Es gibt nicht das Wissen, mit dem man alles, was passiert, verstehen und erklären kann. Vielmehr existieren viele verschiedene Ansichten, Meinungen und Interpretationsmöglichkeiten. Das macht Politik oft undurchsichtig und schwer verständlich. Darin liegt aber auch ihr Reiz, denn es entstehen häufig interessante Diskussionen, in denen jeder Teilnehmer seine Überzeugungen möglichst gut zu verkaufen versucht. Als Zuschauer ist man ständig gezwungen, sich seine eigenen Gedanken zu machen und seine eigene Anschauung herauszufinden. Deshalb sind Talkshows ein guter Anhaltspunkt, auch, um (unterbewusste) Manipulation zu erkennen: Ein guter Redner kann etwa, wenn man als Zuhörer nicht auf der Hut ist, eine böse Sache gut aussehen lassen.
Also ein grundsätzlicher Tipp: Lies niemals nur eine Zeitung oder niemals nur ein Buch zu einer Thematik. Hat man einen Beitrag gelesen, scheint alles klar und überzeugend. Interessant wird es aber erst, wenn man mehrere Texte zu einer Sache gelesen hat und allmählich Widersprüchlichkeiten oder andere Besonderheiten aufdeckt. Sehr geeignet sind dafür verschiedene Zeitungen oder auch Online-Beiträge verschiedener Nachrichtenseiten. Je nach Absicht des Verfassers wird dieselbe Sache mal positiv, mal negativ dargestellt. Mal hat sich jener schuldig gemacht, mal dieser. Was der eine Politiker als herausragende Leistung hervorhebt, wird von seinem Gegner als Lappalie kleingeredet. Frage dich also immer, was der Politiker/Autor etc. bezwecken will.
Sehr problematisch und äußerst verdächtig sind übrigens jene Menschen, die andauernd ausrufen, es gebe nur die eine Version, nach der etwas passiert sei, oder nur die eine Meinung, die richtig sei, und die nicht müde werden, Mitmenschen entsprechend zu missionieren. Der fruchtbarste Boden für gewinnbringende Gedanken ist jedoch völlige Offenheit, es sollte keine Tabus in Sachen Gedankenspiele geben. Früher oder später weist die Vernunft nämlich den plausibelsten Weg und entlarvt sämtliche irrigen Anschauungen der Schwätzer. Dementsprechend sind es beispielsweise viele Verschwörungstheorien durchaus wert, sich mit ihnen zu beschäftigen, aber nur, um mal eine völlig andere Sichtweise einzunehmen und um sie letztlich doch als "extrem unwahrscheinlich" zu entkräften. Wer ständig das vertritt, was extrem unwahrscheinlich oder sogar völliger Blödsinn ist, macht sich selbst unglaubwürdig. Trotzdem gibt es Menschen, die dauerhaft auf Sinnlosem beharren, da hilft dann kein vernünftiges Gegenreden mehr, sondern einzig die Flucht. ;-)
Noch etwas gibt es zu bedenken: Manche Leute versprechen das Blaue vom Himmel oder stehen für Dinge ein, die sehr idealistisch und geradezu paradiesisch klingen (z. B. um Wählergunst zu erhalten). Es ist zwar schon gut, sich in der Theorie mit dem "perfekten Staat" oder dem "Optimalfall" zu beschäftigen, aber was auf der Welt noch wichtiger ist, ist die Umsetzung der Theorie in die Praxis, und daran scheitern viele. Nichtsdestotrotz erreichen manche Gruppierungen relativ viele Stimmen für etwas, was niemals umgesetzt werden kann oder bei einer Umsetzung die derzeitige Lage deutlich verschlechtern würde.
Kurz gesagt: Geh immer offen an Themen heran, lass dir nichts vorschreiben. Versuch, möglichst viele Argumentationswege zu verstehen, am Ende wirst du die für dich plausibelste Ansicht herausfinden (erst dann kannst du auch den anderen entschieden widersprechen, wenn sie Blödsinn erzählen). Interessiere dich in der Schule für Sozialkunde, Politikwissenschaft und Geschichte. Manche Leute vertreten Dinge, die in der Geschichte schon mehrmals fürchterlich schief gelaufen sind - historisches Wissen ist also immer von Vorteil, um Situationen einschätzen zu können. Lies verschiedene Zeitungen und Nachrichtenseiten im Internet, schau verschiedene Nachrichtensendungen und auch Talkshows. Auch Satire und Comedy können nützlich sein, denn durch sie werden ungeliebte oder trockene Themen aufgelockert. Auch ein schlechter Witz oder schwarzer Humor kann dafür sorgen, dass sich Menschen mit einer Sache eingehender beschäftigen, was letztlich immer zu begrüßen ist. Denn eines ist sicher: Politik ist nie einfach und oberflächlich zu erklären. Wer behauptet, eine Thematik mit einem Satz einwandfrei darstellen zu können, der lügt. ;-)
P. S. Respekt für deine Frage und deine Gedanken - es ist sehr wichtig, mitreden und wählen zu wollen. Mach dir immer bewusst, dass es bei uns Zeiten gab, in denen man nicht wählen konnte. Und mach dir erst recht bewusst, dass in manchen Ländern immer noch Menschen ihr Leben für etwas opfern, was für uns selbstverständlich ist, nämlich freie Wahlen. Sicherlich läuft auch bei uns nicht alles rund, aber wir jammern auf extrem hohem Niveau (was aber nicht jeder erkennen will oder kann).
Danke sehr nett hatt mir echt weitergeholfen