Frage von Mugelpokk, 86

Welche Taten haben che Guevara zu einer Ikone gemacht?

Wie die Frage eigentlich schon sagt, komme ich nicht ganz weiter mit einem oder ein paar konterten Ereignissen, welche che Guevara zu einer Ikone gemacht haben ? Ich kenne mich relativ gut mit seiner Biografie aus. Weiß auch welche Eigenschaften und Vorkommnisse ihn zu einem politischen Mythos werden lassen haben, aber nicht ganz wie er zu einer Ikone werden konnte.

Danke für antworten.

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von josef050153, 50

Che Guevara war ein Despot, der hunderte Menschen (auch aus den eigenen Reihen) töten ließ. Nach dem Sieg der Kommunisten in Kuba wurde er auf das Amt des Notenbankpräsidenten abgeschoben, damit er nicht allzu viel Schaden anrichten konnte.

Letztlich war er aber mit der Etablierung des kommunistischen Systems auf Kuba nicht einverstanden und ging nach Afrika, um dortige Länder zu 'befreien'. Sein Problem war dabei, dass diese Menschen überhaupt nichts von ihm wissen wollten. Er musste alaso das Land verlassen und ging nach Südamerika.

Dort gab es das gleiche Phänomen. Er wollte die 'Befreiung' (sprich kommunistische Diktatur) bringen und die Menschen wollten nicht. Ganz im Gegenteil; die Indios verrieten seinen Standort regelmäßig an die Behörden. Letztendlich wurde er gefangen genommen und unter nicht so ganz klaren Umständen erschossen.

Seine Verklärung begann, als die 68-Generation ihn - in Unkenntnis der wahren Verhältnisse - zu ihrem Vorbild für die Befreiung erkor. Letztendlich war er aber ein armer Irrer, der die Verhältnisse auf Grund seines Charakters gepaart mit seiner Ideologie absolut falsch eingeschätzt hatte. Selbst Kuba beginnt sich ja mittlerweile vom Kommunismus abzuwenden.

Kommentar von Mugelpokk ,

Vielen Dank für diese wirklich wirklich sehr hilfreiche Aussage. Sie haben mir wirklich geholfen. Würden sie sagen Che Guevara hat diese Welt verändert ? Vielleicht aus heutiger Sicht oder auch auf die 68er Bewegung bezogen ? 

Kommentar von josef050153 ,

Jeder Mensch verändert die Welt. Die meisten wissen es nur nicht.

Kommentar von josef050153 ,

Che Guevara hat die 68-er Bewegung nicht verändert. Er war nur sozusagen eines der Aushängeschilder.

Kommentar von Mugelpokk ,

also würden sie sagen, die 68er Bewegung pushte den Mythos Che um damit ihr Handeln, ihre Einstellung usw zu rechtfertigen ?

Kommentar von josef050153 ,

Che Guevara war ja zu dieser Zeit schon tot. Er war ein willkommene Gallionsfigur, die genau jene Erlöserverehrung erhielt, die ihm zu Lebzeiten verweigert worden war. Er diente meist nicht zur Rechtfertigung, da von ihm hauptsächlich das berühmte Bild von Alberto Korda kolportiert wurde und nicht seine schriftlichen Zeugnisse.

Die 68-er Bewegung hätte auch ohne ihn genauso gehandelt.

Antwort
von Pudelcolada, 47

Che Guevara stammte aus einer bürgerlich-akademischen Familie und hätte das Leben eines Revolutionärs nicht nötig gehabt, um die eigenen Lebensbedingungen zu verbessern.

Nach der Revolution auf Kuba hat er sich dann mit Castro politisch überworfen, der in den Augen Ches zu diktatorisch vorging und einen Führerkult etablieren wollte, den Guevara nicht unterstützt hat.
Außerdem hat Che die politische Verbrüderung mit der Sowjetunion abgelehnt; er war für einen eigenständigen revolutionären Weg Kubas und hatte die militärische Unterstützung der Revolution durch die Sowjetunion immer als reines Werkzeug betrachtet.

Deshalb hat er alle Ämter und Würden hingeschmissen, verließ Kuba und ging nach Bolivien, um den dortigen Freiheitskampf zu unterstützen.
Castro hat öffentlich seinen Weggang sehr bedauert und seine Achtung vor Guevara geäußert.

Allein dadurch schon wurde er für viele Menschen zu einem Vorbild für aufrechtes und authentisches Handeln, dafür, dass jemand nicht korrumpierbar ist, sondern fest zu seinen Idealen steht.

Zum Mythos wurde er durch die Umstände seines Todes:
Im bolivianischen Urwald wurde er von der CIA erschossen.
Seine Anhänger sahen darin den Beweis dafür, wie gefährlich er mit seiner Standhaftigkeit der mittel- und südamerikanischen US-Politik hätte werden können.
Und die Tatsachen geben ihnen ja in gewisser Weise recht...

Kommentar von Mugelpokk ,

Danke, dass sie sich die Zeit genommen haben diese Frage so aufführlich und genau zu beantworten. Sie haben mir sehr geholfen! 

Würden sie sagen che Guevara hat die Welt verändert? Sowie positiv als auch negativ - auf die heutige Zeit bezogen oder vielleicht auch aus der 68er Bewegung heraus ...

Kommentar von Pudelcolada ,

Ich meine, er hat vielleicht nicht unbedingt die gesamte Welt aus den Angeln gehoben, aber durchaus einiges bewirkt.
Seine Wirkung lässt sich aber nicht in Zahlen und Fakten fassen.

M.M.n. hat Che Guevara einen völlig neuen Typ des Revolutionärs verkörpert (s. vorletzter Absatz meiner Antwort). Er kam nicht von irgendwoher dazu, nachdem andere ihr Leben riskiert hatten, und er war kein Theoretiker.
Er wird immer geschildert als sehr mitfühlend, als ein Mensch, der Gewalt nicht als Selbstzweck feierte, sondern notgedrungen in Kauf nahm.

Daher meine ich, das Guevara durch die Echtheit und Glaubwürdigeit in seinem Tun für die gesamte linke Bewegung und über alle Meinungsverschiedenheiten hinweg eine Identifikation mit einem bestimmten Typ des Revolutionärs ermöglicht hat. Er stellte ein greifbares Gegenmodell zu manchen Revolutionären dar, die ein zweifelhaftes Verhältnis zu Gewalt (auch gegen eigene Mitkämpfer) besaßen und bei denen ab einem bestimmten Punkt der Entwicklung häufig der offenkundige Wunsch nach eigenem Machtbesitz die Handlungen bestimmte. Er predigte Wasser, trank es aber auch selbst.

Mit Sicherheit sorgte die Berichterstattung für eine gewisse Verklärung, doch das Bild seiner Haltung, dass er hinterließ in Kombination mit seiner Ermordung in Bolivien stellt ihn als Sympathieträger mit einem idealisierten Spartakus gleich.
Mit einem solchen Kerl möchte jeder gern "Revolution machen", und eine solche Identifikationsfigur schafft ein Zusammengehörigkeitsgefühl und stärkt das eigene politische Selbstbewusstsein.

Gerade und besonders sein tragischer, daramtischer und vorzeitiger Tod ermöglicht ja leider erst eine solche Idealisierung zu einer symbolhaften Vorbildfigur:
Er kann nicht mehr widersprechen, wenn ihm alle nur erdenklichen guten Eigenschaften angedichtet werden, außerdem lebt ein Ideal nur selten von den tatsächlich vollbrachten Taten, sondern eher von denjenigen Taten, an denen es gehindert wurde und die es vielleicht noch ausgeführt hätte.
Weder ein Spartakus noch ein Che Guevara taugen noch wirklich als Idealtyp bei der Vorstellung, wie sie nach einem jahrzehntelangen politischen Leben hochbetagt im Lehnstuhl auf den Pflegedienst warten...

Und nicht zuletzt hat er zu einem Gelingen der kubanischen Revolution einen unschätzbaren Beitrag geliefert, also ein ganzes Land mitverändert.

Kommentar von Mugelpokk ,

Ich denke, das werden wohl wirklich ausschlaggebende Gründe gewesen sein.
Jedoch hat Che ja auch Kammeraden ermorden lassen, bei welchen er den Verdacht hatte, sie wären ihm eventuell keine treuen Begleiter usw., ebenso wie er Arbeitslager für politische Gegner, Aidskranke und schwule erschaffen hat, in welchen auch Menschen staben. Zudem ruinierte er die kubanische Wirtschaft zu seiner Zeit als Wirtschaftsmister...
Auf der anderen seite hat er als ARGENTINIER für die ungerechtigkeiten in KUBA gekämpft, auf materielles verzichtet und persönlich gekämpft...
Ich finde es schwer ihn dahingehend zu beurteilen ob er idealist oder mörder ist ....

Antwort
von Reminder123, 46

Die Revolution in Kuba zusammen mit Fidel Castro und seine gescheiterte Revolution in Bolivien

Antwort
von soissesPDF, 27

Wir, die Hippies wollten "revolutionieren", was auch immer und wen auch immer, das hat nie jemand diskutiert.

Wir waren da, nicht aus dem luftleeren Raum gefallen.
Lange Haare, eben Che, Schlaghosen und Römerlatschen, eben Jesus.
Hauptsache quer.
Jesus gegen die Römer, Che gegen die Amis...geht doch.
Vietnam, "Love and Peace" , "make Love not War" ...passt scho'.

Che war nur einer, Angela Davis, Ghandi, Salvdor Alledende, John Lennon...quer war das entscheidende Attribut, nicht irgendeine Tat.

Kommentar von Mugelpokk ,

Danke, also denken sie es liegt nicht pauschal an Che sondern einfach nur an seinem auftreten und der tatsache dass man eben eine revolution wollte?

Kommentar von soissesPDF ,

Che wollte Südamerika befreien und die Revolution weitertragen.

Er war auf Cuba Minister unter Castro, hätte mithin in Ruhe seine Pfründe genießen können.
Das aber war es nicht was ihn bewegte, er wollte die Revolution, in Südamerika, möglichst in der Welt.

Antwort
von Freak2247593861, 38

er hat zusammen mit fidel Castro die Revolution in Kuba gestartet. Diese bestand aus der Agrarreform, Bildungsreform & der Nationalisierung/ Verstaatlichung der Firmen.

Antwort
von Matermace, 29

Er sah halt gut aus...

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