Mein Freund hat mir vor einigen Monaten einen Heiratsantrag gemacht, und ich habe auch keine Sekunde gezögert, ich liebe ihn über alles. Er ist wirklich ein Traummann, und ich weiß, er wird ein unglaublich guter Ehemann und Vater sein.

Der Antrag allerdings geht mir nicht aus dem Kopf...

Als wir mal über Ehe und Hochzeit usw. gesprochen haben, hat er gesagt, dass er auf jeden Fall meine Eltern "fragen" würde, nicht um Erlaubnis, aber weil es sich gehört ihnen vorher Bescheid zu geben und darüber zu sprechen, und er sich trotzdem freuen wird ihren "Segen" zu bekommen.

Ich bin eine Person, der materielle Dinge nicht wichtig sind. Die wertvollsten Geschenke, die ich bekommen habe sind die, die kaum materiellen Wert haben, aber die schenkende Person sehr viele Gedanken, Zeit und Liebe zum Detail reingesteckt hat. Entsprechend stecke ich auch immer viel Zeit und Liebe in meine Geschenke.

Mein Freund hat einen wunderschönen Ring ausgesucht, der perfekt zu mir passt, und das habe ich sehr geschätzt.

Allerdings war ich vom Antrag etwas enttäuscht, und es schmerzt mich richtig das so schwarz auf weiß zu schreiben.

Wir waren auf einem Wochenendtrip in einer anderen Stadt, um eine seiner Lieblingsbands zu sehen. Er hat den Antrag nach dem Konzert im AirBnB gemacht. Als "besonderer Gedanke" hat er eine Flasche Wein aus unserem letzten Urlaub mitgenommen. Wir waren im privaten was mir auch total wichtig war, dass es nicht irgendwo im komplett öffentlichen Raum passiert.

Ich fühle mich total undankbar, aber irgendwie geht es mir nicht aus dem Kopf. Er kennt mich eigentlich sehr gut, daher war ich etwas traurig, dass er das nicht besser einschätzen konnte.

Er hat weder mit meinen Eltern, noch meiner besten Freundin gesprochen, und das hat mich schon etwas traurig gemacht. Er war total stolz darauf, dass er den "richtigen" Ring gefunden hat (was auch stimmt). Er hat monatelang gesucht. Ich hätte auch mit einem Ring aus dem Kaugummi-Automaten ja gesagt, aber irgendwie dafür, dass es ja ein sehr geplanter Antrag war (und wir auch eigentlich überhaupt keinen Zeitstress hatten), war ich am Ende doch enttäuscht, dass er sich nicht etwas besonderes ausgedacht hat. Ich hab mich nicht mal richtig hergerichtet, ich hab dann schnell im Bad noch meine Nägel lackiert, damit ich ein schönes Foto machen konnte.

Ich könnte ihm niemals sagen, dass ich vom Antrag enttäuscht war. Er wäre komplett zerstört, und es würde auch nichts bringen außer, dass es den Antrag für ihn für immet ruiniert. Für ihn war es so ein besonderer Moment, und das soll es ja auch sein, der Antrag ist nicht ausschließlich für die Frau da, aber die Frau hat zumindest in den meisten Fällen auch keinen Einfluss auf die Planung.

Ich fühle mich total schlecht, dass ich diese Gedanken überhaupt habe, und ich dachte, ach, diese Gefühle vergehen. Aber auch Monate später merke ich, dass sie noch da sind.

Was denkt ihr darüber? Was kann ich tun, um diese Enttäuschung loszuwerden. Es ihm erzählen ist keine Option.