Hallo,

Ich denke, dass ein (einziger) Gott tatsächlich die klassischen Eigenschaften eines Diktators aufweist

1. er ist ein Alleinherrscher

2. er hat uneingeschränkte Macht

3. wer sich nicht an die vorgegebenen Gesetze und Dogmen hält, wird Probleme bekommen, z.B. Brennen in der Hölle

4. wer brav das macht, was von ihm erwartet wird, wird belohnt: er kann u.a. auf ein noch tolleres Leben nach dem Tod hoffen

Ein Ansatz: Der Mensch klammert sich an die Vorstellung eines allmächtigen Gottes aus Angst vor sich selbst, aus Angst vor anderen Menschen, aus Angst vor dem Tod und aus Angst vor dem Leben.

Mit Gott an seiner Seite hat der Mensch immer einen mächtigen Verbündeten, auf den er sich berufen kann (starker Papi). Der dafür sorgt, dass "böse Menschen" bestraft und „gute Menschen“ belohnt werden. Was „böse“ und was „gut“ ist, das wird von den „heiligen“ Schriften festgelegt (muss man bequemerweise nicht selbst entscheiden). Und Gott ist ein super Placebo, um den eigenen Minderwertigkeitskomplex und die Angst vor der eigenen Bedeutungslosigkeit zu kompensieren.

Der gottesfürchtige Mensch glaubt an eine Autorität (einen Vater), die ihn beschützen soll, die aber auch die Macht hat, ihn zu bestrafen. Damit macht er sich selbst zu einem Kind, welches in absoluter Abhängigkeit von der selbstgewählten oder indoktrinierten Autorität lebt und jede Entscheidung nur in Abstimmung mit jener Autorität treffen darf, um sich weiterhin sicher, geliebt und wertvoll fühlen zu dürfen. Daher betrachte ich jede Vorstellung eines allmächtigen Gottes sowie die Unterwerfung unter diesen als infantil bzw. kindlich.

Monotheistische Religionen benutzen Heilsversprechen (Belohnung) und Horrorszenarien (Bestrafung), um sich ihre Gefolgschaft zu sichern. Sie halten ihre Anhänger in einem Zustand der Abhängigkeit, der die Entwicklung der eigenen Urteilskraft (= erwachsen werden) unterdrückt.

Hinweis: Diese Betrachtung ist sicherlich sehr reduziert dargestellt. An einen Gott zu glauben, kann wirklich viele Vorteile haben: Gemeinschaft, Hoffnung, Trost, Orientierung, das Gefühl, eine Bedeutung zu haben, einen Sinn im Leben. Das kann zwar auch alles ohne Gott oder Religion finden, aber das ist eben nicht jedermanns Sache. Aus meiner Sicht ist der Glaube an Gott ein mit zu vielen Ungereimtheiten und Widersprüchen verbundener Versuch, mit der Unsicherheit im Leben klarzukommen.

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