Hi Jenny,
Ich sitze Grade im Auto und bin genauso verzweifelt wie du. Hab mir Grade Gedanken über meinen Vater gemacht weil man sich als Kind in so einer Situation ganz schrecklich und wertlos fühlt. Es sind die Kleinigkeiten die mich mit fast 23 Jahren immernoch in jeglichen Lebenslagen beeinträchtigen.
Ich gehe davon aus dass sich diese akute Situation schon lange wieder beruhigt hat, aber nachdem ich selbst weiss dass das nur die Ruhe vor dem Sturm ist, würde ich dir gerne eine ehrlichen Rat geben.
Auch wenn ich bis heute an diesem Verhältnis zu knabbern habe, war das einzige was mir geholfen hat, ein eigenes Leben aufzubauen mit einem Partner der mich gestärkt hat.
Ich habe meinen Papa immer als Superhelden gesehen auch wenn ich ihn für die Schreie,Schläge, Erniedrigungen, Bloßstellungen, etc gehasst habe. Ich dachte immer mein Papa kann alles, weiss alles und alles was er tut ist richtig.
Und das habe ich auch gedacht wenn ich Ärger gekriegt habe oder es Streit gab und er mich schlecht behandelt hat. Ich dachte ich hab das verdient. Das ganze ist irgendwann in einem Borderline Typus ausgeartet + Selbstmordversuch am Geburtstag meines Vaters. Am selben Abend bin ich nach Wiesloch in die psychosomtische Klinik gekommen.
War die schlimmste Zeit meines Lebens und meine Eltern haben mich nicht wirklich unterstützt. Aber dort fingen die Therapheuten an mir zu sagen was falsch läuft. Dass ich mir nicht die Schuld an allem geben darf. Dass ich nicht die Probleme meiner Eltern lösen kann. Dass es nicht in Ordnung war das man mich geschlagen hat. Etc.
Sämtliche Familiengespräche sind natürlich maßlos eskaliert weil sich mein Vater nichts sagen lässt. Aber es hat auch noch eine Weile gedauert bis sich wirklich was verändert hat. Ich bin knapp 70 km weit weg gezogen zu meinem Freund. Er hat mir viel geholfen und mir die Augen geöffnet.
Das mein Vater eben kein Held ist, und er auch Mal Mist quatscht und im Unrecht ist und Leichen im Keller hat. Seit diesem Zeitpunkt lasse ich mir nichts mehr gefallen.. ich berücksichtige dass mein Vater nur ein Mensch ist. Aber sobald er mir zu schaden droht, lege ich den Stop ein!
Ich nehme mir raus auch Mal genauso frech und unverschämt zu sein und spiegele sein Verhalten in gewissen Situationen damit er mit sich selbst konfrontiert wird. Nachdem ich ihm bei ein Versuch mich wieder zu schlagen damit gedroht habe dass ich so zurückschlagen werde dass er nicht mehr aufsteht oder die Polizei rufe, hat er mich nicht mehr angefasst. Ich habe damals sogar ein Päckchen nach ihm geworfen was ihn natürlich fuchsteufelswild gemacht aber auch geschockt hat. Mit so einer Reaktion hat er nicht gerechnet und das war das einzige was wirkte.
Ich habe noch einen langen Weg vor mir um mich selbst zu akzeptieren und zu mögen, aber ich bin stärker geworden, habe keine Angst mehr vor Männern!
Arbeite sogar als Mechatronikerin mit Männern auf der Baustelle. Und ich kann mich durchsetzen ...
Bei meinem Vater bin ich bis heute noch wie ein kleines Kind. Und ich habe immernoch Angst vor ihm. Aber du DARFST KEINE ANGST ZEIGEN! niemals !
Ich glaube an dich und wünsche dir für die Zukunft alles Liebe!