Frage von Bienchen36, 22

Denken ohne Worte. Auf welche Weise denkt ihr?

Hey Leute.

Okay komische Frage.

Ich bin schon länger am überlegen warum ich mich so schlecht ausdrücken kann. Dabei muss ich zwischen meinem schriftlichen und meinem mündlichen Ausdruck unterscheiden. Mein schriftlicher Ausdruck ist okay. Ich kann trxte gut zusammenfassen und meine Analysen sind auf sprachlicher Ebene auch gut. Wenn ich schreibe habe ich ja auch noch die Chance meine Gedankengänge zu strukturieren. Wenn es nun darum geht mich mündlich also zum Beispiel im Gespräch auszudrücken kostet es mich sehr viel Mühe zu vermitteln was ich denke.

Gerade eben bin ich dadrauf gekommen dass der Ursprung meine Problems vielleicht darin liegt dass ich einfach nicht in Worten/Sprache denke. Damit habe ich mich früher noch nicht beschäftigt. Es ist mir noch nicht einmal bewusst gewesen.

Um einmal zu erklären wie ich denke wenn nicht in Sprache: es ist nicht einmal so dass ich bildhaft denke. Eher sind es Impulse die auf einmal in meinem Kopf auftreten. Zusammenhänge die sich einfach erschließen. Es ist nicht so dass ich überhaupt gar keine Worte im Kopf hab. Manchmal treten auch Schlaghaft einzelne Worte auf. Aber niemals ein ganzer Satz. Noch nicht einmal ein angebrochener Satz. Das ist nicht nur so wenn ich reproduziere oder mich an Erlebnisse erinnere. Es ist immer so. Wenn mir Zusammenhänge bewusst werden dann denke ich nicht z. B: achso. Die Intention des Autors ist die seinen Leser über mögliche Risiken zu informieren. Sondern bam und es ist einfach da. Und dann muss ich meinen gedanken erst einmal in Worte fassen um meine Erkenntnis anderen mitzuteilen. Ich denke nicht: du musst jetzt den fehrnsehen anmachen weil es 20:15 ist und der Film anfängt. Es kommt einfach der Impuls mit dieser nicht bildlichen "Erinnerung" und alles ist mir klar ohne auch nur ein Wort gedacht zu haben. Noch nicht einmal wirklich abstrakte Dinge (wie das denken ohne Worte hihi) überdenke ich in Worten. Ich denke also ausschließlich in Sätzen wenn ich texte formuliere( und nicht einmal in diesem Fall immer. Manchmal kommt es von selbst und ich schreibe einfach nur. So wie jetzt) oder wenn ich einen GesprächSverlauf plane.

Ich hoffe ich konnte jetzt einigermaßen deutlich machen wie ich denke (so viel zum guten schriftlichen ausdruck😂)

Ähnlich ist das bei mir in Mathe. Beim lösen eines Problems gehe ich nicht strukturiert vor und klappere die Formeln ab die ich benötige. Eher löse ich das Problem durch logisches denken im Kopf und zwar wieder ohne Worte und Formeln und überlege dann welche Formeln ich zum Nachweis nutzen kann weil das halt vom Lehrer verlangt wird.

Nun zu meiner eigentlichen frage:

Denkt noch jemand auf die selbe Art und Weise wie ich?

Gibt es einen Zusammenhang zwischen meiner "mathedenkweise" und meinem denken ohne Sprache?

Oder ist das vielleicht alles ganz normal und ich bilde mir nur ein dass ich falsch denke?

Freue mich auf antworten und sry für die fehlenden Kommas

Lg bienchen

Antwort
von RobertMcGee, 8

Ich kann mich sehr gut mit dem identifizieren, was du schreibst - mit einer Ausnahme: Sprache und wörtliche Rede kommen bei mir schon manchmal in den Gedanken vor, sind allerdings häufig Erinnerungen und unwillkürliche Prognosen darüber, wie Gespräche wahrscheinlich verlaufen würden. Diese Worte und Sätze tauchen so gesehen einfach aus dem Nichts auf und haben nicht viel mit dem wörtlichen Denken zu tun. Auch diese Schlußfolgerungen in ganzen Sätzen kenne ich eigentlich nur aus Büchern. Ganze, logische Sätze bilden tue ich meistens auch erst dann, wenn ich mich auf eine Kommunikation mit der Außenwelt vorbereite.

Ich glaube, daß ist ziemlich normal und auch Ursprung für die Redewendung "seine Gedanken in Worte fassen" - eben weil Gedanken im Normalfall nicht in wörtlicher Rede stattfinden.

Interessant finde ich die Überlegungen, was Worte denn eigentlich sind. Im Grunde doch nichts weiter als reproduzierbare Laute, deren semantischer Gehalt erst durch die Verbindung mit den Bildern, den Erinnerungen, den Emotionen und abstrakten Mustern in unserem Kopf zustande kommt. Die Psychologie beschäftigt sich mit dieser Thematik unter dem Begriff "Symbole" - ein Symbol ist so gesehen die Gesamtheit aller Assoziationen zu einer Erfahrung, sei dies nun ein Gegenstand, ein (Sinn)Bild, eine Situation, ein Geräusch oder eben ein Wort.

Was das mit den Schwierigkeiten in der verbalen Kommunikation angeht: Ja, das Problem kenne ich auch ganz gut. Ursache ist, denke ich, das Bestreben sich unmißverständlich auszudrücken - was aufgrund der vielfältigen Bedeutungsmöglichkeiten der Worte, der semantischen Veränderung durch Satzbau, Betonung, etc und dem Gesamtzusammenhang des Gesprächs schnell überfordern kann, weil man ja im Gespräch oft nicht die nötige Zeit und Ruhe zum exakten Ausformulieren der Gedanken hat. Je umfangreicher und differenzierter der Wortschatz ist, desto schwieriger kann das -meiner Meinung nach- werden.

Antwort
von Tyr612, 12

Naja, in einem Gespräch benutzen wir auch ziemlich viele Strukturen, die uns Zeit verschaffen um nachzudenken und das Folgende zu ordnen. Die Kunst dabei ist möglichst wenig davon zu verwenden, bzw. ist das auch situationsabhängig. Beispielsweise sind das bekannte Teile wie "äh" oder "ja" aber das sind auch Strukturen, die deinem Gegenüber signalisieren, dass du noch weiter sprechen möchtest (Rederechtssicherung) und leiten deinen Beitrag ein. Zum Beispiel "Wenn-Dann-Beziehungen" oder auch "Ich meine/ denke etc." am Anfang. Das verschafft dir Zeit, dir zu überlegen, was du sagen willst.

Ich habe mir ehrlich gesagt nie wirklich Gedanken gemacht, auf welche Weise ich denke und wie das zur Sprache kommt (nettes Wortspiel^^), aber ich denke, dass möglichst viel Lesen und Schreiben das Gespräch verbessert (neben anderen Faktoren wie etwa Selbstvertrauen), weil du dann ggf. ein größeres Repertoire an Worten besitzt, aus dem du schöpfen kannst.

lg

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