Frage von LillyHameln, 184

An die Montagefrauen - wie ertragt ihr das bloß?

Hallo zusammen,

ich bin ganz neu hier im Forum und muss mich ausheulen. Die letzten 5 Jahre waren für mich die Hölle. Ich hatte eine ganz furchtbare Beziehung, konnte mich dann endlich nach 3 Jahren von dieser lösen und verbrachte dann ein paar Jahre (3,5) alleine. Das machte mir mal mehr und mal weniger aus. Manchmal konnte ich das Alleinsein in vollen Zügen genießen. Ich reiste sogar alleine nach Malaysia, Indien und China, was mich nie störte. An anderen Tagen hatte ich regelrechte Depressionen, fühlte mich trotz großem Freundeskreis und gutem Job irgendwie isoliert und ausgegrenzt. Alle heirateten um mich herum, kauften Wohnungen, bekamen Kinder.... Ich lernte verschiedene Männer kennen, kettete mich aber - wie ich heute glaube aus Angst - immer an die "Falschen" - sprich die, die ohnehin nur etwas Loses wollten. Zu allen anderen, die mir zu nahe kamen, war ich ziemlich mies. Ich hatte schlichtweg Angst etwas Neues einzugehen, aber gleichzeitig auch immer wieder eine tiefe Sehnsucht danach. Vor allem nach Kleinigkeiten: gemeinsam essen, aufwachen, einkaufen... So banales Zeugs eben.

Im März habe ich nun endlich einen Mann kennengelernt und mich sofort beim 2. Treffen in ihn verliebt. Wir verbrachten vom ersten Tag an die Zeit miteinander als würden wir uns ewig kennen. Er sagte mir bereits zu Beginn, dass er bereits Vater ist (die Kleine ist 5) und dass er auf Montage arbeitet. Laut Vertrag arbeitet er drei Wochen am Stück und hat dann eine Woche frei.

Am Anfang gefiel mir dieses Modell ganz gut. Ich dachte, dann könne ich weiter verreisen und meinen Freundeskreis/meine Hobbys pflegen. Jetzt, wo es aber soweit ist, macht mich die Montage wahnsinnig. Zum einen wird er absolut katastrophal behandelt, zum anderen weint der Kleine, zum anderen fühle ich mich mehr alleine als jemals zuvor. Ich bin plötzlich erfüllt von einer tiefen Sehnsucht, hasse Liebespaare und versinke im Selbstmitleid - vor allem, wenn ich Frischverliebte sehe. Dann denke ich immer, mir sei gar nichts vergönnt. Neidvoll blickte ich neulich auch auf meinen gestörten Ex, der nun heiratet und ein Kind kriegt. Und ich scheine meilenweit von all dem entfernt. Die Firma hält die Regeln nicht ein, manchmal hat er zwischen zwei Einsätzen gerade mal 2 Tage frei, in denen er gestresst nur Wäsche macht. Wegen der wenigen Zeit haben wir dann auch IMMER die Kleine und können nie was als Paar machen, was mich zusätzlich strapaziert. Ich liebe Kinder und die Maus ist absolut süß, kommt nächstes Jahr in die Schule, aber es ist trotzdem nicht mein Kind. Wenn er nicht da ist, versuche ich ihm den Rücken freizuhalten, organisiere sein Leben hier. Gleichzeitig habe ich das Gefühl, dass ich zwar geliebt werde, aber ansonsten nichts davon habe. Mich macht das alles fertig, seine Ex ist ständig sauer, weil die Kleine enttäuscht ist, wenn sich wieder irgendwas verschiebt. Er steht unter wahnsinnigem Druck u ich fühle mich wie ein Ego.

Hat jemand eine Idee wie ich mich verhalten soll? :(

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von conelke, 86

Du Arme, dass tut mir wirklich wahnsinnig leid. Ich bin zwar noch nie in einer ähnlichen Situation gewesen - zumindest, was die Beziehung mit einem Mann angeht, der auf Montage ist, aber ich kann mir gut vorstellen, dass dies keine einfach Situation ist. Im Grund genommen, hast Du ja so gut wie nichts von Deinem Partner. In der Zeit, wo er bei Dir ist, wird er vermutlich auch nicht viel Sinn für gemeinsame Aktivitäten haben, sondern ist einfach nur platt.

Auch wenn Du die Zeit für Dich nutzen kannst, in der er nicht da ist, will man das ja eigentlich gar nicht. Hin und wieder mal für sich sein. OK. Aber immer über so lange Zeiträume...das belastet eine Beziehung.

Sich dann mit Freunden treffen, die vermutlich verheiratet sind und Kinder haben, tut dann doppelt weh, weil man sich dies selbst von Herzen wünscht. O Mann, eine wirklich ätzende Situation.

Ich glaube nicht, dass DU wirklich Einfluss darauf hast, etwas zu ändern. Wenn es irgendwie möglich ist, dann vermutlich eher Dein Freund. Montage wird zwar gut bezahlt, sie fordert aber einen hohen Preis. Könnte er sich nicht in den Innendienst versetzen lassen oder irgendwo arbeiten, wo er regelmäßiger zu Hause ist oder schneller?

Ich denke, dass müsst Ihr als Paar besprechen und nach einer Lösung suchen. Zumindest sollte er darüber Bescheid wissen, wie unglücklich Du bist.

Alles Gute Dir.

Kommentar von LillyHameln ,

Danke für die liebe Antwort. Wir reden viel über das Thema und er ist auch gewillt. Nur fehlt einfach für alles die Zeit. Er will natürlich auch mal Zeit mit seiner Tochter verbringen und ich stehe irgendwie hinten an. Selbst an meinem Geburtstag im August wird er sicher nicht da sein. Und es gibt auch keine Möglichkeit, dass ich irgendwie nachreise. Mich macht das fix und fertig. Es ist wohl dieses typische Denken: "Ich mache alles und was habe ich davon?" 

Ich habe ihm neulich vorgeschlagen, dass er sich mal ein paar Wochen krankschreiben lässt, damit wir in Ruhe eine Wohnung und auch einen Job suchen können. Aber dafür ist er - auch nach sieben Jahren ohne Fehlzeiten - viel zu pflichtbewusst. Und meine Gedanken kreisen währenddessen um nichts Anderes. :/

Kommentar von conelke ,

Das ist echt eine ganz verfahrene Situation. Das erfordert mit Sicherheit viel Kraft Deinerseits und keine Möglichkeit mal in Ruhe aufzutanken. Deine Gedankengänge sind durchaus nachvollziehbar...ich kann mir schon vorstellen, dass man an den Punkt kommt, wo man alles nur noch in Frage stellt. Man muss Deinem Freund jedoch zu Gute halten, dass er etwas an der Situation ändern würde, wenn er die Gelegenheit dazu bekäme. Das ist eine gute Voraussetzung. Gibt es nicht betriebsintern Alternativen? Dass er sich nicht krankschreiben lässt, ist ebenfalls ein guter Zug von ihm, aber ich kann auch dahingehend Deine Gedanken nachvollziehen. Du hast das Gefühl allein auf weiter Flur zu kämpfen und siehst kein Licht am Horizont. Aber Du darfst Dich nicht zu sehr in diese dunkle Loch hineinreißen lassen, zwischendurch mal ein wenig mit der Situation hardern und sich selbst bemitleiden tut gut und brauchst Du auch. Lass ein paar Tränchen fließen, aber konzentriere Dich weiterhin darauf Alternativen zu finden. Du schreibst für ihn die Bewerbungen? Dann gib nicht auf. Ich bin mir sicher, dass sich irgendwann etwas ergeben wird - unverhofft kommt oft!!! Vielleicht kannst Du auch mal bei der Agentur für Arbeit nachfragen, ob sie Vorschläge haben. Was macht er denn beruflich? Ich drücke Dir die Daumen, dass Ihr bald eine Lösung findet. Nicht aufgeben, dran bleiben!!!

Kommentar von LillyHameln ,

Ich bin ganz dankbar für deine verständnisvolle Antwort. Er ist Bauleiter, allerdings in einem sehr kleinen weltweiten Nischenbereich. Hat sich von ganz unten nach oben gearbeitet und ist entsprechend stolz darauf. 

Ich komme mir momentan so egoistisch vor, will ihn nicht noch zusätzlich mit meinem Kummer belasten. Freundinnen sind genervt, sagen mir oft, ich solle mich endlich hinten anstellen. Ich habe aber Angst, dass ich mich weiter im Verzicht übe und mir irgendwann die Puste ausgeht. In diesem schwarzen Loch, von dem du sprichst, sitze ich nämlich bereits. 

Ein weiterer Faktor ist das Kind. Mir fehlt einfach die Zeit OHNE die Kleine. Das darf man nicht falsch verstehen, aber morgen kommt er beispielsweise heim... Er landet 1,5 h von unserem Wohnort entfernt, um 23:30 Uhr, ich hole ihn ab, obwohl ich den nächsten Tag auch wieder um 7 arbeiten muss. Ursprünglich war ein Flug am Morgen geplant. Ich hatte mich übelst auf wenigstens einen freien gemeinsamen Abend gefreut, denn ab Montag haben wir schon wieder die ganze Woche das Mädchen damit auch die Mutter mal "frei" hat. Er ist dann 7 Tage da, dann vier Wochen weg. Minimum. Vier Wochen, in denen wieder nichts passiert und ich wieder jeden Abend heulend auf meiner Couch rumsitze. Ich bin so verzweifelt.

Es geht echt nicht gegen das Kind, aber ich habe jetzt das Gefühl, dass ich auch noch bei diesem Thema zurückstecken muss. Ich bin nicht die Mutter und kann kein "freies Wochenende" erwarten. Ich muss langsam schon lachen, wenn sich andere "Teilzeitstiefmütter" darüber beschweren, dass sie alle vierzehn Tage mal ein WE das Kind ihres Partners beherbergen. 

Mich regt auf, dass seine Expartnerin mit ihrem Neuen ständig in den Urlaub fliegen kann und die Kleine dann entweder bei uns oder bei seiner Mutter parkt. Obwohl sie im Übrigen kein Geld für solche Geschichten hat.

Es ist so verzwickt, dass ich echt sowas von massiv am Zweifeln bin. Obwohl es menschlich nicht besser sein könnte.

Kommentar von TerminatorCat ,

wo war das Kind bevor du da warst ? ich mein, wo hatte der vater das Kind betreut ?

Kommentar von LillyHameln ,

Das Kind lebt prinzipiell bei der Mutter, aber ist bei ihm, wenn er daheim ist. Egal ob mit mir oder ohne mich. 

Antwort
von LillyHameln, 68

Wir haben schon x Gespräche geführt, wie es weitergehen soll. Er will das mit der Montage nicht mehr länger machen. Wir suchen auch eine gemeinsame Wohnung. Aber das bleibt natürlich alles an mir hängen. Ich suche Wohnungen, gehe auf Besichtigungen, suche Stellenangebote. Das strapaziert mich noch mehr. Es ist einfach für nichts Zeit. :(

Vielen Dank schon mal für die Antworten.

Antwort
von Halbammi, 58

Am besten führst du ein sachliches Gespräch mit ihm ohne Vorwürfe und ihr arbeitet heraus, welche Wünsche und Ziele ihr beide habt und wie ihr sie verwirklichen könnt. Eine Montagetätigkeit ist hart, ich war selbst 2 Jahre im Aussendienst. Aber sie wird auch meist gut bezahlt. Ein geordneter Jobwechsel ohne hast wäre sicher dann eine Möglichkeit.

Alles Gute

Antwort
von RingelMatz, 16

Ich habe keine Idee, wie du dich verhalten solltest, denn so, wie du dich verhältst, ist das absolut okay. Dein Freund soll sich eine andere Stelle suchen, bei der er eine geregelte Arbeitszeit hat, auch wenn das finanzielle Einbußen bedeuten sollte. Wie lange will er das noch durchziehen? Bis zum Burnout?

So ist das für allle Beteiligten kein Leben. Niemand ist glücklich! Er, nur er kann und sollte das ändern.

Kommentar von TerminatorCat ,

Ist immer leicht gesagt. Sie schrieb doch, dass er seinen Job liebt. Es geht ihm dabei wohl weniger um das Geld. Einen vergleichbaren Job zu bekommen, kann ich mir sehr schwierig vorstellen...

Antwort
von MancheAntwort, 38

Du schreibst leider nicht, wie alt du bist,

aber meiner Meinung nach, "hängst" du dich wieder an den Falschen...

du brauchst jemanden, mit dem du ein ganz "normales" Leben führen kannst,

zudem der ganz alltägliche Ablauf eine große Rolle spielt... dazu gehören auch

die "banalen Dinge wie gemeinsames einkaufen, putzen, arbeiten, essen,

kuscheln, einschlafen und aufwachen....

.... und dazu passt keine Schichtarbeit und auch keine Montage....

vielleicht solltest du dich neu orientieren ....

Kommentar von LillyHameln ,

Ich bin 28.

Kommentar von MancheAntwort ,

okay, dann kann ich dich verstehen.... du brauchst/wünschst dir eine

Familie... deine Familie ! und das ist völlig normal

viele Grüße von der "anderen" Seite des Deisters...

Kommentar von LillyHameln ,

Ja, ich habe einen großen Familienwunsch. Zumal ich von allen irgendwie die Kinder "aufwachsen" sehe und nur "nebenan" stehe. Ich habe mich da jahrelang gefügt, Freundinnen statt in Restaurants eben auf Spielplätzen getroffen usw. Ich habe Angst, dass ich mich verrenne...

Grüße aus Hameln :)

Kommentar von TerminatorCat ,

es hängt von der montage ab. Ab und zu mal für paar tage / wochen weg, ist etwas anderes als permanent über wochen ohne aussicht auf Veränderung.

Wenn das zweite gilt, würde ich als Partnerin schon überlegen zu ihm zu ziehen

Antwort
von TerminatorCat, 73

Die Montage deines Freundes ist nicht wirklich das Problem sondern deine Grundeinstellung vom Leben und von der Liebe ( neidisch auf andere ). 

So lange du damit nicht im Reinen bist, wird die Situation der Montage, was ja wirklich nicht immer schön ist, an dich immer mehr nagen.

Kommentar von LillyHameln ,

Danke für die Antwort. Na ja - meine Einstellung zu Leben und Liebe ist aber doch irgendwie normal, oder? Ich möchte ja nicht mein Leben lang allein dahinvegetieren, sondern mir auch mal was aufbauen. Ich habe jahrelang den Verzicht geübt und konnte mich damit arrangieren. Das hatte natürlich seine Vorteile - beruflich und reisetechnisch. Und auch charakterlich bin ich "stärker" geworden. Nur ist es momentan so, dass ich das einfach nicht mehr möchte. Immer die Starke sein, immer die, die alles alleine stemmt. Natürlich bin ich neidisch, wenn scheinbar "alle anderen" das "spielend leicht" hinbekommen. Mir ist vollkommen klar - deswegen auch die Anführungszeichen - dass das oft Fassaden sind, die von außen recht schön aussehen. Nur denke ich, ich muss doch auch irgendwann mal eine "gute Zeit" haben, oder bin ich da auch wieder zu egoistisch?

Kommentar von TerminatorCat ,

Nein, egoistisch ist es nicht, aber man kann sein Glück auch nicht erzwingen. 

Ich habe auch Wünsche und Träume für die Zukunft. Die Jahre vergehen und ich bin immer noch keinen Schritt weiter. Aber ich akzeptiere es, da ich die Erfüllung als Geschenk sehe und nicht ein auf- Zwang -aufgebautes -Muss. 

Wenn es das Schicksal will, bleibe ich alleine, aber ich finde das Alleinesein nicht schlimm, auch wenn man sich einen Partner an der Seite sich wünschen würde, um genau diese Alltagssachen mit ihm zu teilen und erleben.

rede am Besten nochmal mit deinen Partner und schaut, wie ihr euch noch mehr unterstützen könnt bzw wie ihr die Zukunft seht. 

Einmal muss du dann noch die Starke sein, um euch in die Richtung zu lenken, aber wenn das dann gemeistert ist, könnt ihr euch zusammen zurücklehnen und das Leben und das familiensein endlich genießen. Sei geduldig :)

Kommentar von conelke ,

Ich denke nicht, dass es hier um boshaften Neid geht. Jede Frau - zumindest die meisten - haben eine Vorstellung davon, wie ihr Leben verlaufen sollte. Dazu gehört auch eine Familie zu gründen! Zeit spielt hier auch eine große Rolle. Eine junge Frau, die mit der Familienplanung noch Zeit hat, wird dies vermutlich anders beurteilen, als eine Frau, deren biologische Uhr tickt. Ich kann es durchaus nachvollziehen, dass man mit viel Frust auf die blickt, die bereits ihr Ziel erreicht haben, während man selbst nur graue Suppe vor sich sieht und keine Ahnung hat, wann man seine Wünsche und Ziele umsetzen kann. Diese Frauen sind nicht wirklich neidisch, sondern eher verzweifelt. Und doch...die Montage ist das Problem, da sich die Frau mit ihren Wünschen, Hoffnungen und Zielen alleine dort stehen sieht und keinen Partner an ihrer Seite hat, der sie wirklich unterstützen kann. Ich könnte mir vorstellen, dass alle Frauen, deren Partner auf Montage ist, ähnliche Gedanken haben und sich nichts sehnlicher wünschen, als einen geregelten Tagesablauf, wo man die Verpflichtungen, die der Alltag mit sich bringt, auf zwei verteilen kann.

Kommentar von TerminatorCat ,

@conelke

Das stimmt schon was du schreibst, aber sie wusste auf was sie sich einlässt. Sie kann nicht zuerst sagen, ja und dann, nach einer Weile es bedauern und den Mann zu Veränderungen drängen, wenn er es nicht selbst will. Verstehst ?! Ist jetzt auch nicht böse gemeint, aber man spricht sich doch mit dem Partner vorher ab, wie die Zukunft sein soll. 

Da ich, ebenfalls wie die FSerin, einen Mann an meiner Seite haben möchte, mit dem man den Alltag verbringt und bewältigt, würde ich daher nicht es ok finden, wenn er permanent auf Montage wäre. Wie geschrieben, hängt es auch von der Art der Montage ab. Dauerhafte wochenlange / monatlange Montagen wären für mich absolut nichts, da ich wüsste, dass ich ihn zu sehr vermissen würde, wobei tage oder wochenweise, ab und zu mal, auch für mich erträglich wären und auch noch einigermaßen ein normales Familienleben möglich wäre, was eben bei längeren Montage nicht möglich ist.

Schlussendlich muss es jedes Paar selbst entscheiden, aber wie ich schrieb, nicht zuerst ja sagen und dann anfangen alles zu hinterfragen. Nein, solche Überlegungen sollte man schon vor Beginn der Beziehung machen

Kommentar von LillyHameln ,

Danke für die Antworten. Ja - ganz ehrlich - ich bin langsam verzweifelt und ich kann eure beiden Ansichten verstehen. Nur ist es halt so, dass ich mich wahnsinnig schnell verliebt habe und mit der rosaroten Brille gesehen habe, wie es sein kann. Jetzt falle ich langsam und tief und sehe, wie die Realität ist. Zudem dränge ich ihn nicht. Er möchte das auch nicht mehr - schon allein wg dem Kind. Wenn man aber sowas Spezielles gelernt hat, wie er, ist es halt schwierig einen anderen Job zu finden. Ich wäre schon dankbar, wenn er zwei Wochen weg wäre und zwei Wochen hier. Man sucht sich einfach nicht aus, in wen man sich verliebt und wägt hier nicht immer ganz rational ab. Ich denke das ist in vielen Beziehungen die Schwierigkeit.

Ich bin glücklich mit ihm als Person, es sind die Umstände, die mich fertig machen.

Meinen Familienwunsch schleppe ich seit x Jahren mit mir herum und ich muss ehrlich sagen, dass ich mit jeder Freundin, die einen Schritt weiter in diese Richtung macht, mehr innerlich zerfressen bin ohne dabei die Freude für die betreffende Person zu verlieren. Aber ich will einfach nicht immer dabei zusehen, sondern quasi "mitmachen". Und ja, die biologische Uhr tickt. Laut und im Takt. Nur würde ich halt vorher auch noch gerne was mit ihm erleben. Mal einen Urlaub, mal eine Bergtour oder momentan auch nur ein einfaches Abendessen.

Kommentar von TerminatorCat ,

Klar, ich verstehe dich voll und ganz. Man kann es nicht verhindern, in wem man sich verliebt. Aber wie ich schrieb, würde ich eher die beste Alternative wählen und das wäre eben zu ihm zu ziehen. 1.) er könnte seinen Job weiterhin machen und 2.) du wärest in seiner Nähe. 

Das Kind könnte dann zu entsprechenden Zeiten von dir geholt oder von der Mutter gebracht werden.

Ist alles nur ein Beispiel....aber überlegt zusammen wie ihr es am Besten packen könntet. Ich würde definitiv auch nicht auf meinen Partner verzichten wollen, selbst wenn er so einen ungünstigen MontageJob hätte, aber ich würde alle Hebel in Bewegung setzen, dass es für niemanden nachteilig wird und man beginnen kann eine familie zu gründen :)

Wünsche dir viel Stärke dabei und schau wie du am besten in deiner Situation handeln kannst.

Kommentar von LillyHameln ,

Ich verstehe das mit dem "zu ihm ziehen" nicht. Wir wohnen in der gleichen Stadt und die Montage ist immer mal wo anders. Mal in Pakistan, mal in Norwegen, mal in Österreich, mal auf den Osterinseln oder sonst wo. Wenn er da ist, ziehe ich samt meines Hundes bei ihm ein. Wir sind nie bei mir, auch das wäre mal schön zur Abwechslung. 

Kommentar von TerminatorCat ,

Ach so. Ich dachte, er fährt nur in ein bestimmtes Land. Nee, dann ist es natürlich ungünstig. 

Und dass du für die Zeit immer oder ab und zu mit ihm mitkommst ? Problematisch sehe ich dann aber mit familiengründung. Dafür bräuchte man doch einen Hauptort und die Kinder wollen schließlich auch etwas von ihrem vater haben :/

Da bist du echt in einer komplizierten Lage. Da bleibt dir nur ein Weg...die Montage deines Partners zu akzeptieren und klar zu kommen, auch mit den eventuellen Nachteilen bei einer Familiengründung wie zB alleinige Aufgabenübernahme der Kinder, wenig Nähe und Zweisamkeit mit deinem Partner und auch dass die Kinder ihren vater zu selten sehen und dementsprechend eine ganz andere Verbindung zu ihm aufbauen könnten als wenn er jeden Tag da wäre. Du musst gucken, ob deine Liebe so stark ist, dass du es ein Leben lang aushalten würdest.

Wenn nicht, dann solltest du bald einen schlussstrich ziehen bevor es noch unerträglicher für dich wird.

PS: Ich selbst wüsste auch nicht wie ich mich in der Situation entscheiden würde, aber ich denke, ein Entgegenkommen von ihm, wenn die Beziehung ihm wichtig wäre, würde vielleicht einiges erleichtern ?

Kommentar von LillyHameln ,

Ja, er ist immer woanders... :D Jetzt habe ich verstanden, wie du das vorher gemeint hast.

Ich möchte mein eventuelles Kind nicht so aufwachsen sehen. Sehe ja jetzt schon wie es seiner Tochter ergeht, wenn sie sagt: "Nein, ich will nicht, dass Papa wieder geht." Und will auch für mich nicht so eine "Isolation" durch ein Kind für mich persönlich. Ich bin bereit zurückzustecken - logisch - aber ich würde kaputtgehen, wenn ich quasi "alleinerziehend" wäre, obwohl es einen entsprechenden Vater gibt. 

Und er WILL ja auch weg von diesem Job, nur erscheint es mir nahezu aussichtslos, dass wir was finden. Wir schreiben Bewerbungen und er ist auch gut qualifiziert, aber ich frage mich alleine schon, wann ein Bewerbungsgespräch überhaupt stattfinden soll, wenn er nie da ist und es vor allem auch nicht planbar ist, in welcher KW er frei bekommt. Seine Firma will ihn auch aufgrund des Personalmangels, auf keinen Fall in den Innendienst versetzen. Ich kann echt nicht mehr. Momentan kann ich mich nicht einmal mehr aufraffen, Freundinnen zu treffen oder sonst was zu tun. So zerfressen bin ich von dieser ganzen Situation.

Andererseits, wenn ich mich jetzt trenne, dann würde ich in noch ein tieferes Loch fallen. Genauso wie er. 

Um Zeit zu gewinnen, fand ich die Idee mit der Krankschreibung sehr gut, aber das will er halt nicht. :(

Kommentar von TerminatorCat ,

Euch bleibt nur die Entscheidung, entweder ein bißchen Familie zu haben und eben hoffen, dass alle damit doch irgendwie gut klarkommen oder auf Familie zu verzichten bis sich die Situation verändert.

Wenn du ein bißchen Familie haben möchtest, dann solltest du auch stark sein, es ein lebenlang durchzuziehen. Im besten falle gewöhnst du dich vollkommen daran und merkst die Nachteile dann gar nicht so doll, da du und eure Kinder per Skype oder Telefon jeden tag miteinander reden könntet :)

Wenn du es aber jetzt schon weiß, du hälst es nicht aus, dann würde ich keine Kinder in die Welt setzen, denn dann kämen noch unangenehmere Probleme auf euch allen zu.

Leider kollediert der Job zu sehr mit dem Wunsch eine  Familie zu sein. Da sind Nachteile vorprogrammiert. Ihr müsst bloß sehen, ob sie für euch ertragbar wären. Diese Entscheidung kann ich dir leider nicht abnehmen.

Ich wäre auch zu zerrießen :( Ich mag es zwar nicht so lange getrennt zu sein und unsere Kinder womöglich dann auch nicht, aber andererseits, hätte man wenigstens Etwas von ihm mit der Aussicht, dass es nur noch besser werden kann :)

Besser ist es natürlich nie in so einer Lage zu kommen, sondern einen Partner zu finden, wo es reibungslos mit dem gemeinsamen Wunsch nach Familie klappt...


Kommentar von conelke ,

Deine Ängste "alleinerziehend" zu sein, möchte ich Dir gerne ein bisschen nehmen. Es gibt soooo viele Frauen, die Beruf und Kinder unter einen Hut bringen und doch leiden die Kinder nicht. Es gibt heute so viele Möglichkeiten, die Kinder während der Arbeit wohl behütet unterzubringen, falls Du trotz Kind arbeiten gehen möchtest oder musst. Solltet Ihr also ein Kind zusammen haben, wird natürlich die erzieherische Seite weitestgehend über Dich laufen. Das ist richtig, aber es ist auch eine Herausforderung, die sich lohnt. Kinder sind kein Ballast, sondern sind das Schönste, was man sich vorstellen kann. Klar, man muss sich, wenn sie noch klein sind, in Verzicht üben, aber wennn ich ehrlich bin, hat mir das nie etwas ausgemacht, sondern ich tat es gerne. Außerdem sind Kinder sehr anpassungsfähig. Das, was Du mit der Kleinen Deines Freundes miterlebst (den Trennungsschmerz), ist ganz natürlich, aber es wird mit der Zeit auch zur Gewohnheit, da die Kinder verstehen lernen, dass es nicht anders geht. So versucht der Vater, wenigstens die Zeit, die er hat, mit seinem Kind intensiv zu verbringen. Manchmal verhelfen einem auch andere Umstände dazu, dass sich etwas verändert. Ich will Dich weiß Gott nicht, dazu überreden schwanger zu werden, ich will Dir nur sagen, dass Du es auch trotz der Situation in den Griff kriegen würdest, da Du eine Person zu sein scheinst, die wohl überlegt und kopfmäßig handelt. Wenn Ihr ein Paar seid, zwischen dem alles in Ordnung ist, bis auf die berufliche Situation, ist das schon mal sehr gut. Das mit der Arbeit kann sich schneller ändern als man denkt. Warte mit der Familiengründung also nicht auf den Tag X, sondern lass es auf Dich zukommen, wenn Du mit Deinem Freund zusammen bleiben willst und er sich auch Kinder mit Dir vorstellen kann. Es wäre schade, wenn Dich Deine Einstellung, wie Kinder in der Regel aufzuwachsen haben, davon abhalten würde. Ein Kind braucht Liebe und Geborgenheit, finanzielle Sicherheit und sonst eigentlich nicht viel mehr. Das wirst Du doch wohl zu geben haben. Oder? ;-)

Kommentar von conelke ,

Ich kenne dieses Gefühl, wenn man sich von Herzen Kinder wünscht, eine Familie gründen will und sich dieser Wunsch nicht erfüllen will. Ich habe erst sehr spät - nach einer Beziehung, die nach vielen Jahren in die Brüche ging - einen Partner kennengelernt, mit dem ich dann ein Kind zusammen bekommen habe. Alle meine Freundinnen um mich herum waren bereits verheiratet, hatten ein Kind und sogar schon ein zweites. Ich habe es ihnen von Herzen gegönnt, aber es war immer Wehmut dabei, weil es bei mir nicht in Aussicht stand. Aus diesem Grund kann ich seeeeeeehr gut nachvollziehen, was in Dir vorgeht.

Kommentar von conelke ,

Du hast auch recht - gar keine Frage. Nur ist es meistens so, dass wenn man jemanden kennenlernt und sich verliebt hat, dass man der Realität nicht so wirklich ins Auge gucken möchte. Das mag naiv sein und vielleicht sagt man sich auch, dass kriege ich schon irgendwie hin, aber wenn man dann über Monate vielleicht sogar Jahre in dieser Situation steckt, kann einen das schon fertig machen, egal wie hoch die Vorsätze waren. Es mag Frauen geben, die das so hinnehmen und auch alleine klar kommen - ohne den Partner an ihrer Seite - aber zusammen ist es natürlich schöner. Auch das die Kleine in der gemeisamen Zeit ständig da ist, ist völlig natürlich und verständlich, dass Kind hat oder sollte u. a. in Patchwork-Beziehungen immer höchste Priorität haben, aber für den kinderlosen Partner ist das schwer zu verdauen. So viel Verständnis man auch aufbringen mag, es tut einfach weh. Ich kann das schon sehr gut nachvollziehen und es tut mir leid für Lillyhameln, dass es so kommen musste. Oft reicht die Vernunft nicht - eine solche Beziehung erst gar nicht einzugehen, da man schlussendlich gar nicht wirklich weiß, was da auf einen zukommt.

Kommentar von LillyHameln ,

Liebe conelke, deine Worte machen echt meinen Tag. Ich bin dir ganz dankbar. Natürlich hat der Kleine auch für mich mit die höchste Priorität. Ich kann sehr, sehr gut mit Kindern und gäbe es zumindest eine Regelung, wäre es für mich definitiv kein Problem. Viele Freundinnen können das gar nicht nachvollziehen, auch meine Mutter war zu Beginn sehr entsetzt darüber, dass ich mich auf einen Vater eingelassen haben. So richtig ist die Kleine also nicht das Thema, vielmehr ärgert mich dabei, dass ihre Mutter, die ihren Partner immer da hat, sich gerne Freizeit mit diesem gönnt während wir uns einen abkämpfen und null Zeit "alleine" haben. Noch dazu ist es nun mal nicht mein Kind, ich versuche ihr eher Freundin zu sein als Ersatzmutter. Es fehlt einfach die Zeit des wirklichen Paarseins. Die meisten lernen sich ja auch erstmal in Ruhe kennen, erleben etwas gemeinsam und bekommen dann Kinder. 

Ich bin dir aber sehr dankbar für deine aufbauenden Worte. 

So sehr ein Kind seit Jahren mein Wunsch ist, schüchtert mich das natürlich ein. Viele meiner Bekannten jammern permanent rum wie schlimm das Leben mit Kind wohl ist und das obwohl sie zu zweit sind, sich mal mit Freundinnen treffen können und oft auch noch Eltern haben, die die Kleinen teils ganze Wochenenden lang nehmen (was ich auch nicht haben würde). Einerseits versetzen mich solche Aussagen wie in eine Art Schockstarre, andererseits gibt es mir auch jedes Mal einen Stich, weil viele auf mich einen unzufriedenen Eindruck machen. Sie fühlen sich dann nicht mehr als Frau, "nur noch" als Mutter usw.

Du hast gut erkannt - ich bin der volle Kopfmensch und mache nichts ohne alles bis in Kleinste zu analysieren.

Kommentar von conelke ,

Ehrlich gesagt kann ich das nicht nachvollziehen, was Deine Bekannten/Freundinnen da in Punkto Kinder so vom Stapel lassen...Nur weil man Kinder hat, ist es doch nicht so, dass man nicht mehr am Leben teilhaben kann. Es wird anders, dass ist ganz klar, aber die "Entbehrungen", die man hinnimmt, sind ja nicht auf Dauer, die Kinder werden auch größer und selbstständiger und es kommt ja auch immer auf einen selbst an, was man daraus macht. Man ist nie einfach nur Mutter, jedenfalls muss man das nicht sein, wenn man dies nicht möchte. Ich hatte auch niemanden oder wir hatten niemanden, der mal schnell kommen konnte, um unsere Tochter zu betreuen, wir haben später einen Babysitter genommen, der uns hin und wieder ein paar freie Stunden bescherte und das war völlig in Ordnung so. Jeder Mensch ist anders, empfindet anders und regelt bestimmte Dinge anders. Ich hätte wegen des Getratsches anderer niemals auf das Erlebnis selbst Mutter sein zu dürfen, verzichten mögen. Verstehe mich nicht falsch, ich bin keine Helikopter-Mutter, aber ich einfach gerne Mutter, weil ich Kinder als Bereicherung sehe und nicht als Menschen, die einem die Zeit klauen oder mein Leben auf den Kopf stellen. Das ist auch eine Einstellungssache und vielleicht auch ein bisschen, wie man sich selbst im Alltag organisiert oder organiseren kann. Es mag genügend Mütter geben, die sich schnell überfordert sehen, aber meistens stellt man das erst fest, wenn man in der Situation ist. Ich kenne Dich natürlich nicht, aber wenn Du ein durchstrukturierter Mensch bist, dann schaffst Du es auch mit einem Kind umzugehen.

Wie die Mutter der Kleinen das handhabt ist für sie natürlich sehr bequem und es ist natürlich ihr gutes Recht zu versuchen, es in der Form durchzusetzen. Viel Widerstand bekommt sie nicht, da der Vater vermutlich froh ist, die Kleine überhaupt sehen zu dürfen. Ärgere Dich nicht zu sehr, es hilft ja leider nicht.

Kommentar von TerminatorCat ,

...aber wenn Du ein durchstrukturierter Mensch bist, dann schaffst Du es auch mit einem Kind umzugehen.

Das ist auch eine Einstellungssache und vielleicht auch ein bisschen, wie man sich selbst im Alltag organisiert oder organiseren kann. 

Genau. Mit Organisation, Gelassenheit und Liebe gegenüber dem Kind, ist die arbeit halb so schwer :)

Wenn man hetzt, stresst und überfordert ist, überträgt es sich auf das Kind, was dann noch quenglicher werden kann...



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