Wie nennt man diesen Zeichenstil?

3 Antworten

Hallo,

wenn man mit Zeichnern spricht, wird nicht selten einfach "Disney Stil" dazu gesagt.

"Im Entenhausener Stil" könnte man auch humorvoll sagen.

LG

Jo

Ich weiß, in welche Richtung du mit deiner Frage willst, aber ich fürchte, dass man da nicht von einem eigenen Stil mit einem eigenen Namen sprechen kann. Das was du hier siehst ist schlichtweg einfach der typische Comicstil seiner ehtsprechenden Zeit. Um dies zu erklären muss ich weiter ausholen (werde mich aber trotzdem sehr kurz halten).

Comicfiguren entwickeln sich im Laufe der Zeit. Genauso ist es auch bei Donald der Fall. Wie du sicher weißt, ist der "kassische" Donald, so wie wir ihn aus unserer Kindheit kennen, auch nur "ein" comicstil unter vielen. Nicht selten war ein einzelner Künstler dafür verantwortlich, der den Stil erfunden hat und dann von vielen Autoren übernommen hat.

Nehmen wir mal die Micky Maus als Beispiel her: Ursprünglich von Walt Disney in den 1930ern erfunden, besaß diese eine Rote Hose mit Knöpfen und dunkle Knopfaugen. Diese Micky war vom charakter her eher dümmlich, kindisch, vielleicht auch jugendlich-naiv und eher auf Slapstickeinlagen auf der Kinoleinwand ausgelegt.

Walt Disney schenkte der Micky Maus eher weniger Beachtung. Die ganzen berühmten Comics der 1940er Jahren stammen von Floyd Gottfredson. War anfangs Micky noch sehr an Walt Disneys Maus angelegt, so schrieb Floyd Gottfredson schon bald sehr lange Abenteuergeschichten mit Micky. Micky wurde dadurch reifer und intelligenter, ist aber noch immer sehr tollpatschig. Keine 10 Jahre später veränderte der selbe Künstler die Micky nachhaltig. Mickys Augen veränderten sich in ein und derselben Geschichte (die damals als Fortsetzungsgeschichte in Zeitungen veröffentlicht wurden) von Knopfaugen zu "Augen mit Pupille". Kurz darauf "erfand" er dann "Detektiv Micky", ein Protagonist, der deutlich intelligenter als die Polizei war und selbstständig Fälle löste. Seine Knopfhose blieb aber bestehen.

Ja... und danach ging es schlag auf schlag (bin in dieser Zeitspanne nur bedingt informiert). Während Micky in Amerika seine Knopfhose beibehielt, machte man die Micky insbesondere in europäischen Geschichten moderner indem man ihr Hemd und Hose verpasste. Zu diesem Zeitpunkt, so würde ich zumindest behaupten, hat sich Micky Erlebnisse in die Comics verlagert, die moderne "Micky Maus" in dem Stil wie auch das erste Bild von "Donald" ist dann wohl irgendwann in den 1960er Jahren entstanden (ich denke da an Balu aus "Das Dschungelbuch). Dieser Stil blieb dann bis in die 1980er Jahren wo verschiedene Disney-Serien und Kinofilme in ähnlichem Stil entstanden. Ich denke da z.B. an Captain Balu, Chip und Chap, Darkwing Duck etc. Ich würde da tatsächlich vom "Stil der 1960er-1980er Jahre" sprechen. Dann kam lange Zeit nix neues, bevor sich mit der modernen Animationsserie ein neuer Stil etablierte. Wann genau der "Bruch" kam, kann ich nicht sagen, aber meinem persönlichem Empfinden passierte das irgendwann in den 1990er Jahren. Besonders die Cartoon Network-Serien der damaligen Zeit wie die "Tex-Avery-Show" wirken schnell produziert und "schlicht" gezeichnet. Der endgültige Wandel passierte dann meines Erachtens (und weil ich es nicht besser weiß) mit den "Power Puff Girls" und später "Cosmo und Wanda". Hier kann man dann schon durchaus sagen, dass dies ein eigener Stil ist. Und da auch Disney mit der Zeit gehen will, ändert sich schlussendlich der Stil der "neuen" Disney-Serien. Jahrzehntelang sein Captain Balu, der Gummibären-Bande etc. ist nix neues gekommen.

Danach hat man entschieden auf den "Remake-Zug" aufzuspringen und alte Serien zu modernisieren und auf das neue Zielpublikum anzupassen. Das Ergebnis ist z.b. der moderne Donald wie von dir gezeigt.

Zusammenfassend würde ich sagen, dass alles ein "Cartoon-Stil" ist, der sich aber im Laufe der Zeit verändert. Genauso wie es für die Kinder der 1940er Jahren ungewohnt war, dass die Walt-Disney-Micky zu einem berühmten Detektiv wurde, so ist es für uns ungewohnt, dass die einst als klassisch angesehenen Figuren nun im digitalen Zeitalter angekommen ist. Auch dieser Stil wird nicht der Letzte sein und wird sich irgendwann wieder verändern. Vielleicht nicht in 10 Jahren, aber vielleicht in 20 Jahren.

Wie du siehst, kann man die Frage ned pauschal beantworten. Das was wir als Cartoon-Figur verstehen ist bloß das Resultat der entsprechenden Zeitepoche und dem, was sich das "moderne" Publikum von Cartoons erwartet.

Woher ich das weiß:eigene Erfahrung
Mafloni  06.03.2022, 08:50

Mir ist nochwas zum Thema oben eingefallen. Donald hat "Carl Barks" groß gemacht. Dieser hat sowohl an Zeichentrickfilmen mitgearbeitet aber auch Comics gezeichnet. Dieser Comicstil wurde Standard und wurde auch von zahlreichen berühmten Comic-Zeichnern wie Paul Murry, Marco Rota und Vicar beibehalten. Don Rosa gilt unter Fankreisen als "geistiger" Nachfolger von Carl Barks, der stets bemüht war dessen Stil nachzuahmen. Dennoch gab er den Charakteren ein plastisches Aussehen weil er gerne mit Schraffuren arbeitete.

Meines erachtens wäre dies die "logische Weiterentwicklung" von Donald gewesen, aber wie sich herausstellte kam es mit dem digitalen Zeitalter ganz anders un der "Don-Rosa-Stil" kann eher als künstlerische Sackgasse betrachtet werden.

ps. dies ist meine persönliche Meinung. Nichts was ich da geschrieben hab, ist irgendwie wissenschaftlich fundiert, sondern die Summe meiner Erfahrungen. Falls ich mich irgendwo geirrt habe oder falsch interpretiert hab, so lasst es mich gerne wissen :-)

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