Frage von gandalf8989, 125

Was haltet ihr vom Lehrerberuf?

Ich habe mit dem Gedanken gespielt mittelschullehrer zu werden. Erster Gedanke: warum denn nicht? Viel Freizeit, sehr sicherer Job, einigermaßen gutes Gehalt. Ich kann lehren und denke die Schüler werden viel Respekt vor mir haben. Der Arbeitsaufwand und u terrichtsvorbereitung wird sich in Grenzen halten, da mein Bruder die selben Fächer studiert, die ich auch als Lehrer nehmen würde und eines der Fächer davon Sport ist. Viele sagen als Lehrer hätte ma. Das beste Leben etc... auch sagt mein bruder, dass sein lehrerstudium das chilligste überhaupt ist. er ist kaum am lernen und besteht trzdm alles mit Bravour obwohl er nicht der beste Schüler war. aber wenn man sich so im Internet nach eigenerfahrungen umsieht könnte man denken, der Lehrerberuf wäre Stress pur mit Verzweiflung inklusive. Schüler hätten keinen Respekt, man hat keine Aufstiegsmöglichkeiten, ist im öffentlichen Leben und man macht bis zum Lebensende das ein und das selbe. Zudem werden Lehrer von der Gesellschaft weniger gut von der Gesellschaft wahrgenommen. Auch will ich intellektuell etwas gefordert werden. Eig. wollte ich Sport(additum) mit einer fremdsprache auf einem Gymnasium unterrichten, was jedoch schlechte Berufsaussichten hat. Soviel dazu, nun meine Fragen: an die Lehrer: wie ergeht es euch mit eurem Beruf, seid ihr glücklich oder denkt ihr ab und zu daran doch einen anderen Berufsweg wäre besser gewesen. Ist es wirklich so viel Stress und Arbeit, evtl mit sinnkrise, da euch die Schüler nicht wahrnehmen wollen? Ist ein gošer Unterschied zw. Haupt und Gym Schülern? Erfüllt das unterrichten in einem Gymnasium mehr, da idie Fragen intellektueller sind oder ist das mit der Zeit egal, weil man eh immer dasselbe unterrichtet, genauso wie in einer Mittelschule? Oder wird nur alles dramatisiert und der Job erfüllt euch? An welcher Schule Arbeit ihr? An die anderen: was haltet ihr vom Lehrerberuf? Ich weiß einfach nicht was ich machen soll und ich hab kaum mehr Zeit mich für den Lehrerberuf zu entscheiden. Ich hatte immer diesen schönen Gedanken als witziger Lehrer, der gut mit den Schülern klar kommt und dem der Beruf einfach Spaß macht. Ich denke, dass ich auch verantwortungsbewusst wäre, der sich um die Schüler kümmert ( ich weiß, dass kommt im ersten Teil nicht so rüber xD ). Aber mir bekannte mittelschullehrer ärgern sich immer wier über irgendwelche Schüler und im Internet wird der lehrerberuf von den nichtLehrern als luschenjob vermittelt , die nix auf die Reihe kriegen und von den Lehrern als Horrortrip . Und wenn zu viel wahres dran ist möchte ich diesen Weg nicht gehen. Alternativ hätte ich mir gedacht Karriere als wirtschaftler oder Arzt etc zu machen. Aber ich denke das würde mich auch nicht erfüllen, da i h unter anderem viel Zeit(auch als Trainer) im heimischen Sportverein investieren möchte. Karriere hört sich zwar toll an, ich möchte aber auch keine 60std Arbeitswoche haben. Ich denke bwl Absolventen stehen finanziell vom Arbeitsaufwand gesehn nicht besser da.

Expertenantwort
von chog77, Community-Experte für Schule, 56

Wenn ich deinen Beitrag lese, dann hört sich es für mich an, dass du einen chilligen Job suchst, mit dem man trotzdem gut Geld machen kann. Als Lehrer ist man (falls man noch verbeamtet wird) finanziell gut abgesichert und kann gut davon leben, aber es ist keinesfalls ein Halbtagsjob mit ganz viel Ferien. Ich bin seit 12 Jahren Realschullehrerin in Baden-Württemberg.

Vieles  von dem was wir Lehrer machen, bekommt ihr Schüler gar nicht mit.

Ich mache meinen Job wirklich gerne, aber ich werde dir einen kleinen Überblick geben, was wir außer Unterrichtsvorbereitung und Unterrichten sonst noch so machen, denn einen 40Std. Job habe ich selten. Wenn du eine ruhige Kugel schieben willst, dann bist du im Lehramt falsch!


- 25-28 Unterrichtsstunden pro Woche (je nach Bundesland und Schulart)
- diese wollen vor- und nachbereitet sein, da brauche ich als erfahrener Lehrer ca. 20 min für das Wegräumen des Materials der alten Stunden und Raussuchen des neuen Materials. Wenn eine Stunde / Unterrichtseinheit neu erarbeitet wird, ist der Zeitaufwand deutlich höher.
- Korrekturarbeiten ( Zeitaufwand pro Klassenarbeit: 20-30 min Unterstufe, 30-45 min Oberstufe, das Ganze mal 30 Schüler)
- Beratungsgespräche mit Schüler/ Eltern/Schulsozialarbeit/Jugendamt:Im Schnitt 2-3 pro Woche á 20- 30 Minuten, bei schwierigen Problemen länger oder mehr.
- Absprachen mit der Schulleitung/ Schulverwaltung
- Konferenzen (oft ganze Nachmittage), Absprachen mit Kollegen (zwischen Tür und Angel)
- Materialsichtung und Materialherstellung - kopieren, laminieren, PPT-Präsentationen erstellen
- Fortbildung (auch ich muss mir Apps erarbeiten, die ich im Unterricht einsetze), auch Tagesfortbildungen außer Haus, der Unterrichtmuss trotzdem am nächsten Tag stehen, wenn man von 8- 18 Uhr sich weiterbildet.
- Schulentwicklung - wie gehe gehen wir als Kollegium mit schulpolitischen Veränderungen um, Diskussion und Entscheidungen (sehr viel Arbeit!!!)
- Gutachten , Beurteilungen, Zeugnisse, Arztrückmeldebögen ausfüllen, mit dem Therapeuten /Psychologen kommunizieren
- Referendare und Praktikanten ausbilden und Rückmeldegespräche geben.
- Konfliktlösungsgespräche mit Schülern führen, Schüler betreuen und ein offenes Ohr für eure Probleme haben und nach Möglichkeit euch helfen, diese zu lösen.
- Strafarbeiten eintreiben, Schüler disziplinieren, Nachsitzer betreuen, vergessenen Klassenarbeiten eintreiben, Gelder einsammeln
- Jede Menge Statistik und Verwaltungskram (v.a. wenn man Klassenlehrer ist)
- Prüfungsvorbereitung und Durchführung, inklusive Beratungen außerhalb der Regelarbeitszeit
- Planung und Durchführung von Ausflügen, Lerngängen, und Klassenfahrten
- Klassenfahrten bedeuten 24 Std rund um die Uhr Verantwortung für 25-30 Kinder/Jugendliche, Schlaf wird dabei überbewertet, es ist alles andere als Urlaub, ein Dankeschön dafür gibt es in der Regel nicht.
- Und dann sollen wir immer gut drauf sein, fair bleiben und euch eure Unarten verzeihen.
- Respekt von Schülern muss man sich verdienen, 30 Teenager in Schach zu halten und sinnvoll zum Arbeiten zu motivieren ist nicht immer so einfach, wie es aussieht.
- Kannst du damit umgehen, wenn ein Schüler sich nicht respektvoll verhält? Jugendliche testen permanent deine Grenzen aus und zwar von deinem Dienstantritt bis ins Rentenalter - kannst du ihnen diese Grenzen setzen?

Eine 40 Std. Woche habe ich selten/ Ferien sind nicht gleichbedeutend mit Urlaub! Viel Zeit für ehrenamtliches Engagement bleibt da nicht. Ich bin mittlerweile dankbar für Zeit in der ich mich regenerieren kann und keiner was von mir will. Auch Partner und Familie wollen davon was abhaben..

Ich liebe meinen spannenden , stressigen vielseitigen Beruf und es ist genau das was ich machen möchte. Aber überlege dir gut, ob es das ist, was du willst, denn Alternativen etwas anderes zu machen, hast du mit diesem Studium nur wenige, falls du feststellen solltest, das dies nicht dein Ding ist. Und dann in einem Beruf festzusitzen, der einem nicht liegt, ist für den betreffenden Lehrer und seine Schüler der von dir geschilderte Horrortrip.

Wie gesagt, ich mach meinen Beruf sehr gerne, aber es gibt mit Sicherheit Berufe in denen man leichter mit mehr Freizeit seinen Lebensunterhalt verdient.

Kommentar von Barbaratlos ,

Besser hätte ich das nicht beschreiben können, liebe Kollegin. Ich wünsche dir eine erholsame unterrichtsfreie Zeit.

Kommentar von chog77 ,

Ebenso! ;)

Kommentar von gandalf8989 ,

Vielen Dank für den Einblick! Darf ich noch fragen wo und an welcher Schulart du unterrichtest?

Kommentar von chog77 ,

Ich bin Realschullehrerin und lebe in der Nähe von Karlsruhe

Antwort
von xschwedex, 42

Moin,

ich bin seit 1 1/2 Jahren im Schuldienst in Schleswig-Holstein und unterrichte an einer Gemeinschaftsschule.  In S-H gibt es kein Förderschulen und Hauptschulen mehr, falls noch welche in anderen Kreisen bestehen - sind dies Auslaufmodelle. Es gibt bei uns eine Gemeinschaftsschule, wo in einem Klassenzimmer Gymnasiasten, Realschüler, Hauptschüler und Förderschüler sitzen, - dazu das herkömmliche Gymnasium. Welche sozialen Probleme das mit sich bringt, kann sich jeder ausmalen wie er möchte. Das sind Herausforderungen für die nächsten Jahre, weil sehr viel umgestellt und sich vieles verändern wird.

Ich versuche im Folgenden auf deine vielen Fragen nüchtern und sachlich einzugehen. 

  • Schulalltag ist stressig, man sollte mit Stress umgehen können. Das bekommt man aber als Außenstehender kaum mit, weil die meisten von uns Profis sind. Wir erwarten nicht, dass man nachvollziehen kann, was es bedeutet permanent in der Rolle des allwissenden Problemlösers zu stecken und für jede Frage die passende Antwort zu haben und jede Situation meistern zu müssen.
  • Kollegen mit Sinnkrisen oder Burnout sind zu 45% öfter betroffen, wenn sie keine Neigungsfächer studiert haben und erst im Referendariat merken, das ihnen die Arbeit mit Kindern nicht liegt.
  • An unserer Schule gibt es keinen Unterschied von klassischen Hauptschullehrern und Lehrern die auf gymnasialer Stufe studiert haben. Die älteren Hauptschulkollegen können sich momentan auf A 13 befördern lassen, wenn ich das richtig mitbekommen habe, weil sowieso alle zusammen unterrichtet werden.
  • Ob das Unterrichten am Gymnasium erfüllender ist, das ist typbedingt. Die Frage lautet hier welche Altersgruppe dir besser liegt und was dir Spaß macht. Ich unterrichte z.B. super gerne die 5. und 9+10.
  • Der witzige Lehrer ist schön und gut. Aber du wirst merken, dass konsequentes Auftreten und Fairness dich weiter bringen, als seiest du der Clown, der sich vor den Schülern zum Affen machen. Spaß ist natürlich trotzdem erlaubt.
  • Mich erfüllt mein Job und ich denke, dass ich genau das mache, was mir liegt. Ich führe diesen Beruf aus, weil ich Menschen nachhaltig fördern möchte und sie positiv auf den Weg zum erwachsen werden verstärken möchte.
  • Der Lehrerberuf wird aus meiner Ansicht eher von Menschen mit wenig Bildung und einem beschränkten Horizont als "weniger Wert" betrachtet. Jedoch muss man fragen, woher die "sogenannten wichtigen , gesellschaftlich besser anerkannten Berufe" stammen. Eltern und Lehrer haben die Sprösslinge gefördert, ausgebildet und erzogen, dass sie überhaupt in der Lage sind einen bestimmten Weg in diese Richtung einschlagen können.  Das vergessen die meisten...
  • Mein Tipp: Der Lehrerberuf ist nur für jemanden etwas, der sich selbst motivieren kann. Es kommt keiner an und schlägt dir ständig auf die Schulter, wie toll du deinen Job machst.
  • Arbeitszeit: Eine Vollzeitstelle sind 27 Unterrichtsstunden. Für die effektive Arbeitszeit kann man diese 27 Stunden verdoppeln, da man seinen Unterricht vorbereitet, lauter Konferenzen hat, Elterngespräche, Ausflüge, usw.

Ich habe in meiner Anfangsphase viele meiner Kollegen gefragt, ob sie nochmals den Lehrerberuf einschlagen würden. Bei einem kleinen Kollegium mit ca. 40 Lehrern sagte mir nur eine einzige, dass sie dies nicht nochmal machen würde... jedenfalls nicht in der "jetzigen Zeit" (Generation früher war alles besser)

Ich hoffe, dass ich einige deiner Fragen beantworten konnte, Kleiner Tip: Absätze wären toll gewesen. Du schreibst unüersichtlich.

:-)

Kommentar von gandalf8989 ,

vielen Dank für deine Antwort! die Absätze hab ich weggemacht damit ich mehr schreiben kann, was aber irgendwie auch nichts gebracht hat xD

Antwort
von feirefiz, 24

Spannend ist, dass viele meiner Praktikanten schon nach wenigen Tagen feststellen, wie stressig der Job ist. Als Schüler haben sie die Pausen genossen, als Lehrer hetzen sie nun von Klassenzimmer zu Klassenzimmer, in den großen Pausen haben Schüler Fragen, in der Mittagspause ist eine Konferenz - an den meisten Tagen komme ich in der Schule weder zum Essen oder Trinken noch aufs Klo.

Auch, wenn das Studium chillig sein sollte, das Referendariat ist es nicht. Hier findet man sich nach dem Studienabschluss in der Azubirolle wieder und jede persönliche Eigenheit, die man vor der Klasse zeigt, wird auf den Prüfstand gestellt.

Schüler beeindruckt man (auf Dauer) nicht mit Spaß und es kann in die Hose gehen, Kumpel sein zu wollen. Fundiertes Fachwissen und Selbstdisziplin (und eine gute Organisation und Prüfungsvorbereitung) sind die Dinge, die letztlich überzeugen. Schüler verlieren schnell das Vertrauen in eine Lehrkraft, die drei Mal in der Stunde sagen muss, dass sie etwas nicht weiß oder nur von ihrem Privatleben erzählt, egal, wie nett die Person ansonsten ist.
Die Schüler sind auch wenig gnädig, so wurde eine Praktikantin, die sich
in ihren Unterrichtsversuchen gut geschlagen hat, danach von den
Schülern massiv kritisiert, weil sie zu wenig Detailwissen an den Tag
gelegt hat.

Die Klientel wird nicht einfacher - die Klassen werden durch Inklusion und Migration noch viel heterogener, allen soll man individuell gerecht werden. Die klassische Variante, mit einem Arbeitsblatt in eine Stunde zu gehen, stirbt aus. Das macht viel Arbeit und wird sich in Zukunft verstärken. Hinzu kommt, dass die meisten Schulen einen Ganztagsbetrieb anbieten oder anbieten werden. Lehrer, die (mit Volldeputat) mittags entspannt nach Hause kommen, gab es vor 10 Jahren, heute nur noch sehr selten. Die Entwicklung wird sich verstärken. Der Vorteil, selbst entscheiden zu können, wann man arbeitet, entfällt damit.

Der Lehrerberuf ist ein schöner Beruf, der viel Arbeit macht. 

Auch, wenn du nur noch wenig Zeit hast - mach doch ein Praktikum und schau dir den Schulbetrieb einmal von der Lehrerseite an.

Kommentar von gandalf8989 ,

danke für deinen Eindruck! ich überlege mir mit dem Lehrer werden noch einmal gut. Leider sind die Bewerbungsfristen für andere studiengänge schon abgelaufen😞

Antwort
von blackforestlady, 30

Wenn Du vierzig oder fünfzig Jahre lang, Dich mit unfähigen Eltern auseinander setzen möchtest, die meinen die Schulen inbesondere Lehrer müssen ihre Kinder erziehen. Oder wenn jeder zweite Schüler nach Gesetzen schreit, die es gar nicht gibt, sich aber Schulgesetze nennen. Nur weil er sich ungerecht behandelt fühlt und den Lehrer blöd findet.
Aber trotzdem den Beruf magst und zwar mit Leidenschaft bis zum bitteren Ende, dann mach es doch.

Antwort
von 1999anik, 66

Also ich kann dir Soviel sagen, Lehrer werden verdammt Häufig gesucht. 

Ich mache derzeit mein Abitur und möchte Musik und Chemie im Lehramt Studieren. 

Ich kann es dir nur empfehlen. 

Kleiner Tipp, das Mathe Studium ist extremst Schwierig, nimm lieber ein anderes Fach :)

Kommentar von gandalf8989 ,

Lehrer werden zwar viele gesucht, leider nicht im Gymnasium und besonders mit meiner gewünschten fächerkombination :(. da hast du wahrscheinlich bessere Chancen. viel Glück im Abi! habe gottseidank schon hinter mir 😉

Kommentar von 1999anik ,

Ich hab noch ein Jahr vor mir, was sind denn deine gewünschten Kombinationen? 

Antwort
von NoobNR1, 38

Als lehrer hat man nicht soviel freizeit man muss entweder teste/klassenarbeiten durchgehen oder für die nächste unterrichtsstunde etwas planen.
Und man wir nich als lehrer/in nicht immer respektiert , meine klasse ist so assozial dass sie schon 2 lehrerinnen gemobbt haben, die eineist am nächsten tag heulend mit den schulleiter zur unsere klasse gekommen

Kommentar von gandalf8989 ,

danke für die Antwort. bist du Lehrer oder schüler?

Kommentar von NoobNR1 ,

schüler und ich gehe nicht in eine hauptschule da man so ein assoziales verhalten meist von hauptschülern erwartet

Antwort
von gandalf8989, 53

Das war jetzt seh sehr viel Text, es sollte euch einfach mal einen kleinen Eindruck von mir geben und ich hoffd ihr könnt mir ein paar Meinungen dazu geben, danke

Antwort
von KingaPL, 42

So grundschüler sind ja vielleicht lieb, aber vielleicht bekommste ja ne hauptschule mit lauter assis. dann lieber gymi.

Keine passende Antwort gefunden?

Fragen Sie die Community

Weitere Fragen mit Antworten