Ich habe jahrelang weitergemacht - präsentiert mir mein Körper jetzt die Rechnung?
Hallo zusammen,
ich möchte hier einmal meinen gesundheitlichen Weg der letzten rund drei Jahre schildern. Einerseits, weil ich mir das selbst einmal von der Seele schreiben möchte, andererseits, weil mich interessieren würde, ob andere Menschen etwas Ähnliches erlebt haben und wie es ihnen heute geht.
Ich bin Mitte 20 und war früher eigentlich ein sehr belastbarer Mensch. Ich war körperlich fit, viel in den Bergen unterwegs, habe regelmäßig lange Wanderungen gemacht und konnte problemlos viele Höhenmeter mit Rucksack bewältigen. Müdigkeit war für mich etwas, das man nach einem anstrengenden Tag hatte und das nach einer Nacht Schlaf wieder verschwand. Gesundheitlich hatte ich zwar hier und da kleinere Dinge, aber grundsätzlich hatte ich das Gefühl, meinem Körper vollkommen vertrauen zu können.
Was mich zusätzlich verunsichert, ist, dass ich viele klassische Risikofaktoren eigentlich nie hatte.
Ich bin Nichtraucher, trinke praktisch keinen Alkohol, konsumiere weder Energydrinks noch Kaffee oder andere Aufputschmittel und habe auch nie regelmäßig Schlafmittel genommen. Erst seit Kurzem habe ich vereinzelt Melatonin ausprobiert. Auch meine Ernährung war über weite Strecken meines Lebens eher gesund. Süßigkeiten, Softdrinks oder größere Mengen Zucker haben nie eine große Rolle gespielt.
Vor der ganzen Entwicklung lebte ich bereits einmal mehrere Jahre alleine in einem anderen Bundesland. Damals hatte ich deutlich weniger finanziellen Druck, hatte mir ein soziales Umfeld aufgebaut und fühlte mich insgesamt wesentlich stabiler.
Ich war praktisch nie krank. Selbst Corona verlief bei mir ohne nennenswerte Beschwerden oder erkennbare Folgen.
Körperlich war ich damals wahrscheinlich in der Form meines Lebens.
Ich konnte problemlos 30 bis 40 Kilometer an einem Tag gehen, lange Wanderungen absolvieren, teilweise über 1.500 Höhenmeter in kurzer Zeit zurücklegen und ganze Skitage verbringen, bei denen ich das Gefühl hatte, überhaupt nicht müde zu werden. Selbst bei hohen Temperaturen war ich extrem belastbar.
Genau deshalb fällt mir der Vergleich zu heute so schwer.
Vor etwa drei Jahren begann dann eine Phase, die rückblickend wahrscheinlich die belastendste meines bisherigen Lebens war.
Damals begann ich eine neue Tätigkeit in einer Bank und zog dafür alleine in ein anderes Bundesland. Ich kannte dort praktisch niemanden. Familie, Freunde und mein gewohntes Umfeld waren plötzlich weit weg. Gleichzeitig wollte ich natürlich im neuen Job einen guten Eindruck machen, mich beweisen und möglichst schnell alles lernen.
Der Umzug hatte allerdings nicht nur berufliche Gründe. Ich wollte damals auch Abstand gewinnen. In meiner Herkunftsfamilie gab es viele Konflikte, Streitigkeiten und Personen, die mir psychisch nicht gutgetan haben. Zusätzlich wollte ich Distanz zu meiner früheren Umgebung gewinnen, da ich in meiner Schulzeit Mobbingerfahrungen gemacht habe und vieles davon bis heute mit meiner alten Heimat verbinde.
Fast zeitgleich begann allerdings ein weiteres Problem, das mein Leben völlig auf den Kopf stellte: eine Bettwanzenplage.
Wer so etwas selbst erlebt hat, weiß vermutlich, dass das weit mehr ist als nur ein Schädlingsproblem. Es bedeutet ständige Alarmbereitschaft. Man kontrolliert sein Bett, seine Kleidung, die Wohnung und jede Hautreaktion. Man hat Angst einzuschlafen und denkt den ganzen Tag darüber nach.
Während dieser Zeit schlief ich oft nur etwa vier Stunden pro Nacht, teilweise sogar weniger.
Zusätzlich pendelte ich damals täglich rund 1,5 Stunden pro Strecke. Das bedeutete ungefähr drei Stunden Fahrzeit pro Tag.
Rückblickend frage ich mich manchmal ernsthaft, wie ich diese Zeit überhaupt überstanden habe.
Ich stand morgens völlig übermüdet auf, fuhr zur Arbeit, versuchte dort als neuer Mitarbeiter zu funktionieren, lernte neue Abläufe, hatte Verantwortung gegenüber Kunden und kam am Abend wieder erschöpft nach Hause.
Die Kombination aus massivem Schlafmangel, Bettwanzen, täglichem Pendeln, einem neuen Job, familiären Belastungen, einer völlig neuen Umgebung und dem Umstand, praktisch niemanden vor Ort zu kennen, war wahrscheinlich die größte Belastung meines bisherigen Lebens.
Gerade in diesem ersten Jahr bin ich häufig krank zur Arbeit gegangen. Teilweise hatte ich sogar leichtes Fieber oder fühlte mich eindeutig krank. Trotzdem bin ich arbeiten gegangen, weil ich neu im Unternehmen war und keinesfalls ausfallen wollte. Rückblickend habe ich einfach funktioniert und weitergemacht.
Irgendwann konnte das Bettwanzenproblem zwar erfolgreich beseitigt werden. Zusätzlich zog ich aus der damaligen Wohnung aus, um endgültig einen Schlussstrich unter dieses Kapitel zu ziehen.
Die neue Wohnung war objektiv betrachtet deutlich besser als die alte. Trotzdem stellte sich die erhoffte Erholung nie wirklich ein.
-> Fortsetzung untenbei