Frage von annablanka, 196

Erdogan Anhänger?

Hallo Zusammen,

Kann mir jemand subjektiv erklären, warum er/sie Erdogan- Pro ist? Also nur die Gründe, was jemanden zum Erdogan Anhänger macht. Was findet ihr/findest du gut an ihm, an der Todesstrafe etc.? Ich möchte es verstehen können.

Vielen Dank!

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von Braini1000, 103


Der erklärts

Kommentar von annablanka ,

Der Erklärts aber mal richtig gut 👍✌️

Antwort
von Rosenblad, 92

Auch wenn ich an dieser Stelle nicht der Adressat Deiner Frage bin: Aber es gibt aus der Sicht der Psychologie schon einmal den Faktor, das Narzissmus anziehend wirkt. Dann spielt Erdogan die "Karte" des Nationalismus, die wiederum eine immens hohe Suggestivkraft auf viele Teile der türkischen Gesellschaft ausübt und drittens Erdogan versteht es Feindbilder (implizit von Ängsten) zu erzeugen - v.a. der "Westen", der die Türkei erniedrigen will. Zudem versteht sich Erdogan als Bewahrer religiöser Traditionen und sozialer Stabilisationen. Und last but not least versteht er es als der starke Mann in der jetzigen Krise der vielen Teilen der Bevölkerung als unersetzbar erscheint (Anschläge, Bedrohung durch Kurden und IS - auch Iran und v.a. der jüngste Umsturzversuchs von kleinen Teilen des Militärs - der Putsch des Militärs vom 12. September 1980 mit drastischen Maßnahmen für das gesamte Land wird vermutlich die Türken stark "traumatisiert" haben)

Ach ja und die Wachstumsrate des realen Bruttoinlandsprodukts (BIP) lag 2015 bei stattlichen 3,84 % - zum Vergleich in Deutschland lag der Wert bei 1,4% - wenn das nicht alle diktatorischen Maßnahmen vergessen machen läßt.

Kommentar von adabei ,

Mit dieser Wachstumsrate wird es allerdings bald vorbei sein. Viele Touristen werden ausbleiben, ausländische Investoren haben keine Interesse mehr an der Türkei, etc.

Kommentar von Rosenblad ,

Der große "Volksjubel" wird das zunächst einmal vergessen machen - unter dem Motto "Gemeinsam sind wir stark" (oder so ähnlich).

Kommentar von suziesext08 ,

"gemeinsam sind wir stark" gemein sind wir sogar noch viel stärker. zb jetzt der Volkszorn, der sich auch gegen Aleviten, Kurden und christliche Minderheiten richtet, die ja alle als 'unsichere Kantonisten' gelten.

Kommentar von suziesext08 ,

hi Rosenblad - ein ganz messerscharfes Psychogramm. Nur die Prozente,  da fällt mir immer Walter Krämer 'So lügt man mit Statistik' ein. Denn die Bezugsgrössen sind ja weder angegeben noch vergleichbar. Wenn in der einen Badewanne kein Wasser ist und ich lass reinlaufen, dann ist das ne Steigerung von 100%, was ganz toll aussieht. Und die andere Wanne hat 40 Liter drin und ich mach noch nen Liter heisses Wasser rein, dann ist das ne schäbige Steigerung um 1/40

Kommentar von Rosenblad ,

Ja, aber solche Meßwerte bestimmen ganze Volkswirtschaften - aber auch das ist wieder ein Thema was den Rahmen hier sprengen würde.

Antwort
von wfwbinder, 72

Gut an Erdogan finden seine Anhänger vermutlich:

1. das er die Religion höher ansiedelt

2. das es der Türkei unter ihm wirtschaftlich besser geht

3. das er den nationalen Stolz fördert

Ich persönlich bin   als deutscher einer Meinung über ihn enthoben. Mir ist absolut egal, was er in seinem Land macht.

Die Einführung der Todesstrafe würde ich allerdings sehr bedauern, weil ich erstens generell gegen die Todesstrafe bin und zweitens die Befürchtung habe, dass viele Unschuldige hingerichtet würden.

Antwort
von BTyker99, 57

Hier ein gekürztes und leicht verändertes Wikipedia-Zitat:

"2015 wurde der Erdogankult zum Massenphänomen, bei dem Erwartungen der Bevölkerung und AKP-Propaganda zusammenwirkten. Erdogans Herrschaft war von Beginn an „extrem personalisiert“: Er hatte kein Politbüro wie Josef Stalin, keinen Kriegsrat und keinen Großrat wie Mussolini. Er ließ auch keinen Länderrat oder Parteisenat als Gegengewicht zu und ersetzte das Kabinett nicht, nachdem es nicht mehr zusammengetreten war. Der Wolfsgruß wurde 2016 für Beamte zur Pflicht gemacht und von großen Bevölkerungsteilen freiwillig übernommen.

Erdogans Politik stieß in weiten Teilen der Bevölkerung auf wachsende Zustimmung. Die realen oder scheinbaren Erfolge des Regimes – Beseitigung der Massenarbeitslosigkeit und die innenpolitische Konsolidierung schrieb die Erdogan-Propaganda Erdogan allein zu. Dadurch dehnte sie den Führerkult vom Parteimerkmal zu einem nationalen Kult aus und stärkte Erdogans Position gegenüber den konservativen Eliten und dem Ausland.

Die fehlende Kritik nutzte Erdogan zum weiteren Ausbau des schrankenlosen Führerstaates. Dieser wurde 2016 vollendet, als alle Beamten und Soldaten einen persönlichen Führereid ablegen mussten. Die Sharia-Rechtslehre legitimierte dies, indem sie Verfassungsrecht mit dem an keiner Rechtsidee messbaren Führerwillen gleichsetzte.

Der Erdogankult wurde im deutschen Alltag allgegenwärtig, etwa durch Umbenennung vieler Straßen und Plätze nach Erdogan, durch die Verleihung der Ehrenbürgerschaft, einen Recep Tayyip Erdogan-Koog als Musterbeispiel für die staatliche Blut-und-Boden-Ideologie,kommerziell vermarktete Erdoganbilder, ab 2013 auch staatliche Briefmarkenserien [...] Diese Verehrung überstieg den Personenkult um Atatürk bei weitem. Für kritische Zeitgenossen wurde es immer schwieriger, sich davon zu distanzieren. [...]

Der Erdogankult gilt Historikern als Kennzeichen einer „charismatischen Herrschaft“, die bürokratische Instanzen nicht ersetzte, sondern überwölbte und so vielfach Kompetenzstreit zwischen Parteihierarchie und Staatsapparat erzeugte. Rivalitäten von AKP-Behörden, die in Wettläufe um das vorauseilende Erfassen des „Führerwillens“ eintraten, erforderten wiederum immer mehr autoritative tagespolitische Entscheidungen Erdogans. Dieser ließ jedoch viele Konflikte unentschieden, um seinen Ruf als über den Alltagskonflikten stehender, unfehlbarer, genialer Alleinherrscher nicht zu beschädigen, und trug so zur Aushöhlung einer funktionierenden Staatsverwaltung bei. [...]"

Antwort
von EbayTutor, 106

Hallo annablanka,

ich weiß ganz genau wie es sich anfühlt. Ich kenne auch ein paar Leute, die Pro-Erdogan sind. Ich denke einfach, es geht um die Religion die Atatürk unterdrückt (in einem Rahmen gehalten) hat. Erdogan bringt diese so ein wenig wieder rein. 

Kommentar von adabei ,

Atatürk hat allerdings die Religion nicht "abgeschafft", sondern nur Staat und Kirche getrennt.

Kommentar von EbayTutor ,

Jaja, tut mir leid, da habe ich mich falsch ausgedrückt.

Kommentar von voayager ,

"nur" iss gut, das war damals schon eine unerhörte Leistung, die man schätzen sollte

Kommentar von luvU2 ,

Nein, es war pure UNTERDRÜCKUNG.
Menschen, die religiös aktiv waren, durften nur "schlechte" Fächer studieren und somit wurde ihnen die Möglichkeit nach Karriere verwehrt.
Außerdem durfte man allgemein mit Kopftuch nicht studieren.
Somit wurden religiöse Frauen ausgegrenzt und nur zum Studium zugelassen, solange sie sich auszogen.
Das war mehr als sexistisch und frauenfeindlich.

Kommentar von xxl98 ,

Ist es nicht genauso sexistisch, dass nur Frauen sich verhüllen müssen und allgemein untergeordnet sind??? Der Islam hat je nach Auslegung schon sexistische Züge. Noch viel eher wundert mich da, wie man sich überhaupt zu irgendeiner Religion bekennen kann.

Kommentar von luvU2 ,

Das Problem ist, dass ihr euch mit dem wahren Islam nicht auskennt.
Genauso, wie eine Frau ihre Reize verhüllt, muss ein Mann seine Blicke senken.
Somit gleichen sie sich beide aus.

Und außerdem, wenn wir Frauen erlauben nackt rumzurennen, müssen wir ihnen auch erlauben, sich zu verhüllen, wenn sie möchten.

Es ist in meinen Augen sexistisch und frauenfeindlich zu sagen, dass man Frauen Freiheit schenkt, in dem man versucht sie auszuziehen.
Was ist das für eine Doppelmoral?
Ein Frau kann sehr gut allein für sich selbst entscheiden, ob sie der Öffentlichkeit nun beispielsweise ihre Beine zeigt oder nicht.
Man nimmt der Frau nur das Recht, ihre Meinung zu äußern, wenn man für sie spricht.
Sie muss selbst die Initiative ergreifen und sich einordnen können.
Ohne Sexismus.

Antwort
von Thelostboy342, 98

Weil er / sie über wenig Intelligenz verfügt und vom Erdogan-Fanatismus geblendet wurde.

Antwort
von DarkScammer321, 72

Ich denke es ist für viele schwer zu verstehen, dass man pro Erdogan sein kann. Manche mögen halt einfach wie er handelt und auch seine Sicht auf bestimmte Themen. Es gibt auch Menschen auf der Erde die für die Todesstrafe sind. Nur weil wir im Westen als Werte Frieden und Freiheit haben, heißt das nicht dass alle anderen auf der Welt diese Werte auch gut finden. 

Antwort
von luvU2, 65

1. wirtschaftlicher Aufschwung der Türkei.
2. Religionsfreiheit
3. Infrastruktur
4. Krankenversicherung
5. Schulpflicht war vor Erdogan nur 5 (!) Jahre, er hat dafür gesorgt, dass Kinder (egal welches Geschlecht) 8 Jahre zur Schule MÜSSEN, bevor sie eine Ausbildung oder ähnliches beginnen. Zur Zeit wird über die 12jährige Schulpflicht diskutiert.
6. Waffenstillstand mit der international als Terrorgruppe angesehenen PKK
7. Dass er sich für die Schulbildung von Frauen mit Kopftüchern einhesetzt hat, hat bewirkt, dass jeder Zugang zu Bildung unabhängig von Religion und Geschlecht bekommt.
8. Er hat sich allgemein für Frauen eingesetzt (Das ist für mich als bekenennde Feministin einfach wichtig)
So das war mal grob aufgelistet, was er innerhalb von 13 Jahren ungefähr gemacht hat.
Falls du nich Fragen hast, kannste gern fragen :)

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