Frage von ChiliStrike, 192

Wie gewöhne ich meinem Pferd das zwicken ab?

Mein Pferd ist 7J und ein Wallach (Gidran).. So ist er ja immer lieb aber manchmal, wenn ich mit ihm am Strick gehen übe, fängt er nach einiger Zeit an mich zu zwicken... Als ob er mir sagen will " ich will jetzt nicht mehr, ich will lieber fressen oder so" Er lebt auf einer 2 ha Wiese mit einem großen Pferd und 2 Ponys.... Er kann in den Stall und fressen, wann immer er will aber wenn ich mit ihm üben will und wir schon ca 10 min (verschiedene Sachen) am Strick üben, rennt er mir hinten auf und schnappt bzw zwickt mich... nicht bösartig aber ich weiß trotzdem nicht wie ich ihm das abgewöhnen soll. .. Ich habe schon viel gelesen was man machen könnte jedoch nichts hilfreiches gefunden... Er weiß eigentlich ganz genau, dass er das nicht machen soll, weil sobald ich mich zu ihm drehe hört er auf aber wenn ich wieder weiter gehe, will er mich wieder zwicken... Hat er keinen Respekt vor mir oder ist er nur verspielt? Es ist ja jetzt kein extremst bösartiges Zwicken... manchmal schleckt er mich davor ab oder nuckelt an meinem Handgelenk und dann zwickt er mich...

Manchmal macht er das auch wenn ich mit ihm reite dann versucht er mir in den Unterschenkel zu zwicken(da schleckt er aber nicht), da ist es eher so, dass es ihm nicht passt TT ... Kann ich ihm das irgendwie abstellen? Was soll ich machen, das Verhalten ignorieren? Schlagen tue ich ihn nicht, hin und wieder bekommt er einen leichten klaps auf die Schnauze und für die, die glauben das er sich dann nicht mehr streicheln lasst, ich kann euch beruhigen er liebt es wenn man ihn auf der Schnauze/Nase streichelt aber wenn er halt zwickt dann weiß er auch das er das nicht soll, tut es dann aber trotzdem -_-, Er ist vom Charakter her sehr frech aber manchmal ist das auch nicht ungefährlich, weil er seine Stärke nicht so gut einschätzen kann...

Naja ich habe mir schon viele Bücher zugelegt und sie auch gelesen aber was das betrifft komme ich einfach nicht weit....

Sorry das ich so einen langen Text geschrieben habe.... ^^'

Antwort
von sukueh, 89

An deiner Stelle würde ich mir von einem Horsemenship-Trainer mal helfen lassen, wie du das am besten abstellst.

Meiner Meinung nach sollte man sich  bei so einem Verhalten nicht selbst mit "er macht es ja nicht aus Bösartigkeit" "beruhigen", denn wie du selber schreibst, es kann gefährlich werden. Viele Unfälle mit Pferden passieren meiner Meinung nach genau aus diesem Grund. Ist mir selber mit meiner Jungstute in meinen Anfangsjahren auch so gegangen. Ich wollte mit ihr Führtraining machen, darauf hat das Pferd aber nach kurzer Zeit keine Lust mehr. Also hat sie nach mir geschnappt. Während ich noch "erschüttert" darüber war, dass das Pferd sowas mit mir macht, obwohl ich doch immer "lieb" zu ihm war, stand sie plötzlich auf zwei Beinen vor mir, weil ich natürlich ihr Warnsignal damals nicht als solche betrachtet habe und sie aufgrund ihres Alters noch nicht wirklich so erzogen war, dass sie gewusst hätte, dass sie das nicht darf. Ich hab damals riesiges Glück gehabt und bis auf eine Platzwunde am Kopf ist mir nichts passiert. Hätte sie mich mit ihrem Huf aber ein bißchen woanders getroffen, hätte es gut sein können, dass ich keine Antwort mehr auf deine Frage hätte geben können. 

Insofern würde ich dieses Schnappen heutzutage jederzeit energisch unterbinden. Und zwar so, dass das Pferd auch kapiert, dass es das nicht zu tun hat. Niemals. Unter gar keinen Umständen. Wenn du Glück hast, hast du ein "Schaf-Pferd", was niemals den nächsten Schritt in seinem Verhalten weitergehen wird, wenn du Pech hast, wird dein Pferd auf der Skala des "erlaubten" immer weiter - teilweise unbemerkt - immer einen weiteren Schritt in Richtung "ich mach was ich will" gehen... 

Mein eigenes Pferd ist auch einer, der gerne mit seiner Oberlippe alles untersucht, leider kommen nach der Oberlippe auch gerne mal die Zähne. Meine Konsequenz: ich lass mich von ihm auch nicht mit den Lippen "begrabbeln". 

Das Verhalten deines Pferdes würde ich als eine Mischung aus Verspieltheit und mangelndem Respekt bezeichnen, an der du aber dringend arbeiten solltest, um zumindest den fehlenden Respekt in den Griff zu kriegen. Wie in meinem Beispiel erwähnt, mein Pferd wollte mich damals ja auch nicht "bösartig" angreifen, sie hat mir nur auf Pferdeart mitgeteilt, dass sie das jetzt nicht will. Als Mensch befindet man sich bei einer derartigen Situation halt in der Regel hoffnungslos im Nachteil. Und diesen Nachteil gilt es eben durch konsequente Erziehung auszugleichen. 

Den Rat mit einem Horsemenship-Trainer gebe ich deshalb, weil man das richtige Timing und die Art und Weise des sich Respekt Verschaffens auch erst lernen muss. Bücher sind da ebenso schlecht, weil sie in der Regel nur Momentaufnahmen zeigen. Was aber ist zu tun, wenn sich dein Pferd nicht "Buch-gerecht" verhält, sondern eine abgewandelte Form des beschriebenen Verhaltens zeigt. Wie reagiert man dann korrekt ? Und das zeigt einem eben am besten der Trainer vor Ort ! Der Trainer kann auch ein Stallkollege sein, der mehr Erfahrung als man selber mit der Erziehung / Umgang von Pferden hat. 

In der heutigen Zeit ist leider sehr viel "altes Wissen" zugunsten von "Wendy-tum" verloren gegangen - das Ergebnis kann man ja leicht hier an den täglich gestellten Fragen ablesen. 

Expertenantwort
von MissDeathMetal, Community-Experte für Pferde, 52

Egal ob bösartig oder nicht, zwicken geht gar nicht! Mit 7 befinden sie sich noch in der Flegelphase und probieren sich und ihre Grenzen aus. Gerade jetzt ist es wichtig Konsequenz zu zeigen und das Pferd ordentlich zu erziehen. Lässt du ihm das so durchgehen hast du in ein paar Monaten ein Pferd, das auch bereit ist richtig zuzubeißen und dann hast du keinen Spaß mehr. Ich kann dir aus Erfahrung sagen, dass Pferdebisse extrem schmerzhaft sind und dass Pferd in der Tat fähig sind ganze Fleischstücke aus der Haut zu reißen wenn sie wirklich zupacken. Das ist sehr, sehr gefährlich für alle, die mit dem Pferd arbeiten. Und das dann aus dem Pferd wieder rauszubekommen ist nicht nur teuer und nervenaufreibend, sondern auch nicht sehr schön. 

"Mal einen Klaps" finde ich persönlich zu wenig. Wenn mich ein Pferd zwickt dann bekommt es eine gescheuert, so leid es mir tut. Und einen Schrei lass ich dabei meistens auch los, damit der auch wirklich checkt, dass das gar nicht witzig ist. Da kann ich sehr, sehr unangenehm werden, denn das geht einfach nicht. Ob "lieb" oder "nicht lieb". 

Allerdings liegt die Schuld bei dir, dass es soweit kommt. Du musst schon sehr viel durchgehen lassen haben dass sich das Pferd sogar traut beim Reiten in dein Bein zu schnappen! Da würde es bei mir gleich eine mit dem Zügelende übergebraten bekommen ... das würde der einmal machen und dann nichtmehr. Auch wenn das nicht gerade freundlich klingt: Du hast es durchgehen lassen und warst unaufmerksam und inkosequent. Das Pferd meint, es darf das jetzt. Das wieder abzutrainieren und dem Pferd zu verbieten ist natürlich nicht schön und erfordert manchmal auch härteres Durchgreifen, denn immer belohnen wenn er es nicht tut ist auch nicht richtig. Dass das Pferd jetzt so überraschend "neu erzogen" wird findet es sicherlich nicht toll, aber das hast du dir selbst zu verdanken. 

Wenn dein Pferd dir in den Nacken zwickt wenn es hinter dir geht, dann lass es erstmal nur noch neben dir laufen. Dann hast du seinen Kopf im Blick. Wenn die Nase rumkommt zum Zwicken, dann bekommt er gleich einen Ruck am Strick und ein scharfes "Nein!". Von hinten aufrennen darf gar nicht erst passieren, dann musst du aufmerksamer sein und das von vornherein unterbinden! Bpsw wenn du ihn rückwärtsrichtest BEVOR er dich zwickt. Der Gedanke reicht, und du schickst ihn weg um Distanz zu schaffen. Nach dem Zwicken durch Rückwärtsrichten zu bestrafen ist eine ganz falsche Richtung. Das muss vorher passieren. Er darf dich auch nicht umnieten, v.a. dann nicht wenn er seine Kraft nicht unter Kontrolle hat. Das ist sehr, sehr gefährlich, für dich und für alle anderen die irgendwie in Kontakt mit ihm kommen! 

Dein Pferd muss lernen dass du einen Privatradius hast, in dem er nichts zu suchen hat. Wenn er dich abdrängt oder einengt, dann musst du dir sofort und mit aller Konsequenz wieder Platz verschaffen! Ein normaler Radius wäre hierfür cirka ein Meter Abstand. Wenn wieder mehr Vertrauen da ist sind auch 50cm i.O. aber für die jetzige Situation sind 1m Minimum! Und du musst Respekt einfordern. Er hat dich nicht zu zwicken, du zwickst ihn ja auch nicht einfach so? Geht nicht, vorher unterbinden und notfalls auch mal heftig zurückweisen. Das wird er jetzt sicherlich gar nicht toll finden, denn du nimmst ihm dadurch Rechte, die er sicher geglaubt hat. Würde mich nicht wundern wenn er dann mal "erst Recht" schnappt oder gar auskeilt. 

Für mich klingt das einfach nach einer viel zu laschen Erziehung. Keine Konsequenz, kein Respekt vor dem Menschen und es wird alles durchgehen lassen. Mein Rat wäre wirklich, dass du dir einen kompetenten Reitlehrer oder Trainer suchst, der dir im Umgang hilft und der dir direkt zur Seite steht. Denn wenn das so weitergeht hast du in einem Jahr ein "Problempferd" am Hals, das beißt und einen über den Haufen rennt. 

Antwort
von FelixFoxx, 70

Dieses Pferd hat keinen Respekt vor Dir, sei immer(!) konsequent, egal was Du mit dem Pferd machst. Wenn er Dich das nächste mal zwickt, dreh Dich abrupt um, greif ihm in die Nüstern, schimpfe laut mit ihm und schick ihn anschließend rückwärts von Dir weg. Wenn Du vorher schon merkst, dass er Dir in Deinem Rücken näher kommt, dann wedle mit Deinen Armen, denn das ist beim Führen Dein Bereich.

Kommentar von Sandokan5 ,

Ein join-up ist eine art vertrauensgewinn. Ich erkläre es dir ein andermal, hab grad wenig zeit. Aber die erklärung kommnt noch, spätestens am dienstag. Liebe Grüße

Kommentar von FelixFoxx ,

Ein Join-Up ist für die Vertrauensbildung absolut kontraproduktiv! In freier Natur jagt der Überlegene/Ranghöhere den Rangniedrigen weg und er kann fliehen. Im Roundpen funktioniert das aber nicht, also hat das Pferd keinen Ausweg, als bis zur Erschöpfung zu laufen. Es unterwirft sich dann, ist quasi gebrochen, aber Vertrauen hat es deshalb nicht. Vertrauen kommt durch den steitgen Umgang mit meist liebevoller Konsequenz und sehr gute Kenntnisse über Pferdeverhalten.

Antwort
von silent99, 41

Hey mein Pony hat auch immer gezwickt wenn er Langeweile hatte ich hab mich einfach mehr ( intensiver ) mit ihm beschäftigt gib ihm was zu tun mach immer abwechslungsreiche Aufgaben mit ihm er wird sich bestimmt bessern aber erwarte nicht das es,gleich nach einem Tag funktioniert

Lg 😉 

Expertenantwort
von Baroque, Community-Experte für Pferde, 52

Pferde sind nicht "lieb" oder "nicht lieb", das sind vom Menschen fälschlicherweise auf's Pferd übertragene Emotionen.

Pferde akzeptieren ihren Menschen entweder als jemanden, dem sie sich gerne anschließen, der ihnen die "Idee" gibt, er ist schlauer und kann besser für ihrer beider Sicherheit sorgen als es selbst ... oder sie stellen fest "ach, der Mensch ist ganz nett, aber Ahnung, wie das Leben läuft, hat er nicht wirklich" ... oder sie unterstellen dem Menschen noch weniger Kompetenz bis hin zu "mit dem will ich nichts zu tun haben".

Dem Pferd zeigen, dass man Chef ist und das auch noch berechtigt, erfordert mehr als nur konsequentes Handeln, jede Mimik, jede Gestik, Deine Atmung und vieles mehr muss genau dieses auch ausstrahlen. Deshalb ist unbedingt zu einem Trainer zu raten, der Dich bei Deinen Handlungen in Gegenwart des Pferdes beobachtet und im richtigen Moment erkennt, was das Pferd veranlasst, Dich für nicht ganz voll zu nehmen.

Antwort
von Lucy1352, 77

Hi,

Du könntest auch immer wenn dein Pferd dich zwickt dich zu ihm drehen und es rückwärts schieben. Das hat bei meinem pony sehr schnell funktioniert und auf der Weide klären die das meist auch so.

Kommentar von ChiliStrike ,

Das mache ich schon aber trotzdem danke :)

Kommentar von Lucy1352 ,

Kp, dann weiter viel Glück! 

Kommentar von MissDeathMetal ,

ihn zurückschieben wenn es schon zu spät ist, ist für das Pferd nicht wirklich logisch. Pferde richten sich nicht rückwärts, sie drängen sich vllt ab und verjagen den anderen. Aber ich habe noch kein Pferd gesehen das ein anderes gezielt rückwärtsgehen lässt. Die Distanz musst du schon vorher schaffen, nicht erst wenn es zu spät ist. 

Kommentar von Lucy1352 ,

Dann musst du mal unsere Pferde auf der Wiese beobachten, wenn unserem Chef etwas quer kommt stellt der sich vor den anderen und schiebt ihn zurück. 

Kommentar von sukueh ,

Das stimmt schon, in der Regel hat der Herdenchef aber vorher schon anderweitig gezeigt, dass er gleich quer kommen wird. 

Ein Muskelzucken oder ein Schritt in die Richtung des anderen Pferdes...

Antwort
von Sandokan5, 68

Hat er Vertrauen zu dir? Versuch es erst mal mit Vertrauen, denn das ist die grundlage. Mache ein join-up mit ihm. Dann versteht er, das du jezt dar chef bist. beim Reiten könntest du es mit Ausbindern versuchen, und diese langsam und mit Zeit (ein, zwei Wochen) länger machen.

Kommentar von ChiliStrike ,

Ja er vertraut mir sehr er ble8bt auch liegen wenn er schlaft und ich zu ihm gehe.... was meinst du mit join-up? :)

Kommentar von sukueh ,

Kein Join-up.... Das ist eine  Trainingsmethode, die entwickelt worden ist, um mit Wildpferden zu arbeiten. Für unsere "Hauspferde" absolut die falsche Methode. 

Und wenn man schon glaubt, man bräuchte dennoch ein Join-up sollte man dieses bitte einem Profi überlassen, der wirklich Ahnung hat von dem was er tut. 

Die meisten haben doch nur mal was von Join-up gelesen und probieren dass dann mal aus. Ohne Ahnung zu haben, ob ihre Körpersprache dem angemessen ist, was sie mit dem Pferd tun und können auch die Körpersprache des Pferdes nicht ausreichend lesen, um angemessen zu reagieren....

Und statt Ausbinder beim Reiten: Einfach nach vorne weiterreiten... 

Meiner hat das auch manchmal gemacht, dass er nach hinten geschaut hat, glücklicherweise aber nie dabei gebissen.... normalerweise macht er das ja, wenn ihr steht, oder ? Dann einfach weiterreiten. Dann hat er keine Zeit mehr, nach hinten zu schauen. 

Mit Ausbindern "bindest" du ihn ja nur in eine Körperhaltung fest, wo ihm das Verhalten nicht möglich ist, an der Ursache änderst du aber nichts....

Kommentar von Sandokan5 ,

Ich mache das Als Hobby, ich habs nicht einmal so gelesen. Ich hab das gelernt, ich korrigire Pferde die Traumatisiert worden sind.

Antwort
von AkiraTakizawa9, 97

Indem du die "domina" raushängen lässt und dem Pferd zeigst das du der boss bist. Bestraffen oder laut werden ist z.b. ein weg das "revier zu makieren" :))

Antwort
von Sommerlan, 84

Es brauch zwar seine zeit aber du kannst dir die Handfläche mit Knoblauch einreiben und immer wenn es sich äußert ihm kurz auf die Nase klopfen achte nitte darauf das du ihn nicht dabei verletzt1

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