Frage von Checker01, 57

Hatte Spartacus einen Streit?

Ich halte bald ein Referat über Spartakus und in einer Information hat gestanden, dass es einen Streit zwischen Spartakus und einer anderen Person gegeben haben soll.
Dann wurden die Sklavenheere unterteilt???
Wäre gut wenn mir das jemand kurz erläutern könnte oder mir einen Link schicken könnte wo etwas darüber steht.

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von Albrecht, Community-Experte für Geschichte, 18

Nach den antiken Quellen hat es in bestimmten Situationen Meinungsverschiedenheiten unter den Aufständischen gegeben, was sie unternehmen wollten.

Es hat mehrmals eine Aufteilung/Trennung des Sklavenheeres/Heeres der Aufständischen gegeben. Aussagen antiker Autoren über Absichten, Motive (Beweggründe), Pläne und Ziele der Aufständischen sind wahrscheinlich in erheblichem Ausmaß Vermutungen und Deutungen. Aufteilung kann auch aus taktischen oder stategischen Gründen geschehen, um Schwierigkeiten einer Nahrungsmittelversorgung zu veringern, an mehreren Orten gleichzeitig Unternehmungen durchzuführen und Gegner zu verwirren und durcheinanderzubringen.

73 v. Chr. sind Gladiatoren, die meisten Kelten/Gallier und Thraker, aus der Gladiatorenschule des Gnaeus Lentulus Batiatus in Capua ausgebrochen. Spartakus (griechisch: Σπάϱτακος [Spartakos]); lateinisch: Spartacus) Thraker (war ein Appian, Emphylia [Ἐμφύλια; Bürgerkriege; lateinischer Titel: Bella civilia) 1, 116; Plutarch, Crassus 8, 3; Florus 2, 8; Orosius 5, 24, 1). Als weitere Anführer neben Spartakus bzw. Unterbefehlshaber werden Krixos (griechisch: Κϱίξος; lateinisch: Crixus) und Oinomaos (griechisch: Οἰνόμαος; lateinisch: Oenomaus) genannt. Krixos/Crixus und Oinomaos/Oenomaus waren Kelten/Gallier (Orosius 5, 24, 1).

Meinungsverschiedenheit 1

Im Herbst des Jahres 73 v. Chr. führte der Praetor Publius Varinius einen Feldzug gegen die Aufständischen. Krixos/Crixus und Gallier und Germanen aus seinem Volk wünschtendem römischen Heer entgegenzugehen und freiwillig eine Schlacht anzubieten, während Spartakus dagegen war (Sallust, Historiae 3, 96). Spartakus hätte ein Weggehen bevorzugt und dachte anscheinend an ein schließliches rettendes Entkommen in die Heimatländer, die Mehrheit war aber in Vertrauen auf verstärkenden Zustrom und aus Begierde nach Beute für einen Kampf in Italien (Sallust, Historiae 3, 98). Spartakus riet dann mit Erfolg, in das mehr von Herden und Hirtensklaven bevölkerte Gebiet von Lucanien zu ziehen, sich zu verstärken und dort das Herannahen des römischen Praetors abzuwarten.

Meinungsverschiedenheit 2

72 v. Chr. wurde den Konsuln Gnaeus Cornelius Lentulus Clodianus und Lucius Gellius Publicola die Kriegsführung gegen Spartakus übertragen. Jeder von ihnen hatte wohl 2 Legionen und der Propraetor Quintus Arrius eine Truppe gleicher Anzahl.

Es hat in dieser Zeit eine Aufteilung des Heeres der Aufständischen gegeben. Spartakus befehligte bald 30000 Mann, Krixos/Crixus 10000 Mann (Orosius 5, 24, 2) oder sogar 30000 Mann. Krixos/Crixus wurde mit 30000 Mann in Apulien, in der Nähe des Berges Garganus (Mons Garganus) von Lucius Gellius Publicola und bzw. oder Quintus Arrius vernichtend geschlagen und und selbst mitsamt zwei Dritteln seiner Truppe getötet (Appian, Emphylia [Ἐμφύλια; Bürgerkriege; lateinischer Titel: Bella civilia) 1, 117; Plutarch, Crassus 9, 9 [Gellius fiel plötzlich über eine Germanenschar her, die sich aus Übermut und stolzer Zuversicht von den Spartakus-Leuten getrennt hatte, und vernichtete sie ganz]; Orosius 5, 24, 4; Livius Periochae 96 [Crixus mit 20000 Mann getötet]).

Meinungsverschiedenheit 3

Spartakus führte 72 v. Chr. sein Heer nach Siegen an die Alpen und meinte, es sie nötig sie zu überschreiten und in die Heimatländer zu gehen, die einen nach Thrakien, die anderen nach Gallien, aber seine Leute folgten diesem Plan nicht (Plutarch, Crassus 9, 7 - 8).

Meinungsverschiedenheit 4

71 v. Chr. hatte Marcus Licinius Crassus den Oberbefehl gegen die Aufständischen.

Ein Teil der Aufständischen hat sich aufgrund einer Meinungsverschiedenheit/eines Streites vom Hauptheer getrennt und lagerte in Lucanien an einem See (Plutarch, Crassus 11, 1). Crassus besiegte diese von Gannicus und Castus/Gannikios (Γαννίκιος) und Kastos (Κάστος) angeführte Truppe, die (zumindest zum Großteil) aus Kelten/Galliern und Germanen bestand. Beim ersten Mal erschien Spartakus mit seinem Heer und brachte die Flucht zum Stehen. Bei einem zweiten Kampf bald darauf wurde die Truppe, die sich abgetrennt hatte, vernichtend, besiegt (Frontinus, Strategemata 2, 5, 34 berichtet von Kriegslisten und gibt an, Livius überliefere, 35000 Bewaffnete, darunter auch die Anführer selbst [Gannicus und Castus], seien in dieser Schlacht getötet worden, 5 römische Adler, 26 Feldzeichen und viel Beute wieder in Besitz genommen worden, darunter 5 Rutenbündel [Fasces] mit Beilen.).

Sallus, Historiae 4, 37 erwähnt Meinungsverschiedenheit.

Livius Periochae 97 enthält die Angabe, Crassus habe erfolgreich mit einem aus Galliern und Germanen bestehenden Teil der entlaufenen Sklaven gekämpft, 35000 Bewaffnete, darunter auch die Anführer selbst (Gannicus und Castus), seien in dieser Schlacht getötet worden.

Nach Appian, Emphylia [Ἐμφύλια; Bürgerkriege; lateinischer Titel: Bella civilia) 1, 118 sind von 10000 Mann Zweidrittel getötet worden.

Plutarch, Crassus 11, 1 – 5 und Plutarch, Pompeius 21, 1 gibt an, 12300 Aufständische seien getötet worden, nur zwei seien mit Verwundungen im Rücken gefunden worden, alle anderen seien in der Schlachtreihe stehend im Kampf gegen die Römer gestorben.

Nach Orosius 5, 24, 6 sind 30000 Mann getötet worden.

Bücher mit Informationen:

Kai Brodersen, Ich bin Spartacus : Aufstand der Sklaven gegen Rom. Darmstadt : Primus-Verlag, 2010 (Geschichte erzählt ; Band 23). ISBN 978-3-89678-823-8 (vor allem S. 59 – 84)

Thomas Grünewald, Räuber, Rebellen, Rivalen, Rächer : Studien zu Latrones im Römischen Reich. Stuttgart : Steiner, 1999 (Forschungen zur antiken Sklaverei ; Band 31): ISBN 3-515-07489-9 (zu Spartakus vor allem S. 82 – 103)

Michael Zahnt, Spartacus – der peinliche Krieg gegen die Sklaven. In: Erinnerungsorte der Antike. Herausgegeben von Elke Stein-Hölkeskamp und Karl-Joachim Hölkeskamp. Band 1: Die römische Welt. München : Beck, 2006, S. 219 – 233

S. 222: „Ebenfalls nur bei Sallust lesen wir von einer Diskussion unter den Sklaven über das weitere Vorgehen, wobei sich Krixos und seine Gallier für einen Angriff auf das römische Heer aussprachen, während Spartacus offensichtlich jetzt schon den Plan entwickelte, die Aufständischen in ihre Heimatländer zurückzuführen, sich damit aber nicht durchsetzte, sondern nur erreichte, daß die Sklaven südwärts in das an Herden und Hirtensklaven reiche Lucanien abzogen, um sich dort zu verstärken und den Praetor abzuwarten. Von Spartacus' Absicht, mit den Aufständischen über die Alpen abzuziehen, sprechen auch andere Autoren, verbinden sie aber mit einem späteren Stadium des Krieges.“

S. 223: „Seine Streitkräfte sollen jetzt 40000 Mann stark gewesen sein, von denen 30000 unter seinem Kommando und 10000 unter dem des Krixos standen; andere Quellen geben allein Krixos 30000 Mann. Dieser trennte sich - ob definitiv oder nur vorübergehend, läßt sich nicht mehr entscheiden - mit seinen gallischen und germanischen Scharen vom Hauptheer, wurde aber in Apulien am Mons Garganus von Gellius und (bzw. oder) Arrius geschlagen und fand mit zwei Dritteln seiner Leute den Tod."

S. 228: „Die nun folgenden Ereignisse, die sehr bald zu einer letzten entscheidenden Schlacht und zum Tod des Anführers führten, sind wegen der einander oft eher widersprechenden als ergänzenden Quellen schwer zu rekonstruieren, doch läßt sich mit Vorsicht folgendes feststellen. Bald kam es wieder zu einer Aufspaltung des Sklavenheeres, indem sich die keltischen und germanischen Haufen unter den Kelten Cannicus und Castus von Spartacus trennten. Erneut ist unsicher, ob ein Zerwürfnis vorausgegangen war oder ob die Sklaven bewußt in kleineren Verbänden operierten. Crassus jedenfalls sah seine Chance und konnte sie an unbekantem Ort in Lucanien stellen, mußte aber die Verfolgung der Geschlagenen abbrechen, als Spartacus mit seinen Truppen erschien und die Flucht zum Stehen brachte. Dann aber scheint Crassus doch noch einen entscheidenden Sieg über die Scharen des Cannicus und Castus errungen zu haben und in diesem Gefecht nach Livius 35000 Bewaffnete getötet mitsamt den beiden Anführern getötet sowie nicht weniger als fünf Legionsadler, 26 andere Feldzeichen und fünf Rutenbündel mitsamt den Beilen zurückgewonnen zu haben. Wenn diese Angaben der Wahrheit entsprechen, dann zeigt das nachträglich, welch starke Verluste die Heere insbesondere der Consuln des Jahres 72 gegen die Sklavenscharen erlitten haben müssen.“


Antwort
von MarkusKapunkt, 20

Ob es einen Streit gab, ist nicht bekannt. Fakt ist lediglich, dass sich das Sklavenheer tatsächlich aufgeteilt hat.

In den Quellen heißt es, dass er Differenzen mit einem weiteren Anführer des Sklavenheeres namens Crixus, einem Gallier, hatte. Crixus wollte auf römischem Boden weiter plündern und kämpfen, Spartacus soll dagegen des Kämpfens müde gewesen sein und wollte mir den Überlebenden Richtung Norden, in das Gebiet der Gallier, fliehen.

Es könnte allerdings auch sein, dass Spartacus und Crixus sich aus strategischen Gründen aufteilten, um die Römer in die Irre zu führen. Dies geling jedoch nur teilweise: Crixus wurde von den Legionen der beiden Konsuln Lucius Gellius Publicola und Gnaeus Cornelius Lentulus Clodianus besiegt (er fiel in der Schlacht), allerdings konnte Spartacus die beiden anchließend vernichtend schlagen, weil sie glaubten, sie hätten alle Sklaven bereits erwischt.

Du kannst das auf der englischen Wikipedia-Seite sehr ausführlich nachlesen. Ansonsten google mal "Dritter Servilischer Krieg". Da müsstest du fündig werden.

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