Frage von Calioniel, 40

Initiationsriten im Buddhismus?

Von der Geburt bis zum Tod gesehen. Im Christentum fängt es ja mit der Taufe an, über die Kommunion und Firmung oder Konfirmation, dann heiratet man (einige halt), Krankensalbung (Gehört das dazu?) Und die Beerdigung. Wie ist das im Buddhismus? Gibt es dort auch sowas?

Expertenantwort
von Enzylexikon, Community-Experte für Buddhismus & Religion, 16

Ich bin Buddhist und antworte daher gerne.

Ähnlich wie im Christentum, mit Katholizismus, Protestantismus usw. gibt es auch im Buddhismus unterschiedliche Traditionslinien, so dass auch unterschiedliche Zeremonien und Rituale bestehen.

Ich selbst gehöre zur japanischen Sôtô-Zen-Tradition, so dass ich vor allem aus dieser Richtung berichten  kann.

Andere Buddhisten können daher sicher gut hierzu beitragen, indem sie ihre Traditionen vorstellen bzw. erklären.

Zufluchtnahme

Grundlage ist zunächst einmal die "Zufluchtnahme", also das Annehmen des Buddhas, seiner Lehre und der buddhistischen Gemeinschaft.

Dabei gelobt man, fünf Sittlichkeitsgelübde zu befolgen, deren Zweck es ist, ein achtsames Leben zu führen, so dass möglichst wenig Leiden entsteht.

In einigen Traditionen erhält man dabei auch einen buddhistischen Dharma-Namen in einer der asiatischen Sprachen.

Bodhisattva-Ordination

Im Mahayana-Buddhismus gibt es neben der Zufluchtnahme auch noch die Bodhisattva-Ordination, die jedoch nicht zwingend erforderlich ist.

Damit verbunden ist das Bodhisattva-Gelübde und damit der freiwillige Verzicht auf das eigene Verlöschen im Nirvana und stattdessen die Bereitschaft, im Kreislauf der Wiedergeburten zu bleiben, um allen Wesen zum Erwachen zu verhelfen.

Außerdem nimmt man weitere Regeln auf sich, die eine noch präzisere Unterstützung für das Leben darstellen sollen.

In den Zen-Traditionen näht man in den Monaten vor dieser Zeremonie eine Art Latz, das Rakusu. Das bekommt man dann vom Lehrer zeremoniell überreicht.

Im modernen Sôtô-Zen werden, insbesondere außerhalb Japans, Zufluchtnahme und Bodhisattva-Ordination häufig in einer Zeremonie zusammengelegt.

Uposatha

Im Theravada-Buddhismus gibt es besondere Tage, an denen buddhistische Laien zusätzliche Regeln einhalten können, die sonst eigentlich nur von Mönchen befolgt werden.

Heiraten

In Japan ist die Durchführung buddhistischer Hochzeiten selten und kommt fast nur bei Priesterfamilien vor. In der Regel werden Shinto-Trauungen bevorzugt.

Dennoch gibt es aber natürlich auch buddhistische Hochzeitsriten.

Krankheit

Eine Krankensalbung gibt es nicht direkt, allerdings kann man Sutras rezitieren und dann ein "Eko", eine Art Widmung für die kranke Person sprechen.

Eine andere Möglichkeit ist im Zen das so genannte "Kito" durch einen Priester durchführen zu lassen - das sind kleine Zeremonien, mit denen Kranken, oder Verstorbenen eine Art spirituelle Unterstützung zukommen soll.

Beerdigung

Für die buddhistischen Geistlichen in Japan sind Beerdigungen praktisch eine der Haupteinnahmequellen. Praktisch alles muss bezahlt werden. Das sind nicht nur Bestattungsfeierlichkeiten und Beisetzungen.

Der Tote bekommt einen posthumen Namen (Kaimyo), was nach Volksglauben verhindern soll, dass der Verstorbene "zurückkommt", wenn man im Gespräch seinen früheren Namen nennt.

Rational gesehen ist das einfach eine Ehrung, da es einer Art Mönchsweihe entspricht. Für die Verleihung des Namens wird gezahlt

Auf den Ahnentäfelchen (ihai) wird der Kaimyo, sowie ein Ehrentitel für den Verstorbenen eingraviert. Auch dieser Ehrentitel kostet extra - je ehrender er ist, desto teurer wird das ganze.

Kritiker sagen daher oft, dass der Buddhismus in Japan zu einem reinen "Begräbnis-Buddhismus" degeneriert sei.

Über mehrere Jahre hinweg werden von einem Priester vor dem Hausaltar entsprechende Gedenkriten durchgeführt - die natürlich ebenfalls kosten.

Die übliche Beisetzungsform bei japanischen Buddhisten ist die Einäscherung.

Mönchs/Nonnenordination

Wenn jemand es wünscht, kann er auch zum Mönch bzw. Nonne ordiniert werden.

Insbesondere im Theravada-Buddhismus, der in Südostasien vorherrscht, ist es durchaus üblich, dass man auch als ganz normaler Laienanhänger des Buddhismus eine Zeit lang zumindest als "Laienmönch" ins Kloster geht - sofern es sich die Familie leisten kann, eine Arbeitskraft zu verzichten.

Im Theravada müssen Mönche 227 und Nonnen 311 Regeln einhalten (Vinaya). Dazu gehört die weitgehende Besitzlosigkeit, das Verbot von Arbeit, Geld und Zerstreuung, sowie das Zölibat.

Im Mahayana-Buddhismus gibt es einige Traditionen, die das Vinaya befolgen. In Japan ist Geistlichen zumindest gesetzlich die Heirat gestattet, so dass die Position des Tempelpriesters einer Gemeinde häufig einfach vererbt wird.

Die Mönchsregeln im Mahayana-Buddhismus sind nicht so restriktiv wie im Theravada, allerdings muss man natürlich eine Menge Zeremonien und Sutras beherrschen, sich richtig in den Roben bewegen können usw. so dass auch das keineswegs leicht ist.

Das wärs erst einmal von meiner Seite. Hoffe, die Antwort war hilfreich. :-)

Kommentar von Calioniel ,

Wow, vielen Dank für die ganze Mühe! Das war wirklich sehr hilfreich! :)

Kommentar von Enzylexikon ,

Kein Problem, wie gesagt, dass ist nur ein kleiner Ausschnitt, andere buddhistische Traditionen haben sicher noch andere Gebräuche.

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