Haben Demonstration jemals was gebracht?

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15 Antworten

Haben Demonstration jemals was gebracht? Gibt es Beispiele für Demonstrationen, die was gebracht haben?

Sagen wir es mal so:

  • In der DDR haben die Leute genau 2 Mal demonstriert. Beide Male wurden ihre Forderungen zu 100% erfüllt.
  • In der Bundesrepublik hat man Hunderte Male für und gegen alles mögliche demonstriert. Keine einzige größere Demonstration hat unmittelbare Wirkung gezeitigt.

Demonstrationen haben also durchaus "jemals etwas gebracht". Nur eben nicht in der Bundesrepublik oder im Westen insgesamt.

Gäbe es z.B. auch dann den Atomaustieg, wenn keiner dafür demonstriert hätte?

Die hohe Politik des Westens nimmt Demonstrationen mehr als Gradmesser der Gefahr für Wahlen. Je lauter für oder gegen irgendwas demonstriert wird, desto eher ist die Politik bereit, dem Willen des Volkes - notgedrungen und auf minimalem Niveau - "nachzugeben". 

Insofern sind es weniger die Demonstrationen selbst, als vielmehr die Angst vor schlechten Wahlergebnissen, die die eigentlichen Änderungen bewirkt.

Oder kann eine Demonstration wie die am Samstag gegen CETA und TTIP was bewirken?

Hier gilt dasselbe: Nicht zuletzt wegen des deutlichen Aufstiegs der AfD werden Demonstrationen gegen TTIP (CETA ist bereits fertig verhandelt und soll zumindest "vorläufig in Kraft gesetzt" werden) ... nun, sagen wir, in der hohen Politik bewusster wahrgenommen.

"Bewirken" kann so eine Demonstration aber gar nichts. Jedenfalls nicht in der Bundesrepublik. Das einzige, was wirklich etwas bewirkt, ist die Tatsache, dass in ziemlich genau einem Jahr Bundestags-Wahlen sind, und dass die SPD sich mit großen Schritten der 5-Prozent-Hürde nähert; aber auch die CDU auf dem deutlich absteigenden Ast ist. 

Es ist also mehr die Angst vor deiner Wahl-Entscheidung in einem Jahr, als die Demonstration am Samstag gegen irgendwas

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Mit anderen Worten: Deine Teilnahme an der Demonstration gegen TTIP und CETA ist mehr ein Zeitvertreib für dich. Bestenfalls kannst du es als "offene Drohung an deine Vertreter im Angesicht unmittelbar bevorstehender Wahlen" betrachten. 

Und als solche Drohung ist der Zeitpunkt gut gewählt: Es ist kurz genug vor den Wahlen, damit die Parteien nicht mehr darauf setzen können, dass du bis dahin vergisst, wer dich nicht vertritt ... wen du also ganz bestimmt nicht wählen willst.

Deshalb setzt Gabriel (SPD) ja auch mal wieder seine Wendehals-Taktik ein: Noch vor wenigen Monaten beschimpfte er TTIP-Gegner als "ängstliche und zur Hysterie neigende Unwissende". Derzeit (wir nähern uns, wie gesagt, wichtigen Wahlen mit großen Schritten) kann der SPD-Anführer "die Sorgen und Ängste der Bürger verstehen". ... Und nach der Wahl wird es wie vor der Wahl: Dann wird er erst auf das "Pack" schimpfen und unmittelbar vor der Wahl wieder verstehen...

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Kommentar von wfwbinder
13.09.2016, 13:18

Kann man so nicht sagen, die DEmonstrationen gegen § 218 haben schon was gebracht.

Wenn man überlegt und etwas sucht wird man einiges mehr finden. Weil eben Demonstrationen sehr häufig waren, erinnert man sich weniger.

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Kommentar von Evi1M4chine
21.03.2017, 12:41

Eeem, die AfD ist, und war schon immer, FÜR TTIP, EU und Globalisierung. Nein, ich meine nicht die Aussagen! Ich meine im Parteiprogramm. … Daß sie öffentlich absichtlich was anderes behaupten, um mehr Wähler zu fangen, ist mir bekannt.

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Demos allein bringen was nie was, daher erlaubt sie ja auch der hiesige Staat mit wichtiger Miene, so als wenn er Wunder was gewährt. Das nennt er dann auch noch lautstark Demokratie, wobei offensichtlich beim tapferen Bundesbürger nicht auffällt, dass es der Staat ist, der zuteilt, der gewährt.

Davon mal abgesehen, sind Demos dennoch nötig, und zwar aus 3 Gründen:

  • Demos wirken auf das Bewußtsein auch der Nichtbeteiligten ein, stimmen nachdenklich, zeigen so, dass nicht alles ok ist, was der Staat einem so hier andient und aufnötigt
  • es ist notwendig, das es überhaupt Demos gibt, damit so die Spreu vom Weizen getrennt werde, dem Staat signalisiert: "hier stehen wir - hier stehst du Staat", andernfalls entsteht so womöglich nochj der Eindruck, dass das gesamte Volk mit all den Sauereien einverstanden wäre, die einem zuhauf begegnen. Dem Staat wird so ggf. die Legitimationsbasis entzogen
  • Demos sind zuweilen der Auftakt zu mehr, z.B. Massenstreiks


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Kommentar von Interesierter
13.09.2016, 12:44

Du hast ein seltsames Verständnis von Demokratie. Der Staat ist letztlich das Volk.

Sich also hinzustellen, auf der einen Seite stehe das Volk und auf der anderen der Staat, ist schon leicht sinnbefreit.

Du solltest vielleicht den Staat nicht mit der Regierung verwechseln.

Im Übrigen kann der Regierung durch keine Demonstration die Legitimation entzogen werden. Dies ist in Deutschland nur durch Wahlen möglich. Durch Demonstrationen kann Druck erzeugt werden, das ist richtig. Demonstrationen ersetzen aber keine Wahlen.

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Oft sind es anhaltende Demonstrationen mit größerer Beteiligung,die es nachhaltig in die Medien schaffen und dann auch Aufmerksamkeit erzeugen. Dann können die Regierenden das nicht mehr ignorieren-doch es ist nicht gesagt,daß sich etwas verändert,z. B. ließ ein Präsident in Osteuropa einfach Gewaltbereite Bergarbeiter in Bussen in die Hauptstadt bringen ,die sich dann auf die Demonstranten stürzten. Leider wird hierzuland oft nur größer über Demos berichtet,wenn Scheiben klirren,sonst landet es eher kurz vor den Boulevard-Nachrichten. In Frankreich ist das anders,da haben sich sogar Pflegekräfte in Paris wie die Bürstenbinder geprügelt.

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Nein, es gibt keinen direkten Kausalitätszusammenhang. Zumindest bei dem, was wir als Demos bezeichnen.

Daß das sich bei Wahlen anders verhält, ist auch nur eine Illusion, da das nach dem Gewähltwerden wieder ganz leise zurückgedreht wird.

Man muß das stattdessen simpel psychologisch angehen:

Der Politiker sitzt in seinem Parlament oder ähnlichen Gebäude. Er hat Ziele (die ihm üblicherweise sein Arbeitgeber bei der Industrie vorgibt [Beispiel: Gazprom-Lobbyist-und-nebenbei-Bundeskanzler Schäuble]). Und er ist der Umwelt von Verlockung und Ängsten ausgesetzt.

  • Ob jetzt irgendwelche Leute irgendwo durch die Straßen gehen… das registriert in seinem Leben ja nicht mal auf dem Seismographen.
  • Stehen die Leute aber vor seinem Gebäude… sieht die Sache schon anders aus. ^^
  • Versuchen sie aktiv, ihn aus dem Gebäude (oder gar Land) zu entfernen, dann wird er so langsam aktiv und folgt.
  • Fangen Polizei und Militär an, auch auf der Seite dieser Leute zu stehen, dann fängt er an, sich zu benehmen.

Voraussetzungen dafür:

Und meiner Erfahrung nach entstehen derartige Situationen immer nur dann, wenn die Lage so schlimm ist, daß die Leute das Gefängnis-/Folter-/Todesrisiko in Kauf nehmen.
Davon sind wir hier noch weit entfernt.
Wer Fight Club gesehen hat, weiß, daß es ganz allgemein manchmal erst schlechter werden muß, um die Energie zu schaffen, mit der es besser gemacht werden kann. Das ist schon ganz schlicht durch die Funktionsweise der Neuronen unserer Gehirne bedingt. (Eigentlich ist es die Differenz. Eine extreme positive Verlockung könnte das natürlich auch bewirken. Aber finde mal eine, die die Differenz von Notmal zu Gefängnis/Folter/Tod übersteigen kann!)

Politiker-Psychologie:

Und die Beweggründe der Politikers sind also nicht die von einem sozialen Menschen, sondern die von einem Psychopathen. Egal ob das nun der Politiker selber, oder seine Vorgesetzten sind.
Und warum ist das fast immer so?
Weil derartige Berufe und Positionen Leute die gerne die Welt kontrollieren würden natürlich anziehen. Und weil, psychologisch, und sogar durch hormonelle Unterschiede meßbar, eine solche Persönlichkeit und eine Persönlichkeit die anderen folgt und auf sie hört, unvereinbare Gegensätze sind.

Und das ist es, warum „repräsentative Demokratie“ so ziemlich das Gegenteil von einer echten Demokratie, und eher eine diktatorische Oligopolie ist.

Fazit:

Wer was ändern will, muß also

  1. genug Leute mitbewegen können, und
  2. einen Gradienten haben, der groß genug ist, daß das mit „des Amtes entheben” wortwörtliches aufheben und raustragen o.ä. bewirkt. ;) [Ohne die Notwendigkeit von Gewalt]


Was erstmal wie ein Ding der Unmöglichkeit klingt, wird aber durch zwei Effekte enorm erleichtert:

a) Der größte Teil des Hirns kann vorgestelltes/erzählten und Realität nicht unterscheiden! Das sieht man z.B., wenn man sich intensiv vorstellt, in eine Zitrone zu beißen, und einem dann das Wasser im Mund zusammenläuft. Es reicht also, wenn es sich derart anfühlt.

b) Menschengruppen kommen nur allzu gerne in eine Feedbackschleife (alias Filterblase alias Reinsteigern), die auf Dauer, und mit genug Distanziertheit, alles ins extreme karikiert. (Siehe: Flanderization, und was passiert, wenn man ein JPEG-Bild immer und immer wieder neu komprimiert.)

Wer will, kann das Ganze natürlich noch um alle anderen fiesen psychologischen Tricks ergänzen, um sehr früh eine große Reaktion, und damit eine große Änderung hervorzurufen. So wie es täglich in Massen von allen großen „Quellen“ eingesetzt wird.
Aber worin unterscheidet man sich dann eigentlich noch von dem, was man loswerden wollte…? ^^

Und da ist sie wieder… die charakterliche Unvereinbarkeit, die unsereins davon abhält, „frühzeitig“ dagegenzuhalten.

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Kommentar von earnest
21.03.2017, 13:27

Ich weiß nicht, wen du mit "wir" meinst.

Aber ich könnte dir aus der Hand einige Demonstrationen nennen, die "etwas gebracht" haben.

Ich vermute allerdings, das möchtest du nicht hören, weil du lieber bei deinen recht wirren Ausführungen bleiben willst.

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Kommentar von Evi1M4chine
21.03.2017, 13:33

Nochmal TL;DR: Wie nennt man eine Demonstration die funktioniert? … Aufstand! ^^

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Nicht die Demonstrationen der 1970er und 1980er Jahre, sondern das Reaktorunglück von Fukushima haben den Deutschen Atomausstieg in seiner jetzigen Form begründet.

Trotzdem glaube ich, dass Demonstrationen etwas bewirken. Nämlich das der Politik auf die Finger geschaut wird. Und das ist in einer parlamentarischen Demokratie enorm wichtig.

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Das Volk kann Demos dazu nutzen, Anliegen zum Thema der Politik zu machen. Aufgrund von Demos werden eher keine Entscheidungen getroffen, aber es entstehen dadurch Wahlkampfthemen, zu denen die Parteien Stellung beziehen können und so eine Wählerschaft schaffen. Ohne Demos wären Atomkraftwerke, Frauenrechte etc. wohl niemals thematisiert worden.

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Nun, wenn du dir verdeutlichen willst, was Demonstrationen bewirken können, dann google doch einfach mal nach den "Leipziger Montagsdemonstrationen".

https://de.wikipedia.org/wiki/Montagsdemonstrationen_1989/1990_in_der_DDR

Ich persönlich bin sehr für das Demonstrationsrecht. Ich bin aber auch der Meinung, die Demonstrierenden sollten dieses Recht mit Augenmaß einsetzen. Die Leipziger Montagsdemonstrationen haben gezeigt, wozu friedlicher Protest fähig ist.

Vollkommen daneben jedoch finde ich Aktionen wie z.B. bei den Protesten gegen Atomkraft, wenn Gleisanlagen beschädigt werden, um die Züge aufzuhalten.

Protest ja, aber bitteschön ohne Gewalt.

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Kommentar von Evi1M4chine
21.03.2017, 13:42

Was einem immer bewußt sein sollte, ist daß von Regierungs- oder Industriewegen gezielt und systematisch Protestbewegungen von Agent-Provecateur-Maulwürfen unterwandert werden, die die Gruppe a la „Das tapfere Schneiderlein“ bis zur Spaltung gegeneinander aufwiegeln, und im Namen der Gruppe genau solche gewaltätigen, randalierenden, „völlig daneben”en Aktionen ausführen. Welche dann prompt von der (den selben Leuten gehörenden) Presse durchs globale Dorf geschleift wird.

Beispiel für Großbritannien: https://theintercept.com/2014/02/24/jtrig-manipulation/
Daß das hierzulande irgendwie anders wäre… gerade wo Unternehmen und gewisse Staaten ja eh global agieren … glauben heutzutage nicht mal mehr die schlimmsten Michel. ^^

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JA haben sie aber leider nicht immer aber bei wirklich wichtigen Sachen hat es oft geholfen zb für den Umweltschutz der erst verlacht wurde aber  ohne  würde NRW immer noch Grau sein selbst im Sommer.Der atomaustieg hat es nicht nur wegen der Demos gebracht sondern durch einen Weiteren unfall in einem Atomreaktor.Erst dann war Die BRD bereit zum ausstieg!,

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Naja, die Montagsdemos gegen Ende der DDR waren sicher nicht ganz wirkungslos.

Und die Demos zum 17. Juni 1953 führten zu einem Aufgebot sowjetischer Panzer.


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Zuletzt haben die Demonstrationen in Kiew zu einem Regierungswechsel in der Ukraine geführt. In Deutschland haben sie die Wiedervereinigung möglich gemacht.

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jedenfalls bringen jede Demos etwas, besonders Aufmerksamkeit.

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Ein Bespiel der jüngeren Tage sind die Demonstrationen in Frankreich gegen den CPE. Damals gingen Schüler und Studenten so lange auf die Strasse bis die Regierung das Packet kippen musste.

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Natürlich können Demo's etwas bewirken. CSD ist ein schönes Beispiel. Aber im Allgemeinen kann man so zeigen, dass man mit dem Handeln von "Oberen" nicht einverstanden ist.

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Kommentar von Evi1M4chine
21.03.2017, 14:08

Was bewirkt der CSD heutzutage denn?
Leider seh ich da heutzutage eher eine Kombination aus Karneval und sexuellem Exhibitionismus.
Nicht daß ich was dagegen hätte, was niemandem was schadet.
Aber so bewirkt das eher, daß die Leute glauben, um homo zu sein, müßte man im Rio-Karnevals-Federkleid rumlaufen und sich wie ein total übertriebener Cross-Dresser aufführen.
(Als das anfing, war das ja eher ein Protest gegen den Terror und die Gewalt bei den Polizei-„Razzien“ in jener Straße. Ich seh da aber jetzt nicht, wieso genau diese Demos die Veränderung herbeigebracht haben sollen… [… sagt er, in der Hoffnung, eines besseren belehrt zu werden].)

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Demonstrationen sind Teil des Versuchs, durch Mobilisierung von Teilen der Öffentlichkeit Stimmung für oder gegen etwas zu machen und damit politische Entscheidungen zu beeinflussen.

Insofern bringen sie immer etwas.

Nichts bringen sie, wenn man dem Fata-Morgana-Irrglauben anhängt, sie müssten unmittelbar zu einer Umsetzung der Demonstrationsziele führen.

Gerade TTIP und CETA sind doch Beispiele dafür, dass Demos etwas bringen.

Die teilweise etwas irrationale, verpeilte und mir dümmlich anmutende Kritik war doch überaus erfolgreich. Die Inkraftsetzung von TTIP und CETA sind in weite Ferne gerückt.

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Kommentar von Evi1M4chine
21.03.2017, 14:03

CETA (alias TTIP durch die Hintertür) ist, soweit ich weiß, unterschrieben, und in der Umsetzung. Soviel dazu… :-/

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Sicher.

Google zum Beispiel "Freitags-Demonstrationen".

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Kommentar von earnest
13.09.2016, 17:00

-upps: Gemeint waren die Montagsdemonstrationen in der DDR.

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Kommentar von earnest
13.09.2016, 17:00

-technischer Fehler: Hier stand der Kommentar erneut.

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