Frage von MatzeFreeSki, 73

Wieso fürhrt der Exportüberschuss in Deutschland nicht zu einer Inflation?

Deutschland ist eine Exportnation. Die Geldmenge steigt die Warenmenge sinkt! Wieso führt das im Moment zu keiner Inflation? Wird das Geld einfach nur gespart? Wenn ja wieso bei den aktuellen Zinssätzen (aktueller Leitzins = 0%)

Vielen Dank! Lerne gerade für meine Abiturprüfung und bin da drüber gestolpert.

Antwort
von mehrDemokratie, 32

"Wer den ganzen Tag arbeitet, hat keine Zeit Geld zu verdienen."

John D.Rockefeller

Natürlich haben wir eine Inflation, eine gigantische Inflation, nur haben die Götter des Geldes es verstanden, daß diese gigantischen  Geldmengen nicht beim kleinen Mann ankommen dürfen, sondern sofort in das weltweite Finanzkassino fließen müssen. Die Geldmenge M0 ist Geld, das die Zentralbank per Kredit in Umlauf bringt. Die Geldmenge M0, also Zentralbankgeld erhalten die Geschäftsbanken per Kredit von der EZB, zu hisorischen Niedrigzinsen. Die Geldmengen M1 bis M3 werden von den Geschäftsbanken per Kredit in Umlauf gebracht, wobei die Geldmenge M3 die gesamte sich in Umlauf befindliche Geldmenge angibt. Die Geldmenge M0 ist die Geldbasis der Geschäftsbanken, auf deren Basis sie Kredite vergeben können, also die Mindestreserve der Banken.

Auch durch passive Geldschöpfung erschaffen die Geschäftsbanken Giralgeld. Wenn z.B. eine Geschäftsbank ein äußerst profitables Unternehmen kaufen möchte, braucht sie nur mit selbst geschaffenem Buchgeld zu bezahlen.
Also während sich das unwissende Volk Gedanken um eine Verbraucherpreisinflation macht, schaffen sich die Banken Giralgeld und privatisieren so die Welt.

Antwort
von Dichter1Denker, 25

Durch die Export-Überschüsse entstehen fiktive Erhöhungen der Geldmenge in einem Land. Doch eine Erhöung der Geldmenge führt allein noch nicht zur Inflation. Dies gilt nämlich nur dann, wenn sich das zusätzliche Geld auf alle Aktuere einer Volkswirtschaft gleichmäßig verteilt. Was in Deutschland jedoch nicht der Fall ist, da die Geldeinführung durch unsere Export-Überschüsse nur bei den deutschen Export-Kapitalisten landen.

Wir haben uns den Ruf als Überschuss-Weltmeister auch nur deshalb erarbeiten können, weil wir in Deutschland extremes Lohnpumping betrieben haben. In unserem Land sind die realen Arbeitseinkommen trotz Prodüktivitätsfortschrittes gesunken. Und Inflation entsteht in erster Linie durch steigende Löhne. Und nicht durch Erhöhung der Geldmenge.

Diese Theorie, welche im Allgemeinen als Monetarismus bekannt ist, gilt mittlerweile als empirisch widerlegt und wird heute nur noch innerhlab der deutschsprachigen Wirtschaftswissenschaft gelehrt. Denn nur über Lohnerhöung verteilt sich die Erhöhung der Geldmenge gleichmäßig, so dass Inflation entstehen kann.

Nebenbei bemerkt, ist diese Erhöhung der Geldmenge rein fiktiv, da unsere Export-Überschusse dann in Form von Schulden an die Südeuropäer zurück geflossen sind und wir dadurch die Euro-Zone und am Ende auch uns selbst in den Abgrund treiben.

Daher würde ich dir unbedingt die Vorträge von Heiner Flassbeck empfehlen:


Und hier noch ein paar zusätzlich Infos:

Kommentar von mehrDemokratie ,

Jetzt wird auch klar, warum die deutsche Bevölkerung überaltert und die Franzosen es sich leisten können Kinder zu haben. Danke für die Vids, die sind wirklich sehenswert und informativ.

Antwort
von soissesPDF, 16

Inflation = Geldentwertung

Also wie jetzt?
Die Verschuldung (Staaten/Banken/Unternehmen/Verbraucher) im Euroraum beträgt 448% gegenüber der Jahreswirtschaftsliestung (die von Deutschland beträgt 228%).

Gleich was produziert oder erwirtschaftet wird ist bereits verfrühstückt, es verschwindet alles in diesem Schwarzen Loch.

Deflation = Geldaufwertung

Hätten wir diese könnten Schulden getilgt werden, das schöne viele Geld würde in eben dieses Schwarze Loch geworfen werden.

Nun haben wir das eine nicht, die Inflation und das andere nicht, die Deflation, aber ein hübsches schwarzes Loch.
Wir stehen vor der Wahl Pest oder Cholera?


Antwort
von FrageSchlumpf, 17

Du bist schon auf dem richtigen Dampfer, es liegt an der Ersparnis.

Und Du lernst so auch, dass nicht die "blinde" Geldmenge entscheidend ist ( die steigt durch Ersparnis eben auch ) , sondern die "monetäre Gesamtnachfrage".

Export stellt zwar eine zusätzliche, ausländische, monetäre Nachfrage dar, aber so lange dem die Ersparnis gegenübersteht, gibt es keine Inflation. Die Gesetze der Leitungsbilanz sorgen, im Zusammenhang mit den Wechselkursen dafür, dass sich Export und Ersparnis schon immer mittelfristig ausgleichen.

Kommentar von mehrDemokratie ,

Während sich in 40 Jahren die Geldmenge vervierzigfacht und sich die Warenmenge nur vervierfacht hat. Was ist dann wohl werthaltiger ein Beutel voll Geld oder ein Beutel voll Gold?

@ FrageSchlumpf: Hoffentlich bist Du noch jung genug um eine riesiege Summe "wertvolles" Papiergeld anzusparen und zuzusehen, wie es an Wert verliert.

Antwort
von neuerprimat, 36

Die Geldmenge im Umlauf steigt eben nicht. Weil alle sparen und Moneten kratzen, kaum einer will Kredite haben. Weil wir müssen ja alle selber für unser Alter sorgen, nicht wahr?

Daher sinken die Kreditzinsen. Wodurch sich aber die Erträge auf das Gesparte verringern ...

Wenn niemand dein Geld leihen will, dann kann es auch nicht für dich arbeiten gehen :D.

Aber gut. Das hatte man von vielen warnenden Stimmen schon ganz zu Anfang der Riesterei gehört: Eine soziale, eine funktionierende!, Altersvorsorge kann und darf nicht Kapitalgesichert sein, denn sonst ... man sieht ja gerade wie sie alle weinen ...

Und nun mal ohne Polemik:

Keiner will Kredite aufnehmen, wenn er keine Idee hat wozu er das Geld braucht.

Auch wenn der Zins bei 0% liegt. Wozu auch, wenn alle derzeit viel Geld auf dem Konto gehortet haben, dann leiht man sich halt nix. Es sind ja nicht nur die Zinsen, die Kredite unattraktiv machen können. Es können auch Zahlungsmodalitäten sein.

Kommentar von MatzeFreeSki ,

Danke erstmal!
Was genau sin Zahlungsmodalitäten?
Und was meinst du mit ,,Es können auch Zahlungsmodalitäten sein"?

Kommentar von neuerprimat ,

Damit meint man die Bedingungen, zu denen du das Geld zurückzahlen sollst. Als das "wie", wieviel Zins und in welchen Schritten, ob in Euro oder Jungfrauen ...

Die Bank kann z.B. sagen, dass sie verlangt, dass du jeden Monat 500 € bezahlst, bis dein Kredit abbezahlt ist. Und Bank kann auch sagen, dass sie die Kreditzinsen dem Leitzins folgen lassen können.

Die Bank muss ihr Geld ja auch woher bekommen und das hat sie zum Teil von Sparern, zum anderen Teil leiht sie es sich selber von der Zentralbank.

Die Zentralbankt legt den Leitzins fest und zwar so wie es die Politik gerne hätte.

Wenn also der Leitzins steigt, dann muss die Bank auf das geliehene Geld mehr Zinsen zahlen. Das gibt sie aber anteilig an ihre Kreditnehmer weiter (darf sie, steht ja so im Vertrag).

Also. Wenn ich mir heute zu 0% 1 Mio Euro leihen würde und jeden Monat 500€ zurückzahlen würde wäre das ganz klasse für mich, da ich das Geld ja JETZT habe und aber erst wenn in XY Jahren die letzte Rate zahlen müsste.

Das wäre super, denn dann wäre das Geld ja weniger wert wegen der Inflation und ich hätt' durch das Geldleihen effektive Geld verdient.

ABER was mache ich, wenn der Leitzins in der Zeit steigt und die Bank daher anfängt von mir ihre Fantasie-Zinsen zu verlange?? EBEN.

Auf einmal verliere ich effektiv Geld durch das Kreditgeschäfft und kann nichts dagegen tun, da ich ja nur jeden Monat 500€ zurückgeben darf.

Und das werde ich nicht machen, solange ich selber ja Geld auf dem Konto habe, nehm' ich lieber dieses.

Kommentar von MatzeFreeSki ,

Wenn eine Bank sich zu 0% auf ein Jahr bei der EZB 10MIio€ leihen würde und die EZB den Leitzins nach einem halben Jahr auf 1 % erhöht (Sehr unwarscheinlich aber gut), muss die Bank dann für das 2. halb jahr zinsen zahlen?
Ich glaube kaum...
Die Bank kann doch nicht die Bedigungen nach Verkauf des Geldes ändern?

Danke soweit schonmal!

Kommentar von neuerprimat ,

Doch das kann sie! Das ist ja auch eine der kleinen Schweinereien!

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