Frage von anonymos987654, 105

Ist es diskriminierend, wenn im Ave Maria das Wort "Frauen" durch "Weiber" ersetzt wird?

Ein Pius-Priester will, dass die Gemeinde beim Ave-Maria-Gebet "du bist gebenedeit unter den Weibern" sagt statt "unter den Frauen".

Er behauptet, dass "Weiber" auch noch "Fräuleins und Mädchen" meint, und deswegen das bessere Wort sei.

Ist es inzwischen nicht mehr diskriminierend, Frauen als "Weiber" und unverheiratete Frauen als "Fräuleins" zu bezeichnen?

Antwort
von Eselspur, 60

Die Pius Bruderschaft möchte viele der Reformen der letzten Jahrzehnten rückgängig machen. Ursprünglich war der Begriff "Weiber" in keiner Weise herabwürdigend, mittlerweile ist er das aber geworden, darum haben die katholischen Bischöfe der deutschsprachigen Diözesen geändert.

Eine Änderung in "Weiber" ist wohl nicht verletzend gemeint, ich selber würde aber so nicht beten.

Antwort
von voayager, 44

da sieht man mal wieder welche Blüten die political correctness so erzeugt, wie auf rohen Eiernm schleichen so allerlei moderne Menschen daher.

Antwort
von Franz1957, 24

Das Wort Frau bezeichnete ursprünglich nur adlige Damen, so wie auch das Wort Herr nur die bezeichnete, die auch Herren waren, nämlich über ihre Knechte.

Als Goethe wenige Jahre vor der Französischen Revolution den "Faust" zu schreiben begann, hatte man auch im Bürgertum schon begonnen, die "höfliche" Sprache des Adels zu übernehmen. Dennoch klingt es in Gretchens Ohren als Schmeichelei, daß der Doktor sie als "schönes Fräulein" anredet. "Bin weder Fräulein, weder schön" antwortet sie, denn sie weiß, daß sie als Dienstmädchen einer niedrigeren Klasse als der der eigentlichen Frauen angehört.

http://www.zeno.org/nid/20004852826

Kommentar von Franz1957 ,

Manche haben ihr später den Titel einer Himmelskönigin verliehen ‒ was vermutlich das Letzte ist, was eine rechtgläubige Jüdin, die das Buch des Jeremia gehört hatte, sich hätte gefallen lassen. Die Mirjam, die der Engel Gabriel im Lukasevangelium anspricht, ist jedenfalls keine Angehörige der Oberschicht sondern eine künftige Handwerkersgattin. Ob sie sich, als "Weib" statt als "Frau" angesprochen, diskriminiert gefühlt hätte? Ich glaube, darüber hätte sie laut gelacht. Was die Kluft zwischen Oben und Unten real bedeutet, darüber wußte sie gut Bescheid, und von Befreiung aus Diskriminierung hatte sie viel handfestere Vorstellungen als die meisten von uns sich das noch trauen:

"Er übet Gewalt mit seinem Arm und zerstreut, die hoffärtig sind in ihres Herzens Sinn. Er stößt die Gewaltigen vom Stuhl und erhebt die Niedrigen. Die Hungrigen füllt er mit Gütern und läßt die Reichen leer. Er denkt der Barmherzigkeit und hilft seinem Diener Israel wieder auf, wie er geredet hat unsern Vätern, Abraham und seinem Samen ewiglich." (Lukas 1,52-55)

http://www.bibel-online.net/buch/luther\_1912/lukas/1/


Antwort
von archibaldesel, 55

Ich finde beide Begriffe nicht wertend, sondern einfach nur altmodisch. Das ist immer so eine Sache, mit den diskriminierenden Begriffen. Der Eine fühlt sich schneller beleidigt, dem Anderen ist es egal. Deshalb ist ja auch die politisch korrekte Bezeichnung von Schwarzen manchmal etwas kompliziert. Die ganz Korrekten brechen sich bei jeder Bezeichnung einen Zacken aus der Krone. Auf der anderen Seite gibt es einen Schwarzen in Kiel, der sein Restaurant "Zum Mohrenkopf" nennt. das würde sich wahrscheinlich kein Weißer trauen.

Mich wundert es aber ein bisschen, dass der Priester einen feststehenden katholischen Gebetstext selbstständig abändert. Das ist eigentlich nicht deren Art. Das ist wohl ein ganz konservativer....

Kommentar von Firmian ,

"Feststehender" Gebetstext ist gut - es hieß ja in der offiziellen Kirche bis in die 50er Jahre offiziell "Weiber". Die machen nur eine Änderung nicht mit.

Hätte man seit 1800 immer "unter den Frauen" gebetet, kämen die sicher nicht auf die Idee.

Antwort
von hummel3, 52

Der Begriff "Weiber" ein alter Ausdruck für die gesamte "Frauenwelt", ist nicht diskriminierend. Er ist nur im heutigen Sprachgebrauch, wie man so schön sagt, "etwas negativ besetzt". Ansonsten aber völlig korrekt!

Antwort
von Nunuhueper, 26

Nicht diskriminierend, nur altmodisch, so,  wie die Frage des Centurios während der Steinigung im "Leben des Brian"

"Kann es sein, dass Weibsvolk anwesend ist?"

Das Weib, das Mädchen, das Fräulein- alle sind nun mal  weiblich.

Das ist nicht diskriminierend.

Antwort
von MarkusKapunkt, 55

Sprachen und sprachliche Gepflogenheiten ändern sich im Laufe der Zeit. Heute ist die Deutsche Sprache so übermaßen politisch korrekt, dass es schon einem Wahn gleicht.

"Behinderte" sind "Menschen mit Einschränkungen". (Was ist da bitte freundlicher?)

Das "Zigeunerschnitzel" wurde zum "Balkanschnitzel". (Okay, Zigeuner sagt man nicht. Negerkuss ist ja auch verboten...)

Sogar "Ostdeutschland" soll geächtet werden und im Sprachgebrauch durch "Mitteldeutschland" ersetzt werden.

Bei den "Weibern" war es nicht anders. Irgendwann im frühen 20. Jahrhundert wurde der Begriff negativ besetzt, und sollte fortan vermieden werden. So wurden "Weiber" zu "Frauen" - und sogar das Ave Maria wird heute meist politisch korrekt aufgesagt.

Übrigens: Wusstest du, dass sogar das Wort "Kanacke" ursprünglich positiv besetzt war und eigentlich "guter, treuer Kamerad" bedeutete?

Antwort
von Andrastor, 41

Das Wort "Weib" kommt ursprünglich aus dem mittelochdeutschen "Wip" und hat damals einen neutralen Ausdruck für Frauen dargestellt, ist aber im Laufe der Zeit zu einem Schimpfwort verkommen.

Heute ist es so dass der Ausdruck "Frau" neutral für alle Angehörige des weiblichen Geschlechts verwendet wird, egal welchen Alters.

Antwort
von GFBen, 51

Wenn man sich nicht über Weiberfastnacht aufregt, ist diese Aufregung hier eine künstliche.

Antwort
von josef050153, 19

Weib bedeutet 'verheiratete Frau', davon sind also Mädchen und Fräuleins ausgenommen. Oder ist vielleicht bei euch die Kinderehe üblich?

Keine passende Antwort gefunden?

Fragen Sie die Community