durchaus ein gewisses Lotteriespiel.

Gerade ein Dateisystem, wie Ext3, ist da sehr "unangenehm", da es alle Dateien in Blöcke von 4 KiB Größe zerhackt und diese im Grunde mehr oder weniger wahllos über den Datenträger "verstreut". Das wieder richtig "zusammenzupuzzeln" ist wirklich sehr schwierig.

Erst mit Ext4 gab es Bemühungen, Daten auch tatsächlich möglichst sequentiell und zusammengehörig zu speichern. Das spiegelt sich auch in der Einführung von Extents wieder, die es erlauben, viele sequentielle Blöcke mit wenigen Deskriptoren kompakt zu beschreiben.

Dennoch ist der Grundgedanke bei diesen Dateisystemen weiterhin nicht derjenige, Fragmentierung zu vermeiden, sondern eher derjenige, trotz enormer Fragmentierung performant zu bleiben. Das sieht man auch daran, dass es für Ext keine Defragmentierung gibt, weder "online", nebenbei im Betrieb, noch "offline" über eine entsprechende Utility. Man will überhaupt nicht sequentiell speichern. Man will stattdessen den "random access" so performant machen, dass man es überhaupt nicht mehr nötig hat, sequentiell zu speichern.

Nun reden wir hier zwar nicht von Ext, sondern von NTFS, aber die Probleme sind ähnlich. Auch NTFS fragmentiert die Daten, auch wenn es hier nicht explizit "zur Strategie gehört".

Der Vergleich ist also nicht "aus einem Buch das Inhaltsverzeichnis herausreißen", sondern eher "das Buch durch den Reißwolf jagen". Selbst eine 2 GiB große Partition besteht aus sage und schreibe 524'288 "Schnipselchen" zu je 4 KiB und ohne Dateisystem hast Du keine Idee, zu welcher Seite (Datei) sie gehören und in welche Reihenfolge sie gehören.

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