Frage von GrandEhre, 116

Können Pferde mit Schivering hinten Barfuß laufen?

Hallo ihr Lieben,

mein 14-jähriger Wallach hat Shivering und ist komplett Beschlagen. Probleme beim Hufschmied hatten wir nie, er läuft auch sehr gut damit. Den Gedanke ihn hinten Barfuß laufen zu lassen hatte ich ein ums andere Mal. Nun hat es sich ergeben, dass ich den Stall wechsel und hierfür müsste er sechs Wochen hinten Barfuß laufen.

Habt ihr Erfahrungsberichte mit Shivering Pferden die hinten nicht Beschlagen sind? Ich habe die befürchtung, dass es ihn gesundheitlich beeinträchtigen könnte, möchte aber natürlich nicht Ablehnen ohne mich informiert zu haben Schmied kommt nächste Woche um es zu beurteilen, trotz dessen würde ich mich sehr über Erfahrungen und Infos freuen.

Danke und liebe Grüße

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von Baroque, Community-Experte für Pferde, 22

Jedes Pferd kann barhuf laufen. Ich weiß, dieser Satz klingt provant und plakativ, aber es ist so. Und grade Pferde, die nicht vollständig gesund sind, sollten UNBEDINGT barhuf laufen dürfen, denn der Gesundheit ist es zuträglicher als beschlagen.

Steht die Hornqualität dem entgegen, dann liegt das in aller Regel an einer Nebenwirkung des Beschlags: Lederhäute sind schlecht durchblutet und produzieren infolge dessen schlechtes Horn. Generell kommt dazu noch, dass die Natur das geschickt eingerichtet hat, dass immer so schnell Horn geschoben wird, wie es gebraucht wird. Pferde, die nur auch weichen Wiesen leben, haben langsam wachsendes, weiches Horn. Pferde, die auf abriebstarken Böden leben (z.B. im Aktivstall oder auch in sandigen Regionen), haben schnell wachsendes hartes Horn. Pferde, die auf Hufeisen leben, wo kaum Abrieb stattfindet, haben somit auch kein besonders schnell wachsendes Horn und auch kein sehr hartes. Das kann sich nur bilden, wenn man den Beschlag runter nimmt.

Dann ist die Folge von Beschlag immer ein Zwang im Huf. Das ist einfach phsyikalisch so gegeben, weil man den Beschlag nicht anders anbringen kann und deshalb haben noch im 20. Jahrhundert alle Schmiede immer gesagt, wenn ein Pferd nicht wirklich viel arbeiten muss, müssen die Eisen runter, damit man das wieder in Ordnung bringen kann - und eben auch die Hornqualität wieder stabilisieren kann. Niemals waren Pferde der örtlichen Bauern, die ich als Kind noch als Arbeitspferde kannte, ganzjährig beschlagen, denn die Bauern waren drauf angewiesen, dass die Tiere in der Ackersaison wirklich schwer arbeiten können, mussten also über den Winter den Huf in eine gute Ausgangssituation bringen.

Das bedeutet im Umkehrschluss aber auch: Wenn eine Barhufumstellung nicht klappt, hat entweder der Pferdebesitzer null mitgearbeitet (oft muss man den Huf nach Eisenabnahme pflegen, weil durch den Zwang Taschen im Strahl sind, in denen sich Fäulnis bilden konnte und man muss viel auf Asphalt spazieren gehen, wenn die Pferde nicht sowieso auf abriebstarken Böden leben, damit das Hornwachstum angeregt wird) oder der Hufbearbeiter hat seinen Job nicht richtig gemacht, denn die noch so gepflegten Taschen können nur raus wachsen, wenn der Hufbearbeiter sie so frei schneidet, dass man beim Pflegen wirklich hin kommt und das Hornwachstum kann vom Spaziergang nur dann angekurbelt werden, wenn die schlimmsten Zwänge möglichst ausgeschalten werden. Natürlich darf sich der Huf erst nach und nach entwickeln, alles "zurechtschneiden" ginge auf die Gelenke. Aber man kann viel machen, dass es gleich mal richtig gut los geht.

Meine Beobachtung: Ich habe leider vor 25 Jahren den letzten Schmied getroffen, der das konnte, dafür sehe ich jetzt viele Huforthopäden, die nicht nur das können, sondern auch für jede Erkrankung die richtige Bearbeitung auf Lager haben. Daher mein Rat: Such Dir einen Huforthopäden, dann klappts gleich ohne große Pannen. Oft fällt es den Menschen nach Fehlversuchen immer schwerer, es nochmal zu wagen und den Pferden entgeht dadurch viel gesundheitlicher Vorteil.

Expertenantwort
von friesennarr, Community-Experte für Pferde, 48

Mit diesem Krankheitsbild würde ich niemals ein Pferd überhaupt jemals beschlagen. Ein solches Pferd wäre bei mir im Offenstall und hätte bei mir absolute "zurück zur Natur" Fütterung.

Kommentar von friesennarr ,

Besonders Wichtig ist hier das Mangan.

Kommentar von Baroque ,

Ja und Mangan reicht mir als Stichwort, um das Ca-P-Verhältnis des Mineralfutters zu betrachten. Mitteleuropäisches Heu und Weidegras und Hafer haben aufgrund der hiesigen Böden schon ein etwas ungünstiges Ca-P-Verhältnis, entsprechend sollte man beim Mineralfutter wirklich drauf achten, dass man da nicht noch eins drauf setzt ... und die meisten billigen Mineralfutter sind von 1:1 bis 3:1, wie es sein sollte, ewig weit entfernt, was zu Mineralisierungsschwierigkeiten im Allgemeinen, Mangan im Besonderen führt.

Antwort
von FelixFoxx, 63

Habe mich gerade mal über das Krankheitsbild informiert und frage mich, warum man ein Pferd hinten beschlägt, wenn es durch die Krankheit Schwierigkeiten beim Beschlagen hat? Nimm die Eisen runter, falls es keinen anderen Grund für einen Beschlag gibt, es wird ihm das Leben erleichtern!

Kommentar von GrandEhre ,

Lieber FelixFoxx! Danke für deine Antwort. Wie oben bereits beschrieben, hatte er nie Probleme beim Schmied und ist mit den Eisen ganz prima gelaufen. Da er generell zu Hufprobleme neigt, war der Beschlag recht hilfreich und nicht "einfach-nur-so" sondern natürlich in Absprache mit dem Schmied.

Kommentar von friesennarr ,

Beschlag hilft immer, da man damit die hälfte der Empfindungen bei Pferdebein lahmlegt.

Wenn er generell zu Hufproblemen neigt, dann würde ich erst recht weg von den Eisen und hin zu Hufschuhen - besonders fürs Gelände.

Was bekommt dein Pferd den zum Futtern und wie wird er gehalten?

Kommentar von Baroque ,

Abolut richtig, was friesennarr schreibt.

Expertenantwort
von Sallyvita, Community-Experte für Pferde, 59

Irgendwann wird Dein Pferd vermutlich so oder so hinten barfuß laufen müssen, weil der Fortschritt der Erkrankung die Hufbearbeitung sehr schwierig machen kann.

Generell ist es kein großes Problem ein Pferd auf Barfuß umzustellen - wenn die Hufe gut sind und die Böden, auf denen es bewegt wird, diese nicht extrem abnutzen, oder das Pferd eines Korrekturbeschlags bedarf auf Grund einer Erkrankung.

Kommentar von GrandEhre ,

Das klingt gut - danke :)!

Kommentar von friesennarr ,

Es gibt so gut wie keine Krankheit wo der Barhuf nicht weit besser wäre als ein Beschlag.

Für problematische Böden gibt es heutzutage super gute Hufschuhe.

Kommentar von Baroque ,

Auch hier unterschreibe ich bei friesennarr und füge hinzu: Problematische Böden sind nur die, die das Pferd in seinem "Privatleben" nicht trainieren kann, weil wir Menschen meist versäumen, ausreichend zu trainieren, dass sich der Huf auch für diese ausbildet. Und ja, Schotterweg habe ich auch nicht trainiert bei meinen, deshalb tragen die jedes Jahr von ca. Juni bis ca. Oktober auf den Schotterwegen Schuhe. Kosten weniger als man mit der Huforthopädie im Vergleich zum Beschlagsschmied spart und halten mehrere Jahre, auch bei uns Vielreitern ... lediglich passend kaufen muss man - leider berät so mancher "Hufschuhexperte" nach Gewinnspanne und nicht nach dem für das Pferd besten Modell.

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