Warum ist das Heliozentrische Weltbild auf den Widerstand der Kirche gestoßen?

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6 Antworten

Das Problem dabei ist der Konflikt zwischen Wissenschaft und Theologie. Damals war man seitens der Kirche noch der Ansicht, die Theologie beschreibe nicht nur die Glaubenswelt, sondern sie sei auch für die reale, konkrete Welt aussagekräftig, sprich - sie beschreibe die objektive Realität. (Eben dies Problem haben heutige religilöse Fundamentalisten immer noch, egal welchen Glaubens).

Nun ist in der theologischen, der biblischen Welt die Erde der Mittelpunkt der Schöpfung Gottes und darin der Mensch der Höhepunkt der göttlichen Schöpfung. Siehe Genesis. Somit ist die Welt das Zentrum der Schöpfung. Die wissenschaftliche Analyse der Realität ergab nun, dass die Welt, die Erde,  gar nicht das Zentrum ist. Das schien die theologische Sicht zu gefährden, weshalb die Kirche die Sicht der Wissenschaft vorerst bekämpfte, da diese an den Fundamenten des Glaubens, an den Fundamenten der kirchlichen Lehre rüttelte.

Dieser Konflikt wurde seitens der Kirche dahingehend gelöst, dass einerseits der Begriff "Welt" ausgeweitet wurde und heute eher als Synonym für "Universum" angesehen wird, sowie dass andererseits auch kirchlicherseits eine Koexistenz von die reale, konkrete Welt beschreibende Wissenschaft und die Transzendenz, den Glauben beschreibende Theologie akzeptiert und gelehrt wird. Oder, einfacher gesagt: während die Kirche früher Angst davor hatte, von der Wissenschaft widerlegt zu werden, trennt man heute zwischen Glauben und Wissenschaft. Heute kann man für die reale Welt wissen, dass die Erde sich um die Sonne dreht (usw), aber gleichzeitig auf der Ebene des Glaubens eine symbolische, andere Wahrheit erleben. Deshalb kann auch ein Astrophysiker durchaus gläubig sein, es wird eben zwischen Realität und Glauben differerenziert.

Noch mal wiederholt: Das Fehlen diese Differenzierung zwischen Glaube und Wissen war der eigentliche Grund für die Ablehnung des wissenschaftlichen Weltbildes durch die Kirche früherer Jahrhunderte.

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Überleg doch mal, wenn deine gesamte Organisation (Kirche) darauf aufgebaut wäre, dass es einen Gott gibt und die Erde das Zentrum von allem ist, wie glaubwürdig würde diese ganze Organisation noch da stehen, wenn auf einmal das Gegenteil bewiesen wird ;)

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Kommentar von sarahj
01.12.2015, 14:49

Der Mensch vergisst sowas ja leider allzu schnell.

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Ansicht der Kirche:

  • Die Erde ist eine Scheibe
  • Die Erde ist der Mittelpunkt
  • Sonne, Mond und Sterne drehen sich um die Erde.

Heliozentrisches Weltbild:

  • Die Sonne ist das Zentrum der Planeten
  • Die Planeten kreisen um die Sonne

Absolut konträre Aussagen. Deshalb der Widerstand der Kirche gegen die damaligen wissenschaftlichen Erkenntnisse.

Weitere Informationen kannst Du dort erhalten:

https://www.lernhelfer.de/schuelerlexikon/physik/artikel/heliozentrisches-weltbild

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Damit stand die Erde nicht mehr im Zentrum des Weltalls und somit auch der Papst, die Kirche, nicht mehr im Zentrum des Universums. Ein harter Schlag für diese Betrüger.

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Weil damit die SONNE im Mittelpunkt stand - und nicht die Erde samt Papst.

Korrekte Befürchtung (jedenfalls bei denkenden Menschen): Krasser Autoritätsverlust der Papstkirche, deren Irrtümer damit augenfällig wurden.

Nun war endgültig klar, daß "Ketzer", die wegen der Verbreitung von Zweifeln an der "Erde-als-Mittelpunkt"-Lehre ihr Leben lassen mußten, Opfer einer rachsüchtigen und engstirnigen Insitution geworden waren: Opfer der Papstkirche.

Gruß, earnest

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Kommentar von earnest
01.12.2015, 14:19

Welche anderen Irrlehren der Kirche, so die zwangsläufige Frage denkender Menschen, stehen dann demnächst auf dem Prüfstand? 

Auch so läßt sich (wenigstens zum Teil) die Reformation erklären. Von Renaissance und Aufklärung ganz zu schweigen.

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Das heliozentrische vs. geozentrische Weltbild war bereits in der Antike umstritten. Aristarch von Samos stand für das Heliozentrische, Aristoteles stand für das Geozentrische Bild.

Ptolomäus 140 n.Chr. beschrieb in seinem Almagest beide Theorien und hielt die geozentrische Theorie für wahrscheinlicher und besser übereinstimmend mit den Beobachtungen. Ein Exemplar des Almagest ist in der vatikanischen Bibliothek zu finden.

Vermutlich hat Kopernikus bei einem Rom Besuch dieses Almagest lesen können, denn später hat der Kardinal Bessarius (Papst Urban VIII) den deutschen Astronom und Mathematiker Regiomontanus aufgefordert, noch einmal das Almagest in die lateinische Sprache zu übersetzen. Dieser Papst war es auch der Galileo Galilei aufforderte Beweise zu liefern oder zu schweigen. Das Problem war, Kopernikus lies die Planeten auf Kreisbahnen die Sonne umrunden und trennte die Planeten durch gläserne Sphären.

Selbst der dänische Astronom Tycho Brahe lehnte die Idee des Kopernikus ab. Erst als Keppler die Planetenbahnen elliptrisch gestaltete und später noch der Foucaultsche Pendel die Erddrehung bewies, konnte es zum Durchbruch des Heliozentrischen Weltbild kommen.

Hier einen Konflikt zwischen Kirche und Wissenschaft konstruieren zu wollen, ist ein Blödsinn.

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Kommentar von sarahj
01.12.2015, 14:57

alles ok, aber der letzte Satz ist doch wohl nicht Dein Ernst - oder?

Es ist ja nicht so, daß der Disput bei einem lockeren Glas Bier ausgetragen wurde, und anschließend alle friedlich ihrer Wege gingen.

"Giordano Bruno (* Januar 1548 in Nola; † 17. Februar 1600 in Rom; eigentlich Filippo Bruno) war ein italienischer Priester, Dichter, Philosoph und Astronom. Er wurde durch die Inquisition der Ketzerei und Magie für schuldig befunden und vom Gouverneur von Rom zum Tod auf dem Scheiterhaufen verurteilt. Am 12. März 2000 erklärte Papst Johannes Paul II. nach Beratung mit dem päpstlichen Kulturrat und einer theologischen Kommission, die Hinrichtung sei nunmehr auch aus kirchlicher Sicht als Unrecht zu betrachten."

Was hat er gemacht:
er hat sich Gedanken über den Weltraum gemacht.

Es hat 400 Jahre gebraucht, bis sie das eingesehen haben!
Tot ist er dennoch.
Aber jetzt endlich darf er wenigstens aus der Hölle in den Himmel - immerhin.

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