Frage von FloPinguin, 26

Unterschied zwischen Historik und Zeitgeschichte?

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von Albrecht, Community-Experte für Geschichte, 14

»Historik« ist nicht nur ein Fremdwort (aus dem Griechischen - ἱστορία [historia] = Erforschung, Erkundung, Geschichte; dazu das Adjektiv ἱστορικός [historikos]/ἱστορική [historike]/ἱστορικόν [historikon], das substantiviert werden kann, indem ein zugehöriges Substantiv nur gedacht wird - und auch über das Lateinische vermittelt - historia und das Adjektiv historicus/historica/historicum - ), sondern es gibt auch zwei grundlegende inhaltliche Unterschiede zwischen »Historik« und »Zeitgeschichte«.

1 ) Denkebene/Denkstufe: Historik ist gegenüber Geschichte/Geschichtswissenschaft allgemein (und damit auch gegenüber Zeitgeschichte) eine in Bezug auf Nachdenken/Reflexion übergeordnete Ebene/Stufe. Sie reflekiert Geschichte/Geschichtswissenschaft und deren Erkenntnismöglichkeiten, ist als Theorie der Geschichtswissenschaft eine Ebene/Stufe darüber angesiedelt. Historik denkt über das historische Denken nach. Historik kann als eine Metatheorie bezeichnet werden, weil es sich bei ihr um eine Theorie handelt, deren Gegenstand selbst eine Theorie ist.

2) Zeitrahmen: Historik bezieht sich uneingeschränkt auf die gesamte geschichtliche Zeit. Zeitgeschichte ist dagegen nur ein zeitlicher Ausschnitt, auf die jüngste/neueste Vergangenheit beschränkt, eine Zeit, die zumindest einige der lebenden Menschen als Zeitgenossen bewußt erlebt haben.

Zeitgeschichte ist Geschichte, Geschichtsforschung und Geschichtsschreibung der eigenen Zeit. Es handelt sich um die an die Gegenwart heranreichende Vergangenheit, eine von zumindest einem Teil der lebenden Menschen selbst miterlebte Zeit. Indem die Zeit vergeht, ist auch fließend, welche konkrete Zeit zur Zeitgeschichte gehört.

Historik ist eine Theorie, die eine Grundlegung der Geschichtswissenschaft unternimmt. Es geht um Geschichte und den deutenden und erkenenden Umgang mit ihr. Inhalte sind beispielweise um Methoden, Quellenkritik, Interpretation (Deutung) und Hermeneutik (Kunst des Verstehens), Heuristik (Lehre von der Auffindung), Formen der Geschichtsschreibung, Sinnbildung.

Gabriele Metzler, Einführung in das Studium der Zeitgeschichte. Paderborn ; München ; Wien ; Zürich : Schöningh, 2004 (UTB ; 2433), S. 12:  

„Zeitgeschichte ist nicht nur die Bezeichnung einer historischen Epoche, die wissenschaftlich aufzuarbeiten ist, sondern sie ist immer zugleich Erlebens- und Erfahrungsraum der gegenwärtig Lebenden. Als unmittelbare Vorgeschichte unserer Gegenwart ist sie uns näher und vertrauter als weiter zurückliegende Zeiten; aus den Erzählungen von Eltern und Großeltern ist uns auch das präsent, was wir nicht selbst miterlebt haben.“

Jörn Rüsen, Historik : Theorie der Geschichtswissenschaft. Köln ; Weimar ; Wien : Böhlau, 2013, S. 23:  

Historik ist Theorie der Geschichtswissenschaft. Sie besteht also aus der Komposition dreier Elemente: Geschichte, Wissenschaft und Theorie. Fangen wir mit dem Letzteren an. Theorien sind Wissensformen mit einem höheren Allgemeinheitsgrad als Aussagen über einzelne Tatsachen. Als solche sind sie Bestandteile jeden wissenschaftlichen Denkens. Das gilt auch für die Geschichtswissenschaft. Aber Theorie der Geschichtswissenschaft als Historik ist etwas Besonderes. Es ist keine Theorie, die man verwendet, um im Rahmen wissenschaftlichen Denkens die menschliche Vergangenheit zu deuten, sondern es ist eine Theorie über die Deutung selber, sie ist Reflexion – ›Zurückbeugung‹ des historischen Denkens auf sich selbst. Für diese Art des Denkens gibt es den philosophischen Fachterminus MetaTheorie. In Bezug auf das historische Denken in seiner fachlich-wissenschaftlichen Form wird diese Meta-Theorie im deutschsprachigen Raum – anschließend an den Klassiker Droysen – ›Historik‹ genannt. Im englischen Sprachraum spricht man zumeist von ›Metahistory‹. Eine weniger gebräuchliche Bezeichnung ist Historiologie oder Historiosophie.“

Antwort
von soissesPDF, 10

Die Historie betrachtet größere Zeiträume in der Geschichte.
Zeitgeschichte entsprechend kürzere Zeiträume.

Als historisch werden Ereignisse etwa 100 Jahre nach dem Geschehen, zeitgeschichtlich mithin die Ereignisse zwischen 1 Jahr bis um 100 Jahre.

Der noch einfachste Grund ist, dass die Historie nicht mehr verklärt werden kann, wenn sind die Dinge so gelaufen wie sie sind, die Ergebnisse lassen sich nicht mehr verändern.

Antwort
von lupoklick, 25

Historik könnte das Forschen in alten Untelagen sein

Zeitgeschichte sind Informationen von Zeitgenossen

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