Frage von lateinchiller, 77

Gibt es im folgenden Imperativsatz Subjekt und Prädikat?

Hört, Männer ! Ist "Hört" das Prädikat und "Männer" das Subjekt. Weil eigentlich ist "Männer" ja eine Anrede. Danke schonmal.

Antwort
von Deponentiavogel, 27

– Hört, Männer !

›Hört‹ ist ein verbal gebrauchtes Verbum. Das erkennt man daran, dass wir ihr Modus (Imperativ), Person (2. Person Pl.), und wenn wir tolerant sein wollen, auch Tempus (Präsens) zuordnen können.

Das Prädikat muss mindestens von einem flektierten Verb ausgefüllt werden. Das haben wir hier. Weil es ein Imperativ ist, braucht es keine weiteren Ergänzungen für einen vollständigen Satz. ›Hört!‹ ist schon einer.

Jetzt wollen wir aber noch eine Anrede in einem eigenen Satz einbauen (eigener Satz, weil Komma). Eine Anrede ist immer auch ein Ausruf, also eine Interjektion und unterscheidet sich syntaktisch nicht von einem ›Ah‹, ›Mutter Maria Gottes‹ oder ›Nein‹.

Ein Subjekt gibt es hier weit und breit nicht.

Antwort
von Bswss, 38

Ein Imperativsatz hat meiner Meinung (bin kein Germanist) kein Subjekt, Beispiele: "Hör zu! ";  "Schweige!"  "Halt die Klappe!" ; "Gib mir endlich mein Geld zurück!"

In Deinem Beispiel ist "Männer", wie Du richtig scheibst, eine Anrede, auf keinen Fall ein echtes Subjekt.

Ein Subjekt wäre es aber in dem Aussagesatz: "Ihr Männer sollt mir zuhören"

Antwort
von atzef, 53

Imperativsätze sind in der "Du"-Form im Deutschen eientlich immer subjektlos, so auch dieser.

"Männer" ist hier in der Tat lediglich Anrede. In anderen Sprachen gibt es dafür einen eigenen Fall, den Vokativ.

Kommentar von lateinchiller ,

Aber der Imperativ ist schon ein Prädikat ?

Kommentar von lateinchiller ,

Ist der Vokativ in anderen Sprachen dann aber Subjekt ?

Kommentar von atzef ,

In einem Imperativsatz kann man das Verb sicher als Prädikat ansehen.

Diese Anredeform aber würde ich nicht als Subjekt ansehen, die erinnert eher an eine Interhektion.

Allerdings wird hier für mich die Luft echt dünn...:-)

Kommentar von Deponentiavogel ,

Nein, weil Subjektkasus immer nur der Nominativ ist. Das ist so seit dem Urindogermanischen. 

Kommentar von lateinchiller ,

Wenn ich in einer wörtlichen Redr nochmal wörtliche Rede habe, in was für Zeichen setzte ich diese "innere" wörtliche Rede dann ?

Kommentar von atzef ,

Einfache An- und Ausführungsstriche. Etwa so ´g`.

Kommentar von lateinchiller ,

Achso. Danke. Jetzt noch letzte Frage: Wenn ich habe: Der Hund des Mannes... ist dann nur "Der Hund" Subjekt oder auch noch "Des Mannes" ?

Kommentar von rhenusanser ,

Der Hund = Subjekt

des Mannes = Genitivobjekt dazu (Frage: Wessen Hund; Antwort = des Mannes)

Kommentar von Deponentiavogel ,

Okay, endgültiges Zeichen, rhenusanser nicht zu vertrauen. 

Zwischen Genitivattribut und Genitivobjekt sollte man schon unterscheiden können.

Was die Germanistik darunter versteht:

– Genitivattribut: Der Hund des Mannes. Was für ein Hund? Der Hund des Mannes. ›Des Mannes‹ hängt von einem Substantiv ab, muss also ein Attribut sein.

– Genitivobjekt: Ich bedarf eines Bades. ›Eines Bades‹ hängt von einem Verb ab, ist also nach germanistischer Deutung ein Objekt (nach klassischer eine adverbiale Bestimmung).

Kommentar von atzef ,

Nur "der Hund". Siehe die AW von rhenusanser.

Antwort
von rhenusanser, 32

Klassisch steht das Subjekt im Nominativ (Singular oder Plural) und man fragt danach: Wer oder Was?

Wenn du nun deinen "Imperativsatz": Hört Männer!" umformst in:--->

"Ihr Männer sollt hören!"

wird es etwas deutlicher:

Wer oder Was soll hören? Antwort: (ihr) Männer = Subjekt

_____________________________

Frage nach dem Prädikat (= Tätigkeitswort)?

Was macht/tut (ihr) Männer?

Antwort: (Ihr) Männer sollt hören!!     ODER   (Ihr) Männer hört!!   ODER

Hört Männer!
_______________________________

Ich hoffe, nun ist es dir etwas klarer, warum

Männer = Subjekt und

hört! = Prädikat ist.

Kommentar von lateinchiller ,

Was ist dann mit den anderen zwei Antworten ?

Kommentar von rhenusanser ,

Das musst du jetzt entscheiden, welcher Antwort du eher vertraust.

Aber viel deutlicher kann man den Imperativ nicht umformen, damit man erkennen kann, was dem Subjekt und dem Prädikat des "normalen Aussagesatzes" entspricht.

Ein anderes Beispiel:

1) Lucius kommt. (= Aussagesatz)

Lucius = Subjekt; kommt = Prädikat

2) Kommt Lucius? (= Fragesatz)

Lucius = Subjekt; kommt = Prädikat

3) Komm Lucius! oder Lucius komm! (= Befehlssatz)

Lucius = Subjekt; komm! = Prädikat im Imperativ


 

Kommentar von lateinchiller ,

Die Antwort überzeugt mehr.

Kommentar von rhenusanser ,

Noch ein Hinweis, beim ACI, steht das Subjekt des Nebensatzes sogar im Akkusativ!!!

Lucius patrem ridere videt.

Lucius sieht, dass der Vater lacht.

Hauptsatz:

Lucius = Subjekt, videt = Prädikat

Nebensatz = (ACI)

patrem = Subjekt, ridere = Prädikat

Also nicht immer nur stur lernen: Subjekt = Substantiv im Nominativ

Man würde den ACI aber als aB bezeichnen

Kommentar von Deponentiavogel ,

Du kannst nicht einfach einen Satz umformen, den umgeformten Satz analysieren und von der Analyse des umgeformten Satzes auf den Ausgangssatz schließen. 

Natürlich kannst du das. Nur falsch ist es auf jeden Fall. Eine Anrede ist kein Subjekt, sondern schlicht ein Ausruf wie zum Beispiel ›Ah!‹ oder ›Jesus!‹ Das sind ganze Sätze ohne Prädikat und Subjekt.

Kommentar von Deponentiavogel ,

Plus: Der AcI ist eben kein Nebensatz, sondern nur eine satzwertige Konstruktion, und hat deshalb weder Verb im eigentlichen Sinne – geschweige denn ein Prädikat – noch Subjekt. 

Kommentar von rhenusanser ,

mir ist sehr wohl klar, dass ACI und PC satzwertige Konstruktionen sind und als solche gekennzeichnet werden.

Die ursprüngliche Frage war aber nicht nach einem lateinischen Satz mit Substantiv im Vokativ und einem Verb im Imperativ, sondern nach "Hört Männer!" Und in der deutschen Grammatik stimmt meine Antwort.

Ich gebe zu, ich habe vielleicht mit dem ACI ein unglückliches Beispiel genommen. Aber ich wollte eigentlich zeigen, dass es Unterschiede in der deutschen und der lateinischen Grammatik gibt. Mein Zusatz, dass man den ACI als aB = Adverbiale oder Prädikativum = satzwertige Konstruktion bezeichnet, ist vielleicht etwas kurz ausgefallen, aber durchaus vorhanden!!!

Kommentar von Deponentiavogel ,

Du hast doch mit dem Lateinischen einen Beleg dafür geliefert, dass Anreden nie im Subjekt stehen, weil es für sie in manchen Sprachen sogar einen eigenen Anredefall gibt, der vom Subjektfall Nominativ abweicht.

Die aus dem Urindogermanischen ererbte Subjektendung -s ist im Lateinischen zum Beispiel noch vorhanden:

– Marcus amat Iuliam. 

Beim Anredefall entfällt das Subjekt-s:

– Salve, Marce!

Im Deutschen gibt es keinen Vokativ. Substantive werden einfach in ihrer Default-Form, also in der Nominativform, hinten angehängt bzw. sie können hinten angehängt werden. 

Wie gesagt, ›Hört!‹ ist ein ganzer Satz und ›Männer‹ ist ein ganzer Satz. Sie werden durch ein Komma getrennt! 

Die Form ›Hört Männer!‹ ohne Komma ist falsch, liegt aber deiner Auffassung zugrunde, dass die Männer als Satzgegenstand und Handlungsträger dieses Satzes etwas in Form des Prädikats täten. Aber die Männer hören nicht, sie werden nur aufgefordert zu hören; sie werden angesprochen. Schon die inhaltlichen Zeichen sprechen absolut gegen eine Subjektposition.

Kommentar von Bswss ,

Du hast jetzt "einfach" den  Satztyp verändert. "Ihr Männer sollt" ist kein Imperativsatz mehr, sondern ein Aussagesatz)obwohl er eien Art Befehl ausdrückt). Der Satz "Du musst jetzt gehen" (der das Subjekt "du" enthält) ist ja auch keine Befehlssatz Deshalb bleibe ICH bei der Meinung, dass Imperativsätze kein Subjekt haben - wie das Kurzbeispiel "Komm' " ! meines Erachtens auch zeigt.

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