Frage von McHorst, 55

FILMZITAT: "Wichtig is jarnischt, dafür ist die Welt zu groß." (Heinz Rühmann in 'Der Hauptmann von Köpenick'). Was bedeutet dieser gehaltvolle Spruch?

Bisher gibt es vieles was ich wichtig finde und wofür ich mich oft sehr engagiere. Ich merke jedoch, dass ich dadurch aber auch oft sehr angespannt bin - was mir manchmal die Freude am Leben nimmt.

Wenn nichts wichtig ist, was zählt dann in einem (lebbaren) Leben ? Was verschafft mir dann Freude ?

Wer kann mir den Spruch erläutern ?

DANKE an euch!

Antwort
von Enzylexikon, 34

Ich bin der Ansicht, wir nehmen uns selbst oft zu wichtig und überschätzen unsere Bedeutung maßlos. Wenn uns dann ein Schicksalsschlag widerfährt, hat man dann gleich das Gefühl, dass die ganze Welt zusammenbricht.

Doch die Welt hat sich vor unserer Existenz bereits gedreht und wird sich auch nach unserer Existenz weiterdrehen. So wichtig können wir also gar nicht sein.

Muss man deswegen aber depressiv werden und sich dem Trübsal ergeben?

Nein, sicher nicht - es reicht schon, die Dinge weniger absolut, sondern einfach etwas relativer zu sehen.

Es ist schön wenn es Freude macht sich zu engagieren und man hilft damit Anderen - doch man sollte sich weder überschätzen, noch seinen inneren Frieden davon abhängig machen.

Wir können nun einmal nicht alle helfen, retten und unterstützen, denen wir gerne Hilfe zukommen lassen würden. Diese Realität des Lebens müssen wir einfach anerkennen.

Auch kann Engagement zum Ego-Trip werden

Man engagiert sich, weil man das Bedürfnis hat sich "gut" zu fühlen, das "richtige" zu machen und etwas "wichtiges" zur Gesellschaft beizutragen.

Doch viele Menschen, die zuvor in therapeutischen oder pflegenden Berufen anderen geholfen haben, fallen in ein tiefes Loch, wenn sie selbst hilfebedürftig werden.

Nicht mehr der "Macher" sein zu können, der dankbar angesehen wird, stattdessen an Ansehen einzubüßen und selbst als lästigen "Klotz am Bein" anzusehen, machen ihnen zu schaffen - da sie sich zu sehr über ihre Tätigkeit definiert und ihren inneren Frieden davon abhängig gemacht haben, anderen zu helfen.

Mein Ratschlag

Du kannst dich gerne weiter engagieren und ich bin mir sicher, viele Menschen sind dir für deine Unterstützung dankbar - solltest aber vielleicht deine Wahrnehmung dieser Tätigkeit prüfen.

Du musst nicht der Retter der Welt sein und dein Seelenheil muss auch nicht am selbstlosen Dienst für andere Menschen hängen.

Ich denke, deine Tätigkeit belastet dich vielleicht jetzt, weil du dem ganzen selbst zu viel Bedeutungsschwere verleihst.

Sieh das ganze etwas lockerer - wir können nur in beschränktem Rahmen handeln und helfen - für mehr, ist die Welt zu groß.

Wir können nicht alle retten - aber unser bestes geben und dabei darauf achten uns nicht selbst zu verlieren.

Im Talmud steht:

Wer auch immer ein einziges Leben rettet, der ist, als ob er die ganze Welt gerettet hätte

Also kann man auch im Kleinen durchaus Großes tun und es besteht kein Grund, sich aufzureiben.

Wichtig is halt doch watt - nur eben nicht allett ;-)

(Dett hat nich der Hauptmann von Köpenick jesacht, sondern dett sach icke!)

Antwort
von Hamburger02, 26

Das ist wie so oft eine Frage des Blickwinkels:

Aus deiner Sicht ist sicherlich vieles wichig, was in deiner Umgebung geschieht.

Aus Sicht der Welt spielt das aber keine Rolle. Die dreht dadurch weder schneller noch langsamer und geht weiter ihren ihren Gang. Egal was du dabei denkst oder empfindest, ist für die Welt als ganzes völlig unwichtig. 

Astronauten berichten regelmäßig nach einem Blick auf die Erdkugel, dass ihnen dabei klar geworden ist, was für kleine Lichter sie selber im Vergleich dazu sind und wie unwichtig sie seien im Vergleich dazu, wie wichtig sie sich selber nehmen. 

Das entspricht durchaus auch einigen religiösen Forderungen nach Demut vor der Schöpfung.

Expertenantwort
von DottorePsycho, Community-Experte für Psychologie, 18

Wir neigen dazu, gewissen Ereignissen, Äusserungen etc. eine konkrete und übergroße Bedeutung zu geben. Egal ob ein Fingernagel abgebrochen ist oder ein Komet eingeschlagen hat, es wird dem Ereignis eine Bedeutung zugerechnet, die fast immer übersteigert ist, was das Leben zumeist schwieriger macht. Das geht soweit, dass manche Menschen geradezu lebensunfähig werden, wenn ihnen etwas Dramatisches widerfährt.

"Wichtig is jarnischt, dafür ist die Welt zu groß."

... soll anregen, die Dinge etwas zu relativieren und in eine "richtigere" Verhältnismäßigkeit zu setzen, also das Drama rauszunehmen und somit wieder freier und entspannter weiterleben zu können.

Es bedeutet nicht, dass alles egal ist!!! .-)

Antwort
von Allfkdkdbyk, 13

Dieser Spruch bedeutet, dass wir alles, was wir als wichtig für uns selbst als wichtig einstufen, auch für den Rest der Welt als wichtig einstufen. Ich finde, dass es nur sehr, sehr wenige Dinge gibt, die wirklich wichtig sind, zB. Der dritte Weltkrieg oder das Ende des Universums.

Antwort
von uncutparadise, 19

Es geht darum, sich und seine Welt nicht immer so ernst zu nehmen und als Nabel der Welt zu betrachten. Denn die Welt ist viel zu groß, als dass deine Probleme oder irgendwelche Marotten von Politikern etc wichtig wären ;-)

Antwort
von oxygenium, 20

wer gelernt hat im Jetzt zu leben,braucht kein Morgen und auch kein Gestern mehr.

 Und "Wichtig ist jarnischt mehr!"

Kommentar von uncutparadise ,

Aus gestern lernen und bis Morgen denken, zeichnet allerdings erwachsene aus ;-) denn mit im hier und jetzt, da entsteht eben diese YOLO und Whoooo Generation ;-)

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