Frage von LonelyGirl01, 164

Ich will nicht mehr autistisch sein, wie kann ich diese Krankheit loswerden?

Hi,

ich habe bewusst Krankheit geschrieben, weil ich es als Krankheit empfinde. Die meisten Autisten sind sicher keine Krankheit, aber ich schon! Ich bin eine totale Last für alle Menschen, stehe allen nur im Weg rum. Früher als ich noch recht fröhlich war, habe ich so oft leute innerlich verletzt, ohne es zu merken. Ich bin immer nur meinen eigenen Interessen nachgegangen, habe alle nur damit genervt (war sehr überzeugte Veganerin, habe z.B. gesagt: Fleisch ist Mord, und davon fühlten sich alle verletzt, dabei wollte ich doch nur den Leuten die Augen öffnen).

Ich war zweimal in der Klinik, weil ich so abgemagert bin (die ärzte sagten, ich hätte Magersucht, dabei wollte ich gar wirklich abnehmen...). Meine ganze Familie habe ich damit zerstört, alle haben Stress nur wegen mir! Seit mehreren Jahren rede ich nicht mehr über mich und sage nur noch Dinge, die ich vorher in meinem Kopf auswendig gelernt habe. Ich bin immer noch Veganerin, aber nicht mehr überzeugt. Außerdem will ich nicht, dass irgendwer über meine Probleme bescheid weiß, es gibt genug Leute denen es schlechter geht wie mir und ich will nicht, dass sich irgendwer, den ich kenne, wegen mir den kopf zerbrechen muss.

Ich habe angst, dass ich wieder jemanden innerlich verletzen könnte. Am liebsten würde ich wieder in meine kleine Hungerwelt zurückkehren oder sonst an irgendeinen Ort nur nicht hierher. Dauernd versuche ich, mich an die anderen anzupassen, in der Menge unterzutauchen, aber es gelingt mir nicht, ich würde zu gerne normal werden! Ich kann mich aber auch nicht dauerhaft verstellen, irgendwann löse ich mich in Luft auf, und was bringt das dann noch?

Wie kann ich normal werden? Es gibt ja so Autismus-Therapien, was macht man da und bringt das was (bisher habe ich nur einzelgespräche, die Therapeutin ist sehr nett, aber ich traue mich nicht mir ihr zu reden...)?

Antwort
von halbsowichtig, 21

Dein Problem ist nicht deine autistische Persönlichkeit, sondern das Fehlen jeglichens Selbstwertgefühls. Das lässt vermuten, dass du falsch erzogen wirst. Jemand in deinem Umfeld fördert nicht deine Stärken, sondern hackt immer nur auf deinen Schwächen herum.

Früher als ich noch recht fröhlich war, habe ich so oft leute innerlich verletzt, ohne es zu merken.

Dafür konntest du nichts, weil du ein kleines Kind warst und gar nicht die nötige Empathie hattest, um die Wirkung deiner Äußerungen einzuschätzen. Wenn sich jeder für alles schämen müsste, was er als Baby oder Schulkind angestellt hat, käme niemand mehr zu etwas anderem.

Heute bist du älter, weißt es besser und beleidigst Leute seltener aus Versehen. Das ist doch eine hervorragende Entwicklung!

Übrigens, von Veganer-Sprüchen ist niemand beleidigt. Die Leute sind davon nur genervt. Sie wollen dann nicht mehr mit dir reden, weil du ihnen lästig bist. Das ist etwas völlig anderes, als verletzt zu sein.

Meine ganze Familie habe ich damit zerstört, alle haben Stress nur wegen mir!

Stimmt so nicht ganz. Jedes Kind wird mal krank. Manche kriegen Viren, andere werden vom Auto überfahren, du hattest eben seelische Verletzungen. Wenn das allein eine Familie zerstören könnte, gäbe es gar keine Familien mehr.

Die Probleme in diener Familie gab es garantiert schon vorher. Der Grund war sonstwas, aber sicher nicht du.

Dauernd versuche ich, mich an die anderen anzupassen, in der Menge unterzutauchen, aber es gelingt mir nicht

Das soll dir auch nie gelingen. Du bist bist eben anders und wirst einen anderen Lebensstil als den "normalen" finden. Ungewöhnliche Talente und Empfindlichkeiten bilden eben keinen grauen Maintream-Menschen, sondern eine bunte, einzigartige Person.

Kennst du das Spiel Tetris? Es lehrt uns, dass wir irgendwann verschwinden, wenn wir ernsthaft versuchen, irgenwo rein zu passen. ;-)

Blende am Besten einmal alles aus, was Familie und Schule von dir erwarten. Was kannst du wirklich gut, was willst du wirklich später machen? Daran solltest du dich orientieren, echt nur daran.

Es gibt ja so Autismus-Therapien

Die helfen dir, mit deinen Besonderheiten konstruktiv umzugehen. Man kann soziale Situationen in Rollenspielen üben oder Probleme aus dem Alltag ausdiskutieren. Vielleicht lernst du auch, dein Ruhebedürfnis durchzusetzen ohne anzuecken.

Ich wäre an deiner Stelle aber vorsichtig. Der Markt ist derzeit überschwemmt mit Quacksalber-"Therapien". Die heißen z.B. ABA / BET (Dressur durch Strafe und Zerstörung des letzten Selbstwertgefühls) oder MMS (Gift und Esoterik).

Besser als eine Therapie wäre bei dir vielleicht ein Coaching. Mit einem Lebensberater arbeitest du deine Stärken heraus und baust dir das nötige Selbstbewusstsein auf, um abseits der festgefahrenen Normen des Mainstream glücklich zu werden.

Übrigens gibt es unter den Autisten auch eine kleine Untergruppe, die manche Lebensmittel oder Zusatzstoffe nicht verträgt, Allergien hat oder ohne Grund dürre bleibt. Wenn man deren Ernährungsprobleme behebt, haben sie viel mehr Kraft für den Alltag und damit weniger Stress. Ob dir sowas helfen würde, lässt sich aus deiner Frage aber nicht sagen.

Antwort
von einfachichseinn, 54

Du wirst deinen Autismus nicht los werden.

Du hast jetzt zwei Möglichkeiten

1) du heulst weiter rum und beklagst dich wie schwer dein Leben ist. Das mag vielleicht für einen Moment gut tun, aber es bringt dich nicht weiter. Es ändert nichts.

2) du suchst dir einen gescheiten Fachmann/Eine gescheite Fachfrau und lässt dir helfen. Schau mal, ob es in deiner Nähe eine Autismus-Ambulanz gibt. Dort findest du geeignete Fachkräfte.
Du kannst in einer Verhaltenstherapie lernen, wie du besser mit deinem Autismus zurecht kommst(ganz simple ausgedrückt). Was da genau gemacht wird, kann dir niemand genau sagen, weil niemand genau weiß, wo deine Probleme liegen.

Und zusätzlich solltest du mal über eine Reha-Maßnahme nachdenken. Ich weiß, dass es viele Autisten gibt, die ein Problem damit haben, wenn sie ihr vertrautes Heim verlassen, deswegen musst du wissen, ob du dir das zu traust oder eher nicht. Es kann aber unter Umständen hilfreich sein, wenn du mal aus diesem Umfeld raus kommst und etwas Ruhe hast. Das gilt allerdings nur, wenn du auch wo anders mit anderen Menschen, einer ganz anderen Umgebung und ohne deine Eltern zur Ruhe kommen kannst.

Kommentar von poppins78 ,

Im Grunde schreibst du das Gleiche wie ich in meinem Kommentar.Wie komnst da also darauf,mich zu kritisieren?Denn so stellst du ja deine eigene Antwort in Frage.

Kommentar von einfachichseinn ,

Ich werfe ihr nicht vor, dass sie keinen Autismus hat. So wie du es in deiner Antwort tust?!

Antwort
von Revic, 77

Aus dem Spektrum kommst du nicht raus, egal, welche Therapie du machst. Eine Therapie kann dir lediglich dabei helfen, besser damit umzugehen und gesellschaftliche Normen zu erlernen. Dafür gibt es die sogenannte Autismus-Verhaltenstherapie. Du übst dort Situationen, die dir im Alltag schwerfallen und kannst zusammen mit deinem Therapeuten Wege erarbeiten, besser damit zurechtzukommen.

Antwort
von TorDerSchatten, 85

Autismus ist angeboren und man behält es sein Leben lang

Antwort
von poppins78, 75

Ist bei dir denn überhaupt mal die Diagnose Autismus gestellt worden?Und zwar nicht von einer übereifrigen Erzieherin o.ä. sondern von einer qualifizierten Person?Denn so,wie du über dich schreibst,seh ich da ehrlich gesagt wenig Autismus...

Kommentar von LonelyGirl01 ,

Ja, habe schon zweimal eine autismus-spektrum diagnose gekriegt, einmal in der klinik und einmal in einem autismuszentrum :(. 

Kommentar von Revic ,

Das hat nichts zu bedeuten. Ich nehme mal an, du wurdest zuerst in der Klinik diagnostiziert. Die Therapeuten und Ärzte dort sind bekannt dafür, gerne mit wahnwitzigen Diagnosen um sich zu werfen. Gerade Autismus mutiert gerade zur absoluten Modediagnose.

Und danach wirst du dich ja sicherlich ausgiebig über deine "Krankheit" informiert haben, wusstest also, worauf in den Tests geachtet wird, was dir dann die zweite Diagnose bescherte. Wiedersprich mir bitte, wenn ich falsch liege.

Ich stimme poppins78 in ihrer Einschätzung zu. Die Beschreibung klingt eher nach einem Wunsch-Autisten.

Kommentar von poppins78 ,

Dann wirst du dich- und auch deine Familie - sicherlich mit der Diagnose auseinander gesetzt haben.Letztendlich kannst du nur verhaltenstherapeutisch arbeiten,da Autismus angeboren ist und bleibt.

Viele Autisten haben bspw Probleme,wenn sich nur Kleinigkeiten in ihrer Stammumgebung(Elternhaus,eigenes Zimmer o.ä.) ändern oder es geringe Abweichungen im Tagesplan gibt.Wie sieht es denn da bei dir aus?Manche Autisten "erlernen" regelrecht empathisches Verhalten- konntest du es auch erlernen?

Ich würde außerdem empfehlen,dich nach Selbsthilfe-Gruppen in der Nähe deines Wohnortes umzuschauen-die gibt es übrigens auch für Familienmitglieder von Autisten!!!

Und last but not least:viele Autisten führen ein selbstbestimmten Leben-ich gehe mal  ganz stark davon aus,dass dir das auch gelingen wird,da du a.) ein recht intelligenten und b.) reflektierten Eindruck machst.Denn du machst dir wirklich viele Gedanken darüber,welchen Einfluss du auf deine Mitmenschen hast-und das tun oftmals noch nicht mal Nicht-Autisten(obwohl es denen einfacher fallen müsste...)

Kommentar von einfachichseinn ,

Ich finde es schön nahe zu dreist einer Person eine Krankheit abzusprechen, nur weil sie grade ein furchtbares Tief hat. Ich gehe stark davon aus, dass ihr beide keine wirklichen Fachkräfte seid und beurteilen könnt, ob jemand Autist ist oder nicht. Und es gibt Menschen, die ganz genau wissen, dass sie eine Krankheit nicht loswerden können, aber es sich dennoch oft einfach nur wünschen.

Kommentar von poppins78 ,

@einfachichseinWenn du dir meine Antwort und den dazugehörigen Kommentar richtig durchgelesen hättest,dann wüsstest du,dass ich hier NIEMANDEN-und schon garnicht der Fragestellerin- irgendetwas abgesprochen habe-ganz im Gegentei.Ich habe es einfach nur zu häufig GENAU DAS  in meinem Berufsfeld erlebt,was du mir vorwirfst,nämlich die vorschnelle Diagnose einer nicht-qualifizierten  Person

Gerade in meinem Kommentar,nachdem sich die Frage nach einer adäquaten Diagnostik erledigt hat,bemühe ich mich,der Fragestellerin weiterzuhelfen-ganz im Gegensatz zu dir,der hier erstmal nur an Antwortgebern pauschal herummeckert,anstatt sich die Mühe gemacht zu haben,ALLES durchzulesen.

Kommentar von einfachichseinn ,

Du ich habe alles gelesen. Allerdings schwingt in deinem Kommentar immer noch ein gewisser Zweifel mit (so kommt es her zumindest) und ich habe auch nicht nur dich kritisiert, sonder auch Revic, der ebenfalls die Behauptung aufstellt, dass die Diagnose nicht stimmt und das finde ich nicht okay. Wenn du mir jetzt einfach schreiben würdest, so ist das nicht gemeint gewesen, könnte ich sagen :"okay tut mir Leid dann ist das hier falsch angekommen, da einige wichtige Parameter der Kommunikation auf dem schriftlichen Weg verloren gehen." wieso muss man hier gleich so angehaucht werden?

Kommentar von poppins78 ,

Wo lasse ich denn deiner Meinung nach Zweifel aufkomnen?Und ich meine explizit meinen Kommentar!!Nachdem die Diagnose-Frage geklärt war(in einem Punkt muss ich nämlich Revic recht geben,bestimmte Erkrankungen sind z.Zt. "en vogue"),habe ich sie nur auf due diversen Nöglichkeiten hingewiesen,die sie hat.Zudem habe ich es als sehr positiv empfunden,wie sehr sie sich Gedanken um ihre Mitmenschen und dieses auch geschrieben.Mir ist beim besten Willen nicht klar,wo du Zweifel gelesen haben willst,zumal Teile deiner Antwort denen meines ersten Kommentars sehr ähnlich sind.

Generell ärgert es mich,wenn jemand einfach mal kritisiert,ohne wirklich Hand und Fuß für seine Kritik zu haben.Du willst in meinen o.g.Kommentar etwas herausgelesen haben,was in der Form da so nicht steht-und das ist schlicht und ergreifend problematisch.Man sollte nicht zuviel "Ton" in einen Text hineininterpretieren-ansonsten würde der erste Absatz in deinem Text auch nicht allzu freundlich beim Leser rüberkommen.Ich hoffe,du hast vetstanden,worauf es mir ankommt.

Kommentar von einfachichseinn ,

Ich weiß, dass mein Teil nicht freundlich ist, das soll auch nicht freundlich sein. und ich finde deinen kompletten Kommentar ziemlich zweifelhaft. "dann werden deine Eltern sicherlich(!) [...]" das impliziert einfach, dass sie es eigentlich wissen müsste, weil sie und ihre Eltern sich informiert haben müssen. Ebenso die beiden Fragen passen in diesem Zusammenhang mit der Antwort sehr stark in das Bild, dass du diese Diagnose (n) anzweifelst. Das was du schilderst sind zwei Fälle und auch, wenn es zwar die meisten betrifft, betrifft es nicht gleich alle Autisten. Wenn Sie nun die Frage mit nein beantworten würde, ist es gut möglich, dass sie Autist ist. Diese Fragen wirken einfach, wie eine Kontrolle, die komplett fehl am Platz ist.

Kommentar von poppins78 ,

Du wirst dich wundern,die meisten Eltern bzw Betroffenen-welcher Diagnose auch immer- informieren sich.Nicht nur über die Erkrankung,sondern auch bezgl Hilfsangebote o.ä.Soviel zur Implikation.Das dabei oftmals nicht alle Fragen geklärt werden,ist wohl klar,ansonsten gäbe es ja auch nicht solche Portale wie diese.Du willst mir auf Teufel-komm-raus etwas unterstellen,was ich nicht beabsichtigt habe.(Interessant wäre es im übrigen wissen,ob die Fragestellerin meinen Text genauso empfunden hat als du.)

Ich möchte mich jetzt dir gegenüber nicht weiter erklären/rechtfertigen müssen,da ich das als nicht sonderlich sinnvoll empfinde-weder für mich,noch für dich und höchstwahrscheinlich am allerwenigsten für die Fragestellerin.Stattdessen werde ich mich jetzt Richtung Bett begeben und einfach hoffen,dem Mädchen weitergeholfen zu haben.

Kommentar von einfachichseinn ,

Eine hilfreiche Antwort hättest du übrigens auch ohne diese kontrollierende Fragen abgeben können und ich kenne einen Haufen Eltern, die sich ziemlich genau über die Erkrankung und über ihre Behandlungsmethoden informieren. Gute Nacht 🌜

Kommentar von einfachichseinn ,

eins noch: ich unterstelle niemandem etwas, ich habe dir nur gesagt, wie dein Beitrag empfunden werden kann.

Keine passende Antwort gefunden?

Fragen Sie die Community

Weitere Fragen mit Antworten