Frage von Irmin1588, 39

Was essen Zen-Mönche?

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von Enzylexikon, Community-Experte für Buddhismus, 39

Das Essen

Das Essen der Zen-Mönche in japanischen Klöstern ist sehr einfach und besteht im Wesentlichen aus einer Art Reisbrei (okayu お粥) und ein paar Beilagen. Im wesentlichen handelt es sich um eingelegtes Gemüse (tsukemono 漬物).

Das Essen findet in ritualisierte Form als "ôryôki" aus einem Set von Essschalen statt. Dabei wird nicht gesprochen und die Handgriffe sind genau festgelegt.

Nach dem Essen werden in den Klöstern die Esschalen mit einem dünnen Tee, oder heißem Wasser ausgespült und das Spülwasser inklusive der losgekratzten Speisereste getrunken. Nichts soll verschwendet werden.

In Japan ist es Mönchen durch eine Anordnung aus dem Jahr 1872 sowohl das Essen von Fleisch, als auch die Heirat von staatlicher Seite erlaubt.

Seinerzeit diente das Edikt 133 dazu, den moralische Sonderstatus der Mönche zu untergraben und war keinesfalls als positive Reform gedacht.

Dennoch gibt es Mönche, die auch außerhalb der Klöster an einer vegetarischen Ernährung festhalten.

Bedeutung des Essens

Das Essen dient nicht der Sinnesbefriedigung, sondern soll den Mönch gesund erhalten, damit er dem Buddhaweg folgen kann. Daher werden einfache sättigende Zutaten wie Reis bevorzugt.

Die Rituale bei den Mahlzeiten erinnern die Mönche daran, das sie selbst in einem abgeschiedenen Kloster nicht von der Welt isoliert sind und sollen die Dankbarkeit für die Unterstützung fördern.

Tempelküche

Unter dem Namen "Shôjin-ryôri" ist die vegetarische Klosterküche auch ein Angebot von speziellen Restaurants, die jedoch im Allgemeinen allerdings alles andere als günstig sind. 

Dabei wird dann beispielsweise die japanische Basisbrühe (dashi) nicht auf Basis von Fischflocken (katsuobushi) sondern Seetang (konbu) zubereitet.

Außerhalb Japans kann man sich entsprechende Kochbücher besorgen, oder auf Webseiten nach Rezepten der Shôjin-Küche suchen.

Kommentar von Irmin1588 ,

Ernährst du dich vegetarisch? Wie hältst du es mit dem Fleischkonsum oder Konsum tierischer Produkte?

Kommentar von Enzylexikon ,

Ich bin weitgehend Lacto-Vegetarier, verzichte also auf Fleisch und Eier. Allerdings bin ich dabei nicht dogmatisch.

Wenn mich jemand zu seinem Geburtstag einlädt, dann werde ich das Stück Geburtstagskuchen nicht ablehnen, nur weil da Eier drin sind.

Ich bin skeptisch, wenn Ernährungslehren zu sklavisch befolgt werden. Dann können sie zu einer Art "Ersatzreligion" werden - und sich über Ideologien zu definieren ist nun nicht im Sinne des Buddhismus.

Daher bin ich der Ansicht, dass es in der Verantwortung jedes Einzelnen liegt, wie er bzw. sie sich ernähren will. Von militanten Missionierungsversuchen halte ich nichts.

Kommentar von Irmin1588 ,

Früher hab ich mich auch z.B. über den Begriff Veganer definiert. Heute wenn mir jemand Fleisch anbietet, esse ich es, aber ernähre mich halt sonst Lacto-Vegetarisch, wobei die Milchindustrie ja eigentlich problematischer ist, als die Fleischindustrie. 

Kommentar von Enzylexikon ,

Vegan? Respekt!

Ich persönlich bin der Meinung, das es schon hilfreich ist, Dankbarkeit zu entwickeln, statt blind zu konsumieren.

Wenn man sich bewusst macht, wie viel Energie etwa in das Brot geflossen ist, das nun vor einem liegt, dann entwickelt man meiner Ansicht nach einfach eine ganz andere Haltung zu diesen Dingen.

Falls zB Hühnchen in einem Gericht ist, kann ich auch dem Hühnchen dankbar für sein Opfer sein, dass es mich nun sättigt.

Für mich ist das wichtiger, als ein chronisch schlechtes Gewissen zu haben, weil man mal versehentlich Fleisch gegessen hat.

Wenn zB eine Salamipizza bestellt wurde und niemand das letzte Stück isst, das sonst weggeworfen werden würde, dann halte ich es für moralischer das zu essen, als es in den Müll wandern zu lassen.

Aber wie schon gesagt, das muss jeder selbst entscheiden, ich rede da niemandem rein.

Kommentar von Irmin1588 ,

Ja, bewusst konsumieren, entlastend konsumieren, ist da eigentlich mein Leitsatz. Das betrifft nicht nur die Ernährung, sondern bei Made in Bangladesch kann man sich auch denken, wer das T-Shirt genäht hat ...

Kommentar von Enzylexikon ,

Völlig richtig.

Kaufe ich eine Zehnerpackung Billig-T-Shirts bei einem Discounter, fördere ich damit Sklavenarbeit zu einem Hungerlohn, Umweltzerstörung und Gesundheitsschäden.

Kaufe ich die Zehnerpackung nicht und boykottiere dieses Produkt, kriegt die Sklavenarbeiterin keinen Lohn und kann möglicherweise ihre Familie nicht ernähren.

Wie wir uns entscheiden ist eben unsere persönliche Verantwortung. Dieser Verantwortung können wir uns entweder stellen, oder blind einem Konsumwahn folgen.

Kommentar von Enzylexikon ,

Vielen Dank für den Stern. :-)

Antwort
von ultrabrot123, 31

https://de.wikipedia.org/wiki/Zen

Keine passende Antwort gefunden?

Fragen Sie die Community