Frage von JonasLehberg, 74

Was ist bei der Bleiacetatherstellung schief gegangen?

Wir haben heute in einem Chemischen Experiment Bleiacetat herstellen wollen. Dazu haben wir ca. 6 Bleistücke, alle etwa 1mm dick, 3mm breit und 5mm lang, in 20-prozentiger Essigsäure erhitzt. Wir haben das so lange gemacht bis der Essig gesiedet hat und schließlich immer mehr verdunstete. Die Bleistücke haben sich jedoch nicht aufgelöst, weshalb wir Essig nachgefüllt haben. Insgesamt 4-5 mal da er immer wieder verdunstete beim Sieden, sich das Blei jedoch nicht auflöste.

Schließlich gaben wir nach dem 5 mal Nachfüllen auf. Die Bleistücke sind nur etwas heller geworden, aber auf keinen Fall zu Bleiacetat. Nachdem wir den Restessig mit dem Stücken weggeschüttet haben, viel uns im Gefäß ein ganz leichter und kleiner weißer Rückstand auf. Könnte das Bleiacetat gewesen sein? Aber wieso hat sich das Blei nicht aufgelöst?Wir haben es fast 20 Minuten gekocht und trotzdem passierte nichts. Was müsste man anders machen, dass der Versuch gelingt?

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von indiachinacook, Community-Experte für Chemie, 53

Das ist ungefähr das, was ich erwartet hätte. Die Essigsäure ist viel zu schwach, um metallisches Blei aufzulösen.

Das Redoxpotential von Blei ist nur schwach negativ

Pb²⁺ + 2 e⁻   ⟶  Pb       E₀=−0.13 V

Das Wasserstoffpotential beträgt natürlich exakt 0 V

2 H₃O⁺ + 2 e⁻   ⟶   2 H₂O + H₂

aber das nur bei pH=0, und pro pH-Einheit nimmt es um etwa 58 mV ab, IIRC. Verdünnte Essigsäure hat einen pH zwischen 2 und 3, das ergibt grob ein Redoxpotential von E≈−0.15 V, also kommt das in denselben Bereich wie beim Blei, und man muß allerhand Details berücksichtigen (Aktivitäten, Löslichkeiten, Mondphasen), um herauszufinden, ob die Reaktion noch abläuft — ich würde davon ausgehen, daß sie es eher nicht tut.

Bleiacetat macht man, indem man das Blei in einer starken Säure löst (eigent­lich kommt nur HNO₃ in Betracht, weil Bleichlorid und -sulfat schwer­lös­lich sind), dann das Hydroxid ausfällt, abfiltriert und in Essigsäure auflöst.

Antwort
von KathiKeinstein, 61

Waren die Blei-Stücke denn blank poliert, d.h. glänzend? Eine (trübe oder sogar dunkle) "Passiv-Schicht", die durch Oxidation an der Luft entsteht, kann die Reaktion mit der Säure behindern. Falls das der Fall ist: Bleistücke beim nächsten Mal polieren!

Ansonsten: Gleiche Menge Blei in kleineren Stücken einsetzen (gibt eine grössere Angriffsfläche für die Säure), oder/und länger "kochen" (in einer Apparatur mit Rückflusskühler - wenn vorhanden - kann man sehr lange kochen, ohne dass die Komponenten unrettbar verdampfen!).

Der weisse Rückstand könnte durchaus Bleiacetat gewesen sein - eine Nachweis-Reaktion auf Blei-Ionen könnte das ggfs. bestätigen. 

Kommentar von JonasLehberg ,

Die Stücke waren weißlich glänzend. Wir haben sie frisch abgeschlagen, weshalb ich eine Bleioxidschucht ausschließen kann.

Ist es schlecht, wenn man die Essigsäure immer nachfüllt, weil dann Teile verdunsten oder ist das egal?

Kommentar von KathiKeinstein ,

Essigsäure nachgeben ist grundsätzlich nicht verkehrt - nur unpraktisch, wegen des Materialverbrauchs und dem "Duft" der sich stetig verteilenden Dämpfe.

Ich habe die Redox-Potentiale vorhin in der Eile nicht nachgeschlagen - aber wenn die Zahlen von Indiachinacook stimmen, wird die Ausbeute da tatsächlich nicht besonders hoch werden, wenn man keine aufwändigen apparativen Tricks anwendet.

Aus diesem Grund wird wohl in vielen Vorschriften für die Herstellung von Bleiacetat von Blei(II)oxid statt elementarem Blei ausgegangen (was im Prinzip aufs Gleiche hinaus laufen dürfte wie mit dem Hydroxid von Indiachinacook).

Antwort
von anwesende, 60

Hi,

du kannst stundenlang auf den Brocken rumkochen, ohne daß die sich vollständig auflösen.

vermutlich hat der Versuch aber geklappt. Nur halt nicht in der von dir durchgeführten Weise mit dem von dir erhofften Ergebnis (Menge).

Wenn du drüber nachdenkst, was wohl besser brennt, ein dicker Ast oder ein Haufen Zahnstocher, dann kannst du auch zu der Überlegung kommen, warum Blei als Pulver vielleicht besser geklappt hätte.

m.f.G 

Kommentar von ThomasJNewton ,

Trotz allem, was richtig ist, Thema verfehlt.

Blei ist zwar kein Edelmetall, aber nur ganz knapp davor.
Das ist der Grund, wie erläutert.

Kommentar von anwesende ,

Schon mit einem kurzen Blick in die elektrochemische Spannungsreihe und in die Definition von Edelmetallen wirst du selbst feststellen, wie unsinnig das Gefasel über Blei als "quasi-edles" Metall ist. Es ist noch nicht einmal ein Halbedelmetall, sondern ganz klipp und klar unedel und wird als solches daher bereits von nicht-oxidierenden Säuren angegriffen. 

Ich bleibe daher bei meiner Antwort, daß die visuelle Bewertung der Brocken als Reaktionskontrolle vollkommen ungeeignet ist und werde dem Fragesteller auch mit Sicherheit nicht eine Anleitung geben, wie er eine giftige Substanz im nennenswerten Maßstab erzeugen kann. Auch auf dem Niveau eines Chemiebaukastens lassen sich Spuren von Bleisalzen gut nachweisen, eine größere Menge ist weder nötig noch verantwortbar. Oder weiß irgendjemand hier, was der Fragesteller mit größeren Mengen hätte anstellen wollen? Immerhin schmeckt das Zeug süss.......

Ich würde mir an eurer Stelle erst mal Gedanken machen, warum der gleiche Fragesteller das Zeug in offensichtlich größeren Mengen in der Apotheke kaufen will.....

m.f.G.

Kommentar von JonasLehberg ,

Tatsächlich handelt es sich dabei im ein chemisches Experiment im schulischen/forschenden Rahmen. 

Und das Bleiacetat zu kaufen wäre dafür nötig gewesen um es nachzuweisen, da (wie die Frage wohl eindrucksvoll zeigt) sich kein Erfolgt bei der Herstellung einstellte.

m.f.G

Kommentar von anwesende ,

Da du nicht einmal einen Versuch unternommen hast, etwas nachzuweisen, belegt dein Kommentar lediglich eindrucksvoll, daß du keine der Antworten durchgelesen hast. Und die Unsinnigkeit, sich etwas zu kaufen, das man nachweisen will, erschließt sich mir auch nicht wirklich. Aber sei ´s drum:

Noch einmal: nimm einmal einige Zinkgranulate und etwas verdünnte Salzsäure (sogenannter Kipp´scher Apparat) und du wirst feststellen, daß du tagelang Gasentwicklung beobachten kannst, bevor sich irgendetwas sichtbares am Granulat tut.

Danach solltest du die Antworten oben durchlesen und dir überlegen, wie groß deine Chancen mit einer schwächeren Säure und einem etwas edleren Metall (als Zink, kein "Edelmetall") nach 20 Minuten waren.

Und wenn du das durch hast, und es sich wirklich um ein Schulexperiment handelt, kannst du dich von deinem Lehrer beraten und mit Material unterstützen lassen. Der Nachweis für Blei ist so sensibel, daß es wahrscheinlich locker gereicht hätte.

m.f.G.

Kommentar von JonasLehberg ,

Wir haben die Probe noch.

Ich werde das veranlassen.

m.f.G. 

Kommentar von ThomasJNewton ,

Ich habe in diesem Fall die ganz simple Definition benutzt, auch wenn ich weiß, dass es andere gibt.

Die simple Definition ist ein Normalpotential > 0.
Und da Blei eines von -0,13 hat, ist es eben nur ganz knapp oder wenig unedel.

Und eine Säure, oder genauer das Redoxpaar Wasserstoffkation vs. Wasserstoffmolekül hat eben nur beim einem pH von Null den Wert von exakt Null.

In Wasser ist der Wert m.W. -0,42, in 1molarem Hydroxid -0,84. Und wie er in Essigsäurelösung ist, wurde ja schon vorgerechnet.

Es geht hier nicht um Beharrungsvermögen bezüglich Meinungen, sondern darum, sich mal die Antworten durchzulesen, und zu verstehen, bevor man sich in Diskussionen verliert.

Du musst halt nicht nur die Elektrochemische Spannungsreihe kennen, sondern auch die Nernst'sche Gleichung.

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Und davon abgesehen ist Blei natürlich giftig, aber das ist eher eine Dosis- als eine Grundsatzfrage.

Ich sondere auch gelegentlich Warnhinweise ab, meist dann, wenn die Ambitionen in einem abenteuerlichen Missverhältnis zur Ahnung stehen.

Dazu sah ich bei dieser Frage keinen Anlass, und das ist unbestritten eine sehr persönliche Einschätzung.
Muss man nicht teilen, aber man muss auch nicht einsam als Heulboje in einem Meer der Verantwortungslosigkeit treiben.
Oder sich so darstellen.

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