Frage von zErfresser, 91

Sind Kapitalisten böse?

Die wollen ja möglichst viel Profit machen - das geht nur wenn möglichst viel menschliche Arbeitskraft mit Maschinen wegrationalisiert wird, oder?

Antwort
von Grautvornix16, 22

Hi,- ich denke, dass es nicht weiterhelfen wird, Ideologien mit (Gegen-) Ideologien zu konfrontieren. "Ideologie" ist aus dem Wort "Idee" abgeleitet. Soweit so gut. Aber wenn zur Idee der selbstbegründende "Logos" kommt wirds in der Regel dogmatisch und so erleben wir immer wieder, dass jede Ideologie in diesem Sinne ihre Maßlosigkeiten, Ungerechtigkeiten, Absurditäten, Monströsitäten und inneren Widersprüche entwickelt.

Letztlich geht es bei Ideologien am Ende immer um den Wunsch nach (Gestaltungs-) Macht und es ist dem Machtbegriff immanent, dass es nur "Macht über etwas für etwas" bedeuten kann. Zu diesem Zweck muß man vor allem das eigene Denken anderen plausibel machen oder aufzwingen. Dumm nur, dass eigenes Denken ganz menschlich immer selektiv geleitet ist von eigenen Interessen und Verständnis- / Erkenntnishorizonten. Das ist der Grund warum das "Böse" immer mit der Maske des "Guten", des "Notwendigen" oder des "Gewohnten" daherkommt.

Und in dieser Lesart: Ja natürlich hat auch der Kapitalismus alle die oben beschriebenen Eigenschaften einer Ideologie. Und nur weil westliche Industriestaaten es geschafft haben, das "Lumpenproletariat" weitestgehend hinter den Horizont in die sog. "3. Welt" zu verschieben weil in der Binnengesellschaft zumindest soviel Kaufkraft verbleiben soll, dass eine Binnenkonjunktur stabil möglich ist ändert es an der Sache nichts. - Aber so langsam zeigen ja die "Akkumulationsprozesse und deren Investitionsdynamik, -logik und -macht" einer sog. "Globalisierung" auch wieder ihre Rückwirkung auf die "Patentinhaber" dieser enthemmten kapitalistischen Ideologie.

Und so wird es für Anhänger dieser Ideologie schwierig sich zu entrüsten wenn in Bangladesh Billig-T-Shirts für deutsch Hartz IV- Empfänger produziert werden (müssen), immer mehr sog. "Tafeln" fast schon eine eigene Selbstverständlichkeit haben,  Hedgefonds gesunde deutsche mittelständische Unternehmen "filetieren" oder den "Sozialen Wohnungsbau" aufkaufen, um ihn verkommen zu lassen, Wohnraum immer unbezahlbarer wird, Unternehmen mit Diktaturen bessere Geschäfte machen als mit "volksvertretenden Regierungen" und Rohstoffinteressen Kriege und Elend befördern, Regenwälder für Palmölplantagen vernichtet werden, EU-Restgeflügel-Exporte die Geflügelzucht in Kenia kaputt machen, Überfischung ein ständiges Thema ist, die Auswirkungen einer industrialisierten Landwirtschaft und einer "analogen" Lebensmittelproduktion finanziell und umwelttechnologisch immer schwieriger zu beherrschen sind, eine 2-3 - Klassenmedizin immer deutlicher wird oder aber auch die Zahl der Psychologen, Frührentner und "kaputten" Familien aufgrund absurder Arbeitsbedingungen und -verhältnisse ebenso steigt wie die Zahl von Depressionen bereits im Kindesalter ..... . Die Liste der "kapitalistischen Errungenschaften" würde eine mehrbändige Ausgabe füllen.

Aber es gehört zur "inneren" Wertschöpfungslogik des Kapitalismus, dass auch mit der "Bearbeitung" der verursachten Schäden wiederum eine Wertschöpfungsstrategie entstehen kann.

Einfaches Beispiel: Solange mit der Behandlung der Folgen des Rauchens in der Medizinindustrie durch die Versteuerung der Unternehmen, die Schaffung steuerpflichtiger Arbeitsplätze + Steuereinnahmen des Staates ein positiver Saldo erwirtschaftet wird dürfte sich das Interesse an einer grundsätzlichen Änderung der Gesamtsystematik deutlich in Grenzen halten. Gleiches gilt für jeden anderen beliebigen Wirtschaftszweig.

Auch die Arbeitnehmerrechte, die viele von uns heute (noch!) genießen sind nicht der "inneren Logik" des Kapitalismus entsprungen sondern wurden durch dessen politische Regulation erreicht.

Betriebswirtschaft ist eben etwas anderes als Volkswirtschaft. Will man dies in Einklang bringen wird man feststellen, dass umgehend der Aufschrei diverser Wirtschaftsverbände den Verlust von Arbeitsplätzen und den Niedergang der Wirtschaft beschwört: so wie vor ca 100 Jahren bei der Abschaffung der Kinderarbeit im Bergbau bis hin zur Einführung des Mindestlohnes in heutiger Zeit.

Das Problem ist, dass die Politik sich die betriebswirtschaftliche Sicht selbst zu eigen gemacht hat und damit den Primat dieser speziellen ökonomischen Sichtweise ermöglicht. Staatliche Budgetplanung wird genau so gehandhabt.

An den Problemen, die unsere Krankenhäuser heute haben sieht man z. B. die Auswirkung sehr gut.

Eine Gesellschaft ist eben kein Betrieb und der Mensch mehr als eine "Funktion", ein "Konsument" oder ein "Kostenfaktor".

Eine betriebswirtschaftliche Sicht wird auf Dauer jede Gesellschaft zerstören weil sie die Werte zerstört, die ihren Zusammenhalt und damit ihre innere Funktionalität zerstört. Und diese Werte begründen sich eben nicht in einer "kapitalistischen" Denke. Kapitalismus ist eben nicht entgegen der landläufigen Auffassung (Ideologie) der Ursprung von Entwicklung und Kreativität im Sinne von (Lebens-) Qualität.

Die grundlegende Kalkulationskategorie des Kapitalismus ist Quantität und deren (dynamische) Organisation.

Und wer dann noch das "hohe Lied" auf das "christliche Unternehmerbild" singt sollte mir sagen welche Drogen er nimmt, um so gut drauf zu kommen. Es sind genau die Auswirkungen eben jenes Kapitalismus, die ein solches Unternehmermodell kaum mehr konkurrenzfähig machen.

Und davon abgesehen waren solche Modelle auch früher schon eher die Ausnahme - unabhängig von der Frage warum es seit Generationen angeblich sooo schwierig sein soll, zwischen Privatentnahme und Investionsrückfluß in den Betrieb steuertechnisch unterscheiden zu können. Da wären die alljährlichen Einkommenssteuererklärungen für jeden aktuell mindestens genauso kompliziert.

An der Grundtatsache, dass Gewinn primär vorenthaltener Lohn ist und die betriebsinterne Verteilung dieses Gewinnes schon einer volkswirtschaftlichen Kalkulation und einer politischen Abwägung unterzogen werden sollte ändert das nichts. Ich halte es für ein Gerücht, dass die Kruppsche "Villa Hügel" auch nur einen Arbeitsplatz geschaffen oder gesichert hat ebenso wie ich es eben nicht für links-ideologisches Blendwerk sonderen eine aufgeklärte gesellschaftliche Werte- und Vertragsethik halte wenn Arbeitgeber- Arbeitnehmerverhältnisse in einer "aufgeklärten" Gesellschaft nicht länger nach dem Prinzip der "gutmütigen Feudalherrlichkeit" organisiert werden.

Aber das ist eine immer noch ausstehende (volkswirtschaftliche und politische) Klärung einer Gesellschaft als Wertegemeinschaft.

Und damit zum Schluß: Dein Begriff des "Bösen" ist in diesem Zusammenhang nicht wirklich operabel weil relativ. Dieser Begriff ist in erster Linie sozialpsychologisch bedingt da es der Wahrnehmung des einen bedarf, der das Handeln oder die Handlungsabsicht des anderen als bewußte Benachteiligung oder Mißachtung / Verletzung von berechtigten eigenen Interessen versteht.

Einfaches Beispiel: eine Kanibalengesellschaft wird erst dem Außenbetrachter eines anderen Kulturkreises ( Klassiker: also dem Europäer im Amazonas-Kochtopf) als "Gesellschaft gemeinschaftlichen Unrechts" vorkommen. ;-)

Gruß

Antwort
von berkersheim, 32

Hallo zErfresser: Kapitalisten sind das Brot, an dem Du Dich sattessen kannst. An wem sonst wolltest Du Deine gepflegten Vorurteile auslassen. Wenn die Geschichte entscheidet, wer "gut" und wer "böse" ist, dann haben die Sozialisten und Möchte-gern-Kommunisten versagt und die Kapitalisten überlebt. Wenn man sich anschaut, wie die Kapitalien weltweit seit der Globalisierung gewachsen sind, haben kleine Maulaffenhelden wenig Chancen, die Kapitalisten zu bezwingen. Inzwischen bekommen die Kapitalisten ja vehement Nachschub aus dem ehemals großen sozialistischen China und der ehemaligen großen sozialistischen Führungsnation, die mal Sowjetunion hieß. Dort wachsen die Kapitalien und nicht mehr lang, werden wir wohl von kapitalistischen Chinesen aufgekauft, weil die Möchte-gern-Sozialisten unser Land in den Ruin und Ausverkauf führen.

Hier gibt es keine Revolution - hier verfault alles. Doch wenn ich mich umschaue, gibt es noch viele Kinder der Arbeiterklasse, die da was gegen haben und fleißig zupacken, dass die Trägheit der Maulaffenrevolutionäre keinen Erfolg haben wird. Die Kinder der Arbeiterklasse wählen dann AfD und steigern den Hass der Möchte-gern-Revoluzzer auf das eigene Land. Auf der Suche nach Wählern kriecht die SPD den Moslems in den Hintern und veranlasst, dass die Beutemoslems, Flüchtlinge genannt, künftig bei allen Ämtern bevorzugt werden. Da erwächst den Hartz4-Revoluzzern ein Feind aus einer Ecke, den sie bis dahin verschlafen haben und siehe da, etliche von denen wählen dann auch noch AfD, wie sich in den Wählerwanderungen zeigt: Die meisten AfD-Wähler kommen von links. Verkehrte Welt! Hättet Ihr ein wenig Ahnung von Geschichte, würde Euch der Verlauf vor 33 hellhörig machen. Da wird zwar auch gern den "Rechten" der Aufstieg Hitlers in die Schuhe geschoben um zu vertuschen, dass es die ruinöse Realpolitik der Linken war, die vor allem die Kinder der Arbeiterklasse in die Arme eines falschen Retters getrieben hat. Weiter so.

Kommentar von berkersheim ,

Siehe da, da hat jemand gemerkt dass mein Beitrag eine Satire auf eine Realsatiere ist. Ja, ja, wer grobe Klötze hinstellt, darf sich über grobe Keile nicht wundern!

Antwort
von Suboptimierer, 46

Sowohl der Titel der Frage als auch die Fragebeschreibung wirken sehr provokant. Steckt dahinter eine Suche nach Absolution?

Man kann Menschen nicht beliebig wegrationalisieren (Handwerker, Konstrukteure, Maschinenwarter, Maschinenreparierer, Servicepersonal [Dienstleistungssektor],... werden noch lange benötigt werden), aber da, wo man es kann, spart man in der Regel und es wäre auch aus Sicht eines Arbeiters sehr niederschmetternd, eine Arbeit zu verrichten, mit dem Wissen, dass es eine Maschine viel besser könnte und man quasi nur aus Mitleid angestellt wurde (die Arbeit aber im Grunde überflüssig ist).

Antwort
von PWolff, 24

Kapitalismus in seiner Reinform ist natürlich eine egotistische, soziopathische Ethik.

Ob das Individuum, das diese vertritt, nun böse oder fehlgeleitet ist, ist eine andere Frage. Oder ob wir jemanden als Kapitalisten bezeichnen, weil er Gewinnmaximierung verfolgt, obwohl er dies nicht um jeden Preis, den andere dafür zu zahlen haben, tut.

Übrigens - der Gipfel des Kapitalismus dürfte die Aktiengesellschaft sein (wo jemand ebenso viel Entscheidungsgewalt hat, wie er ins Unternehmen eingezahlt hat - "Kapital"-gesellschaft in Vollendung). Gruß an alle Kleinaktionäre ...

Kommentar von Traveller24 ,

1) Dies ist bei allen Unternehmen so. Die Stimmverteilung ist immer im Verhältniss des Eingebrachten Kapitals, egal ob KG, GMBH, OHG, AG.

2) Bei einer AG ist tatsächlich die Entscheidungsmacht Des Kapitalsa m geringsten. Eine AG wird durch den Aufsichtsrat geführt, und der wird zur Hälfte durch die Arbeitnehmer gewählt.

Kommentar von PWolff ,

Was GmbH und AG betrifft: stimmt nach deutschem Recht.

Ist es nicht schlimm, wie wir unser hart ergaunertes Geld in eine AG investieren und dann kommt die Soziale Marktwirtschaft daher und hindert uns daran, zu bestimmen, was auf welche Weise wir damit zu noch mehr Geld kommen wollen?

KG, OHG, KGaA u. v. a. sind nicht einmal Kapitalgesellschaften, hier haben tatsächlich noch fehlbare Menschen das Sagen. (Bei der GmbH & Co. KG ist der menschliche Faktor durch die GmbH ersetzt worden.)

Antwort
von Franz1957, 8

Hierzu Karl Marx:

"Zur Vermeidung möglicher Mißverständnisse ein Wort. Die Gestalten von Kapitalist und Grundeigentümer zeichne ich keineswegs in rosigem Licht. Aber es handelt sich hier um die Personen nur, soweit sie die Personifikation ökonomischer Kategorien sind, Träger von bestimmten Klassenverhältnissen und Interessen. Weniger als jeder andere kann mein Standpunkt, der die Entwicklung der ökonomischen Gesellschaftsformation als einen naturgeschichtlichen Prozeß auffaßt, den einzelnen verantwortlich machen für Verhältnisse, deren Geschöpf er sozial bleibt, sosehr er sich auch subjektiv über sie erheben mag."


(Das Kapital, Erster Band, Vorwort zur ersten Auflage)

http://www.zeno.org/Philosophie/M/Marx,+Karl/Das+Kapital/I.+Band%3A+Der+Produkti...

Antwort
von Midnight1999, 10

Kapitalismus hat nichts mit Maschinen zu tun - es gab ihn schon viel früher. Wie so vieles andere in der Welt sind sowohl der Kapitalismus, als auch der Kommunismus weder gut, noch böse. Beides hat seine Vor- & Nachteile. Zum Beispiel gibt es in kapitalistischen Ländern Leute, die andere ausbeuten, um an möglichst viel Geld zu gelangen (wie du ja schon richtig erkannt hast). In kommunistischen Ländern gibt es Leute, die sich auf die faule Haut legen & nur auf Kosten des Staates bzw. Anderer leben. Soweit ich weiß, darf man in solchen Ländern niemanden so ohne Weiteres feuern. Genauso gibt es in beiden Ideologien gibt es aber auch Vorteile. Zum Beispiel kannst du dir in kapitalistischen Ländern eine eigene Existenz aufbauen, dich hocharbeiten - in dem Beruf/in der Richtung, den/die DU willst, nicht der Staat. Hierbei besteht aber auch ein gewisses Risiko, alles zu verlieren & arbeitslos zu werden. Dieses Risiko besteht im Kommunismus nicht. Zusammengefasst: Kommunismus und Kapitalismus haben beide Vor- & Nachteile, keins ist nur gut oder nur schlecht. Eine Mischung aus beidem wäre perfekt, ist aber so gut wie unmöglich. Ich persönlich tendiere eher zum Kapitalismus.

Antwort
von nnblm1, 40

Das geht über viele verschiedene Maßnahmen: Auslagerung von Produktion in Billiglohnländer, Ausbeutung von Rohstoffen in ärmeren Ländern, Zusammenarbeit mit korrupten Regierungen, etc.

Antwort
von RipeClown, 11

Es ist normal das die Maschine nun mal den Menschen ersetzt.

Das war schon immer so.

Das Rad, die industrielle Revolution, Computer, Fabriken etc.

Wir entwickeln uns weiter.

Warum in der Vergangenheit bleiben wenn wir nach vorne schauen müssen.

Antwort
von brido, 27

Bis jetzt war es sinnvoll, für schwere  Arbeiten am Bau etc... Aber wir kommen zu einer roten Linie, Supermarktkassiere etc... ersetzen wird katastrophal.

Antwort
von Thiamigo, 19

Das ist die Weltpolitik Form Kapitalismus, damit müssen wir wohl leben, ob Menschen jetzt weg rationalisiert werden oder nicht lassen wir mal dahingestellt, da hat ja jemand schon eine Antwort dazu verfasst die sicherlich seine Berechtigung hat. Ich komme nun zu einen anderen Punkt der mir mehr zu schaffen macht, der Mensch könnte sich wehren aber die Natur/Umwelt/Tierwelt kann das nicht es werden immer mehr Bäume im Regenwald wegen den Profit abgeholzt, so könnte ich weitermachen wenn wir an die Meere denken Punktpunktpunkt. Das ist Kapitalismus jeden Tag aufs Neue SC H… Bauen die Umweltorganisation Greenpeace hat es in den achtzigern auf den Punkt gebracht wir Segen und den Ast ab auf den wir sitzen

Antwort
von kubamax, 17

Böse nicht, aber dämlich. Die glauben immer noch, Kapital ist das einzig Wahre im Leben.

„Erst wenn der letzte Baum gerodet, der letzte Fluss vergiftet, der
letzte Fisch gefangen ist, werdet Ihr merken, dass man Geld nicht essen
kann.“

Antwort
von monsterpflanze, 30

ja. die antwort muss 5 zeichen lang sein

Antwort
von josef050153, 5

Kapitalist, Kommunist, Faschist ist Mist.

Antwort
von Inked95, 28

Ach quatsch, jedem seins :-)

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