Frage von NewKemroy, 103

Was bedeutet das Lauern beim Hund?

Folgende Situation: Zwei "Paare" (Hund + Halter) gehen auf einem Weg aufeinander zu. Plötzlich legt sich einer der beiden Hunde demonstrativ nieder und wartet bis der andere Hund näher kommt. Was bedeutet dieses Verhalten zu diesem Zeitpunkt? Ist das Verhalten bereits provokativ bzw. offensiv oder stellt es eine gerechtfertigte Reaktion auf etwas, dass schon vorher passiert ist dar? Wie sollten die Halter reagieren bzw. miteinander kommunizieren?

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von YarlungTsangpo, Community-Experte für Hund, 34

Es gibt verschiedene Ursachen warum ein Hund sich in einer derartigen Situation ablegt.

Ohne weiterhin die Körpersprache der beiden Hunde sehen zu können kann man gar nichts zur Ursache sagen. Erst recht nicht wenn man nicht weiß wie der Hund sich dann weiterhin verhält.

Ursachen für solches Ablegen sind total unterschiedlich, z.b.:

  • Territorial
  • Spielerwartung
  • Unsicherheit....


Also, Filmchen einstellen...

Kommentar von NewKemroy ,

Also hab ich jetzt gerade nicht parat. Hast Du den Post abonniert?- Vielleicht komme ich gelegentlich noch dazu ein Filmchen zu machen.

Typisch ist halt bei meinem, dass er sich bei konstanter Geh-Geschwindigkeit von mir immer weiter zurückfallen lässt und dann 20 m hinter mir sich bewegungslos platt auf den Bauch hinlegt. Ist der andere Hund dann bis auf 40 cm herangekommen steht meiner blitzschnell auf, bleibt aber an Ort und Stelle und versucht das Gehänge des anderen Rüden zu beschnüffeln.

Kommentar von YarlungTsangpo ,

Um das zu vermeiden, solltest Du mit Deinem Hund bereits bevor er "sich zurück fallen lassen" kann einen betonten Bogen mit Deinem Hund laufen, weit um den anderen Hund herum.

Dieses Zurückbleiben und dann ablegen sagt ganz deutlich, daß Deinem Hund die frontale Annäherung an einen anderen Hund unangenehm ist.

Expertenantwort
von Naninja, Community-Experte für Hund, 38

Das Hinlegen allein reicht nicht, um die Motivation des Hundes zu deuten. Wichtig ist, sich den gesamten Hund anzusehen. Also Haltung der Rute, des Kopfes, Stellung der Ohren, Lefzen und des Kopfes, Blick (hart oder weich) usw.

Je nachdem, wie der gesamte Hund aussieht, kann das Hinlegen Jagd- oder Hüteverhalten, Drohverhalten, Unsicherheit oder Spielverhalten sein.

Unabhängig davon würde sich jeder Hund, der in dieser Stellung auf meine Hunde lauert, eine ordentliche Packung von mir abholen. Bei einem Spiel erwarte ich eine vorherige Absprache mit dem anderen Halter, alle anderen aufgezählten Verhaltensweisen dulde ich meinen Hunden gegenüber nicht. Dass der Hund agiert, die Begegnung steuert und sich hinlegt zeigt mir, dass es vorher keinen Kontakt und keine Abstimmung zwischen den Haltern gegeben hat. Für mich ein absolutes No Go und für die meisten Hunde, die damit konfrontiert werden, wenig amüsant. Das kann böse ins Auge gehen.

Kommentar von NewKemroy ,

Danke. Sehr differenzierte Antwort! Und wie machst Du das praktisch, wenn z.B. der fremde Hund des Gegenüber sich langsam beginnt hinter seinen Halter zurückfallen zu lassen und unter ständigem Fixieren sich langsam hinlegt? - Dann sprichst Du den anderen Halter an - nehme ich an. Und was sagst Du dann beispielsweise? Also sagst Du z.B. Ihr Hund hat aber einen harten Blick?

Kommentar von Naninja ,

Ich gehe zur Seite, rufe meine Hunde hinter mich und bitte den Halter des anderen Hundes, seinen Hund ebenfalls ran zurufen oder an die Leine zu nehmen.

In dieser Position kann ich den fremden Hund notfalls auch blocken, falls der Halter nicht reagiert.

Kommentar von Naninja ,

Also sagst Du z.B. Ihr Hund hat aber einen harten Blick?

Fast überlesen: Dazu sage ich gar nichts. Wenn ein Halter seinen Hund gut lesen kann und ihn im Blick hat, kommt es erst gar nicht zu so einer Situation. Außerdem bin ich mit mehreren Hunden unterwegs und kein höflicher Hundehalter lässt seinen Hund in eine Gruppe brettern.

Wenn ein Halter die Situation oder seinen Hund anders einschätzt, kommt es maximal zu einer Diskussion, für die ich in diesem Moment keine Zeit habe. Also bleibt es bei einer Bitte und wenn der Halter der nicht nachkommt, reagiere ich, indem ich blocke.

Kommentar von Pudelcolada ,

Bei Jagd-, Spiel- und/oder Unsicherheitsverhalten stimme ich Dir ja völlig zu.
Aber Drohverhalten? Platt auf dem Bauch?
Und alle Hütehunde, die ich je getroffen habe, konnten mit diesem Verhalten herzlich wenig anfangen. Sie verhielten sich niemals so, und wenn ihnen einer meiner Hunde auf diese Weise begegnete, reagierten sie eher irritiert. Dann trennen sich die Wege eben sehr schnell.

Und Du erwartest eine vorherige Abstimmung zwischen den Haltern, ob und wie sich die Hunde zum Spiel auffordern (dürfen)?
Ist das jetzt ernst gemeint?

Wenn also mein Hund frei vor mir auf dem Fahrrad herläuft, dabei gutgelaunt einem entgegenkommenden Hund begegnet und sich dann in Erwartungshaltungshaltung mit aufgestellter Rute und hohen Ohren ins Gras legt, ist das für Dich ein Zeichen schlechter Abstimmung und ein No-Go?
Selbstverständlich rufe ich noch, dass mein Pfund Suppenfleisch harmlos ist und auf große Hunde steht, sonst wäre er ja angeleint...

Kommentar von Naninja ,

Und Du erwartest eine vorherige Abstimmung zwischen den Haltern, ob und wie sich die Hunde zum Spiel auffordern (dürfen)?
Ist das jetzt ernst gemeint?

Ja, das ist absolut mein Ernst.

1. Weil bei mir nicht der Hund entscheidet, ob gespielt wird, sondern ich.

2. Weil ich es respektlos finde, einen Hund freizugeben, ohne sich abzustimmen.

3. Kann es zig Gründe dafür geben, Hunde nicht spielen zu lassen. Sei es, dass ich es eilig habe. Sei es, dass ich gerade mit meinem Hund trainiere und der andere Halter das Training stört. Sei es, dass einer meiner Hunde mal wieder mit seiner HD zu kämpfen hat und geschont werden muss. Sei es, dass ich meinem Hund ansehe, dass er den anderen Hund nicht so toll findet, wie der Halter des Fremdhundes glaubt. Sei es, dass meine Hündin läufig ist oder ich die Situation als zu gefährlich einschätze, um die Hunde laufen zu lassen. Sei es, dass ich einen Hund habe, der generell nicht scharf auf Fremdkontakte ist.

Bei "der tut nix" kriege ich einen ziemlich dicken Hals, weil die Ablehnung des Gegenübers wahrgenommen wird, aber mit einer ziemlich egozentrischen Argumentation und ohne Nachfrage vom Tisch gewischt wird.

Ich halte, wie aus meinen Antworten erkennbar ist, keinen einzelnen Hund, sondern eine Gruppe. Meine Hunde haben rund um die Uhr Sozialpartner, mit denen sie kommunizieren und spielen können. Sie brauchen keine Fremdhunde, um sich auszuleben. Wie es sich mit den Fremdhunden verhält, ist nicht mein Bier.

Einen fremden Hund in meine Gruppe brettern zu lassen kann übrigens übel enden. Denn auch wenn ein Hund den Fremdhund toll findet, bedeutet dass noch lange nicht, dass der Rest der Gruppe es auch so sieht. Wenn ich meine Hunde hinter mich nehme und dann "Der tut nix" als Reaktion höre, kriege ich aufgrund der Rücksichtslosigkeit und Ignoranz anderer Hundehalter regelmäßig einen dicken Hals.

Übrigens erlebe ich es regelmäßig, dass gerade die "Tut nix"- Halter überhaupt nicht dazu in der Lage sind, ihre Hunde zu lesen und Situationen richtig einzuschätzen. Meiner Erfahrung nach sind das zu 90% völlig schmerzfreie "Mir gehört die Welt"- Hundehalter, bei denen (wie Rütter treffend sagt) "Tut nix" in erster Linie mit "Der tut nicht hören" gleichzusetzen ist. Und damit wären wir auch bei Punkt 4 meiner obigen Liste: wenn mir ein Hundehalter unsympathisch ist, mache ich auch einen Bogen um Hundebegegnungen.

Kommentar von Pudelcolada ,

Und wieder bin ich auf die begrenzte schriftliche Kommunikation im Netz hereingefallen!

Aber nach Deiner Erklärung ist mir klar, von wie unterschiedlichen Begegnungssituationen wir ausgegangen sind.
Ich ging von zwei verschiedenen, für mich typischen Situationen aus,
wobei in beiden Fällen mein Hund schon frei läuft, ich ihn also nicht erst bei der Begegnung ablasse:

  • Sehr häufig radele ich im Wald. Mein Terrier hält einen 15 Km-Schnitt über zwei Stunden, das fordert er auch ein. Begegnungen hält er dabei von sich aus kurz, und nur manchmal legt er tatsächlich eine so lange Pause ein, um sich in der Lauerhaltung abzulegen. Bis dahin habe ich aber schon längst den anderen Halter getroffen und Blickkontakt ausgetauscht. Ist sein Hund angeleint und bleibt es auch, radele ich ungebremst weiter und rufe meinen Hund, der daraufhin wieder losläuft und den anderen ignoriert.Weist mich der andere Halter auf besondere Umstände bei seinem Tier hin, leine ich meinen durchaus auch an, kein Problem.
  • Bin ich zu Fuß unterwegs, nehme ich selbstverständlich ebenfalls Blickkontakt zum anderen Halter auf. Ich unterstelle Dir jetzt einfach mal, daraufhin würdest Du mich z.B. auf den HD-Schub aufmerksam machen. Klar leine ich dann meinen Hund an, was denn sonst?

Schließlich leine ich ihn ja sowieso an, sobald sich z.B. kleine Kinder nähern, das halte ich für eine selbstverständliche Rücksichtnahme in einer Umgebung, in der sich alle miteinander einigen müssen:
Hundehalter, Radfahrer, Jogger, Eltern.
Und nicht zuletzt Spaziergänger mit Hundeangst, denn auch die haben das Recht auf einen unbekümmerten Waldspaziergang.

Und wie immer macht der Ton die Musik.
Mein Beitrag dazu ist, nicht aufbrausend oder gleichgültig zu reagieren, so wie Du es beschreibst.
Ich sage deswegen lieber:"Also... wegen meinem Hund muss ihrer nicht angeleint sein...Meiner ist etwas ungestüm, sucht aber keinen Streit."
Damit signalisiere ich Gesprächsbereitschaft, dass ich meinen Hund kenne und dass ich kein dogmatischer Idiot bin. Die allermeisten anderen Halter reagieren darauf sehr entspannt und lassen ihren Hund entweder ebenfalls wieder von der Leine oder erklären mir kurz, warum eben nicht. Und dann behalte ich meinen eben auch bei mir, tut doch keinem weh, damit hast Du völlig recht.

Ich danke Dir für Deine Erklärung und denke, wir liegen voll auf einer Linie. ich war nur von Deinem harschen Ton irritiert, den kannte ich aus Deinen Beiträgen bisher nicht.
Nichts für ungut!

PS: In Situationen, in denen mein Hund angeleint ist, lasse ich ihn auch bei einer Begegnung nicht ab, denn die Leine benutze ich aus anderen Gründen, als ihn von Hunden fernzuhalten.
Allerdings kann es passieren, dass ich ihn aus eigenem Antrieb anleine, wenn mir der andere Hund und/oder sein Halter spanisch vorkommen... DSH im Jagdfieber etwa, denn vor Schäferhunden hat meiner sowieso Angst, und dann flüchtet er, macht also genau das Falsche und entzieht die Situation meinem Zugriff. Sowas brauche ich so gar nicht.

Kommentar von Pudelcolada ,

PPS:
Jetzt, wo ich länger darüber nachdenke...:

Neulich im Wald trafen wir einen völlig überdrehten, nicht abrufbaren Dobermann-Rüden an der Schleppleine.
Ich saß auf einer Bank am See.
Meiner lief frei, aber die Sache war ihm von Anfang an nicht geheuer.
Als dann der Dobermann völlig ausrastete, sprang mir meiner auf der Suche nach Schutz auf den Schoß, was er sonst nie macht:
Vor Dobermännern weicht er normalerweise nicht zurück, bzw stellt sich hinter mich. Dieser war aber echt mal krass.

Der Halter zog ihn keinen Zentimeter zurück, grinste sogar noch, als sein Hund keine 20cm vor meinem Gesicht begann, nach allem zu schnappen, was sich auf der Bank befand.
Also nach meinem Hund und nach mir.

Innerlich habe ich gekocht, äußerlich blieb ich ruhig und rief:
"Ich tue nicht deinem Hund weh - ich tue DIR weh, und zwar richtig!
Und jetzt nimm deinen Köter von mir und geh weiter!"

Ich sehe ein, dass eine solche Reaktion nicht jedermanns Sache ist und habe mich schon direkt danach über mich selbst gewundert.

Damit will ich sagen, dass ich Dich besser verstehe, als aus meinem ersten Kommentar ersichtlich war...

Kommentar von Naninja ,

Danke für die Erklärung, ich habe Deinen ersten Beitrag tatsächlich anders interpretiert.

Verständigung per Blickkontakt finde ich absolut in Ordnung, ebenso warte ich nicht darauf, dass mich ein anderer Hundehalter anspricht, sondern bitte (gerade in der "HD- Situation", auf die Du angesprochen hast) im Vorfeld darum, den Kontakt zu vermeiden.

Übel finde ich, wenn meine Bitte um Rückruf mit "Der tut nix" quittiert wird, obwohl das in diesem Moment für mich absolut nicht relevant ist.

Ich halte ja (wie Du auch, wenn ich das richtig in Erinnerung habe?) u.a. Terrier. Als ich noch einen Einzelhund hatte, habe ich Kontakte vorher immer abgesprochen, weil einige Hunde mit der Art und Weise, wie Terrier spielen, nicht klarkommen und Halter anderer Rassen oftmals irritiert waren, weil mein Hund sehr.... geräuschvoll... gespielt hat.

Die Rücksichtnahme, die Du angesprochen hast, ist für mein Empfinden alles andere als selbstverständlich.

Antwort
von MaschaTheDog, 23

Meine Bulldogge macht das auch öfter,damit bereitet sie sich vor gleich loszuschießen wenn der Hund nah genug ist.

Es ist eine Einladung zum Spielen.

Antwort
von trinity0275, 57

Das hat unsere frühere Hündin (Kaukasischer Owtscharka) auch immer gemacht. Das ist nicht direkt ein lauern, sondern ein defensives abwarten.

Wie reagiert denn dein Hund, wenn der andere Hund bei euch ist? Springt er dann auf und schnüffelt an dem anderen Hund?

Kommentar von NewKemroy ,

Ja, genau das tut er. Ich sag immer das ist sein "und-ich-bin-dann-plötzlich-riesen-groß-Trick". Meiner ist auch n Herdi.

Kommentar von trinity0275 ,

Was für einen Herdi hast du?

Wir haben jetzt auch wieder eine Kaukasin, sie wird bald 2, aber sie ist wesentlich dominanter.

Dieses defensive Verhalten von deinem Hund ist absolut in Ordnung und überhaupt kein Grund, sich Gedanken zu machen.

Kommentar von NewKemroy ,

Einen Maremmano Rüden (50 kg). - Das Beschnüffeln sieht aber schon wie eine Art Dominieren aus. Also das Ganze wirkt auf mich immer etwas knisternd. So als ob es gleich eine Rauferei gibt.

Im Grunde genommen tun es die Rüden (auch andere) immer so großspurig. So, als ob sie singnalisieren wollten "he, he, he , guckmal ich bin so stark, dass ich es mir leisten kann mich erstmal klein zu machen und hinzulegen."

Gestern hat ein großer Labrador-Rüde uns im Sitzen erwartet. Also sich demonstrativ hingesetzt und zugeguckt wie wir näher kommen. Das schien meinem gar nicht zu gefallen. Deshalb erteilte er eine freundliche Zurechtweisung. - Daher meine Frage: Irgendetwas provokatives steckt da schon drin, oder? vermutlich bei Rüben mehr als bei Hündinnen.

Kommentar von Pudelcolada ,

gelöscht

Antwort
von Dahika, 38

Das kenne ich. Das machen meines Wissens Hunde, die mal sehen wollen, wie der andere Hund so drauf ist. Wenn sich der kauernde Hund dann überzeugt hat, dass alles ok ist, springt er auf und rast auf den anderen Hund zu.

Kommentar von NewKemroy ,

Ja, das passt. Meiner probiert häufig herauszufinden, wie das Gegenüber so tickt.

Antwort
von Pudelcolada, 29

Meiner macht das auch, ständig.

Inzwischen glaube ich, es ist eine Mischung aus leicht unsicherer Jägerstellung, also einem Abwarten und Kleinmachen, einem Spielangebot und einer Portion "Hundehumor": Der entgegenkommende Hund weiß meistens genau, dass die "Attacke" irgendwann erfolgen wird, aber irgendwann schaut er halt mal woandershin. Und genau dann rast meiner los... Hundehumor.

Neulich hat er bei der Lauerstellung doch tatsächlich die ganze Zeit mit dem Hintern auf und ab gewippt, also die Spielhaltung angedeutet.

Als Junghund ist er oft in den anderen hineingerannt, aber ich denke nicht mit Absicht.
Als er dann geschlechtsreif und ein richtiger kleiner Angeber wurde, sprang er häufig einfach über den anderen hinweg, das kam aber selten gut an.
Inzwischen rennt er einfach nur noch einen Bogen, kommt dann zurück und dockt mit der Nase am Hintern des anderen Hundes an.

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