Was denkt/fĂŒhlt er wirklich?
Es gibt da jemanden in meinem Leben. Ich nenne ihn N.
Unsere Geschichte ist ungewöhnlich. Wir leben auf zwei verschiedenen Kontinenten und haben uns zufĂ€llig kennengelernt. Trotz der Distanz hat sich zwischen uns etwas aufgebaut, das von Anfang an nie ânur Freundschaftâ war. Am Anfang lief sogar etwas zwischen uns. Danach wollten wir es auf ânur Freundschaftâ runterstufen und gemeinsam verreisen â und selbst dann blieb es nicht bei Freundschaft. Wir sind in dieser undefinierbaren Verbindung hĂ€ngen geblieben, die sich immer wieder öffnet, obwohl sie eigentlich lĂ€ngst hĂ€tte enden sollen.
Wir hatten einen Breaking Point, an dem wir uns gegenseitig so verletzt haben, dass es eigentlich endgĂŒltig vorbei war. Jeder andere Kontakt wĂ€re nach so einem Punkt normalerweise tot. Trotzdem fanden wir immer wieder zurĂŒck zueinander. Nicht, weil es einfach war, sondern weil es anscheinend unmöglich ist, den anderen wirklich loszulassen.
Wenn wir uns sehen, ist N nicht einfach ein Freund.
Er ist aufmerksam, warm, prĂ€sent. Er verhĂ€lt sich territorial, eifersĂŒchtig, beschĂŒtzend. Er zeigt FĂŒrsorge, die weit ĂŒber âFreundschaftâ hinausgeht: Er verschwindet morgens frĂŒh, um mir Kaffee zu holen. Er besteht darauf, ĂŒberall zu zahlen. Er fĂ€hrt durch eine halbe Stadt, um mir irgendeinen Snack zu besorgen, den ich erwĂ€hnt habe. Meine Freunde haben es miterlebt und meinten: âSo verhĂ€lt sich kein normaler Kumpel.â
Und gleichzeitig sagt er seit Monaten: âIch will nur Freundschaft.â
Aber das Verhalten passt nie dazu.
Was das Ganze noch komplizierter macht: Er ist die verlĂ€sslichste StĂŒtze in meinem Leben. Niemand hilft mir so sehr wie er. Besonders jetzt, wo ich in die USA auswandere. Die ganze Visumsthematik ist belastend und komplex â und er hilft mir bei jedem Schritt. Ohne, dass ich nachfragen muss. Er bietet Hilfe an, bevor ich ĂŒberhaupt daran denke. So verhĂ€lt sich keiner, der emotional komplett raus ist.
Und jetzt, wo alles wieder ruhiger geworden ist, kommt das nÀchste Thema: Bali.
Wir hatten vor Monaten darĂŒber gesprochen, dort zusammen zu meinem Geburtstag hinzufliegen. Dann wurde es zwischen uns schwierig, und ich wollte ihn darauf gar nicht mehr ansprechen. Und jetzt ist er es, der von sich aus nach Bali fragt. Er sagt, ein Freund hĂ€tte ihn auf eine andere Reise eingeladen, aber er wĂŒrde unsere Reise bevorzugen.
Auch das passt nicht zu dem, was er behauptet.
Ich bin nicht blind verliebt. Ich weiĂ, dass die Situation keinen logischen Weg zu âmehrâ hat. Ich hoffe nicht naiv auf irgendwelche LiebeserklĂ€rungen. Ich will einfach verstehen:
Warum sagt jemand konsequent âFreundschaftâ, lebt aber alles auĂer Freundschaft?
Warum kĂ€mpft jemand innerlich gegen GefĂŒhle, aber hĂ€lt mich gleichzeitig fest in seinem Leben?
Warum lÀsst er mich nicht gehen, wenn er angeblich nichts Tieferes will?
Und warum kommt er immer wieder zurĂŒck â selbst nach unserem Breaking Point?
Es fĂŒhlt sich falsch an, das âFreundschaftâ zu nennen, weil es das nie war.
Mich macht dieser Widerspruch fertig:
Ich weiĂ, dass er mehr fĂŒhlt. Ich habe es gesehen, gespĂŒrt, erlebt.
Und trotzdem hÀlt er den Deckel auf allem, wÀhrend er gleichzeitig nicht loslassen kann.
Hat jemand so etwas schon erlebt?
Wie kann ich wissen was wirklich in ihm vorgeht bzw was er denkt/fĂŒhlt oder was das alles soll?