Die ICD-11 definiert Burnout als "chronischen Stress am Arbeitsplatz, der nicht erfolgreich verarbeitet wird". Nach diesem Verständnis kann Burnout nur im Zusammenhang mit der Erwerbsarbeit entstehen. An dieser Definition gibt es in Fachkreisen aber viel Kritik. Burnout findet man typischerweise und viel häufiger als am Arbeitsplatz bei pflegenden Angehörigen. Und ich denke, man kann sich gut vorstellen, dass auch ein Arbeitsloser, der von der Arbeitssuche erschöpft ist, auf ganz ähnliche Weise "ausgebrannt" sein kann. Wichtig dabei ist jedoch, dass Burnout mit hohen eigenen Leistungsanforderungen an sich selbst und hohen moralischen Ansprüchen an sich selbst zu tun hat ("Ich muss meine Mutter pflegen, auch wenn ich daran kaputt gehe, das bin ich ihr schuldig."). Ob sich das so auch bei einem Arbeitslosen findet, muss man im Einzelfall schauen.

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In einer Studie zeigten 88% der psychitarischen Patientinnen, die sexuellen Missbrauch erlebt hatten, dissoziative Symtpome https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/8221221/). 12% hatten offenbar keine.

In der Allgemeinbevölkerung – wenn man also nicht nur Psychiatriepatientinnen betrachtet – entwicklen jedoch nur etwa 20% der Opfer eines gewaltsamen sexuellen Übergriffes überhaupt eine posttraumatische Belastungsstörung https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC5896282/). 80% der Opfer haben also keine PTBS (und sehr wahrscheinlich auch keine dissoziativen Symptome).

Insgesamt kann man also abschätzen, dass nur knapp 18% der Opfer sexueller Gewalt dissoziative Symptome entwickeln (88% von 20% sind 17,6%).

Das ist aber natürlich nur eine grobe Schätzung auf der Grundlage begrenzter Daten.

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Ehefrau gestorben. Wie damit umgehen?

Hallo an alle…

Die Frage ist an die gerichtet, die ähnliches erlebt haben.

Vor genau 2 Monaten (auf den Tag genau) ist meine Frau verstorben. Wir waren an den besagten Tag zusammen zu Hause und haben abends unsere Lieblingsserie angeschaut. Plötzlich merkte ich, dass sie nicht mehr auf das Gespräch mit mir eingeht. Der Grund war, dass sie einen plötzlichen Herzstillstand erlitten hatte. Ich rief sofort den Rettungsdienst an. Als sie kamen, haben sie ca. eine halbe Stunde vor Ort und ein paar Stunden im Krankenhaus versucht meine Ehefrau zu reanimieren. Ohne Erfolg. Am selben Abend nach ca. 1,5 Monaten Ehe ist sie verstorben.

Die ersten 2-3 Tagen wollte ich die Sache gar nicht wahr haben und habe die ganze Zeit auf mein Handy geschaut, mit der Hoffnung, dass das Krankenhaus anruft und uns mitteilt, dass sie doch plötzlich aufgewacht ist. Das war meiner Meinung nach die schwierigste Zeit.

Die ersten 1-2 Wochen hatte ich sehr viel moralische und seelische Unterstützung von Familie und Freunde. Ab der dritten Wochen ging jeder wieder seinen normalen Alltag nach und ich musste größtenteils selber schauen, wie ich damit klar komme. Es muss noch erwähnt werden, dass ich kurz vor der Hochzeit zu meiner Frau gezogen bin (ca. 500km von meinem gewohnten Umfeld).

Nachdem ich mich 4 Wochen von der Arbeit krank gemeldet habe, wollte ich wieder mit der Arbeit beginnen, um mich abzulenken. Denn dadurch, dass ich viel Freizeit hatte, haben mich meine Gedanken zerfressen.

Mittlerweile läuft ein Achterbahn der Gefühle. In einem Moment fühlt sich alles wieder normal an und im anderen Moment kommen alle Gefühle hoch. Auch bin ich am überlegen wieder in meiner Heimatstadt zu Familie und Freunde zu ziehen. Doch leider habe ich hier meinen Job. Und Arbeitslos bedeutet wieder zu viel Freizeit.

Aber, was mich komplett kaputt macht ist, dass meine Gedanken (wie es mit mir weitergehen soll) dazu führen, dass ich auf der Arbeit nicht 100% geben kann. Und ab und zu muss ich mich bei meinem Arbeitgeber für meine "schlechte" Arbeit rechtfertigen. Ich kann ihn aber nicht alles erzählen. Vor allem, weil ich selber nicht genau weiß, was ihn mir abgeht.

Nochmal: Wie seit ihr mit so einer Situation umgegangen und wie habt ihr es (einigermaßen) überwinden?

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Zum Teil sind das wahrscheinlich normale Trauerreaktionen. Im Durchschnitt dauert es wohl so ein halbes Jahr, bis die meisten Menschen den Tod eines nahestehenden Menschen soweit verarbeitet haben, dass sie wieder normal weiterleben können.

Trauer kann man offenbar am besten bewältigen, wenn man Ablenkung und Gedenken kombiniert. Also einerseits versuchen, das Leben, so gut es eben geht, weiterzuleben und nicht immerzu daran zu denken. Sich andererseits aber auch so oft wie nötig die Zeit nehmen und den Verlust empfinden und weinen.

Viele Trauernde profitieren von einer Trauergruppe. Die gibt es in vielen Städten, oft von der Kirche organisiert oder an einem Krankenhaus (z.B. Krebsstation). Wende dich doch mal an deine örtliche Kirchengemeinde oder frag beim Krankenhaus oder in der örtlichen psychotherapeutischen Beratungsstelle nach.

Wenn du religiös bist, könnte auch das Gespräch mit einem Seelsorger helfen.

Da ich gerne lese, würde ich wahrscheinlich auch nach Büchern zum Thema suchen. Wenn du magst, schau mal.

Alles Gute!

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Den meisten Menschen gelingt es nicht, ihre Kindheit komplett zu vergessen oder hinter sich zu lassen, so dass sie gar keinen Einfluss mehr auf sie hat. Man kann aber ein gutes aktuelles Leben aufbauen, und je stabiler das ist, je mehr man sich in der Gegenwart gut fühlt, desto geringer wird der Einfluss der Vergangenheit.

Du kannst dir das wie eine Waage vorstellen: die einge Waagschale ist die Vergangenheit, die andere die Gegenwart. Solange die Waagschale für die Gegenwart leer bleibt, solange hat die Vergangenheit ein großes relatives Gewicht. Je mehr gute und schöne Erlebenisse, Menschen und so weiter du aber in die Schale der Gegenwart legst, desto weniger schwer wiegt die Vergangenheit im Verhältnis dazu.

Überlege also, wie du gerne leben möchtest, suche dir Menschen und eine Arbeit, mit denen du dich gut fühlst, gehe angenehmen Hobbies nach und schaffe dir das Leben, dass du dir wünschst.

Daneben kannst du – alleine oder mit Hilfe eines Therapeuten – auch deine Vergangenheit versuchen aufzuarbeiten. Wenn es da viel Trauriges, Verletzendes oder Traumatisches gibt, könnte eine Psychotherapie dir dabei helfen, dass so zu verarbeiten, dass es dich in der Gegenwart nicht mehr beeinträchtigt. Da ich nicht weiß, warum du dich von deiner Kindheit trennen möchtest, kann ich dir auch nichts konkretes raten. Manchen Menschen hilft es schon, einmal alles aufzuschreiben, wie eine Biografie, um Ordnung in die Erinnerungen zu bekommen und ein Stück weit Abstand dazu zu finden.

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Wenn du einen Therapieplatz suchst, meinst du vermutlich einen Psychotherapeuten meinst, keinen Psychologen.

Wenn du einen Psychotherapeuten per E-Mail kontaktieren willst, schreibe deinen Namen, dein Alter, wie du versichert bist (gesetzlich, privat, mit Beihilfe oder anderes), mit welchem Problem du dich an ihn wendest und wie und wann er dich gut erreichen kann (telefonisch, per Mail, den ganzen Tag oder nur abends usw.).

Manche Psychotherapeuten bieten den Kontakt per E-Mail nicht an, da das datenschutzrechtlich problematisch ist. Eigentlich müsste der Therapeut dein schriftliches Einverständnis einholen, bevor er dir eine E-Mail schreiben darf, auch wenn du ihn angeschrieben hast. Deshalb biete ich (ich bin Psychotherapeut) den Erstkontakt per E-Mail gar nicht an. Am Telefon hast du den Vorteil, dass du dir gar nicht überlegen musst, was du alles erzählen sollst, weil der Therapeut dich fragt, was er wissen möchte.

Wenn du Psychotherapeuten suchst, dann empfehle ich dir (falls du gesetzlich versichert bist) die Arztsuche der kassenärtzlichen Vereinigung deines Bundeslandes. Für Baden-Württemberg ist das z.B. arztsuche-bw.de. Dort sind dann alle Behandler mit Kassensitz verzeichnet. Wenn du privat versichert bist, schau mal auf therapie.de oder bei der Landespsychotherapeutenkammer deines Bundeslandes.

Du solltest davon ausgehen, dass du wahrscheinlich einige Wochen bis Monate warten musst, bis du ein erstes Gespräch bekommst. Lass dich von allen, die du anrufst, auf deren Warteliste setzen.

Viel Erfolg!

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Deine Reaktion auf die Musik kann verschiedene Gründe haben.

Vielleicht weckt die Musik Gefühle, die du in einer früheren Situation hattest, als ähnliche Musik lief. Vielleicht ist es auch Musik, die viele Menschen traurig stimmt, und vielleicht bist du besonders empfänglich für (diese Art von) Musik.

Auch mich machen manche Lieder aus jeweils unterschiedlichen Gründen traurig. Wenn ich das nicht möchte, meide ich diese Musik einfach.

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Wenn du möchtest, gibt es spezielle Beratungsangebote für Opfer von sexuellem Missbrauch, z.B. hier: https://www.hilfe-portal-missbrauch.de/ Da findest du eine Telefonnummer, die du anonym (mit unterdrückter Nummer) anrufen kannst. Die beraten dich, wie du vorgehen kannst, und empfehlen dir, wenn du möchtest, die passenden Hilfsangebote in deiner Nähe.

Wenn deine Therapeutin genervt scheint, fühlt sie sich vielleicht hilflos. Möglicherweise sind deine Probleme zu schwerwiegend für eine ambulante Psychotherapie?

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