Frage von Haus73, 72

Strukturwandel im Ruhrgebiet leicht erklärt?

Wir schreiben eine Arbeit über Strukturwandel im Ruhrgebiet ( 12.Klasse, Gymnasium) Kann mir darüber jemand etwas sagen wir haben 6 h darüber gemacht aber immer ging es im Wesentlichen um den Wandel Montanindustrie(bergbau) zu Dienstleistungsgesellschaft ? Diesen wandel kann ich jedoch nicht verstehen also warum zur Dienstleistung und nicht zur Industrie ? Wenn ihr mehr Infos habt nur raus damit :D Vielen dank schonmal

Antwort
von Grautvornix16, 32

Hi,- in der klassisch - ökonomischen Unterteilung hast du den primären, sekundären und terziären Sektor. 1. ist der Bereich der Rohstoffgewinnung (z.B. Bergbau), 2. ist der Bereich der Rohstoffverarbeitung (z.B. Stahl- oder Chemieindustrie) und 3. ist der Bereich der sog. Dienstleistungen. Diese sind aus dieser Sicht "tertiär" oder eben "nachfolgend" da ihre Wertschöpfung auf der Wertschöpfung der anderen beiden aufbaut - oder anders: Der Berg- oder Stahlarbeiter muß eben erst sein Geld verdient haben, um es beim Friseur ausgeben zu können und dieser dann auf sein Einkommen Steuern zahlt oder weitere Löhne für Mitarbeiter generiert. - Insgesamt ist dein Thema aber viiiiel zu kompliziert, um es hier in Kürze abhandeln zu können. - Es ist zwar richtig, daß die Verflechtung zwischen Großindustrie und Politik im Ruhrgebiet ( als ehem. größter industrieller Ballungsraum Europas) auch im Nachhinein den Strukturwandel vielfältig behindert hat (ein Beispiel wurde hier schon genannt).

Aber die "Deppen" saßen seit 150 Jahren zu jeder Zeit in jeder Partei. Da ist es müßig und sicher ein spannendes Thema für einen anderen Fragebeitrag nach "Deppen" zu suchen wenn letztlich das ganze System - vom Rechtssystem bis zur Denke in den Köpfen fast aller Beteiligten sich an den Parolen einer einseitigen, meistens radikal-ökonomischen Wirtschaftsdenke ausrichtet und sich von deren Pseudogehabe ein "wissenschaftliches Faktum" zu vertreten verblöden und korrumpieren lassen. Das war aber schon immer so und eine Wende ist nicht in Sicht. - Es ist übrigens dieselbe Wirtschaft, die der Politik falsches Handeln vorwirft, die die Krisen erzeugt, mit welchen die Politik umgehen muß und deren Konzept ist immer dasselbe. Als im Bergbau die Kinderarbeit verboten wurde sind die Herren Zechenbesitzer Sturm gelaufen und haben allen ernstes den Zusammenbruch dieser Industrie beschworen.

Was aber sachlich weiterhelfen könnte wäre eventuell eine Recherche deinerseits wieviel Jobs im Ruhrgebiet seit der ersten Kohlekrise Ende der 1950iger Jahre bis heute verloren gingen und wieviel geschaffen wurden. Das Ruhrgebiet hatte übrigens mehr als einen Strukturwandel (siehe: Bergbau - Opel oder Nokia in Bochum). Das Ruhrgebiet hat eigentlich ein Dauerthema: ... und immer wieder aufstehen ... . Da paßt der ganze, mit riesen Getöse und Gejammer zelebrierte Umbau der ehem. DDR wahrscheinlich 3 x rein.

Die "Ruhrpottler" haben hauptsächlich ein Problem: Sie gehen einfach nur arbeiten und sind ansonsten einfach viel zu leise.

PS: Deutschland hat den Finanzmarktcrash 2008 auch und vor allem deshalb besser überstanden als andere europäische Länder weil alles in allem mit ca. 25% Wirtschaftanteil gerade der sog. industrielle Kern anders als in anderen Ländern erhalten worden ist während alle anderen sich haben zuschwätzen lassen von der sog. "New Economy" (z.B. Großbritannien). Denen sind die börsennotierten Wertschöpfungsblasen dann auch kräftig um die Ohren geflogen.

Es ist also gar nicht entschieden ob der Weg in die reine Dienstleistungsgesellschaft - vornehmlich als Finanz- und IT-Dienstleistung der stabilere ist. Es gab Zeiten, da wurde Bayern über den Länderfinanzausgleich mit Milliarden aus NRW über Wasser gehalten.

PSS: Das Wertschöpfungsverhältnis im Bergbau war übrigens 1:1,2 (konservativ gerechnet). Das heißt: aus einem Euro, der in den Bergbau gesteckt wurde wurden 1,20 Euro erwirtschaftet,- ein Wert, von dem viele Firmen träumen. Und die Technologie, die im und durch den Bergbau entwickelt wurde (von Tunnelbohrmaschinen bis zu Computersteuerungen ist auch heute noch überall in der Welt marktführend und heiß begehrt. - Die Subventionen für die Atom-Wirtschaft zum Beispiel sind dagegen ein Vielfaches - leider nicht in der Wertschöpfung.

Gruß

Kommentar von veritas55 ,

Als Ruhrpottlerin kann ich dir nur zustimmen !

Antwort
von Joshua18, 33

"Statt sich an die neuen Marktbedingungen anzupassen, forderte die
Politik die Sicherung der Kohlemärkte durch Verträge mit einheimischen
Elektrizitätswerken und die Einschränkung der Öl- und Kohleimporte durch
Zölle und Quoten. Freie Industrieflächen wurden von den Bergbaufirmen
nicht an neue Unternehmen abgegeben. Man fürchtete die Konkurrenz neuer moderner Branchen, die sich nachteilig auf das eigene Lohn- niveau auswirken könnten. Durch die Strategie des Abwartens und Beharrens wurde der frühzeitige strukturelle Wandel in den Jahren nach der Krise verpasst
." (Zitat aus untenstehender verlinkter Webseite)

http://www2.klett.de/sixcms/list.php?page=infothek_artikel&extra=TERRA%20Ges...

Welche Partei war wohl überwiegend an der Regierung ?

Kommentar von Haus73 ,

Die SPD, aber warum ? 

Und wenn ich das so in der Arbeit schreibe wäre das leider falsch, weil wir das irgendwie anders gelernt haben :/

Kommentar von Joshua18 ,

Das sind aber belegbare historischen Fakten ! Am besten lässt Du aber die Politik da ganz raus, denn das könnte Dir je nach dem übel bekommen. Ich wollte auch nur einen Denkanstoss mit meiner Frage geben.

Ob andere Parteien es damals besser hinbekommen hätten ist natürlich auch noch sehr fraglich.

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