Frage von Arucu, 158

Was Kritisiert Karl Marx an Feuerbachs Religionskritik?

Was Kritisiert Karl Marx bei seiner Kritik an Feuerbachs Religionskritik?

ich habe mir den folgenden Text zwar durchgelesen, verstehe aber leider Null..

"Marx’ Kritik an Feuerbach Indem nun Marx den Begriff der Gattung kritisiert, wendet er sich gegen den rudimentären Fortbestand religiöser Figuren in Feuerbachs Kritik der Religion. Polemisch lässt sich Feuerbachs Gattungswesen als ein zweiter Gott beschreiben, der den ersten nur ablöst. Hier wie dort bleibt jedoch der Mensch in seiner konkreten Einzelexistenz außen vor, weil er einer spiritistischen Transzendenz unterworfen bleibt. In diesem Sinne wirft Marx Feuerbach vor, dass der homo in seiner reductio ad hominem selbst noch nicht der Mensch ist, wie er wirklich ist, sondern Feuerbach von zentralen Aspekten des Menschseins abstrahiert: „Feuerbach löst das religiöse Wesen in das menschliche Wesen auf. Aber das menschliche Wesen ist kein dem einzelnen Individuum inwohnendes Abstraktum.“[1] Im Gattungswesen als dieses Abstraktum wird der Mensch erneut verfehlt und eine religionsanaloge Transzendenz restauriert. Daher ist eine zweite reductio ad hominem erforder-lich: Sowie Gott auf eine gottesähnliche Abstraktion des Menschen zurückgeführt wurde, muss nun diese Abstraktion des Menschen auf den wirklichen Menschen zurückgeführt werden. Dieser besteht für Marx in dem „[E]nsemble der gesellschaftlichen Verhältnisse“.[2] „[D]er Mensch, das ist kein abstraktes, außer der Welt hockendes Wesen. Der Mensch, das ist die Welt des Menschen, Staat, Sozietät.“[3] Damit ist die Perspektive der Kritik weg von Philosophie hin zur Gesellschafts- und Ökonomiekritik vorgegeben. Dementsprechend kann sich die Kritik an Feuerbach nicht mehr mit einer Kritik seiner Theorie begnügen. Die Rückführung der Abstraktion des Gattungswesens auf den wirklichen Menschen funktioniert vielmehr durch den Ausweis, dass dieses Abstraktum des Menschen ein Echo gesellschaftlicher Verhältnisse ist. Marx Kritik an Feuerbach ist eine doppelte: Zum einen will sie zeigen, wie der Mensch wirklich ist und zum anderen erklären, wie die Idee der Gattung als trügerische Abstraktion von diesem wirklichen Menschen überhaupt entstehen kann."

Antwort
von gromio, 100

Nun, die Erklärung Marx' erschließt sich doch aus dem, was Feuerbach schreibt.Indem Marx kritisiert, das Feuerbach GOTT auf den Menschen projiziert und damit eigentlich sagt, GOTT ist ein idealisierter MENSCH.

Diese Projektion verklärt oder verstellt jedoch den Blick auf den realen Menschen - und damit auch auf dessen reale Probleme, ökonomisch wie sozial. Schlimmer, das Ideal (etwas abstrakt, dieses Gattung zu nennen, aber wissenschaftlich evtl. korrekt!) ist so weit weg von der Realität, dass es niemals real werden kann.Damit weist Marx daraufhin, dass so eine GATTUNG davon ablenkt, die Realität zu sehen und deren Veränderung zu versuchen. 

Dies meint er, wenn er von einer trügerischen Abstraktion spricht - trügerisch, weil diese "vortäuscht" es gäbe ein erreichbares Ideal, das man anstreben könne.Sieht man diese Kritik vor allem im Kontext zu- der Zeit in der erlebte,- den Religionen, die damals von Menschen gelebt wurden,- die ökonomischen Trends zum Nachteil der Mehrheit der einfachen Menschen,dann werden Gründe dafür erkennbar, warum Marx gegen Religion war.

Philosophen wie Feuerbach waren für die "Befreiung von der Knechtschaft der Religion " eben auch nicht wirklich hilfreich, weil diese wohl deren Entstehung erklärten, damit aber auch Gründe dafür lieferten, warum diese weiter existieren.

Offenbar wäre es Marx lieber gewesen, auch Feuerbach hätte sich vollends von GOTT und Religion gelöst. Letztlich sagt Marx, vielleicht hat Feuerbach versucht, GOTT als Fiktion zu entlarven, aber in dem er GOTT auf den Menschen projiziert, ist GOTT ja immer noch existent! 

Zitat aus Kober.de, Religionskritik:

"Die Philosophen haben die Welt nur verschieden interpretiert, es kommt darauf an sie zu verändern." Karl Marx (1818-83) entwickelt in seinem berühmten Text nicht nur die These von der Religion als Opium des Volkes. Für ihn ist die Religion Ausdruck des gesellschaftlichen Elends und zugleich auch Protest gegen dieses Elend. Marx bezieht sich in seinen Ausführungen auf den Philosophen Feuerbach, der Gott und die Religion als Werk des Menschen herausgestellt hatte.

So weit, so gut:

Meine Meinung hingegen ist, dass sowohl Marx als auch Feuerbach im Kontext ihrer Zeit und Zeitgenossen verstanden werden müssen. Mit einem GOTT, der existiert, hat dies nichts zu tun. 

Da das, was GOTTES EXISTENZ beweist, offensichtlich ist. Und wenn man die Realität betrachtet und Leiden/Problem der Menschen sieht, dann ist DAS eine ganz andere Fragestellung. Die Verantwortung für eine unvollkommene Realität liegt nämlich in direkter Linie bei den Menschen selbst.

GOTT ist als schlechtes Gewissen für unsere eigene Unfähigkeit nicht geeignet - ich denke, dies könnten Marx und auch Feuerbach gemeint haben, allerdings haben diese es leider nicht so gesagt!

Antwort
von gromio, 89

Während bei allen Religionen der eigene Gott im Mittelpunkt steht, sieht Feuerbach den Menschen als Dreh- und Angelpunkt im System. Der Mensch ist laut Feuerbach der Anfang, der Mittelpunkt und das Ende der Religion.Gott selbst ist für Ludwig Feuerbach lediglich ein projiziertes Spiegelbild der menschlichen Natur. Gott ist also das, was der Mensch gern sein würde, aber nicht ist. Gott ist damit ein überhöhter Mensch, eine Macht, die scheinbar nicht greifbar ist.

Mit einfachen Worten: GOTT als eigenes Wesen/eigene Person existiert in Feuerbachs Augen garnicht!!!!

Kommentar von Arucu ,

Danke aufjedenfall für dein Kommentar, aber meine Frage war jetzt was Marx jetzt sagt und nicht mehr was Feuerbach sieht, denkt, oder was in seinen Augen ist. 

Kommentar von gromio ,

Nun, die Erklärung Marx' erschließt sich doch aus dem, was Feuerbach schreibt.

Indem Marx kritisiert, das Feuerbach GOTT auf den Menschen projiziert und damit eigentlich sagt, GOTT ist ein idealisierter MENSCH.

Diese Projektion verklärt oder verstellt jedoch den Blick auf den realen Menschen - und damit auch auf dessen reale Probleme, ökonomisch wie sozial. 

Schlimmer, das Ideal (etwas abstrakt, dieses Gattung zu nennen, aber wissenschaftlich evtl. korrekt!) ist so weit weg von der Realität, dass es niemals real werden kann.

Damit weist Marx daraufhin, dass so eine GATTUNG davon ablenkt, die Realität zu sehen und deren Veränderung zu versuchen. Dies meint er, wenn er von einer trügerischen Abstraktion spricht - trügerisch, weil diese "vortäuscht" es gäbe ein erreichbares Ideal, das man anstreben könne.

Sieht man diese Kritik vor allem im Kontext zu

- der Zeit in der erlebte,

- den Religionen, die damals von Menschen gelebt wurden,

- die ökonomischen Trends zum Nachteil der Mehrheit der einfachen Menschen,

dann werden Gründe dafür erkennbar, warum Marx gegen Religion war.

Philosophen wie Feuerbach waren für die "Befreiung von der Knechtschaft der Religion " eben auch nicht wirklich hilfreich, weil diese wohl deren Entstehung erklärten, damit aber auch Gründe dafür lieferten, warum diese weiter existieren.

Offenbar wäre es Marx lieber gewesen, auch Feuerbach hätte sich vollends von GOTT und Religion gelöst. Letztlich sagt Marx, vielleicht hat Feuerbach versucht, GOTT als Fiktion zu entlarven, aber in dem er GOTT auf den Menschen projiziert, ist GOTT ja immer noch existent! 

Zitat aus Kober.de, Religionskritik:

"Die Philosophen haben die Welt nur verschieden interpretiert, es kommt darauf an sie zu verändern." Karl Marx (1818-83) entwickelt in seinem berühmten Text nicht nur die These von der Religion als Opium des Volkes. Für ihn ist die Religion Ausdruck des gesellschaftlichen Elends und zugleich auch Protest gegen dieses Elend. Marx bezieht sich in seinen Ausführungen auf den Philosophen Feuerbach, der Gott und die Religion als Werk des Menschen herausgestellt hatte.

So weit, so gut:

Meine Meinung hingegen ist, dass sowohl Marx als auch Feuerbach im Kontext ihrer Zeit und Zeitgenossen verstanden werden müssen.

Mit einem GOTT, der existiert, hat dies nichts zu tun. Da das, was GOTTES EXISTENZ beweist, offensichtlich ist. Und wenn man die Realität betrachtet und Leiden/Problem der Menschen sieht, dann ist DAS eine ganz andere Fragestellung. Die Verantwortung für eine unvollkommene Realität liegt nämlich in direkter Linie bei den Menschen selbst.

GOTT ist als schlechtes Gewissen für unsere eigene Unfähigkeit nicht geeignet - ich denke, dies könnten Marx und auch Feuerbach gemeint haben, allerdings haben diese es leider nicht so gesagt!

Antwort
von Hideaway, 72

Was Kritisiert Karl Marx bei seiner Kritik an Feuerbachs Religionskritik?

Das ist doch im letzten Satz clare extrahiert und expliziert. 

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