Die Gründe und ihr Gewicht beim Verhalten können bei den einzelnen Menschen unterschiedlich sein. Für eine genauere Einschätzung wären weitere Beobachtungen nötig. Nach meiner Meinung sind A, B, C und abgeschwächt auch E Motive.
Sicherlich möchten Kunden vermeiden, Waren anderer nachfolgender Kunden wegen einer irrtümlichen falschen Zuordnung zu bezahlen. Manche (auch wenn sie Ausnahmen sind) legen machmal ihre Waren nicht genau von vorn nach hinten auf das Band, sondern legen auch Teile vor die zuerst abgelegten waren. Wenn schnell der nächste Kunde mit einem vollen Einkaufswagen kommt, kann ein Bedürfnis entstehen, die Waren dichter heranzuschieben, um für diesen Platz zu schaffen. Dann ist der eindeutig auseinanderhaltende Abstand von 1 Meter weg. Dies gilt für eine Situation mit großen Warenmengen. Wer dies erlebt hat, will aber vielleicht ohne näheres Hinsehen so etwas auf jeden Fall vermeiden.
Höflichkeit und freundlich gemeintes Entgegenkommen spielen auch eine Rolle. Zum Teil sind die Warentrenner mehr im vorderen Bereich und daher für die weiter vorne Stehenden besser zugänglich. Außerdem denken vermutlich einige, der nachfolgende Kunde könne dann sofort seine Waren auf das Band legen und bei sehr vollem Einkaufswagen sei der Ablauf so zügiger (es kommt hier vor allem auf die Vorstellung an, für den Realitätsgehalt wäre Tests zur Überprüfung geeignet).
Der Kassiererin wird die Arbeit etwas erleichtert, weil sonst zumindest teilweise mehr Konzentration für das Auseinanderhalten abverlangt wird. Das Band läuft ja nicht immer gleichmäßig voran. Wenn Waren vorne angekommen sind, können unter Umständen die Waren des nächsten Kunden noch dicht heranrollen. Bei einem Irrtum ist eine Stornierung des Vorgangs nötig und ein überflüssiger Wortwechsel und ein Zeitverlust entsteht. Ich habe dies schon erlebt. Warentrenner können auch eine Funktion haben, ein Anhalten des (sonst automatisch weiterlaufenden) Bandes an der Kasse sicherzustellen, vor allem bei einer geringen Menge mit kleinen Teilen.
Ein Wunsch nach Abgrenzung kann beteiligt sein, aber nicht in extremer Form ("um jeden Preis"), sondern einfach zur klaren Sichtbarmachung der Zugehörigkeit.
Für Diskretion (im Sinn einer Eigenschaft, Vertrauliches geheimzuhalten) leistet ein Warentrenner nicht. Ich habe noch keine mit Sichtschutz gesehen und auch beim Aus- und Einladen in den Einkaufswagen und in Tüten/Taschen/Beutel/Körbe/Netze sind Blicke nicht ausgeschlossen. Selbst der Verpackungskünstler Christo hätte es wohl schwer, ein praktisch gut nutzbares Modell zu entwerfen, das alles verhüllt.
Ingesamt kann das Verhalten eine Gewohnheit geworden sein (sozusagen eine Konditionierung), bei der Abweichler als kleine Minderheit auffallen. Und wenn andere eifrig einen Warentrenner hinlegen, erspart dies sogar eigene Arbeit.
Eine sehr feine Erklärung. :-)