Frage von bishare, 58

Was hat das moralische Dilemma mit Kant / Utilitarismus zutun?

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von arevo, 28

Kants Moralsystem wird in seinem Werk  Grundlegung zur Metaphysik der Sitten ( 1785 ) abgehandelt.

Diese Schrift enthält die kategorischen Imperative, deren es zwei gibt.Den hypothetischen und den kategorischen.Kant im Zusammenhang mit moralische Dilemmata mit den Utilitarismus zu bringen, verkennt die Position Kants.

Nach Kant haben alle Moralbegriffe ihren Sitz und Ursprung in der Vernunft.Von moralischen Wert kann nur die Rede sein, wo ein Mensch aus Pflichtgefühl handelt.Es genügt aber nicht, dass die Handlung dem entspricht, was die Pflicht vorgeschrieben haben könnte.

Das unterstreicht Kant mit dem Beispiel des Kaufmanns, der im eigenen Interesse ehrlich ist, oder der Mensch, der gütig ist, weil er einem gütigen Impuls folgt, so jemand ist Kant zufolge nicht tugendhaft.

Die Tugend ist ein Kernbegriffs von Kants Moralsystem.Denn bei Kant kommt es bei der Tugend nicht auf die beabsichtigte Ergebnis einer Handlung ankommt, sondern nur auf das Prinzip, dessen Resultat die Tugend ist.

Nun zurück zu den Imperativen.Der hypothetische Imperativ besagt, " Du mußt so und so handeln, wenn Du du dass und das erreichen willst ".

Der kategorische Imperativ besagt hingegen, dass eine bestimmte Art zu handeln objektiv notwendig ist ohne Rücksicht auf seinen Zweck

Außer Handlungen, wie Diebstahl und Mord, gibt es aber auch Handlungen, die Kant für unrecht halten würde, deren Unrecht sich aber durch seine Grundsätze nicht beweisen läßt.Zum Bespiel der Selbstmord.Zum Beispiel könnte ein Melancholiker den Wunsch hegen, dass sich jeder Mensch umbringen soll.Damit soll nur gezeigt werden, dass seine Maxime ein notwendiges, aber  kein ausreichendes Kriterium darstellt. Um ein ausreichendes Kriterium zu bekommen, müßte man z.B.Kants rein formalen Standpunkt aufgeben und auch die Wirkungen der Handlungen in Betracht ziehen.Was ja bei Kant aber nicht der Fall ist.

Es gibt keine wie immer geartete Beziehung zwischen Kant und Utilitarismus.

Teil 2 folgt




Kommentar von arevo ,

#arevo

KORREKTUR 2.Absatz

...... enthält die beiden Imperative.....

Kommentar von bishare ,

Da hast du es!

Antwort
von Haldor, 37

Kant hat gesagt, der Mensch könne als Vernunftwesen gar nicht anders als moralisch zu handeln. Das ergebe sich logischerweise aus dem von Kant formulierten kategorischen Imperativ ( = handle immer so, dass die Maxime deines Handelns jederzeit Prinzip einer allgemeinen Gesetzgebung sein könnte). Bestiehlt jemand einen anderen, so kann der Dieb vernünftigerweise nicht wollen, dass Diebstahl zum Prinzip einer allgemeinen Gesetzgebung erhoben wird; denn dann müsste er wollen, dass jedermann auch ihn selbst bestehlen darf. Das aber wäre unvernünftig. Auch ein sonst wie geartetes unmoralisches Handeln unterliegt der gleichen Regel: z.B. kann niemand vernünftigerweise wollen, dass Mobbing zum Prinzip einer allgemeinen Gesetzgebung wird; andernfalls müsste er wollen, dass es erlaubt sei, auch ihn selbst zu mobben. Also muss Mobbing als unmoralisch gebrandmarkt werden. -

Das Dilemma dieser rigorosen Verpflichtung des Menschen zum moralischen Handeln besteht darin, dass der Mensch nicht nur ein Vernunftwesen ist. In ihm wirken auch solche Kräfte, die zum Erbe seiner tierischen Herkunft gehören: die Triebe, die Leidenschaften, der Egoismus, der Behauptungswille, die Kampfeslust u.a.m. Kant fordert, dass diese „Neigungen“ (wie er sie nannte) vom Menschen jederzeit durch seine Vernunft kontrolliert und neutralisiert werden. Das aber ist nur sehr schwer möglich, es ist geradezu unmenschlich.

Realistischer und menschlicher ist dagegen die Lehre von der Institutionenethik (Hegel). Der Staat kann durch seine Institutionen, z.B. das Strafrecht, gewisse Verhaltensweisen vom Menschen fordern, z.B. dass er nicht stiehlt, nicht betrügt usw. Ob er in seinem „rechtskonformen“ Verhalten auch ein guter Mensch ist, ist dem Staat gleichgültig. Durch seine Anerkennung der staatlichen Institutionen ist der Moral Genüge getan.

Zu einer weitergehenden Moral, z.B. i.S. des Christentums (christliche Moral), kann der Mensch nicht verpflichtet werden. Das wäre für das Gemeinwesen auch schädlich. Zum Beispiel sind für den gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Aufstieg eines Menschen Tugenden gefragt (Härte, Durchsetzungskraft, Cleverness), die mit der christlichen Moral (Güte, Barmherzigkeit, Nächstenliebe, Rücksicht) wenig oder nichts zu tun haben.

Kommentar von arevo ,

#Haldor

Im genauen Wortlaut lautet der kategorische Imperatitv von Kant etwas kürzer:" Handle nur nach derjenigen Maxime, durch die du zugleich wollen kannst, dass sie ein allgemeines Gesetz werde ".

Kommentar von Haldor ,

"Handle so, dass die Maxime deines Willens jederzeit zugleich als Prinzip einer allgemeinen Gesetzgebung gelten könne." (aus "Sophie und der kategorische Imperativ")

Kommentar von Haldor ,

Noch eine Ergänzung zu meinem Kommentar (bezüglich des Dilemmas der rigorosen Moral Kants): Man hat immer wieder gesagt, dass z.B. die ethischen Lehren des Konfuzius und des Lao tse, die in China große Bedeutung erlangt hatten, für
die Rückständigkeit und die Kraftlosigkeit Chinas im 19. Jahrhundert (gegenüber dem rücksichtslosen Kolonialismus der Westmächte) verantwortlich gewesen seien. (Mitmenschlichkeit, Gerechtigkeit, kindliche Pietät und Riten sind Haupttugenden in den
Lehren des Konfuzius. Das menschliche Ideal ist für ihn der Edle, er strebt danach, die vier Tugenden zu verwirklichen. 'Wer nicht danach strebt, dem eröffne ich die Wahrheit nicht.').

Letztlich ist die Revolution Maos auf dem Hintergrund dieser einstigen Ergebenheit der Chinesen gegenüber ihren großen Religionsphilosophen zu erklären. - Man sieht also: Güte, Barmherzigkeit sind eigentlich keine Kategorien, die zu dieser Welt passen. Das hat auch schon Nietzsche so gesehen und daraufhin seine brutale Lehre vom Willen zur Macht entwickelt.














Kommentar von Haldor ,

"...dem eröffne sich die Wahrheit nicht." - muss es heißen!

Antwort
von berkersheim, 22

Kant ist deutscher Aufklärer und letzlich in seinem Werk zur Ethik ein Idealist. Damit verfehlt er das Wesen der menschlichen Natur und seine Vernunftethik ist ein Papiertiger - große Sprechblasen - praktisch nutzlos. Das ist das Dilemma seiner Ethik - hohe Ansprüche - keine praktische Wirksamkeit.

Anders ist es mit dem Utilitarismus. Er entstammt der angelsächsischen Aufklärung, wo der Mensch nie als Kopffüßler angesehen wurde. Der Utilitarismus entstand im Zuge der politischen Befreiung der angelsächsischen Bürger von Adel und Kirche und war damit konsequent eine Neubestimmung von Moral und Ethik/Gesetzgebung, die nicht von oben vorgegeben wurde. Der Utilitarismus ist über Generationen immer für die praktische Anwendung diskutiert worden, nie - und das versteht man vor allem in Deutschland nicht - als ideale Lösung in einem Wurf. Im Utilitarismus gilt: Neue Generationen - neue Probleme - neue Dikussion - auch kontrovers. Dagegen wartet man in Deutschland auf den einen Geistesguru, der uns endlich die einzig gültige Kopflösung bringt - Kant war es nicht.

Antwort
von arevo, 9

Teil 2 Utilitraismus

Hauptvertreter war Jeremy Bentham.Seine Lehre mehr politischer als philosophische Bedeutung.Die geistigen Väter sind Locke, Hartley und Helvetius..

Bentham behauptete, alles Gute sei Lust oder Glück, alles Schlechte sei Schmerz.Deshalb ist ein Zustand besser als ein anderer, wenn in ihm die Freuden die Leiden überwiegen oder die Leiden nur wenig die Freuden übersteigen.Benthams Verdienst es, diese Doktrin auf verschiedene praktische Probleme anzuwenden.

Andere Utilitaristen waren James Mill und John Stuart Mill.

Das waren zwei total verschiedene Moralphilosophien.Das moralische Dilemma kommt bei Kants Moralphilosphie weniger zum Tragen, da ein Mensch dazu erzogen werden kann, nur aus Pflichtgefühl, also einem bestimmten Prinzip folgend mit allen seinen Nebenwirkungen, zu handeln.

Dagegen stecken Menschen ganz schnell in einem moralischen Dilemma, wenn sie sich nach utilitaristischen Prinzipien richten.Stichwort Entscheidungsproblem.


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