Frage von stormhorses, 92

Was beachten beim Bau eines Pferdestalls?

Guten Morgen :)
Da mein Pferd mittlerweile 18 Jahre alt ist, möchte ich mich langsam nach einer Möglichkeit umsehen, wie er seinen wohlverdienten Ruhestand geniessen kann. Da meine Eltern ein Bed&Breakfast betreiben, überlegten sie sich, einen Stall zu bauen, um zwei Esel zu halten. Natürlich des Tourismus wegen. Nun will ich sie überzeugen, anstatt den Stall für Esel zu bauen, einen Pferdestall für 2-3 Pferde zu bauen. Da wir rund ums Dorf etwa 2ha Land besitzen, wirds am Platzmangel nicht scheitern. Meine Idee wäre es natürlich einen Stall mit Stallgasse und zwei (oder drei) Boxen à mind. 3.50m x 3.50m und vor jede Box einen Paddock (Grösse noch unbestimmt), ausserdem eine Überdachung für ein Heulager. Da der Stall hinter unserem Haus stehen würde, wäre rund um den Stall, auch die Koppel mit einer überdachten Futterkrippe. Um schon mal etwas klarzustellen ;), ich bin mir bewusst, wie viel Arbeit dass das ist, nicht nur den Stall zu bauen, sondern auch dann immer zu füttern und misten sowie den ganzen Stall sauber zu halten. Ich kann aber immer auf die Unterstützung meiner Eltern zählen. Beide haben auch Erfahrung mit Pferden und könnten auch für ein paar Tage, die Arbeit übernehmen. Da ich meines Pferdes wegen in den letzten Jahren eh nie länger als 4 Tage weg war, wird das wahrscheinlich eher selten vorkommen. Ausserdem hat der Bau des Stalls ja noch zwei bis drei Jahre Zeit, da mein Dicker noch sehr fit ist. Einen Einsteller hätte ich auch schon. Denn das Pferd meiner Freundin ist auch schon 19 Jahre alt. Während des Sommers hätten wir auch die Möglichkeit, die Pferde 2 Monate auf die Alp zu stellen (wir wohnen in der Schweiz ;). Nun zu meinen Fragen: - Wie kann ich im Winter Matsch auf den Koppeln vermeiden...?
- Was für eine Überdachung der Boxen etc. würdet ihr empfehlen?
-  Aus welchem Material würdet ihr den Stall bauen? Einen fast fertigen Stall anliefern lassen oder selber einen aus Holz bauen?
- Wie viel würde das alles kosten?

PS: Warum Boxen(?): Weil bei uns im Tal im Moment immer mehr Wildtieren rumwandern und mir einfach wohler dabei ist, wenn die Pferde nachts sicher in den Boxen sind. Und da sie sowieso immer in Boxen lebten (nachts) wird das kein Problem für sie sein.

Bitte nur hilfreiche Antworten und keine  blöden Kommentare oder so... :) Danke!

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von xxCamarguexx, 9

Ich würde definitiv einen Offenstall bauen - gerade wenn man alte Pferde hat ist die durchgehende Bewegung sehr wichtig. Davon ab sind eure Pferde ja noch lange nicht alt ;)

Wenn es dir ja um die Sicherheit wegen der Wildtiere geht...Wieso willst du dann Paddockboxen machen? Da könnten diese "Wildtiere" doch auch rein? Oder willst du da die Türen auch immer verschließen?

Es wäre wirklich schön wenn du dich von diesem Gedanken an den Boxenstall verabschieden würdest. Dabei ist es auch egal was deine Pferde gewohnt sind. Meine Stute ist mit 33 in den Offenstall gezogen...

Zum Dach: da würde ich Trapezblech nehmen. Habe ich auch auf meinem Stall. Ansonsten gibt's auch Wellblech. Beides relativ günstig.

Den Stall würde ich definitiv aus Holz bauen, evtl den ersten Meter unten Mauern. Aus Holz ist es einfach günstig, einfach zu bauen. Der Vorteil von Mauerwerk wäre natürlich dass es im Sommer wahrscheinlich kühler darin ist.

Einen Teil von der Wiese würde ich definitiv zum Paddock umbauen. Bei 2 bis 3 Pferden mindestens 500qm (wenn ihr sowieso genug Fläche habt ;) ). Es gibt sooo viele Möglichkeiten ordentlich zu befestigen damit im Winter nicht alles Matsche ist. Im Stall und am Futterplatz würde ich pflastern oder betonieren. Das ist einfach sauber zu halten. Sand ist auch immer ganz nett, da liegen die Pferde gerne drin und man kann es leicht abmisten. Man kann auch einfach Schotterflächen machen (gut für Barhufer) oder mit Paddockmatten befestigen (ziemlich teuer). Man kann sogar Kunstrasen auslegen. Lies dich einfach mal durchs Internet.

(Bei Stall- und Paddockbau musst du allerdings auch Genehmmigungen einholen).

Und zuletzt kann ich nur sagen: Mach es! Es lohnt sich absolut. Ich wollte meine Stute nie wieder in einen Pensionsstall stellen. Endlich ist alles so wie ich es mit immer vorgestellt habe :)

Kommentar von stormhorses ,

Danke für die Antwort! :)

Expertenantwort
von friesennarr, Community-Experte für Pferde, 20

Niemals in meinem Leben würde ich bei einem Neubau Boxen bauen.

  1. Wenn ein Offenstall für dich nicht in Frage kommt, dann ware eine Laufstall die Alternative. Da kannst du nachts einsperren, die Pferde haben aber trotzdem Bewegungsfreiheit. Warum sie einzeln in Boxen einsperren?
  2. Ein Laufstall ist Arbeitsersparnis, ein Offenstall noch mehr. Ein Laufstall kann Tagsüber zum Offenstall umfunktioniert werden durch öffnen der Türen. Gitterboxen oder Boxenbau an sich ist weit teurer.
  3. Wenn man einen eigenen Stall bauen will, dann braucht man auch immer eine Auslauffläche, die mit den Weiden nix zu tun hat. Diese Auslauffläche kann man mit verschiedenen Materialien befestigen. Knochensteine - dichte Oberfläche, Rasensteine - Wasser kann durch recht uneben, Kunststoffgitter - kann man direkt in den Matsch legen und mit Sand verfüllen - wird recht hart und ist die günstigste Lösung.
  4. Ich würde einen 3 Seitenstall bauen und vorne mit 2 Türen offen lassen - gewöhnliches Schrägdach dürfte reichen (sind ja nur 3 Pferde). Somit haben die Pferde die Temperatureinflüsse und viel Luft und sind trotzdem geschützt.
  5. Ein 18 und 19 Jahre altes Pferd ist nicht alt, zumindest ist es noch weit davon entfernt ein Rentner dasein fristen zum müssen.
Expertenantwort
von Baroque, Community-Experte für Pferde & reiten, 35

Ich hätte ehrlich gesagt vor den Zipperlein des Alters in Zusammenhang mit Boxenstehen weit mehr Angst als vor Wildtieren. Lieber würde ich in bessere Zäune investieren.

Beide unsere Pferde haben wir mit Arthrosen erworben, beide mit Stoffwechselstörungen. Besserung der Befindlichkeitsstörungen trat erst ein, als sie in den Aktivstall gezogen sind und lange genug drin waren, um sich wirklich eingelebt zu haben, als auch die Muskulatur auf das viele Laufen umgestellt war. Deshalb würde ich grade bei älter werdenden Pferden dringend zu Offenstallhaltung raten und sogar noch dazu, im Offenstall besondere Bewegungsanreize zu schaffen. Je mehr sich ein älteres Pferd bewegt, desto mehr kann es seinen Ruhestand auch noch genießen, weil es eben nicht einrostet ... allerdings würde ich bei einem 18jährigen Pferd auch noch lange nicht über Ruhestand nachdenken, eher bei einem 28jährigen, da man ihnen mit der Arbeit ja noch sehr lange helfen kann, körperlich fit zu bleiben und eben nicht alt zu werden. Meinen 20jährigen Invaliden hatte ich die letzten Wochen wenig trainiert, weil ich keine Zeit hatte, da beginne ich grade wieder und merke, was ich da innerhalb kurzer Zeit erreiche.

Bauen würde ich einen gepflasterten Auslauf. Ja, Betonpflaster ist für den kompletten Bewegungsapparat inkl. Hufe gut. Den groß genug gestalten, dass der ganzjährig ausreicht und die Weide ein Zusatzangebot ist. Es gibt keine andere Möglichkeit, die Grasflächen matschfrei zu halten außer sie abzusperren in dem Moment, wo sie zu nass werden, um Pferde drauf lassen zu können. Der Auslauf, auf dem unsere Pferde leben, hat 3.600 qm, da ist klar an den nassen Tagen die Sehnsucht nach der Koppel groß, doch laufen sie trotzdem zwischen 10 und 20 km im Stall alleine, also muss man sich da keine großen Sorgen machen.

Ich selbst würde eine Zimmermannskonstruktion auf ein ordentliches Stützenfundament aufstellen (lassen, aber mit Eigenleistung als Mithilfe) als Ruheraum, drei Seiten geschlossen, die Richtung Süden gewandte lange Seite offen, die Wände mit Lärchenholz verschlagen (fressen sie nicht an) und oben drauf eine Fichtenholzschalung, drauf Dachpappe und darüber Trapezblech. Kostet nicht viel und man hat was ordentliches, passendes. Ein Fertigcarport kostet schließlich auch ordentlich Geld, diese Fertigställe sind einfach nur unverschämt teuer - klar, sind ja auch für einen anderen Markt.

Antwort
von Zanora, 40

So hört sich das alles gar nicht schlecht an was Deine Vorstellungen betrifft :-)
Mei beim Stall bauen denke ich ist es egal wie es machst. Wichtig ist das er Wind und Wetterfest ist und nen festen Boden hat.

Von so Holzhütten bin ich jetzt nicht so der Fan, da kanns halt schon sein das mal ein Brett flöten geht wenn se ausschlagen. Vor allem wenn es relativ dünnes bzw Weichholz ist.

Nach den Tränken muss man sich halt was einfallen lassen und frostsicher sollten Sie sein. Was sich bei reinen Holzställen oft als Problem dar stellt, da doch etwas mehr kalte Luft rein kommt wie in normalen Gebäuden. Wir haben Heizkabel und die sind ihr Geld wert. Ab 5 Grad schalten die Automatisch ein.

Wir haben das Matschproblem so gelöst in dem wir fast sie halbe Fläche gepflästert haben. Mit einer Steigung von ca 2% das das Wasser schön ablaufen kann.
Klar der Rest ist Matschig aber die können sich es dann raus suchen wo sie stehen möchten.
Unser Unterstand ist eine Halle da ist genügend Einstreu drin das se sich bei einem Sauwetter unterstellen und hin legen können.

Antwort
von DonkeyDerby, 38

Weil bei uns im Tal im Moment immer mehr Wildtieren rumwandern und mir
einfach wohler dabei ist, wenn die Pferde nachts sicher in den Boxen
sind. 

Welches Tier soll denn in der Schweiz bitteschön Pferde reißen? Weder Bären noch Wölfe interessieren sich für ausgewachsene Pferde. Ein Offenstall mit Paddock ist für Deinen Rentner mit Sicherheit die angenehmere Variante und auch besser für die Lungen. Boxenhaltung - auch nachts - sollte langsam mal der Vergangenheit angehören, für Freizeitpferde sowieso.

Die preiswerteste und praktischste Variante ist ein bzw. mehrere Carport, die mit OSB-Platten an drei Seiten umplankt werden. So kann man unterm Dach noch einen 30 cm Spalt lassen zur Belüftung. Die geschlossene lange Seite wird der Wetterseite zugewandt. Als Dach reichen Trapezbleche vollkommen aus.

Als Heulager sind solche Carports nur geeignet, wenn Ihr Rundballen oder noch Handballen bekommt, denn die Quader passen wegen der Stützen nicht rein. Für meine Quader habe ich mir ein Weidezelt so aufgestellt,  dass der Radlader bequem rankommt und die Ballen reinwuchten kann.

Esel nur wegen des Tourismus und des Niedlichkeitsfaktors anzuschaffen, wenn man selbst nichts mit ihnen unternehmen will, ist gar keine gute Idee. Denn Esel sind in der Haltung in Mitteleuropa noch anspruchsvoller als Pferde. Sie vertragen keinen Dauerregen, sie vertragen nicht das fette grüne Gras und sie brauchen Arbeit, Arbeit, Arbeit (Kutschfahrten, Trekking), sonst kommen sie nur auf dumme Gedanken, schreien die ganze Nachbarschaft in Grund und Boden und fressen sich krank, wenn sie die Möglichkeit dazu haben...

Die gemeinsame Haltung von Eseln und Pferden ist theoretisch kein Problem, scheitert aber meist am unterschiedlichen Futterbedürfnis. Wo das Pferd verhungert, wird der Esel schon zu fett.

Kommentar von stormhorses ,

Zu den Wildtieren: Vor einiger Zeit wurde etwa 20 km von meinem Wohnort entfernt ein Pferd auf dem Paddock von einem Wolf angegriffen. Wer's nicht glaubt, kanns googeln und man stösst sogar auf Zeitungsartikel. Das Pferd wurde ins Bein gebissen, fiel nieder und wurde dann nochmal in den Hals gebissen worauf es wochenlang alleine kein Futter mehr aufnehmen konnte. Da der Wolf bei uns sehr problematisch ist und alle Schafherden nun bewacht werden, weicht er halt auf Pferde aus, die sogar am Rande des INDUSTRIEGEBIETES gehalten werden.
Zu den Esel: Ich war von Anfang an dagegen aber der Verband der B&B hats meinen Eltern beim Umbau vorgeschlagen und sie würden sich gerne Tiere anschaffen. Was wir dann mit den Esel machen, ist unsere Sache aber ich denke, wer 16 Jahre lang ein Pferd täglich beschäftigen konnte, dass es mit 18 immernoch fit wie ein Turnschuh ist, kann auch einen Esel angemessen beschäftigen.

Aber danke für die Antwort! Die Materialangaben waren sehr hilfreich!

Kommentar von DonkeyDerby ,

Ist es denn gesichert ein Wolf gewesen und kein streunender Hund? Erstaunlich viele "Wolfsangriffe" entpuppen sich nämlich letztendlich als Hundeattacken. Festgestellt werden kann das letztendlich nur durch DNA-Analysen oder eben durch das Ertappen und Erlegen des Tieres auf frischer Tat. Natürlich kann man den Wolf nicht ausschließen, aber hier in Brandenburg, wo wir in der Nachbarschaft mehrere Rudel haben, haben wir bisher maximal Attacken auf Kälber erlebt, nie auf ausgewachsene Kühe oder Pferde.

Ich wollte Euch auch keineswegs unterstellen, dass Ihr nicht in der Lage seid, Esel zu beschäftigen, lediglich darauf hinweisen, dass Esel sich eben nicht als reine Gehegetiere eignen, diese Auffassung ist nämlich noch weit verbreitet und später ist die Enttäuschung dann groß. Eine Ziegenherde hingegen ist für die Gehegehaltung gut geeignet, die sind nämlich durchaus in der Lage sich gegenseitig den Tag "bunt genug" zu machen, ohne sich zu langweilen. Auch zum Überfressen neigen Ziegen als unruhige, selektive Fresser nicht so stark.

Antwort
von joheipo, 29

Viele Fragen.

Den Stall selbst zu bauen ist viel Arbeit und erfordert Fachkenntnisse als Zimmermann - ich würde ihn aus Holz bauen lassen.

Überdachung: am preiswertesten ist ein Dach aus Brettern mit Dachpappe. Allerdings ist die Montage auch zeitaufwendiger als z.B. ein Dach aus fertigen Bauteilen wie Aluminiumblechen usw. Alu-Dächer sind hingegen ziemlich laut, wenn es regnet; ob die Pferde das nicht erschreckt, müßte man untersuchen.

Wenn Wildtiere in der Umgebung ein Problem sind, würde ich darüber nachdenken, einen komplett verschließbaren Stall mit Wänden auf allen Seiten zu bauen. (In meiner weiteren Umgebung sind ausgewilderte Wölfe seit einiger Zeit ein Problem. Alle Pferdeweiden hier sind nachts leer, weil die Besitzer ihre Tiere über Nacht auf den Hof holen und in den Stall stellen).

Matsch auf der Weide bei feuchter Witterung ist wohl kaum zu vermeiden. Man kann zwar Sand draufkippen, aber gegen das Wasser, das von oben kommt, ist man machtlos.

Was das alles kosten könnte?

Mach doch mal eine bemaßte Skizze von dem Stall, wie Du ihn Dir vorstellst und sprich mit örtlichen Zimmereien. Ein groben Kostenvoranschlag kann Dir ein Meister dann schon geben, wenn Du ihm die Abmessungen und Materialwünsche nennst.

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