Letzte Mail schreiben oder nicht?

Hi,

mit einer Ex-Freundin hatte ich wieder freundschaftlichen Kontakt. Mir tat es gut, wieder eine vertraute Person zu haben, die vielleicht sogar eine "Freundin für's Leben" werden könnte. Es gab mir wieder etwas Boden unter den Füßen und motivierte mich. An einem Abend hatten wir uns ausgiebig geschrieben. Wir waren uns bei einem Thema nicht einig, aber es war kein Streit. Auch zuvor gab es keinen Streit. Es ist nicht so, dass ich völlig empathielos sei oder den Wink mit dem Zaunpfahl nicht sähe. Nächsten Tag hat sie den Kontakt - für mich aus heiterem Himmel - abgebrochen. Was sie schrieb, war sehr verletztend. Wobei es nichts damit zu tun hatte, dass ich ihr irgendetwas angetan hätte. Mit meinen Worten abstrakt formuliert waren die Gründe, dass ich ihr nicht gut genug war und dass ich eine Ansicht nicht mit ihr geteilt habe. Kurz gesagt konnte (und kann) ich nicht verstehen, dass man deswegen die Freundschaft so brutal beendet. Ich fand's arrogant und niederträchtig! Und das Schlimmste: Sie meinte, ich soll/darf ihr nicht mehr schreiben.

Natürlich war ich vor den Kopf gestossen, sauer, wütend. Selbstverständlich hätte ich ihr sehr gerne daraufhin auch noch ein paar Worte gesagt!!! Natürlich keine Beleidigungen, aber was maßt sich eine Person an, jemandem dermaßen eine verbale Ohrfeige zu verpassen und vor allem mir auch noch den Mund zu verbieten (was übrigens auch ziemlich feige ist)! Da aber für mich ein "nein" auch ein "nein" ist, habe ich dies respektiert und nie mehr geschrieben. Ich wollte nicht zu den Typen gehören, die die Message nicht verstanden haben und dann noch x-Mal nerven oder sogar stalken.

Was ich in mir trug, steckte mir deswegen sehr lange im Hals fest. Immer wieder formuliert man, was man ihr gesagt hätte, obwohl ich mit dem Thema längst abgeschlossen hatte und es keinerlei Kontakt mehr geben wird. Irgendwann kam ich auf die Idee, es einfach nur für mich aufzuschreiben und irgendwo in den Tiefen des Archivs zu verstauen. Das hat geholfen, da damit meine Formulierungsversuche erledigt waren.

Die Frage, die mich seitdem immer wieder mal beschäftigt: War es von mir falsch verstandener Respekt, ihr nicht mehr zu schreiben? Hätte ich nicht genauso das Recht gehabt auf eine letzte Mail?

Schule, Freundschaft, Beziehung, Psychologie, Liebe und Beziehung, Respekt, Kontaktabbruch
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Wie Vergangenheit gut verkaufen?

Hi,

ich versuch's ASAP: (as short as possible)

Nach einer sehr langen, persönlichen Krise schaue ich positiv nach Vorne. Ich bin mit mir im Reinen. Aufgrund der Vergangenheit habe ich aber nicht das erlebt, was man(n) "normalerweise" erlebt hat. Mir fehlen sehr viele Jahre. Ich schäme mich extremst dafür, aber ich kann die Zeit ja nicht zurückdrehen. Wenn ich jemanden kennenlerne, komme ich deswegen immer in Erklärungsnot. Ich drück niemandem ungefragt meinen Lebenslauf auf's Auge, aber früher oder später kommt eben das Gespräch darauf. Ich weiß nicht, wie ich erklären soll, warum es so ist, wie es ist.

Mir kommt's bei anderen Menschen nur auf's Herz an, auf Charakter usw., und ich würde mir wünschen, dass man sich mir gegenüber auch so verhält. Das, was man noch nicht erlebt hat, kann man doch auch noch gemeinsam erleben, oder? Zumindest würde ich das sehr gerne. Aber leider wiegt der Makel Vergangenheit wohl zu schwer. Dabei hab ich nix verbrochen. Weder hab ich Drogen genommen, noch komm ich ausm Knast, und mittlerweile weiß ich auch, dass ich mich "als Gesamtpaket" ganz gut sehen lassen kann. Da ich nicht aufgeben will, sondern Bock auf Leben hab, bleibt mir ja nur, die Vergangenheit - und somit auch die daraus resultierende Gegenwart - möglichst gut zu verkaufen. Aber wie?? Ich zermartere mir den Kopf, aber ne richtige Idee hab ich immer noch nicht. Vielleicht hat da ja irgendjemand einen Tipp für mich.

Danke.

Kommunikation, Selbstdarstellung
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