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sehr umstrittene Meinungen: wie realistisch bzw nutzvoll ist wing chun wirklich?

achtung: etwas längerer text! ich spiele schon länger mit dem gedanken, mit einer kampfkunst oder einem kampfsport zu beginnen. wichtig sind für mich aber keine wettkämpfe, es soll lediglich hobby und selbstverteidigung sein. wenn man sich nun über passende Kampfkonzepte informiert, stolpert man immer wieder über wing chun. der erste vorteil der für meine interessen sprechen würde: es ist eine kampfkunst, das bedeutet es gibt keinen wettkampfgedanken im training. doch dann geht es an die effektivität.. und da spalten sich die Meinungen. für den einen stellt wing chun die perfekte selbstverteidigung dar, weil der zweck von wing chun sei, auch körperlich überlegende gegner schnell ausschalten zu können. doch dann gibt es wieder andere die sagen, die techniken seien auf der straße kaum anwendbar und werden auch realitätsfern trainiert, sodass man auf eine wirkliche konfliktsituation gar nicht vorbereitet ist. man studiert quasi plump seine formen ein, übt diese in trockenübungen, doch ein angreifer auf der straße greift unvorhersehbar an und nicht unter kontrollierten bedingungen. schlimmer wird es dann noch, wenn der gegner ebenfalls erfahrungen im kampfsport hat. ein boxer schlägt zum einen härter und gezielter als ein normaler eingreifer, zum anderen kann er viel schneller auf die reaktionen eines wing chunler reagieren. immer wieder lese ich, dass wing chun dann versagt, wenn es zu einem vollkontakt kommt. unzählige videos gibt es ebenfalls zu diesem thema, in dem vermeintliche wing chunler gegen boxer, mma fighter etc kämpfen oder sparring betreiben und immer wieder unterliegen, da sie ihre techniken schlicht nicht anwenden können. man sagte mir, ich solle doch einfach mal ein probetraining machen, aber das wird mir ja nicht zeugen können wie effektiv wing chun wirklich anwendbar ist. grundsätzlich interessiert mich wing chun , weil es eben keim wettkampfsport ist und eine gewisse tradition ausstrahlt, aber ich möchte nicht jahrelang etwas betreiben, was im ernstfall gar nicht effektiv wäre(klar den sinn eines hobbys erfüllt es dennoch). hat da vlt jemand erfahrungen was das angeht, vergleichswerte? (wing chun gemacht und gewechselt oder so). einfach meinungen von leuten die vlt aus den selben gründen wie ich mit wing chun begonnen haben.. das könnte mir sehr weiter helfen:) ich danke für das lesen und für eure antworten :)

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Jede Kampfmethode, die zur Selbstverteidigung geeignet sein soll, muss sich von "Gewohnheiten" lösen, weil reale Angriffe auf der Straße keinen vorgefertigten Mustern unterliegen. Kampfmethoden, die sportiven Regeln folgen, sind nur beschränkt zur SV. anwendbar. Sei es Karate, MMA, Wing Chun, jede Methode richtet sich im Training an "Vorstellungen" zu ihren Zielen aus. Die Ziele sind unterschiedlich und jeder Wertung sollte sich an diesen Zielen orientieren. Die meisten wertenden Vergleiche zwischen Systemen sind unangebracht. Eiskunstlauf ist nicht bessere als Eisschnelllauf, doch verfolgen beide das Gleiten auf Eis verfolgen.

Das betrifft auch jedes Sparring, das den "Ernstfall der Methode" nachstellt. Es unterliegt den Vorstellungen der jeweiligen Methode, den Vorstellungen des Wettbewerbs, der denkbaren Situation im olympischen Vergleich und den Vorstellungen über die zu erwartenden physischen wie psychischen Belastungen.

SV-Systeme können die physische, wie psychische Belastung des Ernstfalls allerdings nur hypothetisch nachstellen, da diese keinem gewohnten Muster folgt. Manche SV-Systeme legen ihren Fokus auf höchste Fitness, was der Vorstellung unterliegt, körperliche Überlegenheit bestimme den Sieg. Das ist eine Sackgasse wo der Angreifer fitter, zahlenmäßig überlegen oder bewaffnet ist. In Videos erscheinen kräftige, fitte Personen attraktiv, überlegen, doch bilden solche Videos nicht die erfolgreiche Verteidigung gegenüber einem körperlich überlegenen Angreifer ab.

Wing Chun Systeme unterscheiden sich innerhalb ihrer Gruppe auch. Es gibt die Traditionalisten, die wie vor x Jahrzehnten das System in seiner damaligen Fassung fixieren wollen. Es gibt den "Fitten" , der das Training hart und schweißtreibend ausfüllt, sich an Sportsystemen orientiert. Und es gibt jenen, der sich an wissenschaftlichen Erkenntnissen orientiert, an Forschung über den Ursprung und sinnvolle Ergänzungen aus anderen Zweiten einbringt, um sein Ziel der erfolgreichen SV zu realisieren.

Man spricht daher auch im Wing Chun inzwischen von unterschiedlichen Linien. Ein genauerer Blick in das Training ist angeraten, wenn man ein bestimmtes persönliches Ziel mit Erlernen verfolgt.

Dazu muss man sich Wissen aneignen, über die Notwendigkeiten und Voraussetzungen, das angestrebte Ziel betreffend. Will man körperlich überlegene Angreifer erfolgreich bekämpfen, ist körperliche Überlegenheit nicht das Ziel. Will man mit unkonventionellen, auch neuen, unerwarteten Angriffen zurecht kommen, darf man keine vorgefertigten Muster und Abläufe einschleifen.

Kampfvideos zwischen X und Y zeigen keine SV-Situation, nur das Können der Personen im sportiven Umfeld unter festgelegten Bedingungen. SV ist etwas völlig Anderes.

Die GuteKKFeh

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Diese Variante wird von Herrn B. unterrichtet, einem ehemaligen Schüler von Großmeister Kernspecht. Seit Anfang der 80er Jahre unterrichtet er im Stil des inzwischen verstorbenen Meisters Wong. Herr B. Gibt an, daran nichts zu verändern, während die Variante von GM Kernspecht einer steten Aktualisierung unterliegt. Sehr vereinfacht ausgedrückt, ist das VT von Ph.B. härter, direkter. Die Linie der EWTO weicher, mit anderer Kraft arbeiten. Beide Varianten verkörpern in unterschiedlicher Interpretation den Wing Chun Stil. Um die Unterschiede zu verstehen, sollte man sich die unterschiedlichen Varianten persönlich ansehen. Am besten in einem Probetraining.

Die GuteKKFeh

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Solche Diskussionen zeigen, was Medien bewirken. Die Vorstellungen darüber, wie ein Mensch sich in einer "tatsächlichen" Kampfsituation verhalten wird, ist von Faktoren abhängig, von denen ein trainiertes Verhalten nur ein Puzzelstein ist.

Die anderen sehr wichtigen, kampfentscheidenden Puzzelsteine sind:

* momentaler mentaler Zustand

* Ängste

* körperliche Verfassung

* kognitive Variabilität, Kreativität

* Willenskraft

* Hemmungen

* Erfahrungen

* äußerer Rahmen der Situation, Gelände, Räume

* Bewaffnung, mögliche Behelfswaffen

* Einmischung anderer Personen.

* Bekleidung

.....Und vieles mehr.....

Nur im Dojo treten Stile gegeneinander an. In realen Kämpfen gelten "andere Regeln", meist keine. Darauf hin zu trainieren hat andere Aufgaben, als sie im Sport verfolgt werden. Ein trainiertes Verhalten wird nur dann helfen, wenn es in der Kamsituation, " dem Augenblick" zu einer gewohnten Konstellation kommt, die dem trainierten Verhalten entgegen kommt.

Die GuteKKFeh

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Natürlich haben Frauen, ebenso wie auch männliche körperlich unterlegene Menschen eine realistische Chance, sich erfolgreich gegen einen Stãrkeren zu wehren. Nur: "Einfache" Lösungen gibt es nicht; keine "Tricks", keine simple Lösung. Soetwas muss hart trainiert werden und basiert sinnvoller Weise auf Verhaltensweisen, außerhalb eines "Kräftemessens" mit dem körperlich überlegenen Täter. Und natürlich spielen dabei neuralgische Ziele eine Rolle: Genitalien, Kehlkopf, Augen etc. Wer sich hierbei durchsetzen muss, darf keine "Hemmungen" haben auch so lange weiter zu machen, bis der Täter jede "Lust" verloren hat und darüber hinaus kampfunfähig ist. Mitunter ist auch sofortige Flucht anzuraten, nachdem der Täter durch eigene Maßnahmen etwas verwirrt oder paralysiert ist. Entscheidend ist ein sehr konsequentes und entschlossenes Verhalten.

Die GuteKKFeh

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Unverhältnismäßig verteidigt?

Hallo liebe Gutefragler,

Ich habe gestern gesehen wie eine Gruppe von Jugendlichen, ungefähr 5-6 Leute (14-15) Jahre auf einen ungefähr 10 Jahre alten Jungen losgegangen sind. Haben ihn geschuppst und ihm seine McDonald‘s Tüte aus der Hand gerissen. Als ich dann von hinten „ey Jungs“ sagte, drehte sich einer davon um, gab mir direkt eine kopfnuss (bin 22 nur nicht sehr beängstigend im Aussehen) und sagte er würde mich abstechen wenn ich mich einmische. Plötzlich hat es Klick gemacht, ich hab den Jungen gepackt, halb durch die Straße gewirbelt und ihn damit zu Boden bekommen, da seine Kollegen auf mich zu rannten, habe ich diese zurückgebrüllt(diese hatten dann auch respekt) während der Typ unten mich versucht hatte zu treten und ich diesen Typen dann angefangen habe weiter zu treten (feige, aber ich hatte Angst das die anderen angreifen plus das der tatsächlich eine Waffe besitzt)

wir wurden dann von anderen die zu uns gerannt kamen getrennt und ich flüchtete in einen Laden (da das noch mehr Freunde von den waren) und rief die Polizei, diese kam, nahm meine Aussage auf, auch das ich eine Anzeige erstatten möchte habe ich unterschrieben.

Nun zur meiner Frage: war das nachtreten von mir unverhältnismäßig zu der Situation im Hinblick auf Selbstverteidigung?

Habe morgen einen Termin bei der Polizei zur Aussage und weiß nicht wie ich das, vielleicht besser umschreibe als das ich ihn getreten habe als er am Boden lag und ich ihn dabei festhielt.

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Mit der Beantwortung Deiner Frage(n) sind wir hier allein auf Deine Schilderung angewiesen. Dies schreibe ich, weil in einem gerichtlichen Verfahren dieser Kategorie Zeugen eine wichtige Rolle spielen werden. Somit kommt es zwar auch auf Deine Schilderung des Sachverhaltes an, aber "die Anderen" werden auch gehört werden.

Im Allgemeinen wird ein Richter und seine Beisitzer die Plausibilität der Aussagen bewerten und den Sachverhalt entsprechend bewerten. Das Gericht wird also nicht die "Wahrheit" bemessen (die kennt das Gericht nicht), sondern den "mutmaßlichen und augenscheinlichen Sachverhalt".

Auf Grundlage Deiner Schilderung bist Du im Recht, soweit es um den Sachverhalt der Nothilfe und der Selbstverteidigung geht. Auch der Umstand, dass Du die Polizei gerufen hast, wird in der Bewertung eine Rolle zu Deinen Gunsten spielen.

Entscheidend (aus meiner Sicht) wird die Aussage des 10-jährigen Jungen sein, inwieweit seine Aussage Deine Schilderung bestätigt.

Es ist ein immer wieder auftretendes Problem von Selbstverteidigungs-Situationen. Vor Gericht muss die Situation von Menschen beurteilt werden, die sich nur "ein Bild" von der Sache machen können, auf der Grundlage von Aussagen unterschiedlicher Menschen mit unterschiedlichen Wahrnehmungen und auch mit unterschiedlichen Interessen.

Das Recht auf Nothilfe und Selbstverteidigung ist zwar gesetzlich verankert, aber Recht haben und Recht bekommen liegt auf unterschiedlichen Ebenen.

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Hallo Emo4343.

"Messer" ist eine der wirkungsvollsten Nahkampfwaffe, die schon bei geringer Berührung auch ohne große Kraft SEHR massiven Schaden anrichten kann. Suche dazu im Internet nach Fotos von Messer-Verletzungen... nicht schön.

DAS Problem, gegenüber Messerangriffen sich verteidigen KÖNNEN zu wollen liegt in der Tatsache, dass Messerangreifer nicht nach Regeln, nicht nach Mustern arbeiten, wie man sie vielleicht aus einigen Kampfsportarten oder aus schlechten Filmen kennt. Ein Messerangriff kann z.B. unverhofft erfolgen, ohne dass man das Messer vorher schon als Waffe in der Hand des Angreifers "sieht" und sich darauf einstellen könnte.

Um sich gegenüber Messern GARANTIERT ERFOLGREICH verteidigen zu können, musst Du mehr Können haben, als Jahrzehntelang trainierte Fachleute in dieser Disziplin. Kurz: Es gibt von niemanden eine Garantie, mit "Tricks" sich gegenüber Messerangriffen zu verteidigen. Zumal die üblichen Gesellen, die mit Messern in der Gegend herumlaufen, um damit Personen zu attackieren, sind mit ihrem Messer vertraut und hantieren damit nicht das erste Mal. Du, als Verteidiger, wirst i.a.R. das erste Mal in einer solchen Situation sein und Dich dem Unbekannten gegenüber sehen.

Natürlich gibt es Verhaltensweisen, wie man sich gegenüber einem Messerangreifer verhalten sollte, Verhaltensweisen, die die Gefahr reduzieren, lebensgefährlich verletzt zu werden. Aber ALLE Mittel liefern nur eine relative Sicherheit, dieser Relativierung muss man sich bewusst sein. Gehe grundsätzlich davon aus, nicht unverletzt aus einer solchen Situation heraus zu kommen, auch nicht mit viel Können.

Nur: diese Verhaltensweisen erfordern ein jahrelanges Training unter der Anleitung eines Experten. "Zuhause" wirst Du nicht richtig trainieren, weil Dir die stete Anleitung fehlt, niemand Deine Fehler sieht und korrigieren könnte. Du machst Dir etwas vor, wenn Du glaubst, auf diese Weise etwas Sinnvolles erreichen zu können.

Nicht nur für Ungeübte steht an erster Stelle der Eigenschutz. Wickle Dir eine Jacke um den Arm, greife NIE nach dem Messer, halte den umwickelten Arm vor die wichtigen Stellen wie Hals, Herzbereich... greife nach Behelfswaffen, Knüppel, Stuhl, Regenschirm, Aktentasche, Tasche, .... Halte auch ungeschütze Arme nahe an, schützend vor Deinen Körper (besser er verletzt Deinen Arm, als Deinen Hals oder Deinen Rumpf)....

Es gibt viele Dummheiten, die man gegenüber einem Messer-Angreifer machen kann. Wenn Du kannst, wenn es die Situation zulässt: Laufe weg!

Stile, die einigermaßen funktionierende Messerabwehren trainieren sind z.B. Escrima oder Jaido. Stile, die empfehlen, den Messer führenden Arm zu greifen und zu hebeln, werde ich nicht empfehlen.

Die GuteKKFeh

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Ich nehme einmal an, dass es bei der Waffe um eine Schusswaffe geht. In diesem Fall...

Ob "der Mann in der Firma" eine Waffe "haben darf", ist in Deutschland über das Waffengesetz (WaffG) geregelt. Unterschieden wird zwischen "haben" (Besitz) und "führen" (in der Öffentlichkeit tragen). Der Besitz einer Waffe ist bei entsprechender persönlicher Voraussetzung keine so große Hürde. Die Hürde zum Führen einer Waffe außerhalb hoheitsrechtlicher Aufgaben wie Polizei, Militär, oder im Personenschutz, ist fast unüberwindbar. Eine Waffe in einer Firma zu tragen bedingt also entsprechende Voraussetzungen an die betreffende Person - UND an die ausdrückliche Genehmigung der Firma, die eine solche Genehmigung kaum ausstellen wird, will sie nicht selbst in rechtliche Rechtfertigungsnot geraten.

Also: abgesehen von entsprechend qualifizierten und behördlich befugten Personen (z.B. Wach- Schutzpersonal) wird es keiner Person erlaubt sein, innerhalb einer Firma eine Waffe zu tragen.

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Würde sich Karate für mich lohnen?

Hallo! erstmal hoffe ich, dass jeder von euch gut ins neue Jahr rübergerutscht ist und wünsche ein schönes neues!

Leider fängt mein Jahr nur bedingt gut an, da mein Kung Fu Verein leider die Mitgliedsbeiträge erhöht hat und ich durch meinen Umzug in einen anderen Stadtteil sowieso nicht mehr sooft zum Training kommen kann. Deshalb suche ich jetzt nach einer neuen geeigneten Kampfkunst für mich und dachte da an Karate.

Da ich sogut wie kaum Erfahrung in Sache Karate habe wende ich mich an die Community. Ich weiß, dass es mehrere Stile wie Shotokan, Kyokushinkai, Wado Ryu usw. gibt, das wars dann aber schon mit meinen Kenntnissen. Der Selbstverteidigungsaspekt ist mir sehr wichtig und ich bin auch kein großer Freund von Formen. Habe vor meiner Kung Fu zeit 3 Jahre lang Taekwon-Do trainiert wo es hauptsächlich um diese Formen ging. Ich habe nichts gegen Formen, wenn es Teil des Karate ist, und das ist es schätze ich mal zu 100 pro, dann bin ich auch bereit diese zu lernen. Viel wichtiger ist mir aber, dass ich lerne mich in Notsituationen zu wehr zu setzen. Für die, die jetzt meinen "naja, dann mach doch Krav Maga?" - Das würde ich gerne, allerdings ist der nächste Verein über 1 Stunde von mir entfernt ;-) Und Karate selbst ist mir da einfach sympathischer (Ich hörte, dass es auch viele Karateka in der MMA gibt. Welche Stile trainieren diese Sportler?)

Ich werde auf jedenfall ein Karate Probetraining machen, wollte mir davor aber noch ein paar Meinungen einholen. Freue mich auf eure Antworten :)

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Hallo Rottx 1512,

da Du scheinbar in einer Gegend wohnst, wo Du nicht viel Auswahl hast, ist doch die primäre Frage für Dich, welche Möglichkeiten sich Dir überhaupt bieten. Da würde ich Dir den Rat geben, diese Möglichkeiten alle zu besuchen und ein Probetraining mitzumachen. Das eröffnet Dir mehr Einsicht in diese Stile, besonders in die jeweiligen Vereine, als Du über Außenstehende erfahren wirst. Denn es kommt nicht alleine auf den Stil selbst an, sondern besonders auf die jeweilige Schule und die dort ausbildenden Personen. Vom Stil her wäre Kyokushin wohl eher zur Selbstverteidigung geeignet, als Shotokan, aber eben nur vom Stil her. Entscheidend ist es, mit welcher Zielsetzung Du trainierst und ausgebildet wirst. Je stärker der Fokus auf Wettbewerbe liegt, desto weniger werden SV-Inhalte behandelt. Je mehr der Fokus auf Formen, Katas, Tradition liegt, desto geringer spielen davon abweichende Themen.

Grundsätzlich kann mit jedem Kampfsport, mit jeder Kampfkunst eine SV-Situation behandelt werden. Liegt der Fokus aber primär auf SV, muss auch das Training dieses in den Fokus stellen. Und da bin ich mir nicht sicher, ob Du überhaupt mit einem KampfSPORTsystem richtig liegst.

Da jedoch Deine Auswahlmöglichkeit begrenzt ist, wirst Du um einen Kompromiss nicht herum kommen. Dieser muss aber nicht schlecht sein. Denn: Die ganz andere, nicht weniger wichtige Frage ist doch die, welche Relevanz Selbstverteidigung tatsächlich für Dich hat. Die Teilnahme an einem Kampfsport, an einer Kampfkunst beinhaltet sehr viel mehr: Der sportliche Effekt für den Körper, Kraftaufbau, Muskelaufbau. Reaktionstraining, Körperbeherrschung, Wahrnehmungstraining, .... viele Aspekte, die bis ins hohe Alter hinein sich positiv auf Dich und Deinen Körper auswirken können. Der "Nebeneffekt" einer "gewissen" Verteidigungsfähigkeit wird in fast allen System mitgeliefert.

Wenn Du primär und gezielt Selbstverteidigung lernen willst, solltest Du nach SV-Systemen schauen. Wing Tsun (Wing Chun), LingLom, Escrima z.B. sind solche SV-Systeme. Systeme wie MMA (Mixed Systeme) sind i.a.R. auch Sport, wenn auch realitätsnäher, als olympische Disziplininen, die durch eine Regelwerk den Kämpfer vor Verletzungen schützen müssen.

Ich rate Dir dazu, alle für Dich erreichbaren Vereine/Schulen aufzusuchen. Schaue rein, mach mit, stelle den Trainern Deine Fragen und rede mit ihnen über Deine Anliegen. Beobachte, wie trainiert wird, wie sich das Training aufbaut... Du wirst schnell merken, in welche Richtung sich das Training bewegt.

Die GutKKFeh

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KanpfSPORTarten zeichnen sich dadurch aus, dass sie einem Regelwerk unterliegen, das einen SPORTIVEN Vergleich möglich macht - und das funktioniert nur, wenn es Grenzen gibt, die im Effekt den Kämpfer vor großen/nachhaltigen Schäden schützt. So sind in KampfSPORTarten solche Techniken untersagt, die den SPORTgegner lebensbedrohend verletzen oder gar töten. Dieser Grundsatz gilt für ALLE Kampfsportarten, die in Wettbewerben ausgetragen werden.

Nichtsdestotrotz (war dieses schon einmal Wort des Jahres? :-) ) sind viele Kampfsportarten abgespeckte Versionen ehemaliger Kampfkünste, die auch zu Kriegszwecken oder zur ultimativen Selbstverteidigung entwickelt waren.

Militärisch orientierte Kampfmethoden, wie z.B. KM, haben nicht den Anspruch, "sich zu beweisen" (in Form eines Wettbewerbs oder Duells) sondern gezielt und möglichst schnell den Gegner "auszuschalten", auch solche "Gegner", die gar nicht konkret angreifen, sondern durch/in militärischen Situationen zu bekämpfen sind. Diese Methoden unterscheiden sich naturgemäß von jenen, die der zivilen Selbstverteidigung dienen, denn dort geht es in erster Linie um den Eigenschutz und das schadlose Überstehen von (i.a.R. unsportlichen) Angriffen.

Aber auch solche Selbstverteidigungssysteme, wie z.B. Wing Chun, sogar Aikido, beinhalten Techniken, einen Angreifer augenblicklich kampfunfähig zu machen. Allerdings nicht in der primären Absicht, ihn zu töten, was aber durchaus eine denkbare Folge einer Verteidigung sein kann. Viele SV-System versuchen sogar den Angreifer schonend zu bekämpfen (eine Verhaltensprämisse, die im Aikido stark ausgeprägt ist). Hierbei kommen oft historisch begründete Grundsätze religiöser Philosophien zum Tragen, die im Kampf des Angreifers (böses/unehrenhafte) Verhalten wandeln wollen.

Die pure Absicht, einen Angreifer augenblicklich mittels einer gezielten Technik zu töten, liegt außerhalb unserer gesetzliche zulässigen Möglichkeiten, soweit eine solche Anwendung nicht zwingend notwendig ist, einen gegenwärtigen Angriff abzuwehren (Prinzipien des gesetzlich gewährten Rechts auf Notwehr/Nothilfe).

Es gibt SV-Situationen, in denen man schnell und konkret Angreifer kampfunfähig machen sollte. Z.B. im Kampf gegen mehreren Angreifer, gegenüber Angreifern mit Hieb-/ Stichwaffen o. gar Schußwaffem, Angreifer, die auf Grund von Drogen oder anderen Substanzen keine Hemmungen mehr haben oder keinen Schmerz empfinden, die psychisch gestört "durchgeknallt" sind. "Kampfunfähigkeit" bedeutet aber nicht zwingend "zu töten".

Die GuteKKFeh

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Wenn Kampf Mathematik wäre, könnte man eine Formel der Effektivität und Effizienz entwickeln, nach deren Lösung eine solche Frage beantwortbar wäre. Aber auch nur dann, wären die ausführenden Kämpfer in der der Lage, robotterartig und den Stiilvorgaben entsprechend sich abweichungsfrei zu bewegen, mit einer des Gegner entsprechend identischen Reaktionsfähigkeit und Bewegungsgeschwindikeit.

So verlockend ein solcher Gedanke vielen erscheinen mag, das "beste System" zu identifizieren, fehlt ihm das Entscheidende: Das Subjekt.

Kampf findet immer subjektspezifisch statt. Selbst unter günstigsten Verbleichsbedingungen wird "der Moment" entscheiden.

Was also steht hinter dieser Frage? Es ist wohl der Gedanke, das Richtige trainieren zu wollen, mit hoher Zuversicht den "denkbaren Fall" siegreich zu überstehen.

Was aber ist "das Richtige"?

Darüber streiten Softwareentwickler, Religionen, Städteplaner... Eben all jene, die am Hebel der Anwendung das Subjekt stehen haben, den Benutzer, der in "seinen Momenten" das Richtige will. Das Richtige in genau diesem Moment zu tun kann er aber nur, wenn die Freiheit hat, es tun zu können.

Und hier kommt es zum Konflikt. Je größer seine Freiheit ist, genau DAS Richtige zu tun, muss er es haben, können, beherrschen... In der Unendlichkeit an situativen Varianten. "Drei Techniken" sind schnell gelernt, aber selten genau das Richtige. Je komplexer Systeme sind, desto mehr Möglichkeiten bieten sie, desto länger muss man lernen und desto mehr Entscheidungsschritte, also Zeit bedarf es in dem Moment.

Die tatsächlichen Kämpfer Handel daher "in der Sekunde" intuitiv, nur nach einem Muster, einem Verhalten "im Rahmen". ihres Systems. Sie verkürzen Entscheidungen, reduzieren ihre tatsächlichen Möglichkeiten auf das von Ihnen selbst Beherrschbare.

Und genau deswegen ist es am Ende nur die Fähigkeit der Person, das erforderliche Richtige in " dem Augenblick" zu tun oder zu verpassen.

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Hallo Parsa122,

Wing Chun (andere Schreibweisen sind Wing Tsun, Ving Tsun Yong Tsun etc...) beinhaltet eine Menge verschiedener Angriffstechniken. Gerade Fauststöße, rund geführte Fauststöße, Handflachenangriffe, Fußtechniken, Ellenbogenangriffe und so weiter. Die Basis des Systems besteht aus drei waffenlosen Bewegungsformen, in denen die verschiedensten Bewegungen, Angriffs- und Abwehrbewegungen geübt werden. Die dritte waffenlose Form ist ihrem Ziel nach eine Angriffsform. Dann gibt es eine Form, die an einer Holzpuppe trainiert wird, deren Inhalt eine Fülle von Angriffstechniken beinhaltet. In Partnerübungen wird trainiert, sich so zu verhalten, dass die Bewegungen des Systems zur Anwendung kommen.

Man muss nun aber unterscheiden zwischen den technischen Möglichkeiten des System, das auch eine Fülle an Angriffen beinhalten, und der Strategie des System. Die Strategie besteht im Wesentlichen darin, die Bewegungen des Angreifers für die eigenen Zwecke zu (be-)nutzen. Es ist offensichtlich, dass sich dazu der Gegner bewegen muss. Seine Angriffe werden genutzt, um die eigene Situation zu optimieren. So wird die Kraft des Gegners benutzt, um z.B. sich selbst in eine optimale Position zu bringen, oder um seine Kraft für eigene Angriffe auszunutzen. Es ist schwierig, das im Detail zu erklären. 

Es geht auch nicht darum, nur "Fehler" des Gegners zu nutzen, sondern insgesamt sein Bewegen zu nutzen. Leute, die diese Kampfkunst gut beherrschen, können durchaus gute Boxer oder andere Kampfsportler besiegen. Das hat in der Vergangenheit schon oft stattgefunden. Die Frage müsste eine andere sein, denn um einen guten Boxer schlagen zu können, muss man selbst gut sein. Dazu muss man hart trainieren, darf sich in keinem Training schonen und muss das Ziel, kampfstark zu werden, stets vor Augen haben. Das gilt übrigens für alle Stile. Wer trainiert wir Oma, wird auch nicht besser als Oma.  (Ja ja... schon gut... es gibt auch starke Omas :-)  )

Die Effektivität des Systems beruht auf verschiedenen Strategien. Eine davon ist die Gleichzeitigkeit von Abwehr und Angriff. Eine andere Strategie ist, durch Kontakt mit gegnerischer Bewegung den Gegner zu lenken und sich selbst optimiert zu positionieren. Eine weitere Strategie besteht darin, Bewegungen auf möglichst kurze, schnelle Wege zu bewegen. Alles findet im engen Raum statt, keine große, weit ausholenden Bewegungen, kein Zögern, kein minutenlanges Abtasten. Wing Chun ist ein schnelles System.

Da Du von Boxen geschrieben hast: Boxen ist ein Kampfsport, Wing Chun ist eine Kampfkunst. Das sind ganz unterschiedliche Ziele. Es ist daher nicht so ganz fair, Kampfsportarten mit Kampfkünsten zu vergleichen. Boxer sind Spezialisten für den reinen Faustkampf. Kampfkünste können selbst sehr verschiedene Ziele haben: Tradition, Kampfstärke im Sinne eines waffenlosen Kriegers, Kampfstärke für den Zweck der zivilen Selbstverteidigung, Perfektion in anmutenden Bewegungen und so weiter. Das Ziel bestimmt auch das Training und die Entwicklung des Systems. Gibt es beispielsweise in einer Kampfsportart eine wesentliche Regeländerung, wird sich das System verändern.

Das Ziel von Wing Chun ist Befähigung zur Selbstverteidigung gegenüber körperlich überlegenen Personen, also gegenüber jemanden, der stärker ist, oder vielleicht größer und schwerer. Die Strategie muss das berücksichtigen. Es gibt also weder Gewichtsklassen, noch Altersstufen. Man lernt ein Verhalten, dass es einem ermöglicht, diese Anforderungen zu realisieren.

Um darin auch in der Praxis erfolgreich zu sein, dass erwähnte ich schon, muss entsprechend zielorientiert und hart trainiert werden.

Die GuteKKFeh

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Ein Weihnachtsmarkt ist eine öffentliche Veranstaltung. Es gelten dort die gleichen Gesetze und Verordnungen wie für jede öffentliche Veranstaltung.

Nun zum Kernproblem Deiner Frage: Wovor hast Du Angst?

Was kann denn auf einem Weihnachtsmarkt anders passieren, als bei einem Einkauf in einem Einkaufzentrum, beim Besuch in einem Museum, beim Besuch zu einer Sportveranstaltung? "Messer"? Wogegen? Gegen einen Terroristen, der Amok läuft? Oder geht es um "den Schlägertypen", der im Halbsuff Leute anmacht?

Wenn Du genau überlegst, WARUM Du auf einen Weihnachtsmarkt gehst, warum es tausende Andere tun, dann unterscheidet sich diese Veranstaltung vom Fußballspiel zweier feindlich gesinnter Fans-Clubs. Die Erwartung, einer sich drohenden Gefahr auszusetzen, bei einem Punch mit Freunden, wird Dir die Freude und Unbekümmertheit rauben, die notwendig ist, sich entspannt am Weihnachtsmarkt zu erfreuen. Wäre das nicht Grund, ihn einfach zu meiden? Wenn aber Du entspannt auf dem Rummel bist, bist Du nicht auf Gefahren konzentriert. Dich auf Gefahren zu konzentrieren verändert Deine Wahrnehmung und zwingt Dich, sich anders zu verhalten. Damit nimmst nicht nur Du selbst Dir die Freude an der Sache, sondern auch jenen Leuten, die mit Dir zusammen unterwegs sind. Jemand, der permanent auf Gefahren lauert, wie ein Bodyguard, fällt auch als ein solcher auf und macht sich leicht zum Ziel von Leuten, die "sich beweisen" wollen.

Es ist für mich eine Frage der Vernunft, mich in meinem Umfeld den Personen zu widmen, die mit mir zusammen sind, nicht hypothetischen Gefahren, auf die ich achten würde, wäre ich als Personenschützer unterwegs.

"Im Falle eines Falles" gibt es genügend "passive" Waffen vor Ort. Hölzer, Barhocker, Behälter mit heißer Flüssigkeit... Wer kreativ ist und sein Umfeld kennt, kann es zweckspezifisch auch für den Nahkampf benutzen.

Die GuteKKFeh

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Diskussion gewinnen, es geht um Kampfkunst?

Hey Community, ich möchte mal wissen wie ihr damit umgeht:

Ich habe zur Zeit mit meinem Kumpel eine Diskussion darüber, ob Shaolin-Kung Fu, so wie es im Tempel gelehrt wird, Showkampf, oder echter Kampf ist. Mein Kumpel ist der absoluten Überzeugung, dass die Mönche im Tempel absolut effektive Kampfkunst lernen würden und das es nichts mit Show zu tun hat.

Des weiteren sagt er, dass Shaolin Mönche die absoluten Tiere sind, dass kein Mensch, egal ob er auch Meister einer Kampfkunst ist, oder nicht, gegen die Mönche in einem echtem Kampf gewinnen könne. "Wenn Du 30 Jahre Kampfkunst lernst, und gegen einen Mönch kämpfst, der 10 Jahre Kampfkunst lernt, gewinnt der Mönch" - weil Shaolin Kung Fu angeblich so überheftig ist.

Ich hab ihm erklärt, dass es heutzutage nur noch Showkampf ist, weil man Heute nicht mehr kämpfen muss und das die Mönche um die Welt reisen, um ihre Kampfkunst zu präsentieren. Aber es interessiert ihn nicht.

Außerdem meint er es ginge nur ums Kämpfen. Ich sagte es geht bei den Mönchen um Frieden, Meditation und einen bestimmtem Lebensweg, er sagt nein, es geht nur ums kämpfen.

Ich kann noch so gute Argumente bringen, wenn es ihm zu viel wird, sagt er "nein, halt die Fresse"

Er meint er wüsste es ganz genau, weil er viele Filme, Videos und Dokus gesehen hat. Das er nicht im geringsten Ahnung von Kampfkunst hat merkt man schnell, er macht selbst keine. Er war vorhin sogar sehr erschrocken, als er erfahren hat, das man zum lernen mindestens 10 Jahrer braucht, und nicht wie vorher angenommen ein paar Monate.

Und es geht noch weiter: Ich erkläre ihm das viele Techniken in einem realem Kampf nicht nützlich sind. Diese Saltour-Kicks zum Beispiel. Kein Mensch auf dieser Welt würde sich drei mal durch die Luft schwingen in einem echten Kampf. Aber auch das will er mir nicht glauben.

Ich weiß ganz genau, warum er so reagiert, weil es einfach zu einer seiner tiefsten Überzeugungen gehört, zu glauben, dass Shaolin Kampfkunst effektiv wäre.

Weil es mein bester Freund ist, kann ich diesmal aber nicht einfach wegschauen. Ich muss ihm klar machen, wie es wirklich ist. Nur wie?

Ich würde ihn mal mit zu nem Training nehmen, nur wohnt er nicht hier, und er würde seine Meinung dadurch ja auch nicht ändern.

Vielen Dank schonmal!

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Es gibt ca. 500 "Kung-Fu"-Stile. Heutiges Shaolin-Kung-Fu ist nicht das selbe, was es vor 100 Jahren war. Es wurde vor x Jahren "reanimiert" um dem Hayp auf "Kung-Fu", der in den 70er Jahren weltweit entstand, Rechnung zu tragen. 

So wurde aus dem, was noch über das alte Shaolin-Kung-Fu bekannt war, aus ThaiChi und einigen anderen traditionellen Stilen das zusammengetragen, was zur Philosophie des Shaolin passt und nun als als Shaolin-Kung-Fu gelehrt wird.

Viele Dinge, die von den reisenden Shaolin-Kung-Fu-"Darstellern" auf ihren Shows demonstriert wird, sind "Tricks", die im Grunde jeder mit einer gewissen Übung erlernen kann und haben wenig mit realem Kampf zu tun. Als Beispiel möchte ich hier die Lanzen erwähnen, die zwischen Kehlköpfen zu Bruch gehen. Eine traditionelle Lanze aus Eschenholz (die biegt sich nicht) mit geschmideter und geschliffener (tatsächlicher) Spitze würde das nicht erlauben. Ebenso ein Trick ist das zerteilen einer Melone auf dem Bauch oder im Nacken, was einfach zu erklären ist. 

Das heißt nun aber nicht, dass die Leute nicht auch kämpfen könnten. Allerdings ist der Shaolin-Stil an sich mehr auf Akrobatik und Körperertüchtigung aufgebaut, als auf reale Kampfsituationen. Und es sind sehr sehr gute Akrobaten, die von Klein auf das lernen, was sie aufführen.

Es wäre nun müßig zu erklären, warum man einen Sumo-Meister, einen Schwergewichts-Box-Champion oder einen ähnlichen Kampf-Athleten nicht gegen einen 160 cm untergewichtigen Schaolin-Mönch kämpfen lässt, da muss nur der gesunde Menschenverstand eingeschaltet werden. Natürlich gibt es Methoden, mit denen auch kleinere Menschen gegenüber körperlich überlegene Menschen erfolgreich sein können. Hier reden wir aber über die Enden der Fahnenstangen sehr verschiedener Kampfdisziplinien. Um sich mit "gübten" Kämpfern anderer Stile zu vergleichen bedarf es nicht nur der Fantasie, sondern auch der Realität von Körpermechanik und Physiognomie, wie eben auch den Faktoren der Physik. Zum Beispiel die Sache mit den gesprungenen Tritten:... die haben entscheidende Nachteile im realen Kampf, wirken auf der Bühne aber durchaus spektakulär. 

Ein realer Kampf wird daher immer anders aussehen, als eine Bühnenvorführung in traditioneller Bekleidung, musikalischer Untermalung und Lichteffekten. 

Es wird heute auch nicht im Shaolin-Kloster trainiert, sondern außerhalb des Shaolin-Klosters in etlichen externen Kung-Fu-Schulen. Shaolin-Kung-Fu ist längst schon eine gut funktionierende Einnahmequelle für das Shaolin-Kloster. Die Romantik darf man nicht mit der Realität verwechseln. Auch wenn einem die Romantik besser gefällt. 

Letzten Endes ist der Mensch selbst auch die Grenze des für ihn Machbaren. Der Mensch kann Vieles lernen, auch Vieles, was man sich "normal" nicht vorstellen kann. Nur, das kann eben (fast) jeder, wenn er nur engagiert, klug und unbequem sich der Aufgabe des Lernens hingibt. Klug muss man auch sein, um nicht auf Lehrer reinzufallen, welche die Realität verbiegen.

Wer heute "Kung-Fu" lernen möchte, sollte sich über seine Ziele im Klaren sein. In den hunderten Stilen gibt es viele, die gar nichts mit Kampf zu tun haben, solche die rein traditionelle Stile sind, solche die sogenannte "innere" oder "äußere" Stile sind, solche die gemischte Stile sind, solche die den puren Kampf gegen einen Angreifer im Sinne des Kriegers trainieren, solche die den Kampf im Sinne der Selbstverteidigung/Notwehr anstreben.... Kein einziger Stil beherrscht alles (muss er auch nicht). Und jeder Stil ist in "seiner" Disziplin der Spezi, weil er sich auf genau das konzentriert.

Die GuteKKFeh

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Der größere Feind - in vielen SV-Situationen - scheint mir Naivität zu sein. Naiv zu handeln verschlimmert das Ganze, meist sehr schnell.

A: Wie kommt es überhaupt zu einer derartigen Situation? Man kann das Entstehen solcher "prolligen Anmache" im Ansatz vermeiden, indem man den Situationen keinen Raum gibt (Vermeidung in den Anschein einer Opferrolle zu kommen - das kann man sogar trainieren). 

B: Gesichter kann man sich merken. Man kann in solchen Situationen direkt die Polizei rufen, den Bedrohungs-Sachverhalt zur Anzeige bringen, die "Behörden" auf solche Personen aufmerksam machen. Das sollte man IMMER tun, sonst wird der Freiraum für solche Leute immer offener.

C: Eine konkrete Selbstverteidigungssituation liegt hier (noch) nicht vor. Hier handelt es sich um eine "Androhung" von Gewalt mittels Waffe. Dies ist zwar strafrechtlich relevant, aber keine SV-Situation. Man sollte hier besonnen reagieren, deeskalierend sich aus dem Bereich der Personen entfernen und sofort die Polizei umfassend informieren.

D: "Verteidigungsmittel" (aktive o. passive Waffen) sind "Waffen" und dürfen NUR dann eingesetzt werden, wenn es tatsächlich zu einer SV-Situation kommt. Was eine Situation ist, die Selbstverteidigung nach dem Gesetzt rechtfertigt, ist im Gesetzt recht eindeutig beschrieben. SV ist gerechtfertigt bei einem BESTEHENDEM oder ANDAUERNDEM Angriff auf schützenswerte Güter (z.B. auf körperliche Unversehrtheit, bei Freiheitsberaubung, Raub, gegen das Eindringen in Deine Wohnung... etc.). 

Ein Angriff besteht nicht erst dann, wenn die AngriffsBEWEUNG schon ausgeführt wird, sondern auch, wenn der Angriff UNMITTELBAR bevor steht. Das heißt: Man muss einen Angriff nicht erst hinnehmen, man kann ihn direkt behandeln, die NOTWENDIGE Handlung ausführen, den unmittelbaren Angriff zu unterbinden. Was nun aber genau ein "unmittelbar bevorstehender" Angriff ist, das wird weder im Gesetzt klar definiert, noch gibt es hierzu eindeutige rechtssichere Aussagen. Das unterliegt in dem meisten Fällen der subjektiven Entscheidung der Richter.

Und hier kommt jetzt Dein "Verteidigungsmittel" ins Spiel. Denn wenn Du ein solches führst, vielleicht sogar eines, das speziell und nur für SV-Zwecke hergestellt wird (Gaswaffen, Schlagstöcke, Messer...) wird dieses in aller Regel dazu führen, Dir einen gewissen Vorsatz zu unterstellen, dieses Mittel auch einzusetzen. Der vorsätzliche Einsatz von Waffen ist aber nicht über das Recht zur Selbstverteidigung gerechtfertigt.

Natürlich ist es erlaubt, bestimmte Gegenstände mit sich zu führen, um sich "im Notfall" auch zu verteidigen, nur hängt die Beurteilung Deiner Motivation dazu auch wieder in der Macht der Gutachter in der Rechtsprechung und wird auch von Deinem Charakter abhängig gemacht, von bekannten Auffälligkeiten etc. Du bist also noch nicht aus der Sache raus, nur weil die Verteidigungswaffe ein vielleicht erlaubter Gegenstand ist. Aus der Sache bist Du erst raus, wenn es eindeutig ist, das es sich TATSÄCHLICH um Notwehr gehandelt hat. Da spielen auch Zeugen eine Rolle, Aussagen Dritter, die die Sache "irgendwie" mitbekommen haben.... Eine nicht wirklich sicher Sache. 

Mein persönlicher Ratschlag: Führe keine Gegenstände mit Dir, die eine reine Waffe sind. Zur SV kann auch ein großer Schlüsselbund dienen, eine "schnittsichere" Tasche (man darf durchaus kreativ sein). Aber in erster Linie ist es Deine Verhalten, das Dich im Fall der tatsächlichen SV schützt. Hierzu solltest Du Dich fachkundig informieren, vielleicht auch ein Training durchlaufen, um Dich auf solche Situation vorbereitet. Denn auch wenn Du ein "Verdeidigungsmittel" haben solltest, solltest Du damit "nur gekonnt" hantieren, ansonsten ist es für Dich selbst schnell eine größere Gefahr, als für den (die) Angreifer.


Die GuteKKFeh


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Ja, es gibt hohe Tritte im Wing Tsun. Tritte aus aufrechtem Stand bis zum Kopf. Allerdings werden diese weniger trainiert weil sie für die Praxis in einer SV-Situation kaum relevant sind. Die Tritttechniken im Wing Tsun sind stark spezialisiert und werden in einer Weise ausgeführt, welche die ansonsten aufrechte Kampfhaltung nicht unterbricht. Sie können fast ansatzlos erfolgen. Tritte werden beispielsweise in der Holzpuppenform (eine Trainingsform an einer sogenannten Holzpuppe) geübt, wie auch in den Soloformen (o. Trainingspartner) oder im ChiSao-Training (dem Fühltraining des WTs mit Trainingspartner).

Shaolin-Kung-Fu ist in Gegenüberstellung zum Wing Tun wesentlich akrobatischer. Die Bewegungen im WT sind räumlich eng, alle Bewegungen sind auf kurze, schnelle Wege ausgerichtet. Wenn Du mehr den akrobatischen Bewegungen abgewinnen kannst, als der auf Anwendung spezialisierten "kleinen" Bewegungen des Wing Tsuns, solltest Du zum Shaolin gehen. Wenn Du eher auf praktische Anwendbarkeit wert legst, solltest Du vielleicht zum WT gehen. Mache am besten in beiden Bereichen ein Probetraining in einer Schule, die den jeweiligen Stil kompetent unterrichtet. Dann fällt Dir die Entscheidung sicherlich einfacher.

Die GuteKKFeh

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wing tsun- erfahrungen und meinung?

Ich bin auf der Suche nach einer Kampfkunst, die Spaß macht, aber auch effektive selbstverteidigung ermöglicht. es geht mir nicht um Wettkämpfe, Deshalb habe ich Kampfsport erstmal für mich ausgeschlossen.. nach längerer Recherche kamen so ein Paar Stile in Frage. Mein Favorit aus der Recherche war JKD, leider habe ich keine Schule in meiner Nähe, die diesen Stil unterrichtet. Daher bleiben für mich persönlich noch Krav Maga und wing tsun übrig. Krav Maga bekommt was Effektivität und Effizienz angeht sehr hohen Zuspruch, was beim wing tsun eher bestritten ist.. Deshalb meine Frage; hat jemand Erfahrungen mit Wing tsun unter Beachtung von Effektivität und Effizienz? Wird beim wing tsun realitätsnah trainiert(mit sparring)? Realitätsnah ist hier bezogen auf einen Angriff auf der Straße. Kann man sich mit wing tsun auf der Straße wirklich gut verteidigen? wenn ja, muss man dafür schon viele Jahre dabei sein ? das hängt natürlich auch immer von einem selber ab, aber dennoch könnte man ja allgemein sagen ob wing tsun auf der Straße Anwendung finden würde. Sorry das ich so ausführlich frage, aber ich habe einfach viele verschiedene Dinge über Wing tsun gelesen, grade was die Anwendung auf der Straße angeht.. wichtig wäre mir also zu wissen: könnte man bereits nach 4-6 Monaten erste Erfolge erzielen und Techniken drauf haben, die einem auf der Straße einen Vorteil geben würden? und wie Realitätsnah wird wing tsun trainiert.. geht es da eher um die traditionelle Kampfkunst oder wird im Training auch wirklich auf unberechenbare Angriffe unter stresssituationen vorbereitet? ich hoffe mir kann da jemand helfen und danke im Voraus für eure Antwort :)

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Hallo Danny187,

Wing Tsun (auch Wing Chun (WC), VT, YT...etc. geschrieben) ist entsprechend seiner Ziele genau für Selbstverteidigungssituationen aller Art entwickelt worden. "Das Problem" ist, dass Selbstverteidigung (SV) in vielen "Köpfen" anders erwartet wird, als sie sich in realen Situationen gestaltet. So kann es vorkommen, dass Erwartungen sich nicht mit der Realität deckt, die im Training erlebt wird. Z.B. ist "Sparring" eher ein Training für Kampfsportarten, technisches Training und Verhaltenstraining eher für SV. Beides ist gut und beides ist wichtig. Nur, will man sich "austoben" ist das etwas Anderes, als wollte man "lernen". So kann Sparring zwar an sich eine gute Trainingsmethode sein, falsch angewendet "verlernt" man schneller, als einem lieb ist, das, was man im technischen Training anstrebt.

SV ist weder "sportiv", "schön", "elegant" oder "stilistisch sauber". SV ist das tatsächliche Überstehen müssen (wollen) irgend welcher ganz und gar nicht kooperativen und i.a.R. fern jeder Erwartung sich ereigneten Angriffe.

Kampfsportarten - welcher Art auch immer - unterliegen sportlichen Regeln, nach deren Inhalten (Gebote/Verbote) trainiert wird. Z.B. trainieren Boxer keine Tritte, infolgedessen auch nicht, wie Tritte abzuwehren sind. Auch trainieren sie nicht, sich am Boden liegend gegen Tritte zu verteidigen. Ringer hingegen trainieren nicht mit dem Ellenbogen anzugreifen, folglich auch nicht, sich gegen solche Angriffe zu Verteidigen. Hierdurch wissen Kampfsportler auch, wie "ihr Gegner" sich verhalten wird. DAS gilt für ALLE Kampfsportarten. Manche Kampfsportarten sind weniger reglementiert (einschränkend) als andere. Aber alle haben den Fokus darauf, innerhalb ihrer Spielregeln gut zu sein. Das wird trainiert.

Das heißt nun aber nicht, dass sie sich nicht auch verteidigen könnten, wenn es zu einem "Fall" käme. Sie haben gegenüber dem üblichen Angreifer den sehr großen Vorteil, (hoffentlich) gut trainiert zu sein, sind fit und haben Kräfte und Techniken, die sie einsetzen können, auch außerhalb ihrer gewohnten Übungen.

KampfKUNST-System habe eine ganz andere Orientierung. Hier geht es nicht um Sport, nicht um Wettkampf, nicht um olympische Medaillen, sondern "um das System selbst". Es wird Perfektion im Sinne des Systems angestrebt. Manche KK-Systeme haben den Fokus darauf gelegt, das System rein traditionell zu betreiben, vermeiden es, das System zu verändern. Sie wollen das System, so wie es ist, erhalten, wollen als Person möglichst perfekt die Bewegungen und Techniken des Systems beherrschen.

Als KK werden dann auch solche Systeme bezeichnet, die "die Kunst" nicht primär in der Tradition und Systemerhaltung sehen, sondern darin, die Prinzipien des Systems (die eigentlichen Ziele) immer weiter zu verfeinern, das Training dahingehend auszurichten, dass die Ziele des Systems möglichst gut erreicht werden. Sie folgen nicht zwingend der Tradition von vorgegebenen Trainingsmethoden wie starren Formen oder Techniken, sondern orientieren sich an der Funktion, die eine Bewegung haben muss, um erfolgreich zu sein. Dazu werden zuweilen auch Trainingsmethoden modernisiert, verändert, werden überholte Sichtweisen revidiert oder neue Trainingskonzepte eingebracht. 

Wing Chun (WT, WC, YT... etc...) wird unterschiedliche betrachtet. Manche Vertreter sind eher Traditionalisten, manche sind eher Forschende, die das System auch heute noch (o. gerade heute) den akuten Anforderungen an aktuelle SV-Notwendigkeiten anpassen. SV-Fähigkeiten vermitteln auch die Traditionalisten, da das System an sich darauf ausgerichtet ist. Die verschiedenen Linien des WingChuns haben sich in den letzten 70 Jahren sehr unterschiedliche entwickelt. Wenn man WingChun (WT, VT, YT....) lernen möchte, sollte man sich auch darüber im Klaren sein, mit welchem persönlichen Anspruch man überhaupt sein Training betreibt und danach auch die Linie wählen, in der man in den folgenden Jahren seine Freizeit einbringt. Nur sehr wenige Linien werden hoch professionell betrieben, bieten hierdurch hohe Kompetenzen an und sind international mit vielen Meistern verknüpft. Manche Linien sich Hobbygruppen, die in privater Umgebungen eine Gemeinschaft gebildet haben, um zusammen zu trainieren. Manche gehen ganz eigene Wege, manche kopieren nur, was sie anderswo mal gelernt haben.

Das ist die Spannbreite der Angebote. Natürlich spreizen sich hierbei auch die Kosten. Ich rate Dir dazu, die unterschiedlichen Möglichkeiten in Deiner Umgebung zu besuchen. Rede dort mit den Trainern, auch mit Schülern. Mache Dich vor Ort in den jeweiligen Schulen kundig, das ist besser, als sich nur über das Internet zu orientieren. Letzten Endes muss Du Dich in der Gruppe vor Ort ja auch wohl fühlen.

Dir GuteKKFeh 

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Kurz zu WIng Tsun: 

Im Wing Tsun erlernt man von der ersten Trainingsstunde an ein spezielles VERHALTEN. Es geht primär darum, sich durch ein "besseres" Verhalten in eine Situation zu bringen, aus der heraus man zuverlässig erfolgreich sein kann.

Es geht also nicht darum, "Techniken" zu erlernen, die man erst dann anwenden kann, wenn man sie zuverlässig beherrscht, sondern es geht darum, dass man sich an ein "neues Verhalten" gewöhnt, das eigene intuitive Verhalten gegen ein anderes konditioniertes Verhalten auszutauschen. Alles "Technische" dient dazu, sich immer wieder, immer wieder wiederholend sich im Sinne des System zu verhalten. Aus diesem Systemverhalten heraus "entstehen" alle notwendigen Bewegungen (Techniken).

Es spielt überhaupt keine Rolle, wie lange man "dabei" ist, weil man vom ersten Tag an, genauso wie am Trainingstag  in 4 oder in 8 Jahren man sein Verhalten verbessert/verändert.

Je früher man ein Verständnis für "das richtige" Verhalten entwickelt, desto schneller kann der eigene Körper dieser Prämisse folgen. Manche Schüler haben recht schnell ein Körpergefühl erreicht, aus dem heraus sie sich systemkonform verhalten können. Manche müssen länger daran arbeiten, ihr "altes" Körpergefühl zu überwinden.

Aus diesem Grund ist die Annahme verfehlt, man würde irgend wann, wie beim Eintreten in einen Raum, beim Umlegen eines Schalters, das Ziel erreicht haben, vielleicht nach 2 Jahren, vielleicht nach 10 Jahren. Vielmehr ist es so, dass man mit jedem Training, an dem man an sich und an der Sache konkret arbeitet, sich dahingehend verändert "besser als vorher" zu sein.

Ob das für "den" Kampf auf der Straße reicht.... kann in einem "Fall" schon nach dem 5. Trainingstag sein, kann sein, dass es 2 Jahre später in einem anderen Fall nicht reicht. Es ist in einer Kampfkunst doch nie so, dass man sie wie eine gekaufte Waffe einsetzt, sondern so, dass man "sich selbst" einsetzt, mit dem Können, dass man bis dahin erreicht hat und in der augenblicklichen Verfassung, die einen hilft oder behindert.


Die GuteKKFeh

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