wie genau entsteht eine dissoziative persöhnlichkeitsstörung?

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3 Antworten

Ja, die dissoziative Persönlichkeitsstörung ist eine Krankheit im Sinne der ICD-10-Klassifizierung und kommt tatsächlich nur vergleichsweise selten vor, ist aber dennoch ebenso gut oder schlecht erforscht, wie jede andere Form von Persönlichkeitsstörungen.

Auslöser sind schwere traumatische Erlebnisse in der frühesten Kindheit, also noch vor dem 5. Lebensjahr. Du musst es Dir so vorstellen, dass die Betroffenen einen Teil ihrer Persönlichkeit dissoziieren, also von sich abspalten. Bedeutet, dass einzelne Denk-, Handlungs- und/oder Reaktionsabläufe „ausgelagert“ werden, so, als würden sie nicht mehr zu einem selbst gehören.

Ausschlaggebend ist eine Situation, in der das Kind wehrlos ist, also weder fliehen, noch sich verteidigen kann. Eben weil es nicht flüchten kann, „schiebt“ es einen Teil seiner Empfindung von sich weg, spaltet also seine Persönlichkeit von sich ab.

Das lässt sich vielleicht am besten am Beispiel von sexuellem Missbrauch erklären. Zunächst spaltet das Kind Körper- und Schmerzempfindungen aus; will heißen: Der Bauch- und Genitalbereich wir unempfindlich für Berührung und Schmerz. Erkennt das Kind, dass es ihm durch diese Abspaltung leichter fällt, sein Schicksal zu ertragen, wird es diese Dissoziation auch auf sein Denken, Handeln und Reagieren ausweiten. Es schiebt Teile seines Empfindens aus seinem Körper heraus, wodurch es das Gefühl bekommt, dass es nicht selbst Opfer dieser Situation wurde, sondern nur der verlassene Körper, den es durch diese Abspaltung zurücklässt. Es versetzt sich also durch die Abspaltung seines Empfindens in eine Beobachterposition und kommt dadurch raus aus der Betroffenenlage. Damit hat es seine Persönlichkeit so aufgespalten, dass es unempfindlich(er) wird für die Missbrauchssituation und diese aushalten kann.

Dieses Abspalten kann natürlich auch in anderen traumatischen Situationen geschehen, z. B. bei vernachlässigten Kindern oder bei Kindern, die starke, angstauslösende Situationen erleben, z. B. Krieg oder – derzeit brandaktuelles Thema – Flucht aus lebensbedohlichen Situationen, die aber auch wieder zur Bedrohung der eigenen Sicherheit führt, etwa durch Kälte oder Hunger.

Hat ein Kind sich diesen Schutzmechanismus erst einmal angeeignet, wird es immer wieder darauf zurückgreifen, sobald es wieder in dieselbe Situationen gerät, aber auch dann, wenn eine Situation nur dem ursprünglichen, traumatischen Ereignis ähnelt. Mit der Zeit verselbständigt sich dieses Auslagern von Persönlichkeitsanteilen. Es entwickelt sich ein Automatismus, der auch dann noch in Gang gesetzt wird, wenn es zu keinen weiteren, vergleichbaren Situationen mehr kommen sollte. Was ursprünglich in frühestem Kindesalter dem Schutz der eigenen Persönlichkeit diente, setzt sich in den meisten Fällen bis ins Erwachsenenalter fort. Das Reaktionsmuster (Dissoziieren) bleibt, ist dem Betroffenen aber oftmals gar nicht bewusst, weil gerade durch diese schon als Kind vorgenommenen Abspaltungen in vielen Fällen gar keine konkreten Erinnerungen mehr existieren. Erlebt hat das traumatische Ereignis ja nicht das Kind selbst, sondern nur der nach der Abspaltung zurückgebliebene „Rest“ seiner Persönlichkeit.

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Kommentar von adianthum
12.11.2015, 18:59

Das Kind eignet sich diesen Schutzmechanismus nicht an, er wird ausgelöst. Es ist eine Schutzreaktion der Psyche und nicht steuerbar.

In dem Alter wo das passiert ist ein Kind noch nicht in der Lage sowas bewusst zu steuern.

Und in fast allen Fällen, werden diesen Menschen erst im Erwachsenenalter erst ihre verscheidenen Persönlichkeiten bewusst- wenn überhaupt.

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Ähhm...meinst du jetzt sowas wie derealision und Depersonalisation?

Es kann durchs Kiffen kommen,oder von einem Trauma oder einer Angststörung.

Durch das Gefühl " abgespalten" zu sein, versucht das Unterbewusstsein den Problemen aus dem Weg zu gehen,da sie einen ja nichts mehr angehen,wenn sie scheinbar fremd sind.

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Dissoziative Identitätsstörungen sind kompliziert. Ausgelöst werden sie durch ein traumatisches Erlebnis (Gewalttaten, Krieg etc.). In vielen Fällen folgen aus solchen Erlebnissen Depressionen, in einigen jedoch diese Identitätsstörung. Die "Multiple Persönlichkeit" soll, so weit ich weiß, dazu führen, dass der Betroffene sein Leid mit seinen anderen Splitterpersönlichkeiten teilt. Die Krankheit ist übrigens Vererbbar!
Und ja, es handelt sich dabei um eine psychische Krankheit.
Viel mehr weiß ich leider auch nicht, aber ich hoffe, dass ich dir ansatzweise weiterhelfen konnte.

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Kommentar von adianthum
12.11.2015, 18:56

Dissoziative Identitätsstörungen ist nicht vererbbar und wird so gut wie nie durch ein traumatisches Erlebnis ausgelöst, sondern durch ein sich ständig wiederholendes Trauma.

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