Frage von Jboii, 34

Kinder- und Jugendpsychotherapeut oder Lehramt?

Hallo zusammen!

Bis vor kurzen war ich mir mit meiner Entscheidung Berufliche Bildung mit Fachrichtung Sozialpädagogik zu studieren (Lehramt für berufliche Schulen) zufrieden und sicher. Über Kommilitonen habe ich erfahren, dass einige nach dem Master eine Ausbildung zum Kinder-und Jugendpsychotherapeuten anstreben.

Ich muss gestehen, dass mich das durchaus sehr interessiert und frage mich nun: Kann man diese Berufe abwiegen? Wo liegen Vor-Nachteile in euren Augen? Insbesondere die Meinunge von jemanden, der die Ausbildung zum Kinderpsychotherapeuten gemacht hat, würde mich hier sehr interessieren!

Liebe Grüße und danke schonmal:)

Antwort
von schloh80, 16

Nachteile des KiJuTh:

- finanziell muss man die Ausbildung hinkriegen: ohne Bezahlung 1,5 Jahre in der Klinik arbeiten zzgl. Lebenshaltungskosten und Ausbildungsgebühren, dann wenn man Glück hat, halten sich Ausbildungkosten und Einnahmen die Waage, trotzdem muss ja die ganze Zeit das Leben und auch Kranken- u, Pfegeversicherung bezahlt werden, ggf. ist ein Auto vonnöten.

- nach der Ausbildung angestellt Einkommen schlechter als im Schuldienst, meist eh nur befristete Verträge zu Hungerlöhnen (aka Haustarif).

- bei eigener Praxis: erst Zulassung kaufen (fraglich, ob man überhaupt eine bekommt, am Wunschort sowieso nicht, sondern wenn, dann im ländlichen Raum in Ostdeutschland), dann die Probleme mit der Vergütung im Moment.


Die Frage ist natürlich was du willst. Nach meiner Erfahrung haben nur wenige ein realistische Bild vom Beruf des Psychotherapeuten (v.a. im deutschen Kassensystem).

Kommentar von Jboii ,

Danke für die Antwort!

Argumentiert wird ja häufig mit "In der heutigen Zeit häufen sich immer mehr die Fälle im Kindes- und Jugendalter --> wodurch die Einstellungschancen und die Nachfrage besonders hoch sei.

Auch von Gehältern im sechstelligen Bereich ist durchaus zu rechnen.

Nach deiner Antwort schließe ich, dass du diesen Versprechungen nicht beipflichten kannst?:)

Kommentar von schloh80 ,

Das ist Unsinn. Stellen und Kassenzulassungen hängen nicht vom tatsächlichen Bedarf ab. Bei Praxen errechnet sich der Bedarf anhand der Zulassungen von 1999, von Bedarfsplanung zu sprechen ist also eine sprachliche Verschleierung der realen, an Ausgabenstabilisierung orientierten Vorgehensweise.

Stellen werden vielfach von Ausbildungskandidaten gleistet. Auch ansonsten besteht das Problem, dass wir (gerade im Kinder- u. Jugenbereich) eine Psychotherapeutenschwemme haben. 100+ Bewerbungen auf eine mies bezahlte befristete Teilzeitstelle selbst auf einer Nordseeinsel sind die Regel.

Sechstellige Gehälter sind mir nur bei Chefärzten bekannt. Hier wäre also ein Medizinstudium mit Weiterbildung zum Facharzt für Kinder- und Jugendpsychiatrie und -psychotherapie notwendig. Da gibt es auch in allen Berufsbereichen einen extremen und sich dramatisch weiter zuspitzender Fachärztemangel und zwar noch mehr, als schon bei Fachärzten für Psychiatrie und Psychotherapie.

Kommentar von infinitewllflr ,

Darf ich fragen woher du diese info hast? :) hast du selbst die ausbildung absolviert? Ich strebe den Beruf an, aber was du schreibst klingt leider nicht sehr ermutigend

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