Frage von somichso, 32

Ergativsprache: Einfache Erklärung?

Könnte mir jemand das Prinzip der Ergativsprache (z.B. Baskisch) EINFACH erklären? Auf Wikipedia ist es leider sehr komplex erklärt.

Antwort
von OlliBjoern, 32

Im Prinzip ist es so, dass das "aktive" Subjekt (also das, was etwas mit jemand oder etwas anderem tut) dasjenige ist, welche die Ergativendung bekommt. "Die Frau sieht den Mann." Die Frau ist hier also "aktiv". (transitiv) > Ergativ (emakumea-k wenn ich mich recht erinnere)

"Die Frau fällt hin." Sie ist nicht (in obigem Sinne) "aktiv". Es gibt kein Objekt. > Absolutiv (emakumea)

Nun ist es noch so, dass das "Objekt" "Mann" im ersten Satz bei uns den Akkusativ bekäme. Im Baskischen bekommt es den Absolutiv (wie "Frau" im zweiten Satz).

Deutsch unterscheidet der Mann/den Mann (Nominativ/Akkusativ), Baskisch aber unterscheidet nach aktivem und "passivem" Subjekt. "Frau tut" (den Mann sehen) (ergative Konstruktion) aber "Frau" (fällt hin) (absolutive Konstruktion, da hier keine aktive/transitive "Tat" stattfindet)

  

Kommentar von OlliBjoern ,

Kristok eta Mariak balea ematen badidate.

"Gäben Christus und Maria mir (doch) einen Wal!" 

Der Absolutiv "Kristo" (Christus) wird zu "Kristok" (Ergativ). Denn Jesus (und Maria) tun hier etwas mit einem Objekt. Wal "balea" steht im Absolutiv (passt zu "emakumea" von der Endung her).

Gut, sie tun es noch nicht wirklich, der Sprecher drückt hier seinen Wunsch aus (mögen sie es doch nur tun).

Ich würde mal schätzen: wenn der Wal nur rumschwimmt, wäre es "balea" im baskischen Satz (intransitiv), wenn der Wal etwas sieht "balea-k" usw. (transitiv, da hier ein Objekt da ist) 

Antwort
von Kahuna, 24

Ergativsprachen sind Sprachen, in denen das Subjekt eines intransitiven Verbs (= Verb ohne direktes Objekt wie „schwimmen“) im gleichen Kasus (Absolutiv) steht wie das Objekt eines transitiven Verbs (z.B. schlagen). In Sätzen wie „Der Mann schwimmt“ und „Der Mann schlägt den Hund“ stünde in einer Ergativsprache „der Mann“ aus dem ersten Satz im gleichen Kasus wie „der Hund“ im zweiten.

Antwort
von RudolfFischer, 21

Ohne speziell Baskisch zu kennen, habe ich über Ergativsprachen gelernt:

Es geht um Sätze, die folgende Satzteile haben:

Handelnder (Subjekt) Handlung (Prädikat) Ziel der Handlung (Objekt)

In Nicht-Ergativsprachen wie dem Deutschen wird in solchen Sätzen das Objekt morphologisch gekennzeichnet:

Der Jäger (Handelnder) schießt de_n_ Hase_n_.

Ergativsprachen heben nicht das Objekt, sondern den Handelnden (das Subjekt) durch eine morphologische Kennzeichnung hervor, also etwa

*Jäger-h schießt Hase

Dann gibt es noch Sätze, in denen es eigentlich keinen Handelnden gibt, obwohl das Deutsche auch hier Verben wie bei einer Handlung benutzt.

Beispiele für solche Verben sind: erblassen, regnen, sich auflösen, fallen

sowie alle statischen Verben wie: sitzen, stehen, liegen, hängen, usw.

Ein solcher Satz hat dann die Struktur:

"Scheinhandelnder" (Subjekt) Scheinhandlung (Prädikat)

Beispiel: Der Regen fällt.

In solchen Sätzen wird auch in Ergativsprachen das Subjekt nicht gekennzeichnet, und das ist logisch, da es ja nicht handelt.

Zusammenfassung:

Ergativkonstruktion:

1) Satz mit Handlung: Subjekt mit Kennzeichnung, Objekt ohne.

2) Satz ohne Handlung: Subjekt ohne Kenzeichnung (kein Objekt)

Bemerkung:

Die Ergativkonstruktion hat Parallelen zu unserem Passiv, bei dem auch der Handlungsträger gekennzeichnet wird, das Objekt der Handlung aber nicht, indem es grammatisch Subjekt wird:

Durch den Jäger wird der Hase geschossen.

Jetzt ist das Objekt der Handlung nicht gekennzeichnet (da Subjekt), der Handelnde ist gekennzeichnet (Präpositionalausdruck: "durch den").

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