Frage von soapcherry, 144

Wie lange Vorwärts-Abwärts reiten?

Bin ein großer Fan von Vorwärts-Abwärts habe aber zwei Reitlehrer die meinem was ganz anderes. Die eine meint das man nur kurze Strecke für Vorwärts-Abwärts abfragt (halbe Zirkel) und dann wieder arbeitet und dann wieder kurze Strecken Vorwärts-Abwärts abfragt. Der andere meint man muss das 15 Minuten stur reiten . Was ich aber gelesen habe ist das man eigentlich VA nicht länger als 10 Minuten reiten sollte weil das Gewicht in die Vorderbeine lagert. Ist das richtig ?

Expertenantwort
von Dahika, Community-Experte für Pferde, 57

Ich wundere mich immer, was manche Leute als V/A bezeichnen. Meine RL, die immerhin bis S ausbildet, sagte mir mal, dass ein korrektes V/A das Schwerste ist, was es in der Reiterei gibt. "Da kannst du ganze Professuren drüber schreiben," meinte sie.

V/A, das korrekte natürlich, hat NICHTS mit am langen Schlackerzügel daherlaufen zu tun. Das bringt das Pferd natürlich auf die Vorhand. Und der Rücken hängt durch. Zu einem korrekten V/A muss ein Pferd in der lage sein, in guter, korrekter Selbsthaltung zu laufen, mit positiver Körperspannung. Ein korrektes V/a kann ein Pferd erst dann, wenn es schon ganz gut ausgebildet ist. MIndestens bis gut A. Alles andere, was gern als V/A bezeichnet wird, ist Schluff Schluff.

Wenn ich V/A reite, stelle ich erst mal eine Anlehnung von hinten nach vorne (natürlich) her und kann es dann ins V/A  entlassen. Das Pferd soll sich sich dann dehnen und den Rücken aufmachen. Ich kann es übrigens längst nicht immer. Denn, wie meine RL sagte: zu einem V/A muss alles stimmen.

Von daher halte ich die Aussage des ersten RL für korrekter als die des zweiten. Eine halbe Zirkelrunde finde ich zwar auch wenig, aber eine Viertelstunde dürfte wieder dieses Schluff/Schluff sein.

Ich würde es so machen, dass ich immer wieder ein korrektes V/A fordern würde, nicht lange, um das Pferd dann wieder zusammenzustellen und es dann wieder in die Dehnungshaltung entlassen. Insgesamt in einer Stunde geht ein Pferd dann vielleicht wirklich  10 oder 15 Min., aber nicht am Stück.


Expertenantwort
von Sallyvita, Community-Experte für Pferde, 87

Die Dehnungshaltung ist wichtig. Das Pferd soll Kopf und Hals fallen lassen und sich vertrauensvoll an das Gebiss herandehnen, wobei der Hals relativ lang ist, aber eben nicht gestreckt. Und solange das Pferd dabei fleißig aus der Hinterhand kommt, wölbt sich der Rücken auf und aktiviert die richtigen Muskelpartien, damit man nachfolgend das Pferd auch richtig versammeln kann. Der aufgewölbte Rücken lockert die Rückenmuskulatur und das Pferd bekommt Vertrauen zur Reiterhand. Außerdem fördert das Vorwärts-Abwärts-Reiten den Fleiß und die Losgelassenheit eines Pferdes.

Das Aufwölben des Rückens ist für ein Pferd recht anstrengend. Besonders junge oder schlecht bemäkelte Pferde oder Pferde mit einem sehr verspannten Rücken tun sich damit nicht ganz so leicht. Aus diesem Grunde sollte man das in diesem Fällen auch nicht zu lange am Stück einfordern, sondern immer wieder mit Phasen der Versammlung und Erholungspausen im Schritt abwechseln. Reitet man oben erwähnte Pferde, sollten sie Vorwärts-Abwärts-Phasen nie länger als 5-10 Minuten am Stück dauern.

Das Vorwärts-Abwärts-Reiten ist übrigens kein Selbstzweck, sondern ein Weg um das Pferd in eine korrekte Anlehnung zu bringen. Zusätzlich wird die Rückenmuskulatur dedehnt und aktiviert. Wer immer vorwärts-Abwärts reitet, macht auf Dauer die Vorderbeine kaputt, da diese dabei tatsächlich vermehrt belastet werden.

Man kann ein Pferd auch sehr schön vorwärts-abwärts longieren. Das ist für das Pferd einfacher, da es nur den eigenen Rücken anheben muss und nicht noch den Reiter mit dazu. Daher lohnt es sich oft Rückenkranke Pferde, gut und sinnvoll zu longieren.

Der richtige Weg ist wie immer eine gesunde Mischung aus Vorwärts-Abwärts, Versammlung, Entspannung und anderen Formen der Gymnastizierung.

Kommentar von Sallyvita ,

nicht bemäkelte - sondern bemuskelte Pferde:-) (blöde Autokorrektur)

Kommentar von ponyfliege ,

die vorderbeine werden eben NICHT vermehrt belastet, weil die hinterhand das gesamte reitergewicht aufnimmt.

wenn das pferd beginnt, von vorn nach hinten die bewegung aufzubauen, ist es kein vorwärts abwärts mehr.

bei der remonte übt man das vorwärts abwärts, sobald es das gleichgewicht gefunden hat. man verändert vom entlastungssitz schrittweise. damit lernt das pferd bereits recht früh, sich korrekt zu tragen.

die voraussetzung für ein langes und gesundes leben unter dem reiter.

es vermindert das risiko auf verschleisserkrankungen erheblich.

aber es ist wie mit der schrittarbeit. es ist mühsam, man erreicht nicht so wahnsinnig schnell fortschritte - und die meisten reiter finden beides langweilig. 

reitschüler zahlt - infolgedessen müssen sichtbare fortschritte kommen. reitlehrer sind in der zwickmühle. diese dinge bringen einfach nicht schnell genug fortschritte. dabei sind gerade schritt und v-a das, was am wichtigsten ist.

Kommentar von Sallyvita ,

Sicherlich werden die Vorderbeine nicht belastet, WENN die Hinterhand tatsächlich das gesamte Gewicht aufnimmt. Doch da das leider nicht jedem Reiter gelingt und eben doch sehr viele Pferde auf der Vorhand rumlatschen, kann ich es verstehen, wenn Trainer das Ganze zeitlich limitieren.

Expertenantwort
von ponyfliege, Community-Experte für Pferde, 39

hallo,

beim korrekten vorwärts-abwärts trägt die HINTERHAND. das pferd befindet sich in dehnungshaltung.

dehnungshaltung bedeutet körperspannung über die oberlinie, während gleichzeitig die gangarten beschleunigt werden. logisch - durch den vermehrten schub der hinterhand werden die bewegungen raumgreifender und schwungvoller.

ein trab im vorwärts abwärts entspricht in etwa dem mitteltrab - nur, dass der schwerpunkt dabei im schwung und im schwingen des pferdes liegt.

beide reitlehrer liegen übrigens falsch - da sie beide scheinbar unter vorwärts-abwärts ein "am boden schleifen" des pferdekopfes verstehen. und damit fällt dir das pferd faktisch auseinander. dann hängt der rücken, alle körperspannung ist weg. diese haltung ist vielleicht mal für kurze belohnung geeignet. aber bitte nur im schritt. es dient lediglich der reinen auflockerung.

https://image.jimcdn.com/app/cms/image/transf/dimension=450x1024:format=jpg/path...

so sieht es korrekt aus. es soll immer eine leichte anlehnung erhalten bleiben. die kruppe kommt tiefer als das vorderpferd. wie das pferd damit laut aussage der reitlehrerin auf die vohand fallen soll, ist mir schleierhaft.

es ist etwas mühsam, dem reitschüler korrektes vorwärts-abwärts beizubringen - das pferd über den schenkel und das kreuz zum schub aus der hinterhand und korrekter haltung zu bringen ist nicht ganz einfach. die haltung des reiters und das, was er machen muss, lässt sich im internet nicht beschreiben. dazu muss der reitlehrer sich schon mal bequemen, dich hin und wieder zurechtzuschieben.

scheinbar verstehen beide reitlehrer unter vorwärts abwärts ein auseinandergefallenes tiefenentspanntes pferd, dessen kopf so dicht über dem boden pendelt, dass es sich fast in die zügel tritt - und das ganze mit einem quasi "schlafenden" reiter oben drauf. diese kopfhaltung und die dabei merkwürdig hoppelnden gangarten entsprechen übrigens dem äussersten drohverhalten eines hengstes gegenüber den stuten.

man nennt diese haltung eigentlich treibhaltung. das pferd aus dieser haltung wieder zur arbeit zu animieren ist fast unmöglich.

das korrekte vorwärts abwärts ist für das pferd grad wenn es da noch nicht oft gemacht hat, eher anstrengend. man steigert es nach und nach. die reine muskelaufbau und konditionsarbeit kann man durchaus auch mal ausschliesslich im vorwärts-abwärts absolvieren. aber erst, wenn das pferd das auch leisten kann.

man beginnt mit schritt am langen zügel, holt sich eine leichte anlehnung (nicht über die hand - die fasst nur nach, wenn der zügel "kürzer" wird). dann trabt man an und lässt das pferd nach und nach die vorwärts-abwärts-haltung einnehmen. das kann unter umständen einige minuten dauern. die eigentliche vorwärts-abwärts arbeit fängt erst dann an.

Expertenantwort
von Urlewas, Community-Experte für Pferde, 56

Da braucht man nicht mal viel vom reiten zu verstehen - allzu lange in ein und derselben Haltung verharren zu müssen, besonders, wenn diese anstrengend ist, führt zu Verkrampfungen. Logisch.

Für mich liegt die Wahrheit in der goldenen Mitte... Ein halber Zirkel ist recht wenig. Eine Viertelstunde am Stück  meiner Meinung nach zu viel. 

Wichtig ist auch als Reiter ein Gefühl zu entwickeln, was du Pferd jetzt gut tut - und das kann nicht nur von Pferd zu Pferd, von Zag zu Tag, sondern schon innerhalb einer Reiteinheit unterschiedlich sein.

Antwort
von Snook88, 64

Hallo,

also meine Stunde sieht immer so aus:

20Min v/a im Schritt

dann 3 mal Übergang leichttrab/schritt, dabei auch immer v/a

dann handwechsel, wieder 3 mal Übergang leichtrab/schritt

dann 3 mal übergang trab/gallopp auf beiden händen

danach noch ein zwei runden v/a schritt und danach wird hochgestellt geritten. Zirkel, Übergänge trab/galopp, trab/halten, mitteltrab etc.

ich frage dann quasi die Lektionen der Dressuraufgaben ab die ich auf Turnieren reite. Dann leichttraben und v/a auf beiden Händen im Trab

dann ist Feierabend und ich reite trocken.

Ich finde v/a ist wichtig um die Rückenmuskulatur zu arbeiten.

Kommentar von Dahika ,


20Min v/a im Schritt

Das ist mit tödlicher Sicherheit kein V/A, sondern ein Dahingehen am langen Zügel. Das ist ja am Anfang auch richtig so, aber V/A ist das nicht.

Kommentar von ponyfliege ,

bei normalen temperaturen sollte das pferd nach dieser arbeit knochentrocken sein.

Kommentar von Snook88 ,

@ponyfliege: Wenn du ein komplett ausgebildetes Pferd hast, dann vielleicht. Meiner ist grade 7 geworden und tut sich noch sehr schwer mit der Balance und Haltung in hochgestellter Anlehung. Nach dieser Stunde schwitzt er schon.

Kommentar von Snook88 ,

Wenn es das wäre, dann hätte ich es auch so geschrieben. Ich reite in Dehnungshaltung Schritt. Am langen Zügel "dahingehen" ist es beim trocken Reiten ;) 

Kommentar von ponyfliege ,

wernn er noch schwierigkeiten mit der balance in der aufrichtung hat, dann fehlen die tragenden muskeln. dafür ist vorwärts abwärts sehr gut.

und wenn das pferd dadurch schwitzt - konditionsarbeit machen. eine gute halbe stunde im arbeitstrab sollte das pferd im laufe der zeit können. immer wieder wechseln zwischen vorwärts-abwärts und arbeit im arbeitstempo.

Antwort
von Viowow, 29

bei einem richtigen V/A trägt das Pferd sich selber und schlurft NICHT auf der vorhand rum. das ist ja das schwierige am V/A.
wie oft und wie lange du das reitest, hängt vom betreffenden pferd ab. zügel hingeben und nase auf den boden ist nicht zwingend
V/A

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