Bin ich Pädophil?

Ich (W/15) habe den Verdacht dass ich pädophil bin.

Seid Anfang meiner Pupertät habe ich immer wieder phantasie Vorstellungen von Kindern. Aber keine "normalen" Vorstellungen. Das ganze läuft schon seit Jahren so und ich kann nicht damit aufhören. Es sind meistens Gewaltvorstellungen (treten, schlagen, Missbrauch), bei denen ich mir manchmal vorstelle selbst das Kind (im Alter von ungefär 7-11 Jahren) zu sein aber manchmal auch nicht, sondern einfach wie in einem Film der "Kameramann" oder ein Außenstehender. Das Kind sieht nicht aus wie ich oder hat irgendwelche Ähnlichkeiten mit mir. Wenn ich mir dann vorstelle wie diese schrecklichen Dinge mit dem Kind passieren, regt es mich an und gibt mir so ein bestimmtes gefühl von Befriedigung dass ich nicht beschreiben kann. Normale/Sanfte romantische Vorstellungen von Kindern oder wie ich etwas mit Kindern habe, regen mich allerdings überhaupt nicht an. Wenn ich mir das ganze mit Erwachsenen oder Personen in meinem Alter vorstelle, macht mich das ebenfalls nicht so an, wie mit Kindern unter 12.

Wie und wann genau das ganze zustande gekommen ist weiß ich leider nicht. Ich will diese Dinge nicht einmal denken da ich mich dann falsch fühle und dafür extrem schäme, aber es ist fast wie bei Schockolade. Ich würde niemals irgendeinem Kind etwas antun wollen da ich es einfach nur grauenhaft finde so etwas auszuleben. Kein Kind auf Erden sollte das durchmachen was ich mir vorstelle und normal und glücklich aufwachsen.

Ich selbst bin als Kind ganz normal in einer liebevollen Familie aufgewachsen und wurde nie geschlagen oder ähnliches.

Wenn ich jetzt auf der Straße ein Kind sehe dann fühle ich mich überhaupt nicht zu ihm angezogen oder ähnliches. Meistens hat es dann auch noch eine rotznase was ich nicht besonders appetitlich finde. Manchmal sehe ich aber schon ein Kind und finde es wie so mancher Mensch ganz einfach niedlich, aber nicht attraktiv. Ich spiele auch manchmal einfach gerne mit Kindern, da es mich freut zu sehen wie sie glücklich sind.

Ich habe mir noch nie Kinderpornografie angesehen und habe dies auch nicht vor. Ich kann mir zwar vorstellen dass ich es erregend finden würde, aber ich finde es absurd dass manche Menschen, Kindern so etwas antun und dies auch noch im Internet teilen und ich will so etwas auf keinen Fall unterstützen. Wenn ich etwas dagegen tun könnte, würde ich dies auch sofort machen.

All das hier in einem öffentlichen Forum einfach zu erzählen, kostet mich sehr viel Überwindung. Deshalb bitte ich ausschließlich um ernsthafte Antworten.

Bin ich eventuell Pädophil? Oder ganz einfach nur Sadistisch/Masochostisch? Villeicht sogar alle 3?! Ich verstehe die Welt nicht mehr aber ich will eine Antwort darauf, denn ich habe das starke Gefühl das ist nicht normal.

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Pädophilie ist die sexuelle Präferenz für ein kindliches, vorpubertäres Körperschema.

Eine "normale" Pädophilie liegt bei dir also definitiv nicht vor. Jedenfalls passte deine Beschreibung

Wenn ich jetzt auf der Straße ein Kind sehe dann fühle ich mich überhaupt nicht zu ihm angezogen oder ähnliches. Meistens hat es dann auch noch eine rotznase was ich nicht besonders appetitlich finde. Manchmal sehe ich aber schon ein Kind und finde es wie so mancher Mensch ganz einfach niedlich, aber nicht attraktiv. Ich spiele auch manchmal einfach gerne mit Kindern, da es mich freut zu sehen wie sie glücklich sind.

nicht dazu.

Wie ist es denn mit männlichen oder weiblichen Jugendlichen, mit Frauen oder Männern? Lösen die etwas bei dir aus? Warst du schon mal in einen anderen Menschen verliebt oder hast dich "grundlos" auf der Straße nach ihm/ihr umgedreht?

Der Hauptpunkt deiner Erregbarkeit scheint mir das sadp-/masochistische Element zu sein. Es könnte sein, dass die Rolle von Kindern nur daher rührt, dass du dir in deiner Fantasie eher vorstellen kannst, dass du deine Gewaltfantasie an einem (schwächeren) Kind ausleben kannst, als an einem Gleichaltrigen bzw. Erwachsenen. Erregt es dich auch, wenn du dir statt eines Kindes bei deiner Fantasie einen gefesselten Gleichaltrigen oder Erwachsenen vorstellst oder dir vorstellst selbst gefesselt zu sein?

Es wäre natürlich viel günstiger für dein künftiges Sexualleben, wenn die Erregung (auch?) mit einem erwachsenen Partner da wäre. Dann würde sich bestimmt auch eine Möglichkeit finden lassen, die Phantasien in einem vorher abgesprochenen, einvernehmlichen Rahmen umzusetzen.

Ich spiele auch manchmal einfach gerne mit Kindern, da es mich freut zu sehen wie sie glücklich sind.
Ich habe mir noch nie Kinderpornografie angesehen und habe dies auch nicht vor. Ich kann mir zwar vorstellen dass ich es erregend finden würde, aber ich finde es absurd dass manche Menschen, Kindern so etwas antun und dies auch noch im Internet teilen und ich will so etwas auf keinen Fall unterstützen.

Das glaube ich dir und deshalb mache ich mir auch keine Sorgen um dich bzw. um Kinder, denen du begegnest.

Phantasie und die Realität sind zwei paar Stiefel und was einen erregt, hat sich niemand ausgesucht.

Wichtig ist, einen gesunden Umgang damit zu finden, also einen Umgang, der anderen keinen Schaden zufügt (da habe ich bei dir keine Sorgen) und der gut für deine Lebensqualität ist. Die Grundbedingung ist: sich so zu akzeptieren wie man ist. Die Kür ist, das anzunehmen, was unter Beachtung der "keinem schaden"-Regel an gelebter Sexualität möglich ist.

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Keine Haft ohne Schuld

Man sperrt Menschen ein, die eine Straftat begangen haben.

Pädophil-Sein ist keine Straftat und kann in einer Verfassungsordnung, die den Anspruch vertritt

(1) Die Würde des Menschen ist unantastbar. Sie zu achten und zu schützen ist Verpflichtung aller staatlichen Gewalt.

auch nie strafbar werden.

Pädophile sind nämlich auch Menschen und stehen unter dem Schutz der Menschenwürdegarantie des Grundgesetzes.

Wer fordert, dass Pädophile präventiv eingesperrt werden, ist nichts anderes als ein Verfassungsfeind.

Die allermeisten Pädophilen begehen niemals eine gegen ein Kind gerichtete Straftat

Es gibt geschätzt 250.000 pädophile Männer in Deutschland.

Es gab lt. polizeilicher Kriminalstatistik 2020 insgesamt 10.929 Tatverdächtige im Bereich sexueller Missbrauch von Kindern (§§ 176, 176a, 176b StGB). Davon waren 4.096 unter 21 Jahre alt (davon 1.057 Kinder, 2.154 Jugendliche, 885 Heranwachsende). 6.833 Tatverdächtige waren Erwachsene. Davon sind 6.475 Männer.

Lt. Rita Steffes-enn, Leiterin des Zentrums für Kriminologie und Polizeiforschung, sind

60 bis 70 Prozent der erfassten Kindesmissbraucher sind sogenannte Ersatztäter. Sie sind nicht sexuell motiviert, sondern haben andere Gründe für den Missbrauch, zum Beispiel Angst im Umgang mit Erwachsenen und Machtstreben.( Quelle)

Von den 6.475 tatverdächtigen Männern sind also nur 30 bis 40 Prozent "pädophil" (fühlen sich zu Kindern hingezogen) = 1.943 bis 2.590 Tatverdächtige.

Wenn man das in Relation zu den geschätzt 250.000 pädophilen Männern setzt, sind wir auf Jahressicht bei einem Anteil von unter einem Prozent, die tatverdächtig werden.

Wenn man das ganze auf Mehrjahresebene stellt dürfte sich der Anteil etwas erhöhen. Ob er bei 3 %, 5% oder gar 10% liegt, wissen wir nicht. Aber wir wissen jedenfalls, dass die meisten Pädophilen nie in ihrem Leben ein Delikt gegen ein Kind begehen und das auch ganz ohne Therapie. Beim Netzwerk "Kein Täter werden" haben von 2005 bis März 2018 insgesamt 925 Menschen eine Therapie begonnen und 360 eine Therapie abgeschlossen (Quelle). In Bezug auf die Gesamtheit pädophiler Menschen fällt das überhaupt nicht ins Gewicht.

Legt man die 3, 5 oder 10% zugrunde, die irgendwann in Ihrem Leben ein Delikt gegen Kinder begehen, dann muss man (je nachdem welcher Wert richtig ist) 32, 19 oder auch 9 Unschuldige präventiv einsperren, um einen zu erwischen, der sich schuldig gemacht hätte.

Wenn wollen wir noch alles präventiv einsperren?

Wenn man meint, dass man Pädophile präventiv einsperren soll, sollte man auch mal darüber nachdenken Männer einzusperren.

Es gibt 41.4 Millionen Männer in Deutschland. Und es gab 2020 insgesamt 203.255 Fälle von vorsätzlichen einfachen Körperverletzung (§ 223 StGB) bei denen die Tatverdächtigen Männer waren. Das sind etwa 0.5 Prozent. Natürlich ist auch da der Anteil, der männlichen Erwachsenen, die irgendwann in Ihrem Leben eine Tat begehen höher als die Zahl für 1 Jahr.

Jedes Jahr wird gegen ca. 1% der pädophilen Männer wegen des Tatverdachts des Kindesmissbrauchs ermittelt. Jedes Jahr wird gegen 0.5 % der Männer wegen des Tatverdachts der vorsätzlichen einfachen Körperverletzung ermittelt.

Der Rechtsstaat schützt die Unschuldigen

Natürlich sind Kindesmissbrauch und Körperverletzung unterschiedliche Straftaten mit anderen Folgen. Aber einen Unschuldigen darf man eben nie einsperren, egal um welche Straftat es geht.

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Pädophile stehen in der Tat nur auf vorpubertäre Kinder (< 10). Dieses Stadium dürftest du mit 13 hinter dich gelassen haben. Du schreibt ja auch selbst, dass du schon in der Pubertät bist.

Aber es gibt auch Menschen, die sich von frühpubertären Körper angezogen führen (Hebephile: ca. 10 bis 14) und welche, die sich von spätpubertären Körpern angezogen fühlen (ca. 14 bis 21; bei männlichen Jugendlichen spricht man von Ephebophile, bei weiblichen Jugendlichen von Parthenophilie). Danach kommt dann das entwickelte Körperstadium (Teleiophilie) und die Gerontophilie als Anziehung zu älteren Menschen (> 60 Jahre).

Hinzu kommt, dass Anziehungen nicht immer ausschließlich sind. Meist gibt es eine Haupt-Alterspräferenz und oft eine schwächere Nebenpräferenz für die angrenzenden Altersklassen. Sehr viele Erwachsene haben zum Beispiel auch eine Erregbarkeit durch ein spätpubertäres Körperschema.

Es wird also immer jemanden geben, der dich sexuell anziehend finden könnte, egal wie alt du bist oder einmal wirst.

Als gefährdet sehe ich dich aber eigentlich nicht.

Es gibt in Deutschland ca. 1% pädophile Männer. Die Zahl hebephiler Männer ist vermutlich nochmal deutlich höher. Du bis also schon ganz oft Pädophilen und Hebephilen begegnet, ohne es zu ahnen. Man sieht die Neigung ja niemandem an. Und es ist dir offensichtlich bisher nichts passiert. Die allermeisten Pädophilen und Hebephilen haben sich sehr gut in Griff. Auch bei heterosexuellen Männern werden ja nur die wenigsten zu Frauenvergewaltigern.

Wichtig ist, dass du deine Grenzen kennst und artikulierst. Natürlich sollte sich ohnehin kein Erwachsener an dich heran machen. Aber falls es doch geschieht, genügt vermutlich eine klare Ablehnung, damit die Person Reißaus nimmt und dich in Ruhe lässt. Im Grunde bist du für so jemanden viel gefährlicher als sie es für dich sind, da du so jemanden in den Knast bringen kannst, wenn die Person sich daneben benimmt.

Ich bin übrigens homohebephil und finde Jungen im Alter von 10 bis 14 Jahren anziehend. Ich habe einige Lebensjahrzehnte hinter mir und war noch nie in Versuchung einen sexuellen Übergriff zu begehen oder einem Jungen Avancen zu machen. Ich habe mich damit abgefunden, dass ich keine sexuelle Beziehung haben kann. Die Sehnsucht gibt es natürlich, aber ich habe gelernt damit klarzukommen.

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Andere Antwort.

Nein, natürlich fühle ich mich nicht wohl als Pädophiler. Es gibt eine extreme gesellschaftliche Stigmatisierung: Ablehnung, Ausgrenzung, Diskriminierung der Neigung.

Ich hatte deshalb als Jugendlicher mehrere Jahre chronische Suizidgedanken und danach noch 10 Jahre Depressionen.

Es ist effektiv eine Behinderung meines Lebens und meines Lebensglücks. Ich sehe mich nach meinem "Thomas-Mann-Moment". Notiz in Manns Tagebuch vom 20. Februar 1942:

Las lange in alten Tagebüchern aus der Klaus-Heuser-Zeit, da ich ein glücklicher Liebhaber. Das Schönste und Rührendste der Abschied in München, als ich zum erstenmal ‚den Sprung ins Traumhafte‘ tat und seine Schläfe an meine lehnte. Nun ja – gelebt und geliebet. Schwarze Augen, die Tränen vergossen für mich, geliebte Lippen, die ich küßte – es war da, auch ich hatte es, ich werd es mir sagen können, wenn ich sterbe.
Zeit-Artikel „ Doppelleben eines Einzelgängers

Wahrscheinlich werde ich das nie erleben.

Aber:

Ich bin, wer ich bin und ich vermute, dass mich meine Neigung anderen gegenüber auch toleranter und mitfühlender gemacht hat, als ich es vielleicht als "Stinknormaler" geworden wäre.

Ich könnte meine Neigung ebenso wenig durch eine freiwillige Medikation ändern wie ich mir freiwillig einen Arm abschneiden könnte, um ihn gegen einen "super tollen" bionischen Arm zu tauschen.

Die sexuelle Orientierung steckt so tief im "Betriebssystem" eines Menschen, dass man nicht daran herum pfuschen kann, ohne am Menschen an sich herum zu pfuschen. Vermutlich wäre ich als Heterosexueller glücklicher. Aber ich wäre nicht mehr ich.

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Hier ein paar Stichwörter, teils noch mit etwas Erklärung dabei. Du musst den Text also evtl. noch etwas eindampfen.

Abgrenzung

(sexueller) Missbrauch ≠ (körperliche, emotionale) Misshandlung

Defintionsansätze

  • Ein Mensch behandelt einen anderen in sexuell bestimmter Weise schlecht (→ stellt auf Tätermotiv bzw. Absicht ab)
  • Die Definitionsmacht steht dem Opfer zu (→ subjektiver Gewaltbegriff)
  • Legalistisch (→ stellt auf Formalkriterien wie Altersgrenzen oder die Existenz eines Abhängigkeitsverhältnis ab)

Folgen

Möglichkeit einer Traumatisierung, posttraumatischen Belastungsstörung, andere psychische Probleme. Keine Automatik, aber Missbrauch ist ein Risikofaktor. Der Anteil symptomfrei bleibender Betroffener wird auf etwa 40 Prozent geschätzt. (Link)

Schutzfaktoren vor psychischen Belastungen

  • zu Kontrollüberzeugungen gelangen
  • Optimismus beibehalten
  • wichtige Bindungen aufrecht erhalten
  • externale Attribution der Schuld

Opfer

  • Keine verlässlichen Daten, da unterschiedliche Definitionen zugrunde gelegt werden und die meisten Taten unentdeckt bleiben (Dunkelfeld)
  • Studien gehen davon aus, dass jeder siebte bis achte Erwachsene in Deutschland in seiner Kindheit und Jugend sexuelle Gewalterfahrungen machen musste.
  • Dies ist nur bedingt auf heutige Kinder und Jugendliche zu übertragen. Man geht davon aus, dass die erhöhte Anzeigebereitschaft zu einem Rückgang und einer Aufhellung des Dunkelfelds geführt hat.

Täter

„60 bis 70 Prozent der erfassten Kindermissbraucher sind sogenannte Ersatztäter. Sie sind nicht sexuell motiviert, sondern haben andere Gründe für den Missbrauch, zum Beispiel Angst im Umgang mit Erwachsenen und Machtstreben.“ (Rita Steffes-enn, Leiterin des Zentrums für Kriminologie und Polizeiforschung; Link)

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Ich finde das menschenverachtend und abstoßend.

Ich habe Fritz Haarmann Fritz Haarman bisher für einen homo-hebephilen soziopathischen Serienmörder gehalten. Die Einordnung "pädophil" hat mich deshalb gewundert.

Ich habe mich nun noch einmal im Wiipedia-Artikel über ihn informiert und ich habe nun eher den Eindruck, dass es sich um einen homosexuellen oder ephepophilen, soziopathischen Serienmörder handelte.

1) Nicht pädophil

Die Opfer von Haarmann waren 24 Jungen und junge Männern im Alter von zehn bis 22 Jahren. Pädophile interessieren sich für ein vorpubertäres Körperschema, in der Regel also für Kinder runter 10 Jahren.

2) Nicht hebephil?

Pädophile interessieren sich für ein pubertäres Körperschema, in der Regel also für Kinder/Jugendliche zwischen 10 bis 14 Jahren.

a) Beziehung zu Hans Grans

1919 machte Haarmann die Bekanntschaft von Hans Grans, einem über 20 Jahre jüngeren Kleinkriminellen. Sie führten über mehrere Jahre eine sexuelle Beziehung. [1] In der Nachkriegszeit mit ihrem knappen Warenangebot lebte Haarmann vom Handel mit Altkleidern und Fleischkonserven.

Hans Grans (der später wegen Beihilfe zu 12 Jahren verurteilt wurde) lebte von 1901 bis 1975. Er war 1919 also etwa 18 Jahre alt. Die Beziehung hielt bis 1923.

Die Mordtaten wären womöglich vorzeitig aufgedeckt worden, wenn Haarmann nicht am 9. Juni 1923 [4] in eine etwa sieben Quadratmeter große Bodenkammer der Rote Reihe Nummer 4 verzogen wäre. Grans trennte sich in dieser Zeit von Haarmann und zog mit seinem Freund Wittkowski ebenfalls um.

Haarmann hatte also eine mehrjährige homosexuelle Beziehung zu einem 18 bis 22 Jahre alten Mann.

Haarmann berichtete, dass sein Sexualtrieb stets stärker gewesen sei als der Ekel bei der Zerlegung und Beseitigung der Leiche. [2] Mit seiner Aussage: „Hätte Grans mich geliebt, so hätte er mich auch retten können. Ach glauben Sie, ich bin gesund. Ich habe nur zuweilen meine Tour. Es ist kein Vergnügen, einen Menschen zu töten. Ich will geköpft werden. Das ist ein Augenblick, dann habe ich Ruh.“ nahm er später Stellung zu dem Motiv, das ihn zu den Mordtaten getrieben hatte.

Zur Mittäterschaft von Grans aus einem Artikel der Taz:

Für Grans schien jegliche Hoffnung erloschen, als die eingelegte Revision verworfen und das Todesurteil rechtskräftig wurde. Doch da ereignete sich wenige Tage später eine kleine Sensation. Der Bote Lüters findet einen Brief von Fritz Haarmann an Grans’ Vater Albert. Unbemerkt hatte Haarmann in seiner Zelle einen vier Seiten langen Beichtbrief geschrieben, den er auf der Fahrt zu einem Ortstermin aus dem Auto geworfen hatte. In dem Brief beschuldigt Haarmann die Polizei, ihn durch schwerste körperliche Misshandlungen dazu gezwungen zu haben, Grans als Komplizen zu nennen.
Haarmann schreibt: „So war mir Gott helfe, ich sage hir die reine Wahrheit u mögte doch so gern mein Gewissen nicht vor Gott noch mehr Belasten ich der zum Tode verurteilte. Grans hatte überhaupt keine Ahnung das ich Mordete hat nie etwas gesehen. […] Wie nun meine Sachen entdeckt wurde betrefs Mord, so wurde ich durch die hiesige Polizei genötigt mit Gewalt durch Mißhandlungen Unwarheiten zu sagen, aus Angst um das ich keine Mißhandlungen mehr haben wollte, sagte ich nachher zu allen ja; habe dann Grans, durch Unwahrheit belastet. […] Grans wußte von keinem Mord, hat nie etwas gesehen hatte keine Ahnung. […] Grans hat sich noch nicht mal der Helerei bei mir schuld gemacht. Grans hat mir niemals einen Menschen gebracht, welcher mir zum Opfer fiel &amp; hätte Grans gewust das ich Mordete dann hätte Grans es bestimmt verhütet.“

Dass Haarman bei den Verhören gefoltert wurde gilt als erwiesen. Die Entlastung von Grans scheint mir aber wenig glaubhaft. Ich kann mir kaum vorstellen, dass Grans von all den Morden nicht mitbekommen haben soll.

Warum also hat Haarman Grans entlastet? Vermutlich hat er ihn geliebt und wollte ihm das leben retten. Das scheint mir ein weiterer Hinweis, dass Haarmann eigentlich homosexuell war.

b) Alter der Opfer:

In der Anklageschrift wurde Fritz Haarmann zur Last gelegt, in der Zeit von 1918 bis 1924 folgende Personen vorsätzlich und mit Überlegung getötet zu haben: [17]
September 1918: Friedel Rothe (Schüler) => 17
Februar 1923: Fritz Franke (Lehrling) => 16
März 1923: Wilhelm Schulze (Lehrling) => 16
Mai 1923: Roland Huch (Schüler) => 15
Mai 1923: Hans Sonnenfeld (Arbeiter) => 18
Juni 1923: Ernst Ehrenberg (Schüler) => 14
August 1923: Heinrich Struß (Bürogehilfe) => 18
September 1923: Paul Bronischewski (Lehrling) => 15
Oktober 1923: Richard Gräf (Arbeiter) => 17
Oktober 1923: Wilhelm Erdner (Lehrling) => 16
Oktober 1923: Hermann Wolf (Arbeiter) => 14
Oktober 1923: Heinz Brinkmann (Schüler) => 13
November 1923: Adolf Hannappel (Zimmermann) => 17
Dezember 1923: Adolf Hennies (Arbeiter) => 19
Januar 1924: Ernst Spicker (Schlosser) => 17
Januar 1924: Heinrich Koch (Arbeiter) => 20
Februar 1924: Willi Senger (Arbeiter) => 19
Februar 1924: Hermann Speichert (Lehrling) => 15
April 1924: Alfred Hogrefe (Lehrling) => 16
April 1924: Hermann Bock (Arbeiter) => 22
April 1924: Wilhelm Apel (Lehrling) => 15
April 1924: Robert Witzel (Lehrling) => 18
Mai 1924: Heinz Martin (Lehrling) => 14
Mai 1924: Fritz Wittig (Reisender) => 17
Mai 1924: Friedrich Abeling (Schüler) => 10
Juni 1924: Friedrich Koch (Lehrling) => 16
Juni 1924: Erich de Vries (Bäckergeselle) => 17

Die Angaben stammen aus dem Wikipedia-Artkel, das Alter ist von mir aus anderen Quellen ergänzt, z.B. aus diesem Artikel :

Die nachfolgenden Ermittlungen der Polizei ergeben, dass es sich bei den Haarmann-Opfern um 27 Knaben bzw. junge Männer im Alter zwischen 10 und 22 Jahre handelt: Schüler Fritz Rothe, 17 Jahre (getötet September 1918), Lehrling Fritz Franke, 16 Jahre (getötet Februar 1923), Lehrling Wilhelm Schulze, 16 Jahre (getötet März 1923), Schüler Roland Huch, 15 Jahre (getötet Mai 1923), Arbeiter Hans Sonnenfeld, 18 Jahre (getötet Mai 1923), Schüler Ernst Ehrenberg, 14 Jahre (getötet Juni 1923), Bürogehilfe Heinrich Struß, 18 Jahre (getötet August 1923),
Lehrling Paul Bronischewski, 15 Jahre (getötet September 1923), Arbeiter Richard Gräf, 17 Jahre (getötet Oktober 1923), Lehrling Wilhelm Erdner, 16 Jahre (getötet Oktober 1923), Schüler Heinz Brinkmann, 13 Jahre (getötet Oktober 1923), Hermann Wolf, 14 Jahre (getötet Oktober 1923), Zimmermann Adolf Hannappel, 17 Jahre (getötet November 1923), Arbeitsloser Adolf Hennies, 19 Jahre (getötet Dezember 1923), Schlosser Ernst Spieker, 17 Jahre (getötet Januar 1924), Arbeiter Heinrich Koch, 20 Jahre (getötet Januar 1924), Arbeiter Willi Senger, 19 Jahre (getötet Februar 1924), Lehrling Hermann Speichert, 15 Jahre (getötet Februar 1924), Lehrling Alfred Hogrefe, 16 Jahre (getötet April 1924), Lehrling Wilhelm Apel, 15 Jahre (getötet April 1924), Lehrling Robert Witzel, 18 Jahre (getötet April 1924), Hermann Bock, 22 Jahre (getötet April 1924), Lehrling Heinz Martin, 14 Jahre (getötet Mai 1924), Reisender Fritz Wittig, 17 Jahre (getötet Mai 1924), Schüler Friedrich Abeling, 10 Jahre (getötet Mai 1924), Lehrling Friedrich Koch, 16 Jahre (getötet Juni 1924), Bäckergeselle Erich de Vries, 17 Jahre (getötet Mai 1924).

Daraus ergibt sich diese Verteilung für die Zahl der Opfer nach Alter:

10 Jahre alt: 1 Opfer

11Jahre alt: keine Opfer

12 Jahre alt: keine Opfer

13 Jahre alt: 1 Opfer

14 Jahre alt: 3 Opfer

15 Jahre alt: 4 Opfer

16 Jahre alt: 5 Opfer

17 Jahre alt: 6 Opfer

18 Jahre alt: 3 Opfer

19 Jahre alt: 2 Opfer

20 Jahre alt: 1 Opfer

21 Jahre alt: keine Opfer

22 Jahre alt: 1 Opfer

Schlussfolgerung

Hebephilie ist die Anziehung zu einem pubertären Körperschema, etwa im Alter von 10 bis 14 Jahren. In diese Altersklasse fallen nur 5 der 27 nachgewiesenen Opfer (19 %).

Ephebophilie ist die Anziehung zu einem spätpubertären Körperschema. Der Altersbereich wird in der Regel mit 14 bis 21 Jahren angegeben (es gibt also eine kleine Überlappung zu Hebephilie). In diese Alterklasse fallen 25 von 27 Opfer (96 %)

Die meisten Opfer waren im Alter 15 bis 18 (18 von 27 Opfern => genau zwei Drittel).

Die "große Liebe" von Haarman war Grams, der zum Zeitpunkt der Beziehung 18 bis 22 Jahre alt war. Vielleicht war Haarman also auch eher homosexuell statt ephebophil und hat seine Taten an Jugendlichen als Ersatzhandlung verübt, weil sie noch schwächer waren und sich weniger wehren konnten.

Er war aber definitiv nicht pädophil und auch nicht hebephil.

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Ich kenne das Buch nicht, habe aber etwas recherchiert.

Im Wikipedia-Artkel über das Buch steht:

Der Roman trägt stark autobiografische Züge, viele der auftretenden Figuren lassen sich mit Personen in Kerouacs Leben identifizieren. Kurz vor seinem Tod plante Kerouac eine Gesamtausgabe seines Werkes, auf deren Einband die realen Personen genannt werden sollten, die seinen Figuren entsprachen. Die Figur Dean Moriarty in Unterwegs entspricht Neal Cassady, Carlo Marx ist Allen Ginsberg, Old Bull Lee ist William S. Burroughs, Tom Saybrook ist John Clellon Holmes, Elmo Hassel ist Herbert Huncke, der Erzähler Sal Paradise entspricht Kerouac selbst. Diese Gesamtausgabe wurde jedoch zu seiner Lebzeit nicht mehr realisiert. [2] Erst 2007 wurde die originale Schriftrolle mit den realen Namen veröffentlicht. Eine deutsche Übertragung der Urfassung durch Ulrich Blumenbach erschien 2010.

Im englischen Wikipedia Artikel zu Allen Ginsberg steht:

Association with NAMBLA
Ginsberg was a supporter and member of the North American Man/Boy Love Association (NAMBLA), a pedophilia and pederasty advocacy organization in the United States that works to abolish age of consent laws and legalize sexual relations between adults and children. [101] Saying that he joined the organization "in defense of free speech", [102] Ginsberg stated: "Attacks on NAMBLA stink of politics, witchhunting for profit, humorlessness, vanity, anger and ignorance ... I'm a member of NAMBLA because I love boys too—everybody does, who has a little humanity". [103] In 1994, Ginsberg appeared in a documentary on NAMBLA called Chicken Hawk: Men Who Love Boys (playing on the gay male slang term "Chickenhawk"), in which he read a "graphic ode to youth". [101]
In her 2002 book Heartbreak, Andrea Dworkin claimed Ginsberg had ulterior motives for allying with NAMBLA:
"[I]n 1982, newspapers reported in huge headlines that the Supreme Court had ruled child pornography illegal. I was thrilled. I knew Allen would not be. I did think he was a civil libertarian. But, in fact, he was a pedophile. He did not belong to the North American Man/Boy Love Association out of some mad, abstract conviction that its voice had to be heard. He meant it. I take this from what Allen said directly to me, not from some inference I made. He was exceptionally aggressive about his right to fuck children and his constant pursuit of underage boys." [104]

Im englischen Wikipedia Artikel zu William S. Burroughs steht:

In London, Burroughs had begun to write what would become the first novel of a trilogy, published as Cities of the Red Night (1981), The Place of Dead Roads (1983), and The Western Lands (1987). Grauerholz helped edit Cities when it was first rejected by Burroughs' long-time editor Dick Seaver at Holt Rinehart, after it was deemed too disjointed. The novel was written as a straight narrative and then chopped up into a more random pattern, leaving the reader to sort through the characters and events. This technique differed from the author's earlier cut-up methods, which were accidental from the start. Nevertheless, the novel was reassembled and published, still without a straight linear form, but with fewer breaks in the story. The trilogy featured time-travel adventures in which Burroughs' narrators rewrote episodes from history to reform mankind. [8]: 565  Reviews were mixed for Cities. Novelist and critic Anthony Burgess panned the work in Saturday Review, saying Burroughs was boring readers with repetitive episodes of pederast fantasy and sexual strangulation that lacked any comprehensible world view or theology; other reviewers, like J. G. Ballard, argued that Burroughs was shaping a new literary "mythography". [8]: 565 

Es gibt also anscheinend zumindest zwei Charäktere im Buch, die auf realen Personen basieren, denen eine pädophile oder päderastische (auf pubertäre Jungen gerichtete) Neigung vorgeworfen / unterstellt wird.

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Ja

Regelhaft missbrauchen pädophile Eltern ihre Kinder vermutlich etwa so oft wie heterosexuelle Eltern ihre erwachsenen gewordenen Kinder vergewaltigen. Also: extremst selten.

Bei fast 8 Milliarden Menschen auf der Welt wird es allerdings vereinzelt durchaus auch derartige Fälle geben. Eine allgemeine Verbotsregel darauf zu begründen ist in etwa so sinnvoll wie Gabeln zu verbieten, weil man jemanden damit erstechen könnte, auch wenn das in sehr seltenen Fällen durchaus in der Realität passiert.

Für mich ist wichtig, dass Eltern ihre Kinder lieben und dass sie es schaffen, ihnen ein stabiles, liebevolles Umfeld zu bieten. Alles andere ist total nachrangig.

Leider gibt es auch Eltern, die ihre Kinder nicht lieben und welche, die ihre Kinder zwar lieben, aber es nicht schaffen, ihnen ein stabiles, liebevolles Umfeld zu bieten. Das ist zwar nicht nicht Regel, selten ist es aber auch nicht. Das sind die in der Praxis wirklich relevanten Fälle, für die es aber so gut wie nie einfache Lösungen gibt.

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Die Frage kann niemand zuverlässig beantworten, denn die Antwort hängt von der Definition von Missbrauch ab. Trotzdem mal der Versuch einer Antwort.

2014 veröffentlichte Studie der Hochschule Fulda hin. Die Forscher haben untersucht, wie häufig negativen Erlebnisse in Jugendbeziehungen in Deutschland sind:

Für ihre Studie befragten die Wissenschaftler insgesamt 509 hessische Schüler im Alter von 14 bis 18 Jahren zum Thema Erste Liebe. Rund drei Viertel der Befragten gaben an, bereits Dating- oder Beziehungserfahrungen gemacht zu haben; nur diese wurden in die weitere Auswertung einbezogen. Nach eigenen Angaben hatten immerhin rund 66 Prozent der Mädchen und 60 Prozent der Jungen bereits mindestens eine emotionale, körperliche oder sexualisierte Grenzüberschreitung erlebt. Am häufigsten waren die emotional belastenden Situationen.
Gefragt wurde etwa danach, ob die Jugendlichen jemals von einem Beziehungspartner beschimpft, beleidigt oder angeschrien worden seien, ob sie bedroht oder zu etwas gezwungen wurden, was sie nicht tun wollten. Auch wenn der Partner Kontrolle darüber ausübte, wen der Befragte besuchte oder mit wem er telefonierte, fiel das in die Kategorie des emotionalen Zwangs. 61 Prozent der Mädchen und 57 Prozent der Jungen gaben an, bereits solche Erfahrungen gemacht zu haben.
Körperliche Gewalt war dagegen deutlich seltener: Etwas mehr als zehn Prozent der Jugendlichen beider Geschlechter waren von ihren Partnern bereits körperlich angegangen worden, meist durch Schubsen, Schlagen oder Festhalten. Von heftigeren Attacken, etwa mit Gegenständen oder durch Würgen, Boxen oder Stechen, berichteten knapp zwei Prozent der Mädchen und rund drei Prozent der Jungen.
Sexuelle Grenzüberschreitungen mussten 26 Prozent der Mädchen und 13 Prozent der Jungen erleben. Dazu zählte das Ausüben von Druck, um den anderen zu sexuellen Handlungen oder Geschlechtsverkehr zu bewegen, aber auch die Anwendung von Gewalt, um diese Ziele zu erreichen. Mit Gewalt zum Geschlechtsverkehr gezwungen worden zu sein, gaben fast vier Prozent der Mädchen und dreieinhalb Prozent der Jungen an.
Zusammenfassend zeigten die Ergebnisse, dass bei Jugendlichen Partnergewalt ähnliche gesundheitliche Folgen wie bei Erwachsenen hat. Neben körperlichen Verletzungen zählten auch psychische Störungen wie Depressionen oder Angststörungen. Außerdem neigten betroffene Jugendliche vermehrt zu Leistungsstörungen, sowie zu gesundheitsgefährdenden Bewältigungsstrategien wie etwa verstärktem Alkohol-, Nikotin- oder Drogenkonsum. Gewalterfahrungen in Kindheit und Jugend gelten zudem als wesentlicher Risikofaktor für Partnergewalt im Erwachsenenalter.
Artikel „ Erste Liebe bringt eher negative Erfahrungen“ bei Medmix

Die 26 Prozent der Mädchen und 13 Prozent der Jungen sind der Anteil bei denjenigen, die überhaupt schon Erfahrungen gemacht hatten. Das waren nur 75% der Befragten.

Auf die Gesamtpopulation umgerechnet wären es also 19.5% der Mädchen und 9.75% der Jungen. Die Täter sind allerdings in aller Regel Altersgenossen und nicht etwa Erwachsene.

Soweit es sexuelle Kontakte mit Erwachsenen angeht, dürfen diese in den letzten Jahrzehnten deutlich zurückgegangen sein. Zahlen wie 1 von 5 oder 1 von 20 werden in der Regel über die Gesamtpopulation ermittelt. Jemand der 40 ist und als 13-jähriger Sex mit einem erwachsenen hatte, wird dies im Fragebogen angeben wenn er 40, 50, 60, 70, ... ist. Für die Situation der Kinder HEUTE ist seine Erfahrung vor vielen Jahrzehnten aber nicht mehr statistisch aussagekräftig.

Zur heutigen Situation von Kindern gab es 2014 eine Studie in Dänemark, bei Fragebögen von einer nationalen, repräsentativen Stichprobe von 15- bis 16-Jährigen ausgefüllt wurden.

Hier die offizielle Kurzdarstellung mit Ergebnissen und Schlussfolgerungen der Autoren:

Ziel: Beschaffung aktueller Daten über sexuellen Kindesmissbrauch in Dänemark und Bewertung der eigenen Wahrnehmung missbrauchter Kinder über frühe sexuelle Erfahrungen, die nach dem dänischen Strafgesetzbuch ungesetzlich sind. Methoden: Multimediale, computergestützte, selbstverwaltete Fragebögen (CASI) wurden von einer nationalen, repräsentativen Stichprobe von 15- bis 16-Jährigen ausgefüllt. Sexueller Kindesmissbrauch wurde gemäß dem Strafgesetzbuch definiert und anhand von Fragen gemessen, die spezifische sexuelle Aktivitäten, die Beziehung zwischen der älteren Person und dem Kind sowie die eigene Wahrnehmung des Vorfalls durch die Jugendlichen definieren. Die Ergebnisse: Von 5829 Befragten berichteten 11% über ungesetzliche sexuelle Erfahrungen, 7% der Jungen und 16% der Mädchen. Nur 1% der Jungen und 4% der Mädchen hatten das Gefühl, „definitiv“ oder „vielleicht“ sexuell missbraucht worden zu sein.
Schlussfolgerung: Ein relativ hoher Prozentsatz dänischer Jugendlicher hat frühe, ungesetzliche sexuelle Erfahrungen gemacht. Die eigene Wahrnehmung von sexuellem Missbrauch unterscheidet sich jedoch tendenziell von der der Behörden, bzw. die Toleranz der Jugendlichen gegenüber missbräuchlichen Vorfällen ist hoch. Geschlechtsspezifische Unterschiede wurden bei den Faktoren gefunden, die die Wahrnehmung des Missbrauchs vorhersagen.

Wenn man Missbrauch annimmt, wenn sich jemand missbraucht fühlt, waren 1% der Jungen und 4% der Mädchen Missbrauchsopfer. Wenn man den Missbrauchstatus lediglich an formale Kriterien (Gesetzeslage) festmacht, wächst die Zahl auf 7% der Jungen und 16% der Mädchen.

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Ja, auch dann wenn das Mädchen Bereitschaft zum Sex signalisiert.

Das ist geradezu ein Paradebeispiel für Missbrauch. Die eingeschränkte Urteilsfähigkeit, geringere Kontrolle und niedrigere Hemmschwelle wird in unredlicher Weise für eigennützige Zwecke ausgenutzt.

Der geschilderte Fall ist übrigens auch einer der wichtigsten für den sexuellen Übergriff von Frauen gegenüber Männern. Es ist falsch und entspricht nicht der Realität, wenn du in der Fragestellung die Opferrolle den Frauen und Mädchen, die Täterrolle den Männern und Jungen zugeschrieben hast.

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Es war nicht "der Berliner Senat". Es gab nie eine Entscheidung der Senats, dass Kinder an Pädophile vermittelt werden sollen.

Kentler war damals Leiter der Abteilung Sozialpädagogik des Pädagogischen Zentrums Berlin. Das Projekt startet wohl 1969.

In der Studie „Die Unterstützung pädosexueller bzw. päderastischer Interessen durch die Berliner Senatsverwaltung“ von 2015 wird eine Aussage Kentlers aus dem 1979 erschienenen Sammelband „Sexualität. Materialien zur Sexualforschung“ zitiert:

Nach unseren Vorstellungen kann Heranwachsenden nichts Schädlicheres geschehen, als in eine sexuelle Beziehung zu einem Erwachsenen verwickelt zu werden. Daß trotz zahlreicher Untersuchungen bisher nie die erwarteten schädlichen Folgen bei Kindern oder Jugendlichen festzustellen waren, vermag unsere feste Abwehrhaltung nicht zu erschüttern, und damit wird verhindert, dass womöglich positive Folgen auch nur gedanklich erwogen werden können, ganz zu schweigen davon, dass die längst vorhandenen guten praktischen Erfahrungen wissenschaftlicher Erforschung zugänglich gemacht würden.

Der Beginn des Projekts wurde von Kentler in der Zeitschrift konkret aus dem Jahr 1980 geschildert:

Vor 11 Jahren – ich lebte damals in Berlin in einer Wohngruppe – wurde mir der 13jährige Ulrich gebracht, weil man hoffte, ich würde ihn aufnehmen. Ein Zimmer wäre frei gewesen – aber ich gestehe, dass ich den Jungen nur kurze Zeit ertragen konnte. Er was schwer schwachsinnig. Er redete unkonzentriert, ganz seinen Assoziationen folgend, daher. Er wich einem nicht von der Seite und benahm sich unbeholfen, läppisch. Ulrich war seit seinem vierten Lebensjahr in verschiedenen Heimen gewesen. Vor vier Monaten war er abgehauen, und nin war er ‚auf Trebe‘ (er trieb sich alleine auf sich gestellt herum). Sein Stammplatz war der Bahnhof Zoo. Er „arbeitete“ als Stricher, teils, weil er dadurch Essen, oft auch ein Bett bekam, teils aber auch, weil es ihm Spaß machte, „Männer aufzureißen“ („Da fühl‘ ick mich ma so überlejen“, sagte er). Die Heimerziehung hatte es nicht geschafft, ihm Lesen, Schreiben und Rechnen beizubringen. Er konnte nicht einmal die Uhr lesen. Dafür, dass er schon so lange unterwegs war, sah er erstaunlich gepflegt aus, und er war gut und sauber angezogen.
Was sollte ich mit dem Jungen machen? Ich kam darauf, ihn zu fragen, wo er am liebsten hingehen würde, ob er jemand kenne, bei dem er gern wohnen würde. Zu meiner Überraschung fing er sofort an, von „Mutter Winter“ zu schwärmen. Herr Winter war Hausmeister in einem großen Wohnblock. Die Jungen vom Bahnhof Zoo kannten ihn alle. Er hatte immer ein bißchen Essen für sie, man konnte bei ihm rumsitzen, während einem seine Maschine die Wäsche wusch, und auch zum Schlafen konnte man zu ihm kommen, sogar dann, wenn man keine Lust hatte, mit ihm zusammen in deinem Bett „zu schlafen“. Ich sagte mir: Wenn die Stricher diesen Mann „Mutter“ nennen, kann er nicht schlecht sein.
Mutter Winter war bereit, Ulrich aufzunehmen. Das Jugendamt richtete bei ihm eine Pflegestelle ein, so dass er für Ulrich Pflegegeld bekommen konnte. Ich besuchte die beiden zweimal die Woche, um die Probleme zu besprechen, die zwischen ihnen entstanden. Ulrich war vier Jahre bei Herrn Winter. Er zog aus, weil er angefangen hatte, sich für Mädchen zu interessieren, und das konnte Herr Winter nicht tolerieren. Aber bis dahin hatte Ulrich Riesen-Fortschritte gemacht. Er konnte – wenn auch nur sehr fehlerhaft – schreiben, er las einfache Texte, beispielsweise Comics, er konnte die Uhr lesen, und er achtete beim Einkaufen darauf, dass das Wechselgeld stimmte.
Seit fünf Jahren arbeitet Ulrich als Hilfsarbeiter in derselben Stelle, und er ist wegen seiner Zuverlässigkeit sehr beliebt. Seit zwei Jahren ist er fest mit einem Mädchen befreundet. Sie „Schwiegereltern“ mögen ihn, und Ulrich ist auch gern bei ihnen. Wenn ich Ulrich heute besuche, sitze ich keinem Schwachsinnigen gegenüber, sondern einem Kerl, der sein Leben selbstbewusst und selbstständig führt. Ich kann diese Geschichte heute berichten, weil die Straftaten, die alle Beteiligten begingen, inzwischen verjährt sind. Ulrich und ich haben Glück gehabt. Ulrichs Vorteil war, dass er gut aussah und dass ihm Sex Spaß machte; so konnte er pädophil eingestellten Männern, die sich um ihn kümmerten, etwas zurückgeben. Wir haben Glück gehabt mit Herrn Winter. Aber sicher haben meine regelmäßigen Besuche positiv gewirkt. Denn Beziehungen zwischen Erwachsenen und Heranwachsenden leiden häufig darunter, dass sie sich tarnen und verbergen müssen. Ich war ein Außenstehender, vertrat kontrollierte Öffentlichkeit und war als eine Instanz akzeptiert, vor der Herr Winter bereit war, sich zu verantworten.
Ehe ich mich an diesen Beitrag machte, habe ich gelesen, was heutzutage von Wissenschaftlern über Pädophilie geschrieben wird. Ich stehe dazu in einem Widerspruch. Ich will die Pädophilie nicht austreiben, sondern ich frage: Welche Schäden fügen wir uns, vor allem den Kindern und Jugendlichen, zu, wenn wie eine Sexualisierung der Beziehungen zwischen den Generationen unter allen Umständen zu verhindern versuchen.

Im Jahr 1981 berichtete Kentler in einem Arbeitskreis der FDP-Fraktion im Deutschen Bundestag wie folgt:

Vor einiger Zeit habe ich von einem ganz anderen Experiment in Berlin berichtet, am dem ich beteiligt zu sein um 1970 anfing. Ich arbeitete damals mit ehemaligen Fürsorgezöglingen, die an sekundärem Schwachsinn litten. Ich habe schon gesagt, worum es sich da handelt: um einen Schwachsinn, der durch Vernachlässigung in Heimen oder bei schlechten Pflegeeltern entstanden ist. – Sie waren zwischen 13 und 15 Jahre alt. Die meisten konnten nicht lesen und nicht schreiben; die meisten konnten noch nicht einmal die Uhr lesen. Teilweise gelang es, diese Jungen bei Päderasten unterzubringen. Das waren meist sehr einfach strukturierte Leute, vor allem Hausmeister, in einem Falle ein Trödler. Diese Leute haben diese schwachsinnigen Jungen nur deswegen ausgehalten, weil sie eben in sie verliebt, verknallt und vernarrt waren. Wir haben diese Beziehungen sehr intensiv betreut und beraten, also in diesen Fällen die Supervision geleistet. In allen Fällen sind diese Jungen heute fähig, ihren Lebensunterhalt selbstständig zu verdienen, und – auch dies wieder nur nebenbei – kein einziger von ihnen ist homosexuell geworden.

Es gibt andere, spätere Schilderungen Kentlers (die man ebenfalls im Abschlussbericht nachlesen kann), die in Hinblick auf die Zeitdauer, Anzahl und Alter der Jungen und auch die Rolle Kentlers im Projekt abweichen. So war in einer Darstellung im Jahr 1988 von Jungen im Alter von 15 bis 17 Jahren die Rede. Teils stellte sich Kentler als Initiator, teils als lediglich Mitwirkender dar.

Kentler war sich der aufgrund des Zeitgeistes gestiegenen Brisanz wohl bewusst und hat unzulässigerweise die „Wahrheit“ über einzelne Details situativ ein wenig angepasst, was die Glaubwürdigkeit im Detail schmälert. Die Schilderungen aus den Jahren 1980 und 1981 sind allerdings die zeitlich nächsten und für Kentler im Rückblick ‚peinlichsten‘, also wohl auch die zuverlässigsten Berichte zu den Vorkommnissen.

Aktenkundig ist zu dem Modellversuch fast nichts (siehe Abschlussbericht S. 75 ff). Man geht von drei teilnehmenden Jungen an dem Projekt aus. Keiner davon war im Zusammenhang mit der Untersuchung des Kentler-Projekts für den Bericht gesprächsbereit.

Es gab lediglich einen Kontakt zu einem Bekannten von Ulrich, mit der Hörensagen-Aussage: „Das Projekt habe ihm dabei geholfen, für sich selbst ein Stück materielle und soziale Sicherheit zu schaffen, die ihn auch ein Stück zufriedener mit sich selbst hat werden lassen und ihm geholfen hat, kriminelles Verhalten und Drogenkonsum abzulegen und weder seine Beziehungen zu zerstören, noch seine Frau zu schlagen. Aber er ist trotzdem ein leidender Mensch geblieben.“ (siehe Seite 78 des Berichts)

Bei den anderen beiden Jungen soll es laut Hörensagen weniger gut ausgegangen sein. Sie sollen aus dem schädlichen Milieu der Stricher, Drogenabhängigen, Kleinkriminellen und Gewalttätigen, dem Umfeld der „Kinder vom Bahnhof Zoo“, „nicht rausgekommen“ sein.

Meine Bewertung

Ich denke, dass es sich bei Kentler um eine charismatische Persönlichkeit handelte, die überzeugen und begeistern konnte. Er hatte eine verantwortliche Position, hatte einen guten Leumund, galt als hervorragender und fortschrittlicher Pädagoge. Er lieferte plausibel klingende Begründungen in einer Zeit, die offen für neue Ideen war, in der man progressiv sein wollte und er schien Erfolge präsentieren zu können.

Es gab aber nie einen Beschluss des Berliner Senats im Sinne: "wir genehmigen ein Programm, mit dem Jungen an Pädophile / Päderasten vermittelt werden". Die Vorgänge spielten sich nicht auf Parlamentsebene oder Regierungsebene ab, sondern auf Verwaltungsebene. Dort war Kentler gut vernetzt und wusste zu überzeugen.

Für mich stellt es sich so dar, dass die Aufsicht versagt hat. Wer, was, wann wusste ist aber nicht mehr rekonstruierbar. Ich vermute, dass da auch ganz gezielt Akten vernichtet und Spuren beseitigt wurden. Allerdings vermute ich auch, dass die Leute, die bei der Aufsicht versagt haben, keine bösen Motive hatten, sondern eingewickelt oder eingelullt wurden.

Mit anderen Worten: ich gehe von menschlichem Versagen aus, das dann aber vermutlich in illegaler Weise vertuscht wurde.

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Vorab etwas, dass ich nicht der 15-jährigen, sondern dir sagen würde:

Eine 15-jährigen ist kein Kind, sondern eine Jugendliche. Deine Frage ist also falsch formuliert.

Zum eigentlichen:

Ich würde mir vermutlich erst mal "oje" denken und wäre von der Situation überfordert, so wie man auch überfordert ist, wenn man nichts Böses ahnend auf der Straße geht und da auf einmal ein stark blutendes, vor sich hin röchelndes Opfer eines Verkehrsunfalls liegen sieht.

Es gibt sicher auch ausgebildete Ersthelfer, die etwas Erfahrung haben und nicht komplett überfordert sind oder Menschen, die psychologisch geschult sind (z.B. Erfahrung in der Seelsorge haben). Aber die meisten Menschen wären erst mal überfordert. Ich auch.

Eine wichtige Frage (von der ich nicht sicher bin, ob ich vor lauter Schock darauf kommen würde) wäre:

Warum erzählt mir das Mädchen davon? Habe ich irgendwie ihr Vertrauen gewonnen? Oder ist sie vielleicht so verzweifelt, dass Sie akut suizidgefährdet ist?

Ich hätte bestimmt Angst, etwas Falsches zu sagen und würde vermutlich vor allem versuchen jemanden zu finden, der kompetenter bei dem Thema ist als ich und dem Mädchen vielleicht helfen kann bzw. Hilfe für das Mädchen organisieren kann.

Was mir im Nachhinein komisch vorkommt, ist dieser Teil der Schilderung:

Die Psychiatrie hat mich vorzeitig entlassen da ich ihnen zu instabil für eine Therapie war.

Es mag ja sein, dass man für eine Therapie zu instabil ist und man z.B. erst mal medikamentös behandelt werden muss. Aber eine vorzeitige Entlassung aus der Psychiatrie wegen Instabilität wirkt widersinnig. Da scheint etwas nicht zustimmen, was aber nicht bedeutet, dass die ganze Geschichte nicht stimmt.

Wenn man dem nachgehen will, müsste man ziemlich vorsichtig sein, damit man nicht den Eindruck erweckt, dass man dem Mädchen nicht glaubt.

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Du stellst mit Frage die Hypothese auf, dass Hebephilie verharmlost wird. Dazu wie oder wodurch sie angeblich verharmlost wird, verrätst du nicht.

Hebephilie ist eine Neigung. Man sollte Menschen nach ihren Handlungen beurteilen.

Als Neigung stellt sich Hebephilie als Schicksal dar. Für jemanden, der dieses Schicksal hat, bedeutet es, dass er oder sie auf etwas weitgehend, in Teilen sogar völlig verzichten muss, das von den meisten Menschen als für ihr Lebensglück essentiell wichtig angesehen wird.

In deinem Profil schreibst du:

Danke an alle lieben, hilfsbereiten, empathischen, verständnisvollen Leutchen da draußen - dank euch kann diese Plattform in teilweisem Glanz aufblühen

Auf eine andere eigene Frage zur Empathie hast du als hilfreichste Antwort das hier ausgezeichnet:

Du sagst man soll 'ehrlich' antworten. Das dilemma bei solchen sachen ist das die meisten Menschen nicht sehen wie unempatisch sie sind, weil sie sich für empatisch halten. Empatie ist viel mehr als nur Mitgefühl mit einem Menschen haben zu können, nur soziopathen können das gar nicht.
Die meisten Menschen glauben 'Ja ich kann mich in diese Person hineinversetzen '
denken aber dennoch sehr Eindimensional über die sache nach und verurteilen diesen dann auch schnell, haben eine klare ansicht was richtig und falsch ist und denken nicht weitgehend über die Absichten nach die zu der 'sünde' geführt haben.
wahre Empatie ist so viel mehr.
Dazu kommt noch das wir in unserer Gesellschaft 'Empathie' als einen starken Charakterzug definieren, weswegen es uns schwer fällt uns diesen Charakterzug NICHT zu eigen zu machen, niemand behauptet gerne schlechtes von sich weswegen wir in unserer Wahrnehmung auch gerne übertreiben.
Ein Ar*loch der einmal einer Oma über die straße geholfen hat, aber sonst immer unfreundlich ist, wird aufgrund der einzelnen Tat davon ausgehen ein guter Kerl zu sein.
Wahrhaft empatische Leute verurteilen Menschen so gut wie nie, sie werden mit sicherheit auch selten in Konflikte reingeraten und glauben immer das es eigentlich nie nur eine Wahrheit gibt.
Was ich damit sagen will: Überschätzt euch nicht zu sehr nur aufgrund einiger weniger eindinensionaler Taten. Fragt euch was Emathie WIRKLICH ausmacht und verwendet selbstreflektion ob ihr euch diesen Charakterzug WIRKLICH zu eigen machen könnt.
Menschen die glauben Empatisch zu sein, obwohl sie es nicht sind können bei anderen Menschen enormen schaden anrichten.

Auch ich stimme dieser Antwort zu.

Sie gilt auch in Hinblick auf das Thema Hebephilie, nach dem du hier in einer leider wenig empathischen Weise fragst. Aber vielleicht bist du ja offen genug, um dich auch in Bezug auf deine eigene Empathie weiterzuentwickeln.

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Grundlegend falsch eingeschätzt hat man die Lage nicht. Den USA war völlig klar, dass sich die Regierung dort ohne die USA vor Ort nicht wird halten können. Man hat mit 3 bis 6 Monaten gerechnet.

Das Problem: das haben auch die Leute in Afghanistan gewusst. Und das ist auch der Grund, warum es dann nicht 3-6 Monate gedauert hat, sondern am Ende in wenigen Tagen. Warum soll für einen ohnehin verloren gegebenen Krieg noch sein Leben riskieren?

Im Grunde kann man nur hoffen, dass wenigstens der Krieg für das Land nun endlich vorbei ist. Die haben da seit 1978 Krieg. Richtig bitter ist die Entwicklung vor allem für die afghanischen Frauen und Mädchen.

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Ob die Vorwürfe glaubwürdig scheinen oder nicht, kommt auf den Einzelfall an.

Man sollte sich aber auch bewusst sein, dass sich auch Vorwürfe, die nicht glaubwürdig erscheinen, später noch als wahr erweisen können und dass sich umgekehrt glaubwürdig erscheinende Vorwürfe sich als erfunden herausstellen können. Sehr oft muss man auch dauerhaft mit der Unklarheit leben.

Letztlich kann man nur die Justiz machen lassen und abwarten, was herauskommt.

Die Grundvermutung im Umgang mit einer Person sollte sein, dass sie die Wahrheit sagt. Das gilt für das potentielle Missbrauchsopfer ebenso wie den potentiell zu Unrecht beschuldigten.

Die Frau, die jetzt Boy Dylan vorwirft, von ihm als 12-jährige missbraucht worden zu sein, ist ebenso wenig auf meine persönliche Unterstützung angewiesen wie Bob Dylan, der die Vorwürfe bestreitet. Beide werden in ihrem engen persönlichen Umfeld Personen haben, von denen sie Unterstützung erwarten können.

Erst wenn es niemanden gäbe, der Dylan unterstützt, wäre ich gezwungen mich demonstrativ auf die Seite des mutmaßlich zu Unrecht beschuldigten zu stellen. Erst wenn niemand gäbe, der die Frau unterstützt, die den Missbrauchsvorwurf erhoben hat, wäre ich gezwungen, mich demonstrativ auf die Seite des mutmaßlichen Missbrauchsopfers zu stellen.

Bis es ein Urteil gibt, spricht aus meiner Sicht nichts dagegen, Dylan zu hören oder sogar ein Konzert zu besuchen. Jede Vorverurteilung verbietet sich. Ebenso verbietet sich jede vorauseilende Parteinahme gegen die Frau, die die Vorwürfe erhoben hat.

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41 - 100 Jahre

Ein Kind muss selbst entscheiden dürfen, mit wem es sich einlässt. Wenn man sich querstellt bewirkt man nichts, sondern wird aus Sicht des Kindes zum Widerstand, der überwunden werden muss.

Durch ein Verbot unterbindet man keine Beziehung, man treibt sie lediglich in den Untergrund. Sie wird unsichtbar und man verliert die Möglichkeit einzugreifen und zu helfen, wenn es nötig ist.

Entscheidend ist, dass ein Kind jemanden hat, mit dem es jederzeit bei Problemen reden kann. Das verlangt Vertrauen. Vertrauen vom Kind verdient man sich durch Vertrauen in das Kind.

Verbote sind deshalb schädlich. Im Zweifelsfall muss man auch Beziehungen aushalten, die man sich nicht für sein Kind gewünscht hätte. Ein direktes Eingreifen ist wirklich nur das letzte Mittel, wenn es gar nicht mehr anders geht, sonst droht man mehr Schaden anzurichten als man Gutes bewirken kann.

Ansonsten empfehle ich den wunderbaren Film Harlod and Maude, in dem sich der junge Harold mit der 79-jährigen Maude anfreundet. So eine Beziehung würde ich persönlich nicht nur dulden, sondern auch gutheißen, selbst wenn Harold erst 14 wäre.

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Anderes

Ich denke, dass das - bei Männern und auch bei Frauen - eine Frage der Autonomie ist.

Ein Kind zeichnet sich durch Unselbstständigkeit aus, die bei der Geburt als völlig hilfloses Neugeborenes am größten ist und dann im Laufe der Kindheit immer weiter abnimmt.

Der Übergang von Kindheit zum Erwachsenen ist typischerweise die Adolenszenzphase, in der man biologisch gesehen fortpflanzungsfähig wird, an deren Ende man körperlich nahezu ausgewachsen und emotional wie sozial weitgehend gereift ist. Man ist zwar noch auf die Fürsorge oder Unterstützung anderer angewiesen, der Wunsch nach Autonomie wird aber stärker und führt zur Ablösung von den Eltern als Prozess auf dem Weg zur Selbstständigkeit.

In diesem Sinne ist man Mann oder Frau, wenn man die tatsächliche Selbstständigkeit gewonnen hat.

Es gibt eine Phase, in der man sich schon selbstständig fühlt, ohne es faktisch zu sein und eine Übergangszeit, in dem man zwar zur Not auch ohne Unterstützung auskommen könnte, aber sich noch auf die Unterstützung verlässt (und meist auch verlassen kann).

Ich würde den Zeitpunkt des Mann-Seins bzw. des Frau-Seins bei der tatsächlichen Selbststädigkeit ansiedeln. Ich denke, dass diese erreicht ist, wenn man eine eigene Wohnung hat und diese sowie den sonstigen Lebensunterhalt selbst finanziert, man also "auf eigenen Beinen steht" und die Verantwortung für sein Leben in allen wesentlichen Bereichen selbst übernommen hat.

Das kann deutlich später sein als das Alter der Volljährigkeit, z.B. bei einem von den Eltern unterstützten Studium oder wenn ein 40-jähriger noch im Hotel "Mama" wohnt. Es kann aber - vor allem bei ungünstigen Lebensbedingungen - auch schon deutlich früher der Fall sein, etwa wenn die Eltern nicht in der Lage sind, die nötige Unterstützung zu leisten bzw. lang genug aufrecht zu erhalten.

Die Unbestimmtheit individueller Lebensläufe führt zu einer sehr breiten Streuung.

Der Zeitpunkt zu dem man sich als Mann/Frau fühlt muss auch nicht mit dem Zeitpunkt zusammenfallen, in dem man als Mann/Frau angesehen wird.

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Wenn meine Mutter morgen anfangen würde unvermittelt nackt in der Wohnung herumzulaufen wäre das schon äußerst seltsam. Sie hat es ja bisher nicht getan.

Wenn eine nudistische Mutter auf einmal anfangen würde, in jeder Situation mit Kleidung herumzulaufen, obwohl die Situation das eigentlich nicht erfordert, dann würde mir das ebenfalls äußerst seltsam vorkommen.

Wenn man sein Veralten ändert, wäre es also ratsam, das vorher anzukündigen und die Gründe zu erläutern, bzw. Gelegenheit für Fragen und Antworten zu schaffen.

Ich vermute, dass es für mich schon sehr gewöhnungsbedürftig und vielleicht auch unangenehm wäre, wenn meine Mutter auf einmal nackt unterwegs wäre. Aber ich denke, dass sich das nach einer gewissen Zeit auch wieder legen würde.

Es wäre also kurzfristig schwierig, mittelfristig OK, langfristig sowieso.

Wenn die Mutter aus der Sicht des Kinder "schon immer" Nudistin war, dürfte sich das Problem gar nicht stellen. Dann ist es für das Kind völlig normal, wenn sie auch mal nackt herumläuft.

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Was ist da geschehen?

Hormone und Neugier haben sich Ausdruck verliehen.

Damals wusste ich nicht wie falsch das war. Ich war nicht genug darüber aufgeklärt.

Ich finde das nicht besonders schlimm. oder falsch.

Etwas problematisch ist der Geheimnischarakter ("Sie sagte wiederholt, dass wenn meine Mutter ins Zimmer kam, wir so tun müssten als schliefen wir"). Es gab aber (wenn deine Schilderung vollständig ist) keine Drohungen und keinen Zwang. Der Geheimnischarakter ist aus meiner Sicht vor allem der verklemmten Erwachsenenwelt geschuldet und entschuldbar.

Dass du es damals nicht schlimm gefunden hast, liegt nicht an mangelnder Aufklärung. Es liegt an Pseudo-"Aufklärung", dass du es heute schlimm findest, bzw. deshalb Zweifel hast. Ekel und Vorurteile sind erlernt.

Wenn du damals kein Problem mit dem hattest, was vorgefallen ist, hilft es dir nicht, wenn du es nun nachträglich zum Problem erhebst.

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