Frage von Liara220, 35

Phänomen Dissoziation-Was genau ist das und was ist der unterschied zur Verdrängung?

Hallo,

Zu aller anfang, ich meine Nicht die Dissoziative PS (Multiple)! und zwar wollte ich gern erfragen,wenn jetzt zb jemand psychisch krank ist,zb wegen eines emotionalem Trauma eine chronische belastungsstörung entwickelt hat, dann hat er Persöhnlichkeitsanteile von sich abgespalten?oder Gefühle abgespalten? was ist der unterschied zu verdrängtem Inhalt des Unterbewusstem? Ausserdem, wie bemerke ich dissoziierte zustände im alltag ? Ich kenne , dass gefühl von Depersonalisation und realiation aber nur in sehr geschwächter form, ich habe noch kontrolle was ich tue,aber beides hatte ich schon lange nicht mehr.aber mir ist aufgefallen das idh oft einfach in die luft gucke und sehr nachdenklich werde und freunde sagen dann oft ich sehe aus wie in Trance. ist sowas auch eine Dissoziation?

Antwort
von verquert, 35

Dissoziation ist das Gegenteil von Integration.
Der Unterschied zur Verdrängung ist, dass eine Dissoziation "automatisch" geschieht (Verdrängung bewusst).

Nun zu Deinen Zeilen:
bei einem Trauma werden unterschiedliche Sinne und/oder Bewusstseinszustände abgespalten.

Gefühle, um zum Beispiel die Scham, Ekel, Angst eventuell ... wenn sich 'loyal' verhalten werden muss. Danach um zu "funktionieren".

Persönlichkeitsanteile, ... ja, bleiben wir bei der Loyalität - hier gegenüber dem/den Täter(n). Vor allem, wenn es mehrere Übergriffe gibt und es kein 'Entkommen' geben kann, als sich 'anzupassen'. Entgegengesetzt jeder inneren, eigenen Moral, Wertevorstellungen, Bedürfnisse,....

Körperbewusstsein, auch hier ist eine "Abapaltung" möglich - und in den Gefahrenzonen auch oft Notwendig. Oder es wird so viel gehadert, sodass ebenso auch später abgespalten wird.

Sinne, Außenerleben, .... und so weiter ist das gleiche Prinzip.

Dissoziation basiert auf "Monopersönlichkeit". Das heißt, die Umgebung wird abgespalten. "Herausgeworfen" aus der aktuellen Zeit und Raum. Eventuell durch Trigger oder tiefgreifendere Belastungen, Stress,...

Kommentar von Momo1965 ,

Du hast das alles sehr schön „aufgebröselt“, nur gibt es ein paar Kleinigkeiten, die nicht zutreffen. Verdrängung geschieht ebenso wie Dissoziation immer unbewusst. Warum sonst benötigen Patienten oftmals Jahre, ehe sie überhaupt den Zusammenhang zwischen angeeigneter Diskrepanzen (im Sinne der Lerntheorien) zwischen Erleben und (Re-)Agieren bemerken, und darüber hinaus dann noch etliche Jahre fürs Schaffen ihres Bewusstseins brauchen?

Weiter bezogen auf die Abspaltung des Körperbewusstseins: Diese Abspaltung erfolgt in aller Regel als erstes – also nicht erst später -, erst danach werden Gefühle und Empfindungen abgespalten.

Den Zusammenhang zwischen Dissoziation und „Monopersönlichkeit“ erkenne ich leider auch nicht. Da scheint mir in Deiner Darstellung ein bisschen was durcheinandergeraten zu sein. ;-) Durch die Abspaltung werden schließlich zwei „eigenständige“ Persönlichkeiten geschaffen – die empfindsame, die sich von der Situation distanziert, und die unempfindsame, die die Situation aushalten soll. „Herausgeworfen“ wird auch nicht die Umgebung, sondern um sich vor der Umgebung (sprich: dem Täter) zu schützen, erfolgt die Abspaltung der eigenen Empfindsamkeit.

Antwort
von Momo1965, 21

Was man unter Dissoziation versteht, erklärt sich am besten an der dissoziativen Persönlichkeitsstörung. Sieh Dir mal meinen gestrigen Beitrag dazu an: https://www.gutefrage.net/frage/wie-genau-entsteht-eine-dissoziative-persoehnlic...0

Um den Unterschied zwischen Dissoziation und Verdrängung zu verdeutlichen, hilft vielleicht ein bildhafter Vergleich. Betrachte den Menschen mal als einen großen Schrank. In diesem Schrank befinden sich ganz viele Persönlichkeitsanteile bestehend aus u. a. Empfindungen und Gedanken.

Bei der Verdrängung legt der Patient zum Selbstschutz unbewusst einen Teil dieser Empfindungen und Gedanken irgendwo ganz weit unten in die hinterste Ecke seines Schrankes. Es ist also zwar IM Schrank, aber nicht sichtbar, nicht sofort auffindbar, somit nicht verfügbar und es kann keinen psychischen Schmerz mehr auslösen.

Bei der Dissoziation verlegt der Patient – ebenfalls unbewusst - seine Empfindungen und Gedanken aber nicht in die unterste, hinterste Ecke des Schranks, sondern lagert sie in einen anderen Schrank aus. Will bzw. muss er – je nach Situation und Erfordernis – aus Selbstschutz darauf zurückgreifen, wechselt er von einem Schrank in den anderen. Das Vorhandensein des anderen Schranks wird dabei aber nicht wahrgenommen. Der im anderen „Schrank“ befindliche Persönlichkeitsanteil ist für den Patienten nicht bewusst existent, was Deine Frage beantwortet, ob man dissoziierte Zustände erkennen kann.

Du schilderst, dass Du häufig „einfach in die Luft guckst“ und nachdenklich bist und wie in Trance wirkst. Da Du Dir dessen bewusst bist, kann es mit Dissoziation nichts zu tun haben. Dies deutet nach meiner Einschätzung eher auf die charakteristischen Begleiterscheinungen der Depersonalisation (= erfolgt ohne Realitätsverlust) und Derealisation (= Wahrnehmungsstörung bezogen auf die Umwelt) hin, ist also eher als Teilnahmslosigkeit, sogenannte „emotionale Taubheit“ und/oder ein Vermeidungsverhalten anzusehen; Letzteres mit Sicht darauf, möglichen Traumastimuli aus dem Weg gehen zu können, die sich in diesen Momenten in Erinnerung bringen.

Erlebst Du schon mal „Flashbacks“? Wenn ja, erinnert das, was Du hier beschreibst – nicht zuletzt schon deshalb, weil Du die Kontrolle über Deine Handlungen behältst – doch sehr an eine Posttraumatische Belastungsstörung, aber keinesfalls an Dissoziation.

So, wie Du hier diverse Fachbegriffe anwendest, gehe ich davon aus, dass Du Dich bereits in therapeutischer Behandlung befindest oder befunden hast. Solltest Du Deine Fragen dann nicht besser dort abklären? Dein/e Therapeut/in kennt Dich doch sicherlich schon länger und wird die immer wieder bei Dir auftretenden Symptome somit besser zuordnen können und die Therapie entsprechend ausrichten. ;-)

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