Frage von Janitschka, 322

Atemschutznotfalltasche für Angriffstrupp oder Sicherheitstrupp?

An die Feuerwehrleute unter euch:

Wie steht ihr zur Atemschutznotfalltasche (s.Bild)? Wo seht ihr deren optimales Potential in der Verwendung?

Vom Namen her "Notfalltasche" klingt es eher so, als wäre sie für den Sicherheitstrupp. So bekommen wir es von unseren Ausbildern auch i.d.R. erklärt. (Der ein oder andere weicht auch mal davon ab)

...aaaber: Von der Ausstattung her: Weitere Sauerstoffflasche, Brandfluchthaube, Bandschlingen, Tragetuch, Keile usw. finde ich sie aber eher auf den Angriffstrupp zur Menschenrettung ausgelegt.. Dieser wiederum ist aber oftmals mit Strahlrohr/Schlauch, Feuerwehraxt etc. bereits ausreichend bepackt...

Kniffliges Thema :D

Expertenantwort
von Nomex64, Community-Experte für Feuerwehr, 202

Die Tasche ist nur für den Notfall eines Atemschutzträger gedacht und auch so zugelassen. Sie wird durch den Sicherheitstrupp mitgeführt.

Der Angriffstrupp sollte Bandschlingen und andere Kleinteile sowie Brandfluchthauben in entsprechenden Holstern mitführen. Der ist mit der notwendigen Ausrüstung zur Brandbekämpfung oder Personensuche mehr als gut bepackt, da muss keiner noch eine zusätzliche Tasche mit schleppen.

Brandfluchthaube ist für die Personenrettung weit besser geeignet als alles was in der Notfalltasche ist. Die Haube in der Tasche ist an die Luftflasche angeschlossen, wenn die Flasche aufgedreht strömt ständig Luft ab das ist die letzte Möglichekit wenn alle anderen Verfahren (Umstecken Mitteldruckleitung oder Wechsel Lungenautomat) nicht möglich sind weil Maske des verunfallten AGT defekt.

Wenn du eine vermisste Person im Brandobjekt gefunden hast dann heißt es Brandfluchthaube drüber (oft ist dafür nicht mal Zeit) und raus. Das ganze Brimbamborium was man bei der Tasche beachten muss dauert viel zu lange.

Noch eine Bitte. Verwende bitte nächstes Mal den Begriff Atemluftflasche. Das ist fachlich richtig und hört sich zudem professioneller an, weil da ist weit mehr drin als nur Sauerstoff.

Kommentar von Janitschka ,

Danke für die Antwort!

Also bei uns (Freiwillige Feuerwehr, ländliche Region) hat der Angriffstrupp keine Holster o.ä. mit Brandfluchthaube / Bandschlinge etc. zur Verfügung... Ebenso geht er nicht mit der Wärmebildkamera vor... Die Brandfluchthaube in unserer Notfalltasche ist jedoch (anders als auf dem Bild oben) nicht mit einem Anschluss für die Flasche versehen, sondern mit einem einfachen Filter vorne dran... Daher eignet diese sich ja eigentlich auch nur bedingt zur Rettung, da bei starkem Brandrauch (durch den u.U. gerettet werden müsste) zu wenig Sauerstoff verfügbar ist... Oder sehe ich das falsch?

Kommentar von Nomex64 ,

JA das es auf dem Lande mit der Ausrüstung nicht immer so zum Besten steht ist mir durchaus bekannt. WBK haben wir auch erst seit einem Jahr, Brandfluchthauben sind schon eine Weile auf jedem Fahrzeug mit PA. Atemschutzholster stehen auch demnächst erst zur Beschaffung an.

Was du über die Brandfluchthaube mit Filter sagst stimmt im Grundsatz. Die Einsatzgrundsätze für den Filtereinsatz besagen ja das mind. 16% Sauerstoff noch vorhanden sein müssen. Das gilt aber eher für Arbeiten unter Filter.

Bei der Flucht kann es sicher sein das es eine kurzfristige Unterversorgung mit Sauerstoff kommt. Das ist aber bei der Flucht nicht das wirkliche Problem da die Person ja durch Feuerwehrleute begleitet wird. Außerdem sind die Rettungswege in normalen Gebäuden ausreichend kurz so das dies in aller Regel überbrückbar ist. Sobald die Person wieder an der Frischluft ist kann sie die Sauerstoffunterversorgung schnell wieder ausgleichen.

Hier ist es wichtiger das die Person keine schädigenden Atemgifte einatmet. Für eine Flucht also vollkommen ausreichend.

Für den Atemschutznotfall aber meiner Meinung komplett ungeeignet. Was passiert wenn ein AGT irgendwo eingeklemmt ist und seine Maske zerstört wurde. Das noch in einer Umgebung mit Atemgiften. Da kann es schon mal länger dauern. Da muss unter Umständen erst Gerät zur TH heran geschafft werden. Da kann es schnell mal passieren das eine Flasche Atemluft nicht reicht.

Ich denke da solltet ihr euer Atemschutznotfallkonzept mal überprüfen. Hier gehört eine Haube mit Schlauchanschluss hin. Reserve-Maske mag auch noch gehen, ist aber im Notfall nicht unproblematisch gerade wenn es vielleicht Kopfverletzungen gibt.

Antwort
von FeuerwehrMitte, 164

Sowas ist relativ unnötig. Der Angriffstrupp hat in der Regel alles was er brauch . D.h jeder Mann 1 Leinenbeutel zum umhängen, dann noch die Flasche auf dem Rücken der Angriffstruppführer  sein Hohlstrahlrohr und sein Haltegurt mit Beil. Sein Kollege hält und stabilisiert den Schlauch von hinten und ebenfalls Haltegurt mit Beil und Wärmebildkamera. Und wenn einem Kollege die Flasche leer geht müssen beide direkt raus. Was nützt es wenn der eine irgendwie versucht seine 2. Flasche mit sich her zu ziehen wen der andere nichts von hat ?. Für Menschen in Wohnungen auch relativ unnötig so benötigt es nur Zeit um die Menschen aus den Häusern zu bekommen.

Und Sicherheitstrupp ist ausgerüstet wie ein Angriffstrupp  ;)

Kommentar von Davidtheanswer ,

Fast richtig... Es ist relativ sehr wohl nötig, nur nicht so gemeint wie der Fragensteller es formuliert hat. Hast du vllt was verwechselt? Der Angriffstrupp hat natürlich seine normale Ausstattung dabei, mehr geht auch gar nicht...  Die Ausstattung auf dem Bild ist natürlich für den Sicherheitstrupp gedacht. Das ganze ist logischerweise dazu da, wenn ein Kamerad aus dem Angriffstrupp verunfallt, vielleicht sein gerät kaputt geht, das die den dann rausholen. 

Keine passende Antwort gefunden?

Fragen Sie die Community

Weitere Fragen mit Antworten