Frage von gartenfee,

woher kommt die redewendung "freitag ab eins, macht jeder seins"?

dies gilt besonders in behörden offensichtlich. es ist nach eins dort so gut wie nie jemand zu erreichen. ich finde das ungerechtfertigt, denn woanders muß man ja auch weiter arbeiten. aber offenbar hält sich diese sitte immer noch.

daher die frage: woher kommt diese regel? wer hat sie erfunden? und warum gilt sie offenbar vor allem im öffentlichen dienst? und was sagt eigentlich das arbeitsrecht zu dieser ungleichbehandlung?

bitte euch, mir zu helfen. google hat mich nicht weiter gebracht.

Antwort von Pantex,
4 Mitglieder fanden diese Antwort hilfreich

Das kommt nicht unbedingt aus dem Öffentlichen Dienst, denn das haben wir schon als normale Arbeiter zu DDR-Zeiten gesagt.

Freitag war (im Normalfall) die letzte Schicht in der Woche, und in den Betrieben wurde auch viel Privatarbeit gemacht. So hatte ich mir in einer Werkstatt einen Gepäckträger fürs Moped selber gebaut, andere haben sich Drechselbänke, Kreissägen usw. gebastelt.

Da freitags die normale Arbeit meist erledigt war, hatte sich ab Mittag jeder mit seinem Privatkram beschäftigt.

Heutzutage müßte man zumindest mit einer Abmahnung und im Wiederholungsfall mit Kündigung rechnen, wenn man sich sowas trauen würde.

Kommentar von Katja1976,

DH - man könnte es auch so umschreiben, das man ab 13 Uhr nichts neues mehr anfängt, und den vielleicht liegengebliebenen Kram der Vorwoche noch "wegarbeitet" ;)

Kommentar von Pantex,

Noch nicht mal liegengebliebenen Kram wegarbeiten.

In einem Betrieb (eine Schuhfabrik) war ich im Rationalisierungsmittelbau tätig, arbeitete also an allen möglichen Maschinen (Drehbank, Fräsmaschine usw.). Und Freitag war da "traditionell" der "Tag der Holzbearbeitung". Da wurden z.B. Blumenbänke, Kerzenständer usw. gedreht, Standfüße für die Blumenständer ausgesägt und auch Wohnzimmer-Regale gebaut.

Mancher hatte Laubsägevorlagen mit und stellte an der Feilmaschine (da konnte man auch Laubsägeblätter einspannen) Schwibbögen her.

Der Technische Direktor, dem wir unterstellt waren, sagte nichts dazu - schließlich hatten wir ihm auch ab und zu was gebastelt. ;-)

Kommentar von susannegunther,

grübel

Kommentar von gartenfee,

ok, ja das verstehe ich, daß man ab eins nichts neues mehr anfängt.

daß mit dem selber basteln in den betrieben zu ddr-zeiten kenne ich auch noch. war aber recht unterschiedlich. dort, wo ich gelernt habe, wäre man vermutlich gevierteilt worden, wenn der chef das mitgekriegt hätte. aber mindestens disziplinarverfahren und so. und öffentlich abbitte leisten. bla. aber von anderswo kenne ich das auch.

Kommentar von Pantex,

Gab es in anderen Betrieben natürlich auch, je nachdem was da für Vorgesetzte waren. Einige Firmen waren da auch streng, in anderen war es einfach unmöglich, Privatarbeit zu erledigen (z.B. in der Stanzerei eines Blechformwerkes).

Antwort von Giebich,
1 Mitglied fand diese Antwort hilfreich

Es war einfach so, ohne dass man den Spruch aufgesagt hat. Die Antworten, die ich bisher las sind schon richtig und stammen aus der jeweiligen subjektiven Erfahrung. Ich kann nur noch ergänzend auf einige Aspekte eingehen. Zu nächst erst mal eine Bemerkung, ich war vom 1. Tage der DDR und schon früher bis zu Ihrem Untergang 1990 im Berufsleben. Die Frage: „Wie war das in der DDR?“, die man mir schon oft stellte, kann man nicht mit einigen Sätzen, selbst nicht in einem Buche, deren es jetzt etliche gibt, beantworten. Die DDR von 1949 war völlig eine andere als die von 1989 bis zur Mauer Öffnung und wiederum völlig nicht vergleichbar das letzte Jahr DDR mit den vorangegangenen 40 Jahren. Eine Mangel Gesellschaft war sie zu allen Zeiten und dennoch unter den Satelliten Staaten der Sowjetunion mit dem höchsten Lebensstandard. Bis 1958 wohl, ich will mich dafür nicht verbürgen, kann auch später gewesen sein, galt die 48 Stunden-Woche mit dem 8-Stundentag. Dass, wenn es irgend möglich war und auch die materielle Basis vorhanden, mußte einfach etwas für den privatbedarf angefertigt werden. So lernte ich als erstes in einer Lehrwerkstatt als Maschinenschlosser (Flugzeugbauer) die Anfertigung einer Tabakschneidemaschine. Dabei wurde Fräsen, Hobeln, Drehen, Bohren, Schweißen in hoher Qualität Metallverarbeitende Fertigkeiten vermittelt. Ab 1955 war ich verheiratet. Meine Frau brauchte ein Kehrblech und einen Feuerhaken. Ich war damals Monteur im Außendienst. Ich fertigte diese notwendigen Dinge an. Das Kehrblech aus Abfällen der Rohrisolation (verzinktes Stahlblech 0,8 mm dick), Feuerhaken aus 8er Rundstahl. Eine Montagebaustelle in jener Zeit ohne Feldschmiede, E- und A-Schweiß aussrüstung war undenkbar. Der Bedarf an Dingen die offiziell nicht zu kaufen waren stieg ständig: UKW – Antennen, Fernsehantennen zum Empfang von West-Fernsehen, um nur einige zu nennen. Das alles verlagerte sich im Laufe der Zeit auf das Wochenende, den Freitag. Die benötigte Arbeitszeit wurde über die „Normerfüllung“ „vorgearbeitet. Es gehörte in jedem Falle eine hohe Arbeitsmoral und großer Fleiß dazu, um sich im Betrieb mit Wissen der Vorgesetzten etwas an zu fertigen. Als leitender Angestellter hatte ich allerdings damit viel Ärger, denn selbst wichtige Schriftstücke wurden Freitags nachmittag nicht mehr angefertigt. Die Damen mußten, wenn sie sonntags was Ordentliches auf den Tisch bekommen wollten, einkaufen, nach Feierabend war die Mangelware weg. Die Post Frau mußte auch schon die Betriebspost bis Mittag erledigt haben. Deshalb hätte es keinen Sinn gemacht, selbst hätte man es gekonnt, Schreibkräfte oder Stenotypistinnen Freitagsnachmittag zu einer betrieblichen Arbeit zu zwingen. Das, bedenke, sind nur einige ergänzende Wahrheiten von damals.

Kommentar von gartenfee,

hey, und warum erzählst du mir hier die ganze ddr-geschichte? meinst du, mich missionieren zu müssen? was soll das?

ich bin selbst in der ddr aufgewachsen. aber was hat das eigentlich mit meiner frage zu tun?

die gschichte mit "freitag ab eins", die gibt es heute noch genauso, und es gab sie auch im "westen". also was soll das hier mit der ddr-geschichte? deine sehr umfangreiche antwort hat mir leider nur wenig weiter geholfen.

Antwort von Praline,
1 Mitglied fand diese Antwort hilfreich

Seitdem Sonnabend frei ist, da ist für viele der Freitag wie ehemals der Sonnabend: 13.00 Uhr Feierabend!

Kommentar von gartenfee,

ach so? wie kommt das? davon habe ich noch nie gehört. schon irgendwann mal, daß es wohl sitte war, auch am samstag zu arbeiten. aber das ist ja wohl schon ewig her(?)

Kommentar von Praline,

Stimmt, fast 50 Jahre her...sagt meine Mutti.

Antwort von anitari,

Behörden haben Freitags generell nur 13 Uhr geöffnet.

Ergo hat das nichts mit Ungleichbehandlung zu tun.

Ich kenne diesen Spruch (eine Regel ist das nicht) schon seit ca. 30 Jahren, also muß er in der DDR erfunden worden sein;-)

Der Spruch geht übrigens noch weiter...

"ab Zehn ist keiner mehr zu sehn"

Kommentar von Pantex,

Das mit dem "Ab Zehn" ist aber nicht von mir. :-D

Kommentar von gartenfee,

komme mit deiner antwort nicht klar, anitari. finde sie in keinerlei hinsicht hilfreich für mich.

  1. die frage hatte ich gestellt, weil am freitag ab 13 uhr keiner mehr erreichbar ist. mir diesen fakt jetzt als antwort zu geben, ist irgendwie wenig hilfreich zur beantwortung der frage.

  2. zu ddr-zeiten kann der spruch nicht erfunden worden sein, denn er gilt ja im westen ganz genauso wie im osten. muß also, vermute ich, irgendwie schon vorher so gewesen sein, wenn die sitte in beiden teilen deutschlands annähernd gleichermaßen usus war.

  3. und "ab zehn ist keiner mehr zu sehn" - was heißt das? zehn abends oder vormittags?

Kommentar von anitari,

"dies gilt besonders in behörden ..." Schreibst geleich im 1. Satz. Behörden haben nun mal Freitags nur bis 13 Uhr geöffnet.

"und "ab zehn ist keiner mehr zu sehn" - was heißt das?" Das heißt das ab 10 Uhr (Morgens), vor allem in der Verwaltung des Betriebes keiner oder nur wenige zu sehen waren. Schließlich mußte ja irgend wann der WE-Einkauf erledigt werden;-) und nach Feierabend waren die Regale im Konsum oder der Kaufhalle meist leer gefegt.

Kommentar von anitari,

Hallo gartenfee, oder meinst Du das die Angestellten bei den Behörden eine kürzere Arbeitszeit haben, weniger arbeiten müssen?

Wenn ja, rechne selbst nach. Mo, Mi und Do je 8 Stunden, Di 10 und Freitag 6 Stunden.

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